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Die Weltfestspiele der Jugend und Studenten sind regelmäßig veranstaltete internationale Jugendtreffen, die 1947 vom Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ) ins Leben gerufen wurden. Die teilnehmenden Jugend- und Studierendenverbände sind überwiegend links, oft kommunistisch ausgerichtet.
Inhaltsverzeichnis |
Der am 10. November 1945 gegründete WBDJ beschloss, Weltjugendtreffen zu veranstalten; diese Treffen sollten „die internationale Freundschaft und Verständigung der Jugendlichen der verschiedenen Länder entwickeln und verstärken, einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau der Welt und zur Erhaltung des Friedens leisten und mit allen geeigneten Mitteln das Leben, die Tätigkeit, die Bestrebungen der Jugend der verschiedenen Länder zeigen“.
Auf den Weltfestspielen wird diskutiert und gefeiert, man hört und bietet Musik und Vorträge. Die Veranstaltungen sind politisch und kulturell geprägt. Besonders in der Zeit des Kalten Krieges waren sie immer wieder Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen, vor allem 1959 und 1962 als sie in westlichen Ländern stattfanden, sowie 1968, als die Studentenrevolte und der Prager Frühling auch das Festival in Sofia beeinflussten.
Im Westen hatten die Weltfestspiele seit Beginn der 1950er Jahre nur eine geringe Bedeutung, die in den folgenden Jahrzehnten noch weiter abnahm und in den 1990er Jahren, nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen, einen Tiefpunkt erreichte.[1]
Weltfestspiele:
Die ersten Weltfestspiele in der DDR fanden vom 5. bis zum 19. August 1951[2] in Ost-Berlin statt. Die Eröffnungs- und Abschlussfeiern wurden im Walter-Ulbricht-Stadion abgehalten. Zu dem Jugendtreffen kamen offiziell etwa 26.000 Teilnehmer aus 104 Ländern. Die junge DDR nutzte die Weltfestspiele intensiv als Gelegenheit, sich internationales Ansehen zu verschaffen. Die Festivalhymne „Im August blüh'n die Rosen“ ging in das populäre Liedgut der DDR ein und wurde auch im Westen ein erfolgreicher Schlager.
Die am 24. April 1951 als verfassungsfeindlich in der Bundesrepublik Deutschland verbotene FDJ rief zur Teilnahme an den Weltfestspielen auf. Vorsitzender des Vorbereitenden Komitees für die Weltjugendfestspiele 1951 war der Bremer Pastor Johannes Oberhof. [3] Teilnahmewillige Jugendliche wurden durch Bundesbehörden teilweise an der Ausreise und damit Teilnahme gehindert. Bis zum 28. Juli 1951 wurden über 6000 FDJ-ler von der Grenze zwangsweise zurück in ihre Wohnorte gebracht. Transportunternehmen, die Aktionen der verbotenen West-FDJ unterstützten, wurden mit Strafen bedroht. Allein bei der Polizei Niedersachsen wurden 11.000 Polizeibeamte in Alarmbereitschaft versetzt.[4] Trotzdem nahmen mehr als 35.000 junge Menschen aus der BRD und aus West-Berlin am Festival teil.
Auch Teilnehmer aus der Schweiz wurden bei der Einreise behindert.[5]
Aufgrund von Versorgungsengpässen im Ostsektor Berlins folgten viele Jugendliche der Einladung des West-Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter, sich an provisorischen Suppenküchen zu versorgen. Der FDJ-Vorsitzende Erich Honecker schickte daraufhin Mitglieder der FDJ in den Westen Berlins, was zu Straßenschlachten mit der West-Berliner Polizei und der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit führte.[1] Der Vorfall wurde in West-Berlin vom Groscurth-Ausschuss untersucht, der benannt wurde nach der Initiatorin Anneliese Groscurth, der Witwe des Widerstandskämpfers Georg Groscurth.[6]
1973 fanden die Weltfestspiele ein weiteres Mal in der DDR statt. In den neun Veranstaltungstagen kamen etwa acht Millionen Besucher mit 25.600 Gästen aus 140 Staaten zusammen. Auf 95 Bühnen gab es Beat- und Rockmusik und Lieder von Singeklubs. Das in einem Preisausschreiben siegreiche Festivallied war: „Die junge Welt ist in Berlin zu Gast, und sie schert sich nicht drum, ob es dem Feinde passt“. Stellvertretender Leiter des Organisationskomitees war der damalige Mitarbeiter im FDJ-Zentralrat und spätere Dresdner Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer.
Aufgrund der Aufbruchstimmung in den frühen 1970er Jahren in der DDR und der zeitlichen Nähe zum Woodstock-Fest in den USA wurden die Weltfestspiele 1973 auch das „Woodstock des Ostens“ genannt.
Aus der Bundesrepublik Deutschland fuhr eine Delegation von 800 Teilnehmern zu den Weltfestspielen, die vom Initiativausschuss X. Weltfestspiele (AK Festival (unter anderem SDAJ, VDS und MSB Spartakus) und Koordinierungsgruppe X. Weltfestspiele (Jusos, DGB-Jugend, Jungdemokraten und andere)) zusammengestellt wurde. Auf dem Bebelplatz in Ost-Berlin konnte der damalige Juso-Vorsitzende erstmals in der DDR sozialdemokratische Positionen öffentlich vertreten.
Das Ministerium für Staatssicherheit verhinderte bis zum 28. Juni 1973 die Reise von 2.720 „negativen Personen“ nach Ost-Berlin, gegen 2.073 Personen wurde Haftbefehl erlassen. Um die Überlegenheit der DDR bei kontroversen Diskussionen sicherzustellen, wurden als FDJler verkleidete Mitarbeiter des MfS an die Diskussionspunkte entsandt, die als „Zehnergruppenleiter“ bei kritischen Diskussionen die Politik von Partei und Regierung der DDR zu vertreten hatten. Sie sollten auch gefährliche Flugblätter einsammeln und dokumentieren sowie regelmäßig detaillierte Berichte über ihre Arbeit abliefern. DDR-Delegationsteilnehmer sollten bei schwierigen Fragen auf diese verweisen. Zusätzlich wurden die Teilnehmer der Jugendorganisation der SED vor den Weltfestspielen ideologisch geschult.[7]
Ein kleines Kuriosum im Zusammenhang mit der Veranstaltung: Die DDR-Regierung hatte den Hauptveranstaltungsort, das Walter-Ulbricht-Stadion, in Stadion der Weltjugend umbenannt. Walter Ulbricht starb während der X. Weltfestspiele im Gästehaus der Regierung der DDR am Döllnsee. Ulbrichts Urne erhielt später einen Ehrenplatz in der Gedenkstätte der Sozialisten im Zentralfriedhof Friedrichsfelde. Sein Name wurde schon kurz nach seinem Tode weitgehend aus der DDR-Geschichtsschreibung entfernt. Gleichzeitig wurde auch der in der Nähe gelegene U-Bahnhof Walter-Ulbricht-Stadion (heute: Schwartzkopffstraße), der seit dem Mauerbau ein sogenannter Geisterbahnhof war, in Stadion der Weltjugend umbenannt, was nur für vorbeifahrende West-Berliner U-Bahn-Fahrgäste sichtbar war, denn auf DDR-Stadtplänen waren die „Geisterbahnhöfe“ nicht verzeichnet, und DDR-Bürger durften sie nicht benutzen.