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Weihnachtsbaum

Ein geschmĂŒckter Weihnachtsbaum

Der Weihnachtsbaum (je nach Region auch als Christbaum oder Tannenbaum bezeichnet) ist ein Nadelbaum, der zur Weihnachtszeit in Kirchen, Wohnungen und in Ortschaften aufgestellt und mit Lichterketten, Kerzen, Glaskugeln, Lametta, Engeln oder anderen Figuren geschmĂŒckt wird. Dieser Weihnachtsbrauch verbreitete sich im 19. Jahrhundert von Deutschland aus ĂŒber die ganze Welt.

Inhaltsverzeichnis

NadelbÀume

Waldarbeiterinnen bereiten 1978 im Forstwirtschaftsbetrieb Hildburghausen WeihnachtsbĂ€ume fĂŒr den Versand vor

HauptsĂ€chlich werden Tannen als Weihnachtsbaum genutzt, doch Fichten und andere NadelbĂ€ume sind heute ebenfalls weit verbreitet. In Deutschland wird ĂŒberwiegend (rund 16 Millionen StĂŒck jĂ€hrlich) die Nordmann-Tanne als Weihnachtsbaum verwendet. Ihr Anbau findet vor allem auf landwirtschaftlichen FlĂ€chen im Sauerland sowie in Schleswig-Holstein und DĂ€nemark statt, wobei DĂ€nemark mit einem Export von mehr als 10 Millionen StĂŒck MarktfĂŒhrer ist.

In Deutschland wurden 2006 etwa 616 Millionen Euro fĂŒr 28 Millionen WeihnachtsbĂ€ume ausgegeben, pro Baum also ca. 22 Euro.[1] In den letzten Jahren ist eine Preissteigerung festzustellen, die auch 2007 zu beobachten war. Insbesondere durch zunehmendes Interesse und daraus resultierendem Bedarf der chinesischen Bevölkerung stieg 2007 der Preis des typischen Weihnachtsbaums.[2][3] Die benötigte AnbauflĂ€che fĂŒr den Anbau der 28 Millionen WeihnachtsbĂ€ume betrĂ€gt ca. 40.000 ha. Die durchschnittliche Ausbeute betrĂ€gt zwischen 60 und 70 Prozent der gepflanzten BĂ€ume, kann aber je nach Betrieb, Pflege und NatureinflĂŒssen stark variieren.

In Österreich werden im Jahr ca. 2,4 Millionen WeihnachtsbĂ€ume aufgestellt, wovon 85 % aus heimischen WĂ€ldern stammen. Von diesen kommt der Großteil aus Niederösterreich, das auch den Wiener Markt beliefert. Die Importe aus DĂ€nemark sind in den letzten Jahren rĂŒcklĂ€ufig.[4]

In anderen LĂ€ndern werden auch vielfach kĂŒnstliche ChristbĂ€ume aus Metall oder Kunststoff verwendet, die meist zusammenlegbar und wiederverwendbar sind.

Natur

Verpackte WeihnachtsbĂ€ume auf Paletten, fertig fĂŒr den Transport

Der Werdegang vom Samenkorn bis zu einem Zwei-Meter-Weihnachtsbaum dauert, je nach Pflanzenart, zwischen acht und zwölf Jahren.

Samen werden zuerst aus Zapfen Ă€lterer BĂ€ume gewonnen. Das Samenkorn wird dann in Baumschulen zum SĂ€mling gezogen und nach drei bis vier Jahren an Forst- und Weihnachtsbaumbetriebe als Jungpflanzen verkauft. Die weiteren Form- und Wachstumsentwicklungen der WeihnachtsbĂ€ume hĂ€ngen stark von der BodenqualitĂ€t, den klimatischen VerhĂ€ltnissen und von den durchgefĂŒhrten Pflegearbeiten ab.

