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Weltraumbahnhof

Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing

Als Weltraumbahnhof oder kurz Raumhafen (für den Raumflughafen oder Weltraumhafen) bezeichnet man unter anderem einen Raketenstartplatz, an dem auch Trägerraketen für orbitale und interplanetare Weltraummissionen starten können. Dabei kann es sich um unbemannte Satelliten- oder Raumsondenstarts oder bemannte Raumflüge handeln. In Russland und China ist auch der Begriff Kosmodrom geläufig. Die meisten Weltraumbahnhöfe verfügen auch über Startanlagen für Höhenforschungsraketen und/oder für militärische Raketen zu Versuchszwecken.

Weltraumbahnhöfe werden derzeit von einzelnen Weltraumnationen, Staatenorganisationen (wie der ESA) oder privaten Unternehmen (Sea Launch) unterhalten.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsherkunft

Die ersten Weltraumbahnhöfe entstanden im Verbund mit Eisenbahn-Anlagen, die für den Transport der schweren Raketenstufen und der Nutzlasten benötigt wurden. Erst Jahre später wurden auch die ersten Satelliten, z.B. von Sea Launch, vom Wasser aus in den Orbit gebracht. Und weitere Jahre danach wurde auch das Konzept des Flughafens für die ersten Weltraumhäfen – vorerst nur für suborbitale Raumflüge – verwendet (siehe auch Spaceport America).[1][2]

Standortbedingungen

Die Kriterien für den Standort eines Weltraumbahnhofs sind vielfältig. Er sollte wenn möglich nahe am Äquator liegen: Durch die Erdrotation hat die Rakete dort bereits die auf der Erdoberfläche maximal vermittelte Grundgeschwindigkeit und muss weniger beschleunigen, um insgesamt auf die im Orbit notwendige Geschwindigkeit zu kommen. Zudem erleichtert die Lage das Erreichen der Umlaufbahn. Nur für Starts in polare Orbits sind polnahe Standorte günstiger (zum Beispiel Plessezk).

Ein Raketenbahnhof sollte sich in einem politisch stabilen Staat befinden, da sein Aufbau mit großen Investitionen verbunden ist. Er sollte abseits von dicht besiedeltem Gebiet liegen und in östlicher Richtung einen Ozean oder ein sehr dünn besiedeltes Gebiet haben. Denn fast alle Raketenstarts erfolgen mit der Erdrotation (aus oben genanntem Grunde) in östlicher Richtung. Wenn es zu einem Fehlstart kommt, könnten sonst Menschen durch nieder stürzende Trümmer und Treibstoffe gefährdet werden. Zudem ist der Standort auf die politische Einflusssphäre des errichtenden Staats oder der Staatenorganisation beschränkt.

Der Weltraumbahnhof sollte an einem geologisch stabilen Ort gebaut werden, der von größeren und vielen Unwettern verschont wird, da Raketenstarts bei Regen oder Sturm meist abgesagt werden müssen. Schließlich sollte genügend Raum vorhanden sein, um ihn gegebenenfalls ausbauen zu können.

Der ideale Standort für einen Weltraumbahnhof existiert jedoch nicht und bei der Wahl müssen Kompromisse eingegangen werden.

Beispiel: Russische Kosmodrome

Besonders die russischen Kosmodrome sind durch ihre sehr weit nördliche Lage benachteiligt, da für orbitale Manöver zur Zielumlaufbahn mehr Treibstoff aufgewendet werden muss.

