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Wahrsagen

Die Wahrsagerin. GemÀlde von Michail Alexandrowitsch Wrubel, Tretjakow-Galerie, Moskau (1895)

Als Wahrsagen oder Wahrsagung, abwertend Wahrsagerei, werden in der Kulturgeschichte, Religionswissenschaft, Ethnologie und Esoterik zahlreiche Praktiken und Methoden zusammengefasst, die dazu dienen sollen, zukĂŒnftige Ereignisse vorherzusagen. In der Fachliteratur sind die Bezeichnungen Mantik (von altgriechisch ΌαΜτÎčÎșÎź τέχΜη mantikᾗ tĂ©chnē „Kunst der Zukunftsdeutung“) und Divination (von lateinisch divinatio „Wahrsagung“, eigentlich „Erforschung des göttlichen Willens“) gebrĂ€uchlich. Unter Divination versteht man nicht nur EnthĂŒllung der Zukunft, sondern jede Auslegung von Zeichen der Götter.

Ob Wahrsager tatsĂ€chlich zukĂŒnftige Ereignisse vorhersagen können, ist seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Den Glauben daran rechnen Kirchen und Theologen dem Aberglauben zu. Zu den entschiedenen Gegnern des Wahrsagens zĂ€hlen die katholische Kirche, maßgebliche evangelische Theologen und Vertreter der Skeptikerbewegung. Von theologischer Seite wird argumentiert, Wahrsagen sei eine Anmaßung des Menschen gegenĂŒber Gott und daher mit dem christlichen Glauben unvereinbar. Vertreter der Skeptikerbewegung ĂŒberprĂŒfen Aussagen von Wahrsagern und behaupten, dass sich angebliche WahrsagefĂ€higkeiten bisher bei jeder Untersuchung als TĂ€uschung oder SelbsttĂ€uschung entpuppt hĂ€tten.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsbestimmung und Klassifikation

Iwan-Kupala-Tag, Wahrsagung ĂŒber die KrĂ€nze. ÖlgemĂ€lde von Semjon Leonidowitsch Koschin (2009)

Im Unterschied zu Prognostikern, die sich auf normale, fĂŒr jeden grundsĂ€tzlich einsichtige KausalzusammenhĂ€nge berufen, beanspruchen Wahrsager, ein den Unkundigen verborgenes Wissen ĂŒber okkulte ZusammenhĂ€nge zu besitzen, das ihnen den Blick in die Zukunft ermögliche. Manche Wahrsager behaupten, einen unmittelbaren intuitiven Zugang zu Wissen ĂŒber die Zukunft zu haben, andere interpretieren Zeichen, die sie als Symbole fĂŒr KĂŒnftiges betrachten. Bei der Zeichendeutung lassen sich zwei Arten unterscheiden: Entweder deutet der Wahrsager von ihm nicht beeinflusste Ereignisse oder Sachverhalte als Anzeichen, aus denen ZukĂŒnftiges herausgelesen werden könne, oder er verursacht selbst nach bestimmten Regeln ein Ereignis, dessen Verlauf oder Ergebnis er dann als verschlĂŒsselte Information ĂŒber ZukĂŒnftiges auffasst und auslegt. Zum ersten Typus gehören beispielsweise die Deutung von Gestirnkonstellationen (Astrologie) und ungewöhnlichen Wettererscheinungen oder das Handlesen (Chiromantie), zum zweiten Typus das Kartenlegen oder die Losorakel, bei denen z. B. aus dem Wurf eines Gegenstands (WĂŒrfel, Knochen u. a.) die Antwort auf eine gestellte zukunftsbezogene Frage gelesen wird. Die Unterscheidung zwischen „natĂŒrlicher“ (unmittelbarer) und „kĂŒnstlicher“ (auf Zeichendeutung durch Fachleute beruhender) Erlangung von Zukunftswissen wurde schon in der antiken Divinationstheorie vorgenommen.[1] Eine etwas andere, besonders an den Praktiken indigener Völker orientierte Klassifikation unterscheidet zwischen intuitiver Wahrsagung, bei der sich der Wahrsager ausschließlich auf ein intuitiv seinem eigenen Geist entnommenes Wissen beruft, „Besessenheitswahrsagung“, bei der Götter oder andere körperlose Wesen zeitweilig von einem Körper Besitz ergreifen sollen, um ĂŒber ihn Botschaften zu ĂŒbermitteln, und „Weisheitswahrsagung“, bei welcher der Wahrsager den Anspruch erhebt, die Basis seines Zukunftswissens seien ihm bekannte objektive GesetzmĂ€ĂŸigkeiten, aus denen er im Einzelfall jeweils zutreffende Folgerungen ableite.[2]