Durch den Anbau werden Sauerstoff, welcher dann den Umsatz mit Kohlenstoff ermöglicht, sowie Biomasse produziert, wodurch eine temporÀre Bindung von Kohlendioxid möglich ist. Bei einer AnbauflÀche von 25.000 ha ergeben sich aus dem Anbau folgende Werte:[5]

  • 130.000 bis 195.000 t Trockenmasse
  • 065.000 bis 097.500 t Kohlenstoff
  • 237.500 bis 357.500 t Kohlendioxid
  • 175.500 bis 262.500 t freigesetzter Sauerstoff

Aufbau und Beseitigung

Der Weihnachtsbaum wird vor dem Heiligen Abend aufgestellt. WĂ€hrend er im evangelischen Raum traditionellerweise spĂ€testens zum Epiphaniasfest am 6. Januar abgeschmĂŒckt und entfernt wurde, bleibt er in katholischen Familien oft bis zum Fest der Darstellung des Herrn (Lichtmess, 2. Februar), frĂŒher dem Ende der Weihnachtszeit, stehen (seit der Liturgiereform endet die Weihnachtszeit allerdings mit dem Fest der Taufe des Herrn). Ausgediente ChristbĂ€ume werden teilweise gesammelt und im Osterfeuer verbrannt. Sofern WeihnachtsbĂ€ume noch nicht ausgetrocknet sind, können sie auch Elefanten und anderen Tieren im Zirkus oder Zoo als Nahrung dienen.[6]

zerlegbarer Metall-StÀnder

WeihnachtsbaumstÀnder

Ein ChristbaumstĂ€nder dient zum Arretieren des Weihnachtsbaums in einer senkrechten Position. Er besteht aus einer meist runden Form, Ă€hnlich einem großen Blumentopf, die mit Wasser gefĂŒllt werden kann, und einer Haltevorrichtung aus Metall, die sich in der Form befindet.

Das Arretieren wird durch unterschiedliche Verfahren erreicht. Manche ChristbaumstÀnder halten den Baum mittels Schrauben, andere nutzen ein Drahtseil zum Festspannen oder einen Dorn zum Aufstecken. ChristbaumstÀnder der neuen Generation haben noch zusÀtzlich einen Wassertank, um den Baum mit Wasser zu versorgen.

Es gibt heute noch vereinzelt ChristbaumstĂ€nder, die mehrheitlich aus der Zeit um 1900 stammen, mit einem Aufzugsmechanismus, der zum einen fĂŒr eine Drehbewegung des Baumes sorgt und außerdem gleichzeitig eine Spieluhr in Betrieb setzt, die ein oder mehrere Weihnachtslieder dazu abspielt.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war es in manchen Regionen ĂŒblich, den Weihnachtsbaum, teilweise auch verkehrt herum, an der Zimmerdecke aufzuhĂ€ngen.[7] Im niederösterreichischen Waldviertel findet man noch in den Stuben und WohnrĂ€umen Ă€lterer GebĂ€ude Haken an der Zimmerdecke zur Befestigung des Weihnachtsbaumes.

Baumschmuck

→ Hauptartikel: Christbaumschmuck
GeschmĂŒckter Weihnachtsbaum.

GeschmĂŒckt wird der Weihnachtsbaum meist mit bunten Glaselementen (z. B. Christbaumkugeln, oder Nikolausfiguren), Lametta, Strohsternen, kleinen Holzfiguren sowie SĂŒĂŸigkeiten. Auf die Spitze setzt man normalerweise einen Stern (in Anlehnung an den Stern von Betlehem), einen Engel oder eine Glasspitze. Die einzelnen Äste des Baumes werden mit Kerzen geschmĂŒckt. Unter dem Baum werden oft die Krippe und daneben die Weihnachtsgeschenke aufgebaut.

Historische Notizen zum Christbaumschmuck

Um 1830 wurden die ersten Christbaumkugeln geblasen. Nach und nach wurde die Sitte der StubenbegrĂŒnung auch beim gewöhnlichen Volk beliebt und diese holten Zweige und „Dannenreisig“ ins Haus. Der Lamettabrauch wurde 1878 als Neuerung in NĂŒrnberg entwickelt. Als Christbaumbehang symbolisiert Lametta nach das Aussehen von glitzernden Eiszapfen. In einigen Regionen wird traditionell kein Lametta verwendet, beispielsweise in Oberfranken.

