|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Weichsel | ||
|
Weichsel mit Einzugsgebiet und Nebenflüssen | ||
| Daten | ||
|---|---|---|
| Lage | Polen | |
| Flusssystem | Weichsel | |
| Quelle | Schlesische Beskiden bei Wisła 49° 36′ 41,5″ N, 19° 0′ 38″ O49.611527777819.01055555561100 | |
| Quellhöhe | ca. 1.100 m ü. NN | |
| Mündung | in die Ostsee bei Danzig54.360277777818.95277777780Koordinaten: 54° 21′ 37″ N, 18° 57′ 10″ O 54° 21′ 37″ N, 18° 57′ 10″ O54.360277777818.95277777780 | |
| Mündungshöhe | 0 m ü. NN | |
| Höhenunterschied | ca. 1.100 m | |
| Länge | 1.047 km | |
| Einzugsgebiet | 194.424 km²
| |
| Abfluss | MQ |
1.080 m³/s |
| Großstädte | Krakau, Warschau, Bydgoszcz, Toruń, Danzig | |
| Schiffbar | 914 km, ab Zabrzeg | |
Die Weichsel (polnisch: Wisła [ˈvʲiswa], tschechisch: Visla) ist ein 1.047 Kilometer langer Strom in Polen. Das Einzugsgebiet umfasst jedoch auch Teile der Slowakei, Weißrusslands und der Ukraine. Der längste Gewässerlauf in ihrem Flusssystem sind die 1213 Flusskilometer von der Quelle des Westlichen Bug bis zur Ostsee.
Auf alten Landkarten findet man auch die Schreibweisen W(e)ixel oder Wissel.
Inhaltsverzeichnis |
Der Strom entspringt in den Schlesischen Beskiden am 1.214 m hohen Barania Góra (deutsch: Widderberg) aus den Bächen Czarna Wisełka und Biała Wisełka, die nach neun beziehungsweise sieben Kilometern in den Stausee Zbiornik Czerniański münden. Nach dem Verlassen des Gebirges wendet sie sich nach Osten und bildet ein Stück weit die historische Grenze zwischen Oberschlesien und Kleinpolen. Unterhalb des Stausees von Goczałkowice ist sie schiffbar.
Sie fließt ostwärts durch in eine tektonische Senke, die nördlich von der Krakau-Tschenstochauer Höhe und dem Kielcer Bergland begrenzt wird, südlich vom Beskidenvorland und dann östlich vom Lubliner Hügelland. Etwa 70 km nach dem Stausee fließt die Weichsel durch die alte Königsstadt Krakau (Kraków). Von Niepołomice 25 km östlich von Krakau bis etwas unterhalb der Mündung des San war die Weichsel von 1815 bis 1916 die Grenze zwischen dem österreichischen Galizien und dem Russischen Reich. 70 km hinter dem Ort mündet der Karpatenfluss Dunajec. Bald hinter Sandomierz mündet von den Karpaten her der San in die Weichsel. Weiter nördlich erreicht sie das polnische Tiefland. Kurz hinter Warschau (Warszawa) gelangt sie in den Bereich überwiegend ostwestlich ausgerichteter Urstromtäler, durch die ihr von Osten, kurz vorher vereint, Bug und Narew zufließen. Hier wendet sie sich stark nach Westen und passiert Płock, Dobrzyń nad Wisłą, Włocławek und Toruń (Thorn). Bei Włocławek besteht seit 1970 ein großes Stauwehr mit Wasserkraftwerk. Bei Bydgoszcz (Bromberg), dessen Stadtzentrum nicht am Strom liegt, verlässt sie das große ostwestliche Urstromtal und durchbricht in einem kleineren den baltischen Landrücken. Dieser umfasst zwischen Weichsel und Oder die Pommersche Seenplatte, zwischen Weichsel und Njemen die Masurische Seenplatte. In den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden am Mittellauf umfangreiche Regulierungsmaßnahmen durchgeführt, um die Schiffbarkeit zu verbessern.