Vom Wahrsagen unterschieden wird die religiöse Prophetie oder Weissagung. Dabei handelt es sich um zukunftsbezogene Behauptungen, fĂŒr die eine unmittelbare göttliche Inspiration in Anspruch genommen wird. Der Prophet oder Weissagende tritt als beauftragter VerkĂŒnder eines göttlichen Plans auf. Weissagung betrifft gewöhnlich Schicksale von Völkern oder der ganzen Menschheit, Wahrsagung Schicksale von Individuen oder kleineren Gruppen.[3] Die Abgrenzung der Weissagung vom Wahrsagen ist jedoch nicht immer eindeutig möglich und unprĂ€ziser Sprachgebrauch ist hĂ€ufig. UrsprĂŒnglich und bis ins 16. Jahrhundert verstand man unter einem „Wahrsager“ oder „Weissager“ (althochdeutsch wÄ«z(z)ago, altsĂ€chsisch wārsago, mittelhochdeutsch wārsage) einen Propheten, erst in der Neuzeit erhielt das Wort „Wahrsager“ seine heutige Bedeutung.[4]

Weltanschauliche Grundlage

Den verschiedenen Formen von Wahrsagung liegt ein Weltbild zugrunde, das von einer einheitlichen Struktur des gesamten Kosmos ausgeht, die immer und ĂŒberall auf den gleichen qualitativen Prinzipien beruht. Die Welt gilt als so aufgebaut, dass ihre Teile analog strukturiert sind und einander spiegeln. Es wird angenommen, dass zwischen rĂ€umlich und zeitlich getrennten Bereichen verborgene, aber erkennbare gesetzmĂ€ĂŸige ZusammenhĂ€nge oder Analogien bestehen.[5] PhĂ€nomene unterschiedlicher Art, zwischen denen kein kausaler Zusammenhang aufgezeigt werden kann, werden auf ein einheitliches Organisationsprinzip der Weltordnung zurĂŒckgefĂŒhrt und dadurch miteinander verknĂŒpft. So wird ein strenger Parallelismus zwischen Kosmischem bzw. Himmlischem und Irdischem bzw. Menschlichem unterstellt. Im Rahmen dieses Weltbilds geht man davon aus, dass auch zwischen Wahrnehmbarem und (noch) Verborgenem detaillierte Analogiebeziehungen bestehen. Die Erkenntnis des Wesens dieser Beziehungen soll es ermöglichen, das Verborgene – auch ZukĂŒnftiges – zu erfassen. Diese Annahme bildet die Grundlage fĂŒr den Anspruch des Wahrsagers, zutreffende Voraussagen machen zu können, denn er behauptet die einschlĂ€gigen GesetzmĂ€ĂŸigkeiten zu kennen. In manchen FĂ€llen wird davon ausgegangen, dass das Zukunftswissen zwar nur einer göttlichen Instanz unmittelbar zugĂ€nglich sei, aber von der Gottheit einem Menschen ĂŒber Visionen oder TrĂ€ume offenbart werde.[6]

