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Wasserkraft (auch: Hydroenergie) ist eine regenerative Energiequelle. Sie bezeichnet – physikalisch ungenau – die Umwandlung potentieller oder kinetischer Energie des Wassers über Turbinen in Rotationsenergie. Früher wurde diese mechanische Energie in Mühlen direkt genutzt, heute wird fast alle so gewonnene Energie mittels Generatoren in Wasserkraftwerken in Strom umgewandelt. Siehe auch Wasserkraftmaschine.
Das Nutzen der Wasserkraft ist das Ausnutzen der potentiellen Energie des Wassers im Schwerefeld der Erde, die beim Nach-unten-Fließen in kinetische Energie sowie Wärme durch Reibung am Untergrund umgewandelt wird. Das Wasser gelangt durch den sogenannten Wasserkreislauf (Verdunstung, Wind, Regen und andere Niederschlagsformen) in Lagen von denen es bergab fließen kann dabei eine Nutzung durch den Menschen mittels erlaubt. Die Wasserkraft gehört damit zu den regenerativen (= erneuerbaren, sich erneuernden) Energiequellen.
Inhaltsverzeichnis |
Mit Wasserkraftwerken wurden im Jahr 2008 15,8 % [1]der weltweit erzeugten elektrischen Energie gewonnen, in Europa (EU27) waren es 9,7 % [2]Zum Vergleich: Durch Kernenergie wurden 2008 13,6 % der weltweit erzeugten elektrischen Energie gewonnen, in Europa waren es 27,8 % [2]. In Deutschland sind 7.300 Anlagen aktiv und leisten zur gesamten Stromerzeugung einen Beitrag von 3,4 %[3] In Österreich sind es ca. 56,6 %[2] und in der Schweiz ca. 52,2 % [2]. Wasserkraft ist derzeit die wichtigste erneuerbare Energiequelle, die zur Stromversorgung der Erdbevölkerung beiträgt. Die anderen erneuerbaren Energieformen wie Sonne, Wind, Erdwärme und Biomasse tragen zusammen rund 2,1 % bei. Das Potential der technisch nutzbaren Wasserkraft hängt ab
Man sieht hohes Wachstumspotential von Wasserkraft in der Dritten Welt; im dichtbesiedelten Europa erscheint ein weiterer Ausbau problematisch.
Es gibt eine Vielzahl verschiedener Typen von Wasserkraftanlagen. Ihre Einteilung ist nicht immer ganz eindeutig und kann nach unterschiedlichen Aspekten erfolgen. Man kann folgende Einteilungen vornehmen:
| Betrachtungsweise | Klassifizierung |
| Nutzfallhöhe | Niederdruckanlage (Fallhöhe < 15 m) Mitteldruckanlage (Fallhöhe < 50 m) Hochdruckanlage (Fallhöhe > 50 m) |
| Energiewirtschaft | Grundlastkraftwerk Mittellastkraftwerk Spitzenlastkraftwerk |
| Installierte Leistung | Kleinwasserkraftanlagen (< 1MW) mittelgroße Wasserkraftanlagen (< 100MW) Großwasserkraftanlagen (> 100MW) |
| Topographie | Unterlauf (Flusskraftwerk) Mittellauf (Laufwasser- und Speicherkraftwerk) Oberlauf (Speicherkraftwerk) |
| Betriebsweise | Inselbetrieb Verbundbetrieb |
Wie auch bei den Kraftwerkstypen, können Turbinen nach verschiedenen Aspekten differenziert werden. Nach der Beaufschlagung (Teil- oder vollbeaufschlagt), der Radform (Radial, diagonal, axial), der Bauweise (senkrechte oder waagrechte zur Wellenlage) und der Wirkungsweise, welches wohl das gebräuchlichste Unterscheidungsmerkmal ist. Demnach gibt es Gleichdruckturbinen und Überdruckturbinen.
Je nach Turbinentyp und Betriebspunkt besteht die Gefahr von Schäden durch Kavitation.
