|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
William Somerset Maugham [ËsÊmÉsÉȘt mÉËm] (* 25. Januar 1874 in Paris; â 16. Dezember 1965 in Saint-Jean-Cap-Ferrat bei Nizza), auch bekannt als W. Somerset Maugham, war ein englischer Dramatiker, Schriftsteller, Arzt und Geheimagent.
William Somerset Maugham errang mit seinem Erstlingswerk Liza of Lambeth, veröffentlicht 1897, frĂŒhen literarischen Erfolg â und löste einen Skandal aus. In dem Roman verarbeitete Maugham Erfahrungen, die er als angehender Arzt in den Armenvierteln Londons gemacht hatte. Das BĂŒrgertum sah es als unpassend an, die Welt der Arbeiter derart naturalistisch darzustellen.
Auf das Buch folgten Jahre der Selbstbestimmung als Autor. Seine âStimmeâ entdeckte Maugham zuerst mit TheaterstĂŒcken, wie The Circle, Our Betters und The Constant Wife. Im frĂŒhen 20. Jahrhundert wurden gleichzeitig vier TheaterstĂŒcke von ihm in London aufgefĂŒhrt. Seine ProduktivitĂ€t war erstaunlich: in der Regel brauchte er nur eine Woche, jeden Aufzug zu schreiben, und eine Woche, das Ganze zu revidieren.
Als Maughams bedeutendste Arbeit wird meist der Roman Der Menschen Hörigkeit (original: Of Human Bondage) angesehen, eine autobiographische Geschichte, deren Held, Philip Carey, wie Maugham als Waise bei seinem frömmlerischen Onkel aufwÀchst und durch einen Klumpfuà (Maugham selbst stotterte) gehandicapt ist.
Inhaltsverzeichnis |
Maugham war der Sohn eines englischen Anwalts, der in Paris fĂŒr britische Klienten tĂ€tig war. Seine Eltern starben, als er noch Kind war, und so verbrachte er seine Jugend unter der Aufsicht eines frömmlerischen Onkels und in Internaten. Er litt unter Stottern. An der UniversitĂ€t Heidelberg studierte er Deutsch, Literatur und Philosophie, spĂ€ter in London Medizin. Trotz seines Dranges zur Literatur legte Maugham im Jahre 1898 â vor allem unter dem Druck seines Onkels â das medizinische Examen zum Arzt ab.
Eine Erkrankung an Lungentuberkulose kurierte er im milden Klima SĂŒdfrankreichs. Nach seiner Erholung zog er nach Paris. 1907 gelang William Somerset Maugham mit dem TheaterstĂŒck Lady Frederick der erste groĂe öffentliche Erfolg.
WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges diente Maugham beim englischen Geheimdienst MI6, fĂŒr den er zunĂ€chst in Italien, der Schweiz und in den USA tĂ€tig war. Von dort wurde er 1917 nach Russland beordert, wo die Briten die provisorische Regierung von Alexander Kerenski an der Macht zu halten versuchten, damit Russland im Krieg gegen die MittelmĂ€chte bleiben wĂŒrde. In dieser Zeit war Maugham zugleich Informant des amerikanischen Geheimdienstes. Obwohl Somerset Maugham wĂ€hrend seines gesamten Aufenthalts unter Spionageverdacht stand, lieĂ man ihn â offenbar mit RĂŒcksicht auf seinen internationalen Bekanntheitsgrad â gewĂ€hren. Auf diese Art lernte Somerset Maugham bis zur Oktoberrevolution fĂŒhrende russische Politiker kennen und verfasste eine groĂe Zahl wertvoller Berichte. Im Winter 1917 kehrte er nach GroĂbritannien zurĂŒck.
Seine Erfahrungen inspirierten ihn zu Ashenden: Or, the British Agent (1928), und er beeinflusste damit mehrere spĂ€tere Schriftsteller wie Graham Greene, Eric Ambler, Ian Fleming und John le CarrĂ©. Fleming bewunderte Maugham sehr, denn er betrachtete ihn und sich selbst als âdie einzigen heutigen Schriftsteller, die ĂŒber solche Dinge schreiben, die die Leute wirklich genieĂen: Kartenspiel, Geld, Gold, und so weiterâ. Wie Greene reiste Maugham gerne, und diese Leidenschaft zeigte sich auch in vielen seiner Romane. Seine Reisen in die SĂŒdsee und nach Fernost fanden Niederschlag in Kurzgeschichten, die Maugham gesammelt ab 1921 veröffentlichte. In Ihnen finden sich packende und authentische PortrĂ€ts des âEnglishman Abroadâ, Kolonialfiguren, wie sie bereits Conrads Werke bevölkerten, und die Maugham mit skeptisch-distanziertem Blick meisterhaft zu schildern verstand.