Geschichte

Die Verwendung des Christbaumes hat keinen historisch nachweisbaren Anfang, sondern findet in BrĂ€uchen verschiedener Kulturen ihren Ursprung. ImmergrĂŒne Pflanzen verkörperten Lebenskraft, und darum glaubten die Menschen in frĂŒheren Zeiten, sich Gesundheit ins Haus zu holen, wenn man sein Zuhause mit GrĂŒnem schmĂŒckte.

Römische Antike

Die Römer bekrĂ€nzten zum Jahreswechsel ihre HĂ€user mit Lorbeerzweigen. Durch das SchmĂŒcken eines Baums zur Wintersonnenwende ehrte man im Mithras-Kult den Sonnengott. Auch in nördlichen Gegenden wurden im Winter schon frĂŒh Tannenzweige ins Haus gehĂ€ngt, um bösen Geistern das Eindringen und Einnisten zu erschweren, gleichzeitig gab das GrĂŒn Hoffnung auf die Wiederkehr des FrĂŒhlings.

Mittelalter

Schon im Mittelalter bestand vielerorts der Brauch, zu bestimmten öffentlichen Festlichkeiten ganze BĂ€ume zu schmĂŒcken, wie zum Beispiel den Maibaum oder den Richtbaum. Zu Weihnachten wurden in der Kirche Paradiesspiele aufgefĂŒhrt, weil der 24. Dezember frĂŒher der liturgische Gedenktag Adam und Evas war, an dem ein Paradiesbaum, der durchaus auch ein Laubbaum sein konnte, mit Äpfeln behĂ€ngt wurde. Der Apfel diente dabei als Zeichen der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis und erinnerte an den SĂŒndenfall und an die Befreiung des Menschen von der ErbsĂŒnde durch Jesus Christus. Noch bis ins 19. Jahrhundert schmĂŒckte man in Norddeutschland seinen Christbaum mit Adam und Eva und Schlange aus Holz oder GebĂ€ck.

Die Aussage, dass die erste urkundliche ErwĂ€hnung eines Christbaumes aus dem Jahre 1419 stammt, ist weit verbreitet, kann allerdings mittlerweile nicht mehr durch Quellen belegt werden.[8] Die Freiburger BĂ€ckerschaft soll nach dieser unbelegten Aussage einen Baum mit allerlei Naschwerk, FrĂŒchten und NĂŒssen behĂ€ngt haben, den die Kinder nach AbschĂŒtteln an Neujahr plĂŒndern durften.[9]

Neuzeit

Von 1521 datiert ein Eintrag in einem Rechnungsbuch der Humanistischen Bibliothek in Schlettstadt: „Item IIII schillinge dem foerster die meyen an sanct Thomas tag zu hieten“ (4 Schillinge dem Förster zu bezahlen, damit er ab dem St. Thomastag, dem 21. Dezember, die BĂ€ume bewacht). Ab dieser Zeit steht der Weihnachtsbaum in den HĂ€usern der vornehmen BĂŒrger als weihnachtlicher Schmuck.

Von den SchwarzhĂ€uptern in Riga und Reval wurden in der ersten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts gegen Ende der Weihnachtszeit TannenbĂ€ume (aus den GildehĂ€usern?) auf den Markt getragen, geschmĂŒckt und zum Schluss verbrannt.[10]

Von 1539 gibt es wieder einen urkundlichen Beleg, dass im Straßburger MĂŒnster ein Weihnachtsbaum aufgestellt wurde. Die ZĂŒnfte und Vereine waren es schließlich, die ein immergrĂŒnes BĂ€umchen in die ZunfthĂ€user stellten.