Meist gilt die Zukunft nicht als unabĂ€nderlich feststehend. Vielmehr soll die Wahrsagung insbesondere dem Zweck dienen, drohendes Unheil frĂŒhzeitig zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen abzuwenden. Dennoch fĂŒhren die weltanschaulichen PrĂ€missen, von denen die Wahrsagung ausgeht, zu philosophischen Problemen, die mit der Frage nach Determiniertheit (Vorherbestimmtsein, ZwangslĂ€ufigkeit) und Willensfreiheit zusammenhĂ€ngen. Ein fĂŒr Aussagen ĂŒber die Zukunft erhobener Wahrheitsanspruch setzt voraus, dass schon in der Gegenwart feststeht, dass etwas zwangslĂ€ufig eintreten wird. Demnach ist nicht nur das vom Wahrsager Vorausgesagte determiniert, sondern auch der Umstand, dass der Wahrsager konsultiert wird. Diese Annahme fĂŒhrt zu einer fatalistischen oder deterministischen Philosophie und bedroht die Vorstellung der Willensfreiheit. Das Problem kann umgangen werden, wenn angenommen wird, dass das Vorausgesagte nicht unabĂ€nderlich sei, sondern ein durch Wahrsagung Gewarnter sein kĂŒnftiges Schicksal noch beeinflussen könne. Damit wird aber der Wahrheitsanspruch der Wahrsagung mehr oder weniger stark relativiert und eingeschrĂ€nkt und eine ÜberprĂŒfung ihrer Richtigkeit verunmöglicht.[7]

Psychologische Aspekte

Die Wahrsagerin. ÖlgemĂ€lde eines unbekannten deutschen Malers, 18. Jahrhundert

Der Sozial- und Religionshistoriker Georges Minois hat eine umfassende Darstellung der Geschichte der Wahrsagung vorgelegt. Nach seinen Angaben sind 25 verschiedene Vorhersagemethoden gang und gĂ€be, „von der Kristallkugel bis zum Kaffeesatz, von der Geomantie bis zur Numerologie, von der Chiromantie bis zur Kartomantie“.[8] Minois erklĂ€rt die andauernde weite Verbreitung der Praktiken sozialpsychologisch. Den Hauptgrund fĂŒr die anhaltende Beliebtheit des Wahrsagens in der Moderne sieht er nicht im BedĂŒrfnis, Wissen ĂŒber die Zukunft zu erlangen, sondern in der sozialen Funktion der Beziehung zwischen dem Wahrsager und seinem Orientierung suchenden Kunden. Der Kunde suche in unruhigen und unbestĂ€ndigen Zeiten tröstlichen menschlichen Kontakt. Eine Vorhersage sei niemals neutral, sondern es gehe um die Thematisierung von Absichten, WĂŒnschen und BefĂŒrchtungen des Kunden und um einen Anstoß zum Ergreifen von Maßnahmen. Die Vorhersage impliziere stets eine Anweisung zum Handeln, sie sei untrennbar mit den Schritten verknĂŒpft, zu denen sie fĂŒhre. Einer Vorhersage, die „hilft, erleichtert, beruhigt und zum Handeln anregt“, komme die Funktion einer Therapie zu.[9]

Ähnlich urteilt der Religionshistoriker Walter Burkert. Er meint, der „Gewinn an Lebensmut, den die ‚Zeichen’ als Entscheidungshilfe einbringen“ sei „so betrĂ€chtlich, dass gelegentliche Falsifizierung durch Erfahrung dagegen nicht aufkommt“,[10] und kommt zum Ergebnis, dass „die Entscheidungshilfe, die StĂ€rkung des Selbstvertrauens wichtiger ist als eigentliches Vorherwissen“.[11]

Geschichte

→ Hauptartikel: Geschichte des Wahrsagens

In den Hochkulturen des Alten Orients wurde Wahrsagung insbesondere im Auftrag der Herrscher praktiziert. Zahlreiche Quellen aus Mesopotamien ĂŒberliefern eine FĂŒlle von Einzelheiten. Das wichtigste Verfahren war die schon um die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. inschriftlich bezeugte Eingeweideschau. Dabei wurde meist aus der Beschaffenheit der Leber eines geschlachteten Opfertiers auf den Willen der Götter und den zu erwartenden Ausgang eines Vorhabens geschlossen. Der Erkenntniswert der verwendeten Wahrsagemethoden wurde unterschiedlich eingeschĂ€tzt, das Prinzip als solches aber nicht angefochten.[12]

Im antiken Griechenland waren besonders die Vogelschau (Deutung des Vogelflugs), die Leberschau, die Traumdeutung und das Orakelwesen verbreitet. An den berĂŒhmten OrakelstĂ€tten wurden OrakelsprĂŒche als Antworten auf den Göttern gestellte Fragen verkĂŒndet. Oft enthielten die OrakelsprĂŒche keine klaren Aussagen ĂŒber ZukĂŒnftiges, sondern rĂ€tselhaft formulierte AuskĂŒnfte oder Anweisungen, die unterschiedlich interpretierbar waren.[13]