Der Einstrom des Flusses in die Ostsee wurde natürlicherweise durch den Dünenrücken der Danziger Binnennehrung versperrt, des westlichen Teils der Frischen Nehrung (Mierzeja Wiślana) [1]. Zwischen Landrücken und Dünenrücken hat sich ein Delta gebildet. Kurz hinter Gniew (Mewe) zweigt nach Osten die Nogat ab, die erst 1371 durch ein Hochwasser vom selbständigen Fluss (wieder) zum Weichselarm wurde und im Bereich der Elbinger Niederung in das Frische Haff (polnisch Zalew Wiślany, also Weichselhaff) mündet. Kurz vor dem Dünenrücken verzweigte sich natürlicherweise der Hauptstrom der Weichsel in die Elbinger oder Königsberger Weichsel (Szkarpawa), die ebenfalls ins Frische Haff mündet und bis Anfang des 19. Jahrhunderts der Hauptstrom war, und die Danziger Weichsel, die nahe der Stadt Danzig den Dünenrücken durchbrach und die in die Danziger Bucht (polnisch Zatoka Gdańska) mündete. Im Jahre 1840 entstand bei einem Hochwasser ein neuer Dünendurchbruch auf halbem Wege zwischen der Gabelung und Danzig, woraufhin der westliche untere Teil des alten Mündungsarms versandete. In den Jahren 1889 bis 1895 wurde dann bei der Gabelung der Dünenrücken durchstochen, um die Hochwassergefährdung des Weichseldeltas zu vermindern. Seit der größte Teil des Weichselwassers durch diesen Weichseldurchstich [2], polnisch Przekop Wisły, in die Ostsee strömt, versandet die Danziger Weichsel insgesamt und wurde zunehmend Tote Weichsel genannt, polnisch Martwa Wisła.
Der östliche Weichselarm Szkarpawa hat ihrerseits ein Delta ausgebildet. Dessen nördlichster Arm wird weiterhin Wisła Królewiecka (Königsberger Weichsel) genannt.
Ob der Name „Weichsel“ indoeuropäischer oder prä-indoeuropäischer Herkunft ist, gibt es bisher keine einhellige Meinung.
Pomponius Mela erwähnte 44 nach Chr. im dritten seiner De chorographia libri tres die „Visula“. Plinius nannte 77 n. Chr. in seiner „Naturgeschichte“ (4.52, 4.89) ausdrücklich zwei Namen: „Visculus sive Vistla“. Der Vistla-Fluss floss demnach in das Mare Suebicum, das heute als Ostsee bekannt ist.
Plinius bezeichnete außerdem die Weichsel als den Grenzfluss zwischen dem germanischen und sarmatischen Einflussgebiet. Die zu seiner Zeit im Weichselgebiet lebenden Ostgermanen bezeichnete Plinius als Vandili (Vandalen) und nannte als Teilstämme Burgodiones (Burgunder), Varinnae, Charini und Gutones (Goten). Die Goten hatten sich erst im letzten Jahrhundert vor der Zeitenwende an der unteren und mittleren Weichsel angesiedelt, begannen aber schon um 200 nach Chr. wieder abzuwandern und sind ab dem 5. Jahrhundert nicht mehr dort nachzuweisen.
Abgesehen von Wanderungsbewegungen änderten sich auch die Bezeichnungen: Tacitus bezeichnete in seiner Germania die östlich der Weichselmündung wohnenden Aesti oder Aisti (wohl gleichbedeutend mit der heutigen Bezeichnung Balten) als Germanen, wies aber darauf hin, dass sie eine Sprache mehr wie Britisch (Keltisch) sprächen und unterschied sie von den Suebi, von ihm anders als von Caesar für alle Germanen im engeren Sinne gebraucht. Ab dem 5.-6. Jahrhundert nach Chr. sind slawische Siedlungen an der Weichsel nachgewiesen. Zwischen germanischer und slawischer Siedlungsperiode war das Weichselbecken nach heutigem Kenntnisstand zeitweise siedlungsleer.[3]
Als Jordanes im 6. Jahrhundert eine Chronik der Goten (Getica) erstellte, benannte er den Fluss Vistula. Er beschrieb ebenfalls zwei weitere Flüsse, beide mit „Viscla“. Dieser Name bezieht sich auf den Nebenfluss Wisloka und den Nebenfluss des San Wislok.
Circa 850 wurden die meist östlich der Mündung der Weichsel wohnenden Prußen vom Bayrischen Geograph als „Bruz“ erwähnt.
Weichsel und Warthe haben in Folge der dritten Teilung Polens als Freiheitssymbole Eingang in die polnische Nationalhymne Mazurek Dąbrowskiego gefunden.
Schon der erste polnische Legendenschreiber Vinzent Kadlubek hat die Weichsel als den Heimatort der Wandalen beschrieben, von denen er die Polnische Wanda (Sage) herleitet.
Im Mai 2010 kam es in Polen zu großen Hochwassern, siehe Hochwasser in Mitteleuropa im Frühjahr 2010.
Reihenfolge flussabwärts, Großstädte in Fettsatz
Reihenfolge flussabwärts mit Längenangabe (ab 300 km Fettsatz), Abfluss und Größe des Einzugsgebietes; eingerückt mündungsnahe Nebenflüsse der Nebenflüsse