In einer Lohnabrechnung der Reichsstadt Gengenbach von 1582 wird erwĂ€hnt, dass der Förster „ime Strohbach“ einen „Wiehnachtsbaum uf die Ratsstuben“ gebracht habe.[11]

Die ersten Aufzeichnungen ĂŒber den Christbaum als einen allgemein ĂŒblichen Gebrauch stammen aus dem Jahre 1605. Wieder ist es ein ElsĂ€sser, der die entscheidenden Zeilen festgehalten hat. Er schreibt: „Auff Weihnachten richtet man DannenbĂ€ume zu Straßburg in den Stuben auf. Daran henket man Roßen auß vielfarbigem Papier geschnitten, Aepfel, Oblaten, Zischgold [dĂŒnne, geformte FlitterplĂ€ttchen aus Metall] und Zucker“. 1611 schmĂŒckte Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien den ersten Weihnachtsbaum mit Kerzen.

Transport eines Weihnachtsbaums 1972
Weihnachtsbaum auf dem Frankfurter Römerberg (Januar 2009)

Auch die nĂ€chste Nachricht ĂŒber den Weihnachtsbaum stammt aus Straßburg. In einer zwischen 1642 und 1646 verfassten Schrift ereiferte sich der Prediger am MĂŒnster Johann Conrad Dannhauer gegen den Brauch, in den HĂ€usern WeihnachtsbĂ€ume aufzustellen: „Unter anderen Lappalien, damit man die alte Weihnachtszeit oft mehr als mit Gottes Wort begehet, ist auch der Weihnachts- oder Tannenbaum, den man zu Hause aufrichtet, denselben mit Puppen und Zucker behĂ€ngt, und ihn hernach abschĂŒttelt und abblĂŒhen (abrĂ€umen) lĂ€sst. Wo die Gewohnheit herkommt, weiß ich nicht; ist ein Kinderspiel“.

Illustration von Ludwig Richter Weihnachten um 1800

Seit der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts werden die Nachrichten ĂŒber den Weihnachtsbaum dann hĂ€ufiger. Johann Heinrich Jung-Stilling, 1740 im Nassauischen geboren, scheint eine Erinnerung an seine Kindheit zu bringen, wenn er in seinem 1793 veröffentlichten Das Heimweh von dem hell erleuchtenden Lebensbaum mit vergoldeten NĂŒssen, zu dem das Kind am Morgen des Christtages gefĂŒhrt wird, spricht.

Das weitere Auftreten des Weihnachtsbaumes ist an den Namen Goethes geknĂŒpft, der ihn auch in Die Leiden des jungen Werther 1774 erstmals in die deutsche Literatur einfĂŒhrte: Werther kommt am Sonntag vor Weihnachten zu Lotte und spricht von den Zeiten, da einen die unerwartete Öffnung der TĂŒre und die Erscheinung eines „aufgeputzten Baumes“ mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln in paradiesisches EntzĂŒcken versetzte. Schiller hat in seinen Werken zwar keine Weihnachtsszene geschildert, aber er liebte das Fest unter dem Baum. 1789 schrieb er an Lotte, dass er zu Weihnachten nach Weimar komme und meinte: „Ihr werdet mir hoffentlich einen grĂŒnen Baum im Zimmer aufrichten“. Im Jahre 1805 wurde der Weihnachtsbaum einem großen Leserkreis dadurch bekannt, dass ihn Hebel in seinen Alemannischen Gedichten in dem Lied Die Mutter am Christabend erwĂ€hnte. E.T.A. Hoffmanns MĂ€rchen Nussknacker und Mausekönig vom Jahre 1816 ist das erste Berliner Literaturdenkmal, in dem der lichterglĂ€nzende, mit goldenen Äpfeln und Bonbons geschmĂŒckte Tannenbaum in der Mitte der Weihnachtsbescherung erscheint.

Da TannenbĂ€ume in Mitteleuropa selten waren, konnten sich diese zunĂ€chst nur die begĂŒterten Schichten leisten und die Stadtbevölkerung musste mit Zweigen und anfallendem GrĂŒn auskommen. Erst als ab der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts vermehrt Tannen- und FichtenwĂ€lder angelegt wurden, konnte der stĂ€dtische Bedarf gedeckt werden.

