|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Weltherrschaft ist die Herrschaft über die gesamte Menschheit. Dieser unerreichte Zustand war das Ziel verschiedener Bewegungen. Das Streben nach Weltherrschaft in einem pejorativen Sinn wurde in der Neuzeit verschiedenen Gruppen und politischen Systemen unterstellt und ist bis heute ein beliebtes Thema in Unterhaltungsmedien.
Einer Weltherrschaft am nächsten kam bisher das Britische Weltreich, das 1922 eine Bevölkerung von 458 Millionen Menschen hatte - ein Viertel der damaligen Weltbevölkerung.[1] und eine Fläche von ca. 33,67 Millionen km² (etwa ein Viertel der Landmasse der Erde).[2]
Inhaltsverzeichnis |
In der historischen Forschung werden verschiedene Weltreiche oder Hegemonialmächte als „Weltherrschaft“ beschrieben, so etwa das Römische Reich[3], das Mongolenreich unter Dschingis Khan oder das habsburgisch-spanische Kolonialreich unter Karl V.[4], in dem die Sonne sinnbildlich nie unterging. Tatsächlich übten diese Gebilde aber Herrschaft jeweils über einen geringen Prozentsatz der Weltbevölkerung aus oder auch nur die den jeweiligen Herrschern bekannte Welt.
Die Weltherrschaft wurde im Mittelalter während des Investiturstreites vom Papsttum beansprucht, doch auch die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches verstanden sich zumindest idealiter als Weltherrscher, worauf der globusförmige Reichsapfel, eines ihrer Herrschaftsinsignien, hindeutet. Die Sultane des Osmanischen Reiches erhoben seit dem 15. Jahrhundert ebenfalls diesen Anspruch.[5] Sultan Süleyman I. zum Beispiel rechtfertigte ihn bei Verhandlungen im Vorfeld seiner Belagerung Wiens 1529 theologisch:
„Weil nur ein Gott und nur ein Himmel ist, so ist es gerecht, dass auf dem Erdreich auch nur ein Haupt und Regierer sei: Derselbe will Er sein und seinen Kopf nicht sanft legen, bis sie und die ganze Christenheit unter seine Gewalt bezwungen werden.“[6]
Auch wurde vom Marxismus eine Weltrevolution vorausgesagt, also die Zerschlagung der bürgerlichen Herrschaft in allen Staaten der Erde und die Errichtung einer weltweiten Diktatur des Proletariats. Für die Politikwissenschaftlerin Hannah Arendt ist das Streben nach Weltherrschaft eines der Kennzeichen totalitärer Systeme.[7] Ob auch Adolf Hitler und die Nationalsozialisten die Weltherrschaft oder eine Weltvorherrschaft anstrebten, ist in der historischen Forschung umstritten.[8]
Der Vorwurf die Weltherrschaft anzustreben war und ist ein verbreitetes Mittel, um eine Gruppe oder ein Denksystem zu diskreditieren. Dies wurde unter anderem unterstellt
Im christlichen Kontext wird Jesus Christus als (letzter) Weltherrscher oder Weltenherrscher bezeichnet. Damit ist einerseits gemeint, dass er im geistlichen Sinne bereits gegenwärtig als Christkönig der Herrscher alles Bestehenden sei. In der Eschatologie soll er als wiederkommender Messias erst noch Weltenherrscher werden und den zuvor mit Hilfe von Satan herrschenden Antichristen ablösen.
In Unterhaltungsmedien findet sich recht häufig die Figur eines Superschurken oder verrückten Wissenschaftlers, der die Weltherrschaft anstrebt, so etwa bei Dr. Mabuse, in den James-Bond-Filmen, im Batman-Universum oder – als Parodie – in der Zeichentrickserie Pinky und der Brain.