Beispiel: Kourou

Der europäische Weltraumbahnhof Centre Spatial Guyanais in Kourou besitzt von ähnlichen Einrichtungen weltweit die günstigste Lage. Er liegt im französischen Übersee-Departement Französisch-Guayana im Norden Südamerikas (politisch stabil) und liegt sehr dicht am Äquator (günstige Starteigenschaften, maximaler Geschwindigkeitsbonus durch Erdrotation). Die Region ist sehr dünn besiedelt und grenzt im Nordosten an den Atlantik (geringe Gefährdung für Menschen). Da der Weltraumbahnhof direkt an ein ausgedehntes Waldgebiet grenzt, ist auch sein Ausbau problemlos möglich. Zwar besitzt Kourou ein subtropisches Klima, wird jedoch von den meisten Atlantikstürmen verschont. Zudem lassen sich Material und Güter aufgrund der Küstenlage sehr einfach und schnell dorthin transportieren. Er liegt jedoch sehr weit von den Betreiberstaaten (Frankreich, ESA) entfernt.

Liste der Weltraumbahnhöfe

Name Standort Betreiber Koordinaten
Flag of Brazil.svg Brasilien
Centro de Lançamento de Alcântara (CLA) Alcântara, Maranhão Brasilien 2° 22′ S, 44° 24′ W-2.37305555556-44.3963888889
Flag of the People's Republic of China.svg China
Jiǔquán Weìxīng Fāshè Zhōngxīn Jiuquan, Gansu Volksrepublik China (VR China) 40° 57′ N, 100° 18′ O40.9569444444100.292222222
Xīchāng Weìxīng Fāshè Zhōngxīn Xichang, Sichuan VR China 28° 12′ N, 102° 4′ O28.1969444444102.071388889
Tàiyuán Wèixīng Fāshè Zhōngxīn Taiyuan, Shanxi VR China 38° 51′ N, 111° 36′ O38.8472222222111.608055556
Wénchāng Wèixīng Fāshè Zhōngxīn (in Planung) Wenchang, Hainan VR China 19° 37′ N, 110° 45′ O19.6173888889110.743219444
Flag of France.svg Französisch-Guayana
Centre Spatial Guyanais (CSG) Kourou Europäische Weltraumorganisation (ESA) 5° 13′ N, 52° 45′ W5.22166666667-52.7538888889
Flag of India.svg Indien
Satish Dhawan Space Centre (SHAR) Andhra Pradesh Indische Raumfahrtbehörde (ISRO) 13° 43′ N, 80° 14′ O13.7280.23
Flag of Iran.svg Iran
Semnan bei Semnan Iranische Weltraumagentur 35° 16′ N, 53° 57′ O35.25953.953
Flag of Israel.svg Israel
Palmachim Palmachim, nahe Tel Aviv Israelische Streitkräfte und
Israelische Raumfahrtorganisation (ISA)
31° 53′ N, 34° 41′ O31.884834.6802
Flag of Japan.svg Japan
Tanegashima Uchū Sentā Tanegashima Japanische Raumfahrtagentur (JAXA) 30° 23′ N, 130° 57′ O30.3777972222130.957502778
Uchinoura Uchū Kūkan Kansokusho Uchinoura, Präfektur Kagoshima Institute of Space and
Astronautical Science
(ISAS)
31° 15′ N, 131° 5′ O31.2522861111131.078422222
Flag of Kazakhstan.svg Kasachstan
Baikonur Baikonur Russland 45° 55′ N, 63° 18′ O45.916666666763.3
Flag of Kenya.svg Kenia
San-Marco-Plattform
San Marco Equatorial Range (SMER)
nahe Malindi, vor der Küste Kenias Italien 2° 56′ S, 40° 13′ O-2.9380555555640.2122222222
Flag of the Marshall Islands.svg Marshallinseln
Omelek Kwajalein-Atoll SpaceX 9° 3′ N, 167° 45′ O9.04816666667167.743083333
Flag of Russia.svg Russland
Dombarowski Jasny, Oblast Orenburg International Space Company (ISC) „Kosmotras“[3] 51° 2′ N, 59° 52′ O51.033333333359.8666666667
Kapustin Jar Oblast Astrachan,
nähe Wolgograd
Südrussland 48° 35′ N, 45° 45′ O48.583333333345.75
Plessezk nördlich von Mirny, Oblast Archangelsk Russland 62° 56′ N, 40° 27′ O62.927777777840.45
Swobodny Swobodny, Oblast Amur Russland 51° 44′ N, 128° 5′ O51.7333333333128.083333333
Wostotschny Uglegorsk, Oblast Amur Russland 51° 49′ N, 128° 15′ O51.8166666667128.25
Flag of Sweden.svg Schweden
Esrange bei Kiruna ESA und schwedische Regierung[2] 67° 54′ N, 21° 6′ O67.893888888921.1069444444
bei Kiruna bei Kiruna Konsortium der „Swedish Space Corporation“ und weiterer privater Unternehmen[2]
Flag of the United States.svg USA
Cape Canaveral Air Force Station (CCAFS) Cape Canaveral, Florida US Air Force (USAF) 28° 29′ N, 80° 35′ W28.4888888889-80.5777777778
Kennedy Space Center (KSC) Merritt Island, Florida NASA 28° 35′ N, 80° 39′ W28.5852777778-80.6508333333
Kodiak Launch Complex (KLC) Kodiak-Insel, Alaska Alaska Aerospace Development Corporation 57° 26′ N, 152° 20′ W57.4358333333-152.337777778
Mojave Luft- und Raumfahrthafen Mojave, Kalifornien „The Spaceship Company“ (TSC)[4] 35° 4′ N, 118° 9′ W35.0666666667-118.15
Sea-Launch-Plattform nahe Hawaii Sea Launch 0° 0′ N, 154° 0′ W0-154
Spaceport America nahe Upham, New Mexico New Mexico Spaceport Authority (NMSA) 32° 56′ N, 106° 56′ W32.93-106.931666667
Vandenberg Air Force Base (VAFB) zwischen Los Angeles und
San Francisco, Kalifornien
USAF 34° 44′ N, 120° 35′ W34.7333333333-120.583333333
Wallops Flight Facility (WFF) Wallops Island, Virginia NASA 37° 50′ N, 75° 29′ W37.8333333333-75.4833333333