Heute nur noch selten zu sehen: eine Kiefer als Weihnachtsbaum

Die Kirche, der große Waldgebiete gehörten, schritt gegen das PlĂŒndern des Waldes zur Weihnachtszeit ein und billigte diesen „heidnischen“ Brauch nicht. Mit der Zeit ĂŒbernahm sie den Brauch. Als in evangelischen Kreisen der Christbaum ins Brauchtum ĂŒbernommen wurde, trat der Christbaum seinen Siegeszug an. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist der Weihnachtsbaum auch in den katholischen Regionen Deutschlands und Österreich bezeugt. Der erste Weihnachtsbaum in Wien wurde 1814 von Fanny von Arnstein, einer aus Berlin stammenden angesehenen jĂŒdischen Gesellschaftsdame, aufgestellt,[12] in deren Hause auch Vertreter des Hochadels ein und aus gingen. Bereits 1816, anderen Quellen zufolge 1823,[13] wurde diese Tradition von Henriette von Nassau-Weilburg, der Gattin Erzherzog Karls, aufgegriffen[14][15] und breitete sich von da an in allen Gesellschaftsschichten Österreichs aus.

1815 verbot die niederösterreichische Landesregierung „das AbstĂ€mmeln und Ausgraben der BĂ€ume zum Behuf der Fronleichnams-Prozessionen, Kirchenfeste, WeihnachtsbĂ€ume und dergleichen“. „Mit ‚dergleichen‘ waren wohl die NikolausbĂ€umchen gemeint, die 1782 als ‚grĂŒner Baum mit brennenden Kerzchen bestekket, auf welchem etwelche Pfunde candirtes Zuckerbacht ebenso glĂ€nzen wie der vom Reife candirte Kirschenbaum zur Winterszeit schimmert‘ beschrieben wurden. Offensichtlich bestanden eine Zeitlang beide Geschenktermine nebeneinander.“[16]

Verbreitung der WeihnachtsbÀume

1832 stellte der deutschstĂ€mmige Harvard-Professor Karl Follen als erster einen Weihnachtsbaum in seinem Haus in Cambridge (Massachusetts) auf und fĂŒhrte so diesen Brauch in Neuengland ein.[17]

Königin Victoria und Prinz Albert feiern Weihnachten mit ihren Kindern. Der königliche Baum wurde in The Illustrated Londons News im Jahr 1848 abgebildet

Als sich die Königin Viktoria 1840 mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha vermĂ€hlte, kam der Weihnachtsbaum nach London. Auch die Niederlande, Russland, besonders Petersburg und Moskau, wo er allerdings nur in den höchsten Kreisen ĂŒblich war, und Italien verdanken ihren Weihnachtsbaum den Deutschen. 1837 fĂŒhrte die Herzogin Helene von Orleans den Weihnachtsbaum in die Tuilerien ein, spĂ€ter machte sich die Kaiserin Eugenie um seine Verbreitung verdient. Zwei Jahrzehnte spĂ€ter wurden in Paris bereits 35.000 ChristbĂ€ume verkauft. Nach Nordamerika gelangte der Christbaum durch deutsche Auswanderer und Matrosen. Alte US-Zeitungen berichten, Gustav Körner habe die typisch deutsche Sitte des beleuchteten und geschmĂŒckten Weihnachtsbaums in den USA eingefĂŒhrt â€“ und dies schon bald nach Ankunft im Bundesstaat Illinois zu seinem ersten Weihnachtsfest in den USA im Jahr 1833. In den USA wurden schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts ChristbĂ€ume aus Eisen hergestellt. Diese Wunderwerke der Technik waren teilweise schon mit Gas beleuchtet: „Durch die hohlen Äste flutet das Gas und wo sonst Kerzen erstrahlen, zuckt aus schmaler Ritze die Gasflamme empor“.