Im Römischen Reich gehörten ebenfalls Vogelschau und Eingeweideschau zu den wichtigsten Methoden, sie wurden von Staats wegen praktiziert. Bezweckt wurde damit nicht ein direkter Blick in die Zukunft, sondern die Beantwortung der Frage, ob die Götter mit einem politischen oder militĂ€rischen Vorhaben einverstanden waren und dieses daher als aussichtsreich gelten konnte.[14] Neben dieser staatlichen Wahrsagung, die von Priesterkollegien betrieben wurde, gab es die private zur Erkundung kĂŒnftiger Schicksale einzelner Individuen. Die von berufsmĂ€ĂŸigen Wahrsagern betriebene Wahrsagung außerhalb staatlicher Institutionen war den römischen Behörden suspekt. Vielen Personen kĂŒndigten Wahrsager die Erlangung der KaiserwĂŒrde an, was vom regierenden Herrscher als Subversion aufgefasst wurde. Die unerwĂŒnschten Folgen politisch relevanter Divination – darunter Voraussagen ĂŒber den Tod des Kaisers – fĂŒhrten dazu, dass das Wahrsagen durch die Gesetzgebung reglementiert und eingeschrĂ€nkt oder verboten wurde.[15]

Gegen die Wahrsagung erhob sich in der Antike heftige und verbreitete Kritik. Von fundamentaler Ablehnung erzĂ€hlt schon Homer.[16] In Philosophenkreisen wurde die Vorstellung einer voraussagbaren Zukunft aus grundsĂ€tzlichen ErwĂ€gungen problematisiert und teils radikal abgelehnt. Gegner des Wahrsagens waren insbesondere die Kyniker,[17] die Skeptiker und die Epikureer sowie viele Peripatetiker und Cicero.[18] Abgesehen von grundsĂ€tzlichen philosophischen EinwĂ€nden entzĂŒndete sich die Kritik an der UnzuverlĂ€ssigkeit der Vorhersagen[19] und vor allem an den kommerziellen Interessen der berufsmĂ€ĂŸigen Wahrsager,[20] die als Scharlatane angegriffen wurden. Auch die bewusste Produktion von angeblichen Vorzeichen zum Zweck der Manipulation wurde thematisiert.[21] Schriftsteller wie der Satiriker Lukian von Samosata griffen die Skepsis auf und verarbeiteten die Kritik an Betrug und LeichtglĂ€ubigkeit literarisch. In der griechischen Komödie wurden Wahrsager als geldgierige BetrĂŒger verspottet, ihr politischer Einfluss wurde als kriegstreiberisch und verhĂ€ngnisvoll angeprangert.[22]

Die christliche Kirche betrachtete die biblische Prophetie als authentische, göttlich legitimierte Übermittlung von Wissen ĂŒber die Zukunft. Der Anspruch der Wahrsager, KĂŒnftiges voraussagen zu können, stieß aber bei den antiken KirchenvĂ€tern auf radikale Ablehnung. Sie sahen darin eine Anmaßung, einen menschlichen Übergriff in eine Gott vorbehaltene SphĂ€re. Außerdem hing das Wahrsagewesen mit der alten griechischen und römischen Religion zusammen, die den Christen verhasst war, und galt als Teufelswerk. Im Verlauf der Christianisierung des Römischen Reichs im 4. Jahrhundert kam es zu scharfen gesetzlichen Wahrsageverboten. Auch spĂ€tantike Konzilien verhĂ€ngten Verbote. Allerdings war das staatliche Einschreiten gegen die Wahrsagung in der SpĂ€tantike kein ausschließlich religiöses Anliegen christlicher Herrscher, sondern die Maßnahmen setzten auch eine restriktive Politik fort, die schon der christenfeindliche Kaiser Diokletian eingeleitet hatte.[23] Die hĂ€ufige Wiederholung der Verbote lĂ€sst erkennen, dass sie die gewĂŒnschte Wirkung nur teilweise erzielten und das Thema aktuell blieb.[24]