Stillgelegte Weltraumbahnhöfe

Name Standort ehem. Betreiber Koordinaten
Flag of Algeria.svg Algerien
Hammaguir Hammaguir Centre interarmées d'essais d'engins spéciaux 30° 52′ N, 3° 0′ W30.871-3.008
Flag of Australia.svg Australien
Woomera Prohibited Area (WPA)

(nur noch Startplatz für Höhenforschungsraketen)

Woomera, South Australia 31° 12′ S, 136° 50′ O-31.1986111111136.825

Startplätze nur für ballistische Raketen (Höhenforschungsraketen oder militärische Raketen), siehe Raketenstartplatz.

Karte der Weltraumbahnhöfe

Kennedy Space CenterCape Canaveral Air Force StationSea LaunchVandenberg Air Force BaseKodiak Launch CenterWallops Flight FacilityAlacantaraKorouSan-Marco-PlattformPalmachimKapustin JarBaikonurPlessezkSwobodnyJiuquanTaiyuanUchinoura Space CenterTanegashima Space CenterXichangSatish Dhawan Space Centre
Weltraumbahnhöfe weltweit (anklickbar)

Literatur

  • Ralf Butscher: Großer Bahnhof am Äquator. In: Bild der Wissenschaft, Heft 1/2005, S. 88−93 (2005), ISSN 0006-2375

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Weltraumbahnhof – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Index (englisch) – Übersicht zu den Raketenstartplätzen der Welt bei der Encyclopedia Astronautica

Einzelnachweise

  1. New Mexico mit hohen Zielen – Artikel bei Raumfahrt24.de, vom 13. Juni 2006
  2. a b c Erster europäischer Raumhafen – Artikel bei wasistwas.de, vom 18. April 2007
  3. ISC Kosmotras (englisch) – offizielle Webseite
  4. The Spaceship Company (englisch) – offizielle Webseite
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