Weihnachten in Kamerun, 1900

In Österreich ist es in den letzten Jahrzehnten Tradition geworden, ChristbĂ€ume an verschiedene Einrichtungen und Organisationen im Ausland als Geschenke zu ĂŒberbringen. So steht seit dem EU-Beitritt ein österreichischer Nadelbaum vor dem EU-Parlament in BrĂŒssel. Auch Schneiden, Sonder-Strassentransport, Aufstellen und Beleuchten in einer Hauptstadt werden als Spektakel des stĂ€dtischen Adventmarkts inszeniert, wie das Beispiel eines 30 m hohen 140 Jahre alten Nadelbaums 2011 in Graz zeigt.[18][19] Desgleichen wird jedes Jahr mit Beginn des Weihnachtsmarktes ein Tannenbaum auf dem Hamburger Rathausmarkt aufgestellt, der ein Geschenk eines nordischen Staates an den Stadtstaat ist.

Freizeittaucher gehen im Advent zum „Christbaum-Versenken“ ins kalte Wasser eines Sees, um mit diesem mitteleuropĂ€ischen Brauch eines tauchunfallfreien Jahres zu gedenken.[20]

Höchster Weihnachtsbaum

In Dortmund wird jedes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt der „grĂ¶ĂŸte Weihnachtsbaum“ aufgebaut

NatĂŒrliche WeihnachtsbĂ€ume

  • Die grĂ¶ĂŸte als Weihnachtsbaum geschmĂŒckte Konifere war eine 1950 in Seattle aufgestellte Douglasie von 67,4 m Höhe.
  • Im Styx Forest in Tasmanien wurde am 20. Dezember 1999 ein 80 m hoher Eucalyptus regnans geschmĂŒckt und als grĂ¶ĂŸter Weihnachtsbaum aller Zeiten bezeichnet. Die Aktion diente als Werbung fĂŒr den Schutz bedrohter UrwĂ€lder.
  • Der General Grant Tree im Sequoia National Park, mit knapp 82 m der zweitgrĂ¶ĂŸte Riesenmammutbaum der Welt, wurde am 28. April 1926 von PrĂ€sident Calvin Coolidge zum Nation's Christmas Tree bestimmt.
  • Der mit 36 Metern höchste natĂŒrlich gewachsene Weihnachtsbaum Deutschlands des Jahres 2005 stand auf dem GelĂ€nde des Rheinischen Freilichtmuseums in Kommern in der Eifel. 2003 stand dort schon einmal der höchste natĂŒrlich gewachsene Weihnachtsbaum Deutschlands, er war 38 m hoch.
  • In der italienischen Hauptstadt Rom wurde im Jahr 2008 am Petersplatz mit 33 Meter eine 120 Jahre alte Fichte aus Gutenstein in Niederösterreich der höchste Christbaum aufgestellt.[21]
  • In der Stadt Wermelskirchen steht eine 1870 gepflanzte Mammutkiefer, die alljĂ€hrlich zu einem der grĂ¶ĂŸten lebenden WeihnachtsbĂ€ume Europas geschmĂŒckt wird.
In Dortmund gibt es den kleinsten Weihnachtsbaum der Welt