Im Mittelalter und in der FrĂŒhen Neuzeit war die Wahrsagung weit verbreitet. Von kirchlichen Behörden und manchen theologischen AutoritĂ€ten wurde sie weiterhin bekĂ€mpft und zurĂŒckgedrĂ€ngt,[25] doch fand sie unter den mittelalterlichen Philosophen und Theologen auch Verteidiger. Im spĂ€teren Mittelalter gewannen Wahrsager nicht nur an FĂŒrstenhöfen, sondern auch im kirchlichen Raum betrĂ€chtlichen Einfluss. Manche Herrscher, darunter Kaiser Friedrich II., beschĂ€ftigten Hofastrologen. Ab dem 14. Jahrhundert waren Astrologen sogar an der pĂ€pstlichen Kurie tĂ€tig, in der Renaissance ließen sich PĂ€pste und KardinĂ€le astrologisch beraten.[26]

Außerdem gab es seit der Antike christliche Formen des Voraussagens, die in kirchlichen Kreisen akzeptiert waren und insbesondere in der Hagiographie breiten Raum einnahmen. Oft wurde Heiligen die FĂ€higkeit zugeschrieben, dank göttlicher Eingebung KĂŒnftiges (beispielsweise einen Todesfall) vorauszusehen. Die reichhaltige mittelalterliche Visionsliteratur berichtete ĂŒber göttliche Offenbarungen, die oft auch Voraussagen enthielten. Eine teils philosophisch, teils physikalisch oder historisch argumentierende Kritik an den Zukunftsvoraussagen nahm ab dem Ende des 16. Jahrhunderts zu und ergĂ€nzte die traditionelle religiös motivierte Kritik, rief aber auch eine FĂŒlle von Gegenschriften hervor.[27]

Gegenpositionen

Christliche Kirchen

Zu den erklÀrten Gegnern des Wahrsagens gehört die Katholische Kirche, die in ihrem Katechismus unter anderem festhÀlt:

„SĂ€mtliche Formen der Wahrsagerei sind zu verwerfen: Indienstnahme von Satan und DĂ€monen, Totenbeschwörung oder andere Handlungen, von denen man zu Unrecht annimmt, sie könnten die Zukunft „entschleiern". Hinter Horoskopen, Astrologie, Handlesen, Deuten von Vorzeichen und Orakeln, Hellseherei und dem Befragen eines Mediums verbirgt sich der Wille zur Macht ĂŒber die Zeit, die Geschichte und letztlich ĂŒber die Menschen, sowie der Wunsch, sich die geheimen MĂ€chte geneigt zu machen. Dies widerspricht der mit liebender Ehrfurcht erfĂŒllten Hochachtung, die wir allein Gott schulden.“

– Katechismus der Katholischen Kirche zum Dritten Gebot [28]

Konzilianter ist die Haltung protestantischer Kirchen. Die Evangelische Informationsstelle sieht in der Inanspruchnahme von Wahrsagung die Befriedigung eines menschlichen GrundbedĂŒrfnisses, mit dem sich jede Religion zu befassen habe. Das Wahrsagen könne jedoch fĂŒr die evangelischen Landeskirchen kein Weg sein, weil diese Kirchen „bewusst mit der rational-wissenschaftlichen Erfassung der Welt in Übereinstimmung stehen“ wollen. Statt dessen wird empfohlen, „sich der Ungewissheit der Zukunft zu stellen im Wissen, dass Gott die GlĂ€ubigen, egal wie das Kommende aussehen mag, nicht alleinlĂ€sst“.[29]

Skeptikerbewegung

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften veröffentlicht alljĂ€hrlich eine Prognosenauswertung, in der eine Reihe öffentlich getroffener Vorhersagen von Wahrsagern kommentiert werden.[30] Bei PrĂŒfungen der Aussagen von Wahrsagern habe man bisher keine echten WahrsagefĂ€higkeiten bestĂ€tigen können; vielmehr handle es sich um TĂ€uschung des Kunden oder auch um SelbsttĂ€uschung, der sowohl der Wahrsager als auch der Kunde unterliege.[31]