Energie tritt in verschiedenen Formen auf. Unter Berücksichtigung der Gesetze der Thermodynamik, kann Energie in Arbeit umgewandelt werden. Für die Wasserkraftnutzung sind kinetische Energie und die potenzielle Energie entscheidend. Wasser, über dem Meeresspiegel, besitzt potentielle Energie und erfährt durch die Schwerkraft eine Beschleunigung, wodurch ein Teil der Anfangsenergie automatisch in kinetische Energie umgewandelt wird. Diese fluidmechanische Energie wird in Wasserkraftanlagen durch Turbinen in mechanische Energie (Rotationsenergie) umgewandelt und letztlich durch Generatoren in elektrischen Strom transformiert. Um die maximal transformierbare Energie zu bestimmen, muss eine Berechnung nach der erweiterten Bernoulli-Gleichung erfolgen, bei der sämtliche Verluste durch Turbulenzen oder durch Reibung an Anlagenteile berücksichtigt werden. Verluste bei der Energieumwandlung entweichen in Form von Wärme- oder Schallenergie. Die Leistung, auch Energiefluss bezeichnet, wird von der Fallhöhe des Wassers, der Menge des Wassers, der Dichte des Wasser und vom Wirkungsgrad der Anlage beeinflusst. Wobei der gesamte Wirkungsgrad sämtliche Verluste der Turbinen und des Generators beinhaltet. Für Wasserkraftanlagen liegt der gesamte Wirkungsgrad bei 80 % oder höher. Im Vergleich zu anderen Kraftwerkstypen ist dieser Wert der Größte. Nach energiewirtschaftlichen Gesichtspunkten, gibt es vier Stufen der Energieformen. Diese sind Primärenergie, Sekundärenergie, Endenergie und Nutzenergie. Wasserkraft zählt zur Primärenergie, da sie direkt aus einer natürlichen Energiequellen zur Verfügung steht.
'Hydrologie' bezeichnet die Wissenschaft des Wassers. In Bezug auf Wasserkraft ist hat der Wasserkreislauf große Bedeutung. Er beschreibt die Bewegungen des Wassers auf regionaler und globaler Ebene. Angetrieben durch die Strahlungsenergie der Sonne durchläuft das Wasser verschiedene Aggregatzustände. Im Prinzip funktioniert der Kreislauf wie folgt: Wasser verdunstet aus Oberflächengewässern (Meere, Seen, Flüsse) und steigt in Form von Wasserdampf in die Atmosphäre auf. Dort kondensiert es, worauf es als Regen oder Schneefall wieder auf die Erdoberfläche gelangt. Durch topographische Bedingungen entstehen Einzugsgebiete, in denen der Niederschlag Flüsse mit Wasser anreichert.
Die von einem Fluss geführte Menge Wasser unterliegt starken Schwankungen, verursacht vor allem durch jahreszeitliche Niederschlagsschwankungen und durch klimatische und meteorologische Verhältnisse. Der Abfluss ist ein sehr wichtiger Parameter für die Bemessung von Wasserkraftanlagen. Vor allem sind Extremwerte zu berücksichtigen, damit z. B. bei Hochwasser keine Schäden entstehen. Möglichst langjährige Messungen über den Abfluss eines Einzugsgebietes helfen dabei. Nützlich dafür sind neben der Ganglinie eines Flusses die Abflussdauerlinie, die Summenlinie und die Fülllinie, die alle in einem Abfluss-Tage-Diagramm beschrieben werden.
Ob eine Wasserkraftanlage rentabel ist ergibt sich aus den Kosten, den Mengen und den dafür erzielbaren Strompreisen (siehe auch Kosten-Nutzen-Verhältnis.
Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Fachgesetze in Deutschland, die sich mit dem Thema Umwelt befassen. Nur ein paar Beispiele sind das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG), das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und das Umwelthaftungsgesetz (UmweltHG). In Bezug auf Wasserkraft enthalten das:
Die Kosten für eine Wasserkraftanlage setzen sich aus den Anlagen- und den Betriebskosten zusammen. Die Anlagenkosten, auch Investitionskosten genannt, setzten sich aus allen Ausgaben für den Bau der Anlage zusammen. Im Gegensatz zu Verbrennungskraftwerken, muss bei der Energiegewinnung aus Wasserkraft keine oder nur geringe Gebühren für die jeweilige Ressource gezahlt werden, da sie fast unbegrenzt zur Verfügung steht. Das bedeutet, dass die Betriebskosten bei voll funktionsfähigen Wasserkraftwerken sehr gering im Vergleich zu den Anlagenkosten ausfallen. Die Frage der Wirtschaftlichkeit richtet sich danach, in welchem Verhältnis die Anlagen- und Betriebskosten mit dem Gewinn stehen. Insgesamt kann man sagen, das die entscheidenden Faktoren die Anlagenkosten und die Ausnutzungsdauer sind. Wasserkraft ist für die Energiewirtschaft grundlastfähig. Es kann also fast ständig Strom produziert werden, wodurch eine Gewinnkalkulation mit dem im EEG festgelegten Vergütungsgebühren durchgeführt werden kann. Grundsätzlich gilt aber das Wasserkraftwerke durch ihre in der Regel sehr lange Betriebsdauer sehr gut amortisiert werden.
Obwohl die Nutzung von Wasserkraft zur Energiegewinnung meist als besonders ökologisch anerkannt wird, sind mit ihr teilweise erhebliche Eingriffe in die Natur und Landschaft verbunden. So wurde eines der bedeutendsten Naturdenkmale am Rhein, der Kleine Laufen bei Laufenburg für das erste stromquerende Kraftwerk am Rhein gesprengt. Das Kraftwerk ging 1914 in Betrieb. Auch für den Rheinfall von Schaffhausen (auch Großer Laufen) wurden ab 1887 mehrfach Anstrengungen unternommen, die ungenutzt zu Tale stürzenden Wassermassen der Energiegewinnung zuzuführen. Ein aktuelles Beispiel, bei dem die Energiegewinnung durch Wasserkraft gleichzeitig ein gravierender Eingriff in ein Ökosystem bedeutet, ist der Drei-Schluchten-Damm am Jangtsekiang in China.
Vielfach werden kleine Wasserkraftwerke als ökologisch verträglich angesehen. Dabei argumentieren Befürworter so, dass Anlagen, die nach neuesten Standards und fachgerecht gebaut seien, die Gewässer nicht belasten und diese teilweise durch den Bau von Fischaufstiegen oder durch Begleitmaßnahmen „ökologisch aufgewertet“ werden. Kritiker wenden dagegen vielfach ein, dass Kleinwasserkraftanlagen und damit verbundene Eingriffe wie Anstau, Verbauungen oder verminderte Restwassermengen insbesondere durch ihre Vielzahl und gestreute Verteilung in einem Flussgebiet schwere kumulative Eingriffe in die betroffenen Ökosysteme darstellten.