KĂŒnstliche WeihnachtsbĂ€ume

  • 2011 wurde der grĂ¶ĂŸte schwimmende Weihnachtsbaum der Welt in Rio de Janeiro aufgebaut. Mit 85 Meter Höhe und 3,3 Millionen GlĂŒhlampen schwimmt der 542 Tonnen schwere Stahlkoloss auf dem Rodrigo-de-Freitas-See.
  • Im Jahre 2007 wurde in Bukarest ein Weihnachtsbaum mit 76 Metern Höhe errichtet.
  • In Lissabon und Warschau stand 2005 jeweils ein Weihnachtsbaum aus GerĂŒsten mit 72 m Höhe.
Der General Grant Tree, seit 1926 nationaler Weihnachtsbaum der USA
  • Auf dem Weihnachtsmarkt in Dortmund wird seit 1996 jedes Jahr ein 45 m hoher kĂŒnstlicher Baum aufgebaut.[22] An einem konisch zulaufenden Stahlgestell werden einzelne TannenbĂ€ume befestigt, so dass hinterher ein sehr großer Weihnachtsbaum entsteht. Der Weihnachtsbaum wird durch eine eigene Sprinkleranlage geschĂŒtzt. Der Betreiber bezeichnet diesen Baum seit mehreren Jahren als „grĂ¶ĂŸten Weihnachtsbaum“.
  • Seit 2007 gibt es mit einem nur 14 mm hohen, beleuchteten und voll geschmĂŒckten Kunstbaum auch das passende GegenstĂŒck in Form des angeblich „kleinsten Weihnachtsbaums“, der im Schaufenster einer Kunstgalerie ebenfalls in der Dortmunder Innenstadt gezeigt wird.[23]
  • In der brasilianischen Stadt Itu gibt es einen 84 m hohen Weihnachtsbaum aus Stahl.
  • In Gubbio in der italienischen Region Umbrien wird seit den 1980er Jahren am Hang des Monte Ingono jĂ€hrlich ein 800 m hoher und 400 m breiter Weihnachtsbaum aus 450 farbigen Lichtern gebildet, der aus ca. 50 km Entfernung zu sehen ist. Das Guinness-Buch der Rekorde von 1991 verzeichnet ihn als grĂ¶ĂŸten unnatĂŒrlichen Weihnachtsbaum der Welt.

Lieder und literarische Werke

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Lichterbaum selbst Gegenstand von Weihnachtsliedern und -erzÀhlungen, oft ohne Bezug auf die Geburt Christi:

Christbaum-Versenken

Eine Erweiterung erfuhr der Brauch durch das Christbaum-Versenken bei manchen GewĂ€ssern. So veranstaltet in Klagenfurt der Tauchklub seit den 1960er-Jahren[25] ein Christbaum-Versenken im Wörthersee. Von Tauchern wird ein geschmĂŒckter Christbaum in die Tiefe gebracht. Dabei wird der im See Umgekommenen gedacht. Auch in anderen Seen, wie im Neufelder See, wurde dieser Brauch ĂŒbernommen.[26]

Literatur

  • Bernd Brunner: Die Erfindung des Weihnachtsbaums. Berlin: Insel Verlag, 2011, ISBN 978-3458193470
  • Oscar Cullmann: Die Entstehung des Weihnachtsfestes und die Herkunft des Weihnachtsbaumes; Stuttgart: Quell-Verlag, 1994; ISBN 3-7918-2326-4 (eine sehr solide und allgemeinverstĂ€ndliche ErklĂ€rung des Weihnachtsfestes, etwa die HĂ€lfte des Buches ist dem Thema Christbaum gewidmet)
  • Christine Hubka: Der Christbaum ist im Paradies gewachsen. Adventkranz, Christbaumschmuck und Weihnachtskrippe erzĂ€hlen ihre Geschichten; Limburg und Kevelaer: Lahn-Verlag, 2001; ISBN 3-7840-3231-1 sowie Innsbruck und Wien: Tyrolia-Verlag, 2001; ISBN 3-7022-2391-6
  • Otto Lauffer: Der Weihnachtsbaum in Glauben und Brauch, Berlin/Hamburg 1934.
  • Camille Schneider: Der Weihnachtsbaum und seine Heimat das Elsass; Dornach: Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum, 1977
  • Kurt Mantel: Geschichte des Weihnachtsbaumes und Ă€hnlicher weihnachtlicher Formen. Eine kultur- und waldgeschichtliche Untersuchung; Hannover: Schaper, 19772; ISBN 3-7944-0098-4