Siehe auch

Literatur

Quellen und Darstellungen aus der Sicht von Wahrsagern

Untersuchungen

  • Wolfram Hogrebe (Hrsg.): Mantik. Profile prognostischen Wissens in Wissenschaft und Kultur. Königshausen und Neumann, WĂŒrzburg 2005, ISBN 3-8260-3262-4
  • Matthew Hughes, Robert Behanna, Margaret L. Signorella: Perceived accuracy of fortune telling and belief in the paranormal. In: The Journal of social psychology 141, 2001, S. 159–160, PMID 11294162 ISSN 0022-4545
  • Georges Minois: Geschichte der Zukunft. Orakel, Prophezeiungen, Utopien, Prognosen. Artemis & Winkler, DĂŒsseldorf und ZĂŒrich 1998, ISBN 3-538-07072-5
  • Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. Von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart (= Beck’sche Reihe Band 1752), Beck, MĂŒnchen 2007, ISBN 3-406-54777-X

Weblinks

 Commons: Wahrsagung â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Fritz Graf: Divination/Mantik. In: Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Auflage, Band 2, TĂŒbingen 1999, Sp. 883–886, hier: 883–885.
  2. ↑ Evan M. Zuesse: Divination: An Overview. In: Lindsay Jones (Hrsg.): Encyclopedia of Religion, 2. Auflage, Bd. 4, Detroit u. a. 2005, S. 2369–2375, hier: 2370–2372.
  3. ↑ Siehe die Beispiele bei Will-Erich Peuckert: Weissagung und Weissagungen. In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Band 9, Berlin 1938/1941, Sp. 358–441. Vgl. Wassilios Klein: Propheten, Prophetie. I. Religionsgeschichtlich. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Bd. 27, Berlin 1997, S. 473–476, hier: 473f.
  4. ↑ Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 21. Auflage, Berlin 1975, S. 832, 850; Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Band M–Z, 2. Auflage, Berlin 1993, S. 1552.
  5. ↑ Zum Analogiedenken siehe Veit Rosenberger: GezĂ€hmte Götter. Das Prodigienwesen der römischen Republik, Stuttgart 1998, S. 94–97.
  6. ↑ Zu den weltanschaulichen Grundlagen siehe Stefan Maul: Divination. I. Mesopotamien. In: Der neue Pauly, Band 3, Stuttgart 1997, Sp. 703–706; Francesca Rochberg: The Heavenly Writing, Cambridge 2004, S. 1–13; Michael A. Flower: The Seer in Ancient Greece, Berkeley 2008, S. 104–114.
  7. ↑ Zur antiken Diskussion ĂŒber diese Problematik siehe François Guillaumont: Le De divinatione de CicĂ©ron et les thĂ©ories antiques de la divination, Bruxelles 2006, S. 214–253.
  8. ↑ Georges Minois: Geschichte der Zukunft, DĂŒsseldorf 1998, S. 712.
  9. ↑ Georges Minois: Geschichte der Zukunft, DĂŒsseldorf 1998, S. 19f., 716.
  10. ↑ Walter Burkert: Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche, Stuttgart 1977, S. 181.
  11. ↑ Walter Burkert: Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche, Stuttgart 1977, S. 184.
  12. ↑ Stefan Maul: Divination. I. Mesopotamien. In: Der neue Pauly, Band 3, Stuttgart 1997, Sp. 703–706. FĂŒr Einzelheiten der Wahrsagung bei den verschiedenen Völkern siehe Manfried Dietrich, Oswald Loretz: Mantik in Ugarit, MĂŒnster 1990; Giovanni Pettinato: Die Ölwahrsagung bei den Babyloniern, 2 BĂ€nde, Rom 1966; Annelies Kammenhuber: Orakelpraxis, TrĂ€ume und Vorzeichenschau bei den Hethitern, Heidelberg 1976; Frederick H. Cryer: Divination in Ancient Israel and its Near Eastern Environment, Sheffield 1994; Ann Jeffers: Magic and divination in ancient Palestine and Syria, Leiden 1996; Willem H. Ph. Römer: Zukunftsdeutungen in sumerischen Texten. In: Otto Kaiser (Hrsg.): Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Bd. 2: Orakel, Rituale, Bau- und Votivinschriften, Lieder und Gebete, GĂŒtersloh 1986–1991, S. 17–55; Rosel Pientka-Hinz: Akkadische Texte des 2. und 1. Jahrtausends v. Chr. 1. Omina und Prophetien. In: Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Neue Folge Band 4: Omina, Orakel, Rituale und Beschwörungen, GĂŒtersloh 2008, S. 16–60.