1917 heiratete er in New Jersey seine Geliebte, Maud Gwendolen Syrie Barnardo, die geschiedene Frau des Pharma-Unternehmers Henry Wellcome. William und Syrie Maugham hatten eine Tochter, Elizabeth (1915â1998). Die Ehe wurde 1928 wieder geschieden, nach heftigen Wirrnissen, die durch Maughams homosexuelle Neigungen weiter kompliziert wurden. In den folgenden dreiĂig Jahren stritten sie sich wegen Geld und der Erziehung ihrer Tochter. SpĂ€ter in seinem Leben gestand Maugham ein: âIch war ein Viertel 'normal' und drei Viertel schwul. Aber ich versuchte mich selbst zu ĂŒberzeugen, dass es umgekehrt war. Das war mein gröĂter Fehlerâ. Maughams wirklicher Partner war sein SekretĂ€r, der Amerikaner Gerald Haxton, dessen Persönlichkeit zu der schĂŒchternen Maughams entgegengesetzt war. Haxton hatte einen schlechten Ruf; er soll ein LĂŒgner, Schwindler, Trunkenbold und sogar ZuhĂ€lter gewesen sein.
Nach der Scheidung zog es Maugham an die CĂŽte d'Azur. Er kaufte eine groĂe Villa, die Villa Mauresque, die frĂŒher dem belgischen König Leopold II. gehört hatte. Mit Maughams hervorragender Kunstsammlung ausgestattet, wurde dieses Haus sehr berĂŒhmt. Er plante seine Karriere sorgfĂ€ltig und nĂŒchtern. 1933 gab er es auf, TheaterstĂŒcke zu schreiben, denn er glaubte, mit 50 Jahren wĂ€re er schon zu alt, mit den stetig wechselnden Trends der Theaterwelt Schritt zu halten. 1947 stiftete er den Somerset Maugham Award, einen Literaturpreis, den bis heute der beste Autor unter 35 fĂŒr ein belletristisches Werk erhĂ€lt, das er im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Seinen letzten Roman (âCatalinaâ) verfasste er 1948; elf Jahre spĂ€ter hörte er mit dem Schreiben vollkommen auf.
Seine BĂŒcher waren extrem erfolgreich; man schĂ€tzt, dass Maugham schon vor seinem Tod mehr als 10 Millionen Exemplare verkauft hatte. Trotzdem gelang ihm nicht, wonach er strebte: als ein brillanter Autor zu gelten. FĂŒr ihn stand Joseph Conrad an der Spitze, und dieses Niveau hat Maugham, zumindest nach eigenem Bekunden, nicht erreichen können. Er sah sich als âin the very first row of second class writersâ (dt.: âin der vordersten Reihe zweitklassiger Schriftstellerâ), eine SelbsteinschĂ€tzung, die vielleicht auch seiner skeptischen Grundhaltung zuzuschreiben ist. Die meisten Kritiker meinen, Maugham habe im Grunde genommen âzu vielâ gesagt; nichts sei ĂŒbriggeblieben, was der Leser selbst folgern mĂŒsse. Manche behaupten auch, Maughams Werke seien zu zynisch und distanziert. DarĂŒber hinaus hĂ€lt man seinen ĂŒbertriebenen Realismus fĂŒr einen Stilmangel. Unbestritten ist, dass Maugham neben seiner FĂ€higkeit zur Beobachtung eine auch unter Schriftstellern nicht allzu hĂ€ufig verbreitete Gabe besaĂ: Er hatte einen untrĂŒglichen Instinkt fĂŒr Geschichten und dafĂŒr, wie man sie zu erzĂ€hlen hat. Hiervon legen besonders seine zahlreichen Kurzgeschichten beredtes Zeugnis ab.
Somerset Maugham starb am 16. Dezember 1965 an Tuberkulose in seinem Haus in St.-Jean-Cap-Ferrat. Sein zweiter mĂ€nnlicher Partner, Alan Searle, ĂŒberlebte ihn und stritt mit Maughams Tochter um das Erbe. Maugham wurde nach seinem Tod eingeĂ€schert und seine Asche wurde bei King's School, Canterbury, beigesetzt.
formed by W.Somerset Maugham over the last fifty years, Day of Sale Thuesday 10 April 1962
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Maugham, William Somerset |
| KURZBESCHREIBUNG | englischer Dramatiker und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 25. Januar 1874 |
| GEBURTSORT | Paris |
| STERBEDATUM | 16. Dezember 1965 |
| STERBEORT | St.-Jean-Cap-Ferrat bei Nizza |