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Weihnachtsbaum â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Weihnachtsbaum â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Deutschlandfunk: Tag fĂŒr Tag; Sendung vom 12. Dezember 2006
  2. ↑ Der Weihnachtsbaum verliert seine GrĂ¶ĂŸe; LĂŒbecker Nachrichten, Meldung vom 16. November 2007.
  3. ↑ China hat Interesse am deutschen Wald; Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ausgabe vom 27. Juni 2007.
  4. ↑ Heimische ChristbĂ€ume sind am beliebtesten; Meldung auf oe24, abgerufen am 22. Dezember 2008
  5. ↑ JĂŒrgen Matschke: WeihnachtsbĂ€ume. Wissenswertes ĂŒber den qualitĂ€tsgerechten Anbau; Braunschweig: Thalacker Medien, 20052; ISBN 3-87815-218-3
  6. ↑ Andreas Kopietz: WeihnachtsbĂ€ume fĂŒr Elefanten und Alpakas; Artikel in der Berliner Zeitung vom 27. Dezember 1997.
  7. ↑ historisches-franken.de HĂ€ngende WeihnachtsbĂ€ume
  8. ↑ Hans-Peter Widmann: den selan trostlich, den dĂșrftigen nuzzelich; in: Sebastian Bock, Hans-Peter Widmann: Die Geschichte des Heiliggeistspitals und der Heiliggeistspitalstiftung in Freiburg im Breisgau; Freiburg i.Br.: Promo-Verlag, 2005; ISBN 3-923288-42-5
  9. ↑ Jochen MĂŒssig: Weihnachtstradition weltweit – Durch Baum und Zeit; Artikel in der SĂŒddeutschen Zeitung vom 20. Dezember 2006.
  10. ↑ F. A. Redlich: Ein neuer Beitrag zur Geschichte des Weinachtsbaums; in: Niederdeutsche Zeitschrift fĂŒr Volkskunde 13 (1935), S. 234–239
  11. ↑ Gerold Glatz: Hat Gengenbach den Ă€ltesten Weihnachtsbaum? In: Gengenbacher BlĂ€tter 1997, 54f.
  12. ↑ Hilde Spiel: Fanny von Arnstein oder die Emanzipation. Ein Frauenleben an der Zeitenwende 1758–1818; Frankfurt am Main: S. Fischer, 1962 (Fischer Taschenbuch 1992; ISBN 3-596-22131-5); S.434
  13. ↑ Albertina: Wo Österreichs erster Christbaum erstrahlte; auf: ORF.at; vom 28. November 2007
  14. ↑ Erzherzog Albrecht, der hohe Gast 
. In: Badener Bezirks-Blatt, 1. JĂ€nner 1881, S. 4 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bbb
  15. ↑ Berichtigung.. In: Badener Bezirks-Blatt, 8. JĂ€nner 1881, S. 2 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bbb
  16. ↑ Eintrag ĂŒber Christbaum in Österreich in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (im Heimatlexikon) abgerufen am 10. Dezember 2011
  17. ↑ Ken Gewertz: The Professor who brought the Christmas Tree to Newengland. 200th Anniversary of Charles Follen’s birth marked this year; in: Harvard University Gazette, Ausgabe vom 12. Dezember 1996.
  18. ↑ Treffpunkt Christbaum. Der Weihnachtsbaum am Hauptplatz kommt dieses Jahr von der Teichalm; Artikel der Holding Graz Services. Straße & GrĂŒnraum; November 2011
  19. ↑ Erleuchtung im Mittelpunkt – Grazer Christbaum feierliche „entzĂŒndet“; Artikel der Stadt Graz vom 26. November 2011.
  20. ↑ Christbaumversenken im Neufeldersee; Beticht des ORF/Radio Burgenland vom 11. Dezember 2011
  21. ↑ Christbaum aus NÖ wird an Papst ĂŒbergeben; Meldung auf orf.at, abgerufen am 22. Dezember 2008.
  22. ↑ Weihnachtsmarkt Dortmund 2009: GrĂ¶ĂŸter Weihnachtsbaum
  23. ↑ Webseite mit Informationen zum kleinsten Weihnachtsbaum der Welt auf www.trainini.de
  24. ↑ Das Geheimnis der Titan-Droiden“
  25. ↑ Christbaum-Versenken im Wörthersee in der Kleinen Zeitung vom 1. Dezember 2011 abgerufen am 14. Dezember 2011
  26. ↑ Eintrag ĂŒber Christbaumversenken in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (im Heimatlexikon) abgerufen am 14. Dezember 2011
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