  13. ↑ FĂŒr Einzelheiten siehe David E. Aune: Prophecy in Early Christianity and the Ancient Mediterranean World, Grand Rapids 1983, S. 23–79; Sarah Iles Johnston: Ancient Greek Divination, Malden 2008, S. 125–143; zur öffentlichen Inanspruchnahme von Orakeln Christian Oesterheld: Göttliche Botschaften fĂŒr zweifelnde Menschen, Göttingen 2008 (besonders S. 534–569 ĂŒber Orakel als Steuerungsinstanzen sozialen Handelns).
  14. ↑ Zur staatlichen Wahrsagung siehe Veit Rosenberger: GezĂ€hmte Götter. Das Prodigienwesen der römischen Republik, Stuttgart 1998, S. 46–71.
  15. ↑ Jörg Hille: Die Strafbarkeit der Mantik von der Antike bis zum frĂŒhen Mittelalter, Frankfurt 1979, S. 51–64.
  16. ↑ Michael A. Flower: The Seer in Ancient Greece, Berkeley 2008, S. 133–135.
  17. ↑ JĂŒrgen Hammerstaedt: Die Orakelkritik des Kynikers Oenomaus, Frankfurt 1988 (Edition mit Einleitung und Kommentar).
  18. ↑ Zur philosophischen Kritik siehe Friedrich Pfeffer: Studien zur Mantik in der Philosophie der Antike, Meisenheim 1976, S. 104–112; speziell zu Cicero François Guillaumont: Le De divinatione de CicĂ©ron et les thĂ©ories antiques de la divination, Bruxelles 2006, S. 214–354.
  19. ↑ Eine Fallstudie bietet Michael A. Flower: The Seer in Ancient Greece, Berkeley 2008, S. 114–119; vgl. S. 132, 138f.
  20. ↑ Michael A. Flower: The Seer in Ancient Greece, Berkeley 2008, S. 135f.
  21. ↑ Michael A. Flower: The Seer in Ancient Greece, Berkeley 2008, S. 175f.
  22. ↑ Nicholas D. Smith: Diviners and Divination in Aristophanic Comedy. In: Classical Antiquity 8, 1989, S. 140–158.
  23. ↑ FĂŒr Einzelheiten siehe die ausfĂŒhrliche Darstellung von Marie Theres Fögen: Die Enteignung der Wahrsager. Studien zum kaiserlichen Wissensmonopol in der SpĂ€tantike, Frankfurt am Main 1993, S. 11ff.
  24. ↑ Zur Haltung der antiken Christen siehe Pierre Courcelle: Divinatio. In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Band 3, Stuttgart 1957, Sp. 1235–1251, hier: 1241–1250; Jörg Hille: Die Strafbarkeit der Mantik von der Antike bis zum frĂŒhen Mittelalter, Frankfurt 1979, S. 64–81.
  25. ↑ Zu den frĂŒhmittelalterlichen VerhĂ€ltnissen siehe Jörg Hille: Die Strafbarkeit der Mantik von der Antike bis zum frĂŒhen Mittelalter, Frankfurt 1979, S. 81–116.
  26. ↑ Gerd Mentgen: Astrologie und Öffentlichkeit im Mittelalter, Stuttgart 2005, S. 161–273.
  27. ↑ Zur mittelalterlichen und frĂŒhneuzeitlichen Wahrsagung siehe Margarethe Ruff: Zauberpraktiken als Lebenshilfe, Frankfurt 2003, S. 29–62 und die BeitrĂ€ge in der Aufsatzsammlung von Klaus Bergdolt und Walther Ludwig (Hrsg.): Zukunftsvoraussagen in der Renaissance, Wiesbaden 2005.
  28. ↑ Zum Dritten Gebot
  29. ↑ Georg Otto Schmid 1995 bei relinfo.ch
  30. ↑ Prognosenauswertung der GWUP fĂŒr 2008
  31. ↑ Die GWUP ĂŒber Wahrsager
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