Vorteile:
Nachteile:
Lösungen für ein Miteinander:
Um dem Spannungspotential zwischen Klima-, Natur- und Gewässerschutz gerecht werden zu können, werden nun einige wasserbauliche Maßnahmen vorgestellt, die den Konflikt vermindern. Die einfachste Möglichkeit die Natur vor weiteren Eingriffen zu schützen, ist diese komplett zu unterlassen. Deshalb sollte in erster Linie der Ausbau der Wasserkraft an bestehenden Anlagen vollzogen werden. Durch neuartige technische Verbesserungen der Anlagenteile kann man eine Leistungssteigerung, bei gleichzeitiger Verbesserung der gewässerökologischen Situation erreichen. Die weitere Entwicklung besteht also im Ersatz und der Modernisierung bereits bestehender Anlagen . Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz wird für solche Fälle die Vergütung neuer oder modernisierter Anlagen so geregelt, dass sich der ökologische Zustand des Gewässers mit dem Bau oder der Modernisierung verbessern muss. Außerdem muss vor allem auch den Natur- und Gewässerschutz stets beachtet werden. Solange aber die umweltrelevanten Aspekte berücksichtigt werden, steht dem Bau neuer Wasserkraftanlagen nichts entgegen. Durch verschiedene Gestaltungs- und Kompensationsmaßnahmen ist es möglich die Ökologie eines Gewässers zu verbessern. Zwingend notwendig um die Gewässerökologie zu verbessern oder zu erhalten ist eine Mindestwasserabgabe an den Unterlauf und die Geschiebedurchgängigkeit zu gewährleisten. Außerdem zählen Fischtreppen als Auf- und Abstiegshilfen oder Umgehungsgerinne zur Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit für Lebewesen als entscheidende Baumaßnahme . Es gibt mittlerweile auch technisch verbesserte Turbinen, die es möglich machen, dass Fische sie meist unverletzt passieren können. Auch das Problem des geringen Sauerstoffgehalts kann durch sogenannte „Luft“-Turbinen, die Sauerstoff in das Gewässer eintragen, gelöst werden . Eine möglichst naturnahe Gestaltung der Gewässer durch Schaffung von Tief- und Flachwasserzonen, Altarmen und eine Verbesserung der Strukturvielfalt im Stauraum des Kraftwerks etwa durch Schotterbänke führt zu einem natürlichen Gewässerprofil und verbessert die Habitate der von Flora und Fauna . Um das landschaftliche Erscheinungsbild nicht zu zerstören, sollte die Anlagen harmonisch in die Landschaft eingegliedert werden .
Die Geschichte der Wasserkraft geht weit zurück. Historiker schätzen, dass sie in China bereits vor 5000 Jahren zur Anwendung kam. Weitere alte Kulturen am Nil, Euphrat und Tigris und am Indus haben vor 3500 Jahren die ersten, durch Wasserkraft angetriebenen Maschinen in Form von Wasserschöpfrädern zur Bewässerung für Felder eingesetzt . Zu Zeiten der Römer und Griechen wurde Wasser dann als Antriebsmittel für Arbeitsmaschinen in vielfältigster Art und Weise genutzt. Etwa im 2. Jhd. v. Chr. wurde die Archimedische Schraube, die bis heute noch genutzt wird, erfunden. Im 9. Jhd. n.Chr. wurde dann das unterschlächtige Wasserrad eingesetzt. Die nächste entscheidende Entwicklung folgte 5 Jahrhunderte später mit der Nutzung des oberschlächtigen Wasserrads. Hier wurde nicht mehr nur die Bewegungsenergie des Wassers, sondern auch seine Gewicht genutzt. Im Jahre 1767 stellte der englischen Bauingenieur John Smeaton das erste Wasserrad aus Gusseisen her, was eine wesentliche Voraussetzung für die Industriellen Revolution war, da es durch die enorm höhere Belastbarkeit auch größere Leistungen erbrachte. Die damit verbundene Produktivitätssteigerung führte mit zum wirtschaftlichen Aufschwung und verschaffte dem Wasserrad bis zum 19. Jahrhundert eine herausragende Stellung als Antriebsquelle. 1842 hatte der französische Ingenieur Benoît Fourneyron den Vorläufer einer Francis-Wasserturbine entwickelt. Durch diese Technik konnten größere Wassermengen und höhere Gefälle ausgenutzt werden, was zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit im Vergleich zu Wasserrädern führte . Als dann 1866 Werner von Siemens noch den elektrodynamischen Generator erfand, wurde auf einmal die Umwandlung von Wasserkraft in elektrischen Strom möglich. 1880 wurde das erste Wasserkraftwerk im englischen Northumberland in Betrieb genommen und schon 1896 entstand an den Niagarafällen in den USA das erste Großkraftwerk der Welt.