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Werner Sombart

Datei:Nicola Perscheid - Werner Sombart vor 1930.jpg
Werner Sombart um 1930 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid.

Werner Sombart (* 19. Januar 1863 in Ermsleben; † 18. Mai 1941 in Berlin) war ein deutscher Soziologe und Volkswirt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er wurde als Sohn des Rittergutsbesitzers, Industriellen und nationalliberalen Politikers und Reichstagsmitglieds Anton Ludwig Sombart geboren. Mit seiner ersten Ehefrau hatte er vier Töchter, darunter Clara, die mit dem Entdecker der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, Hans-Gerhard Creutzfeldt verheiratet war. In zweiter Ehe war Sombart mit der 30 Jahre jüngeren Tochter eines rumänischen Universitätsprofessors verheiratet. Aus dieser Ehe stammten der Kultursoziologe Nicolaus Sombart und die Malerin Ninetta Sombart.

Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Sombart von 1882 bis 1885 an der Universitäten in Pisa, Berlin und Rom Rechtswissenschaft, hörte zusätzlich staats- und wirtschaftswissenschaftliche, geschichtliche und philosophische Vorlesungen. Sozialistische Impulse bezog er von Gustav Schmoller und Adolph Wagner. 1888 promovierte er bei Schmoller in Berlin mit einer Arbeit über die Wirtschaft der römischen Campagna (Die römische Campagna). 1888 wurde er Syndikus der Bremer Handelskammer, 1890 Professor für Staatswissenschaft. Berufungen nach Freiburg, Heidelberg und Karlsruhe scheiterten am Einspruch des badischen Großherzogs Friedrich II., der ihn als radikalen Linken ablehnte.

Sombart wurde 1890 Professor in Breslau und lehrte dort bis 1906 Staatswissenschaften. Er spezialisierte sich auf europäische Wirtschaftsgeschichte. 1906 folgte er einem Ruf an die Handelshochschule Berlin. Ab 1918 lehrte er an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. 1931 wurde er dort emeritiert, lehrte jedoch bis 1938 weiter. Am 19. August 1934 gehörte er zu den Unterzeichnern des Aufrufs Deutsche Wissenschaftler hinter Adolf Hitler, der im Völkischen Beobachter erschien.[1]

Sombart war der letzte Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik bis zu dessen (zeitweiliger) Selbstauflösung 1936.

Sein Grab findet sich auf dem Berliner Waldfriedhof Dahlem.

Wirken

Sombarts Werk Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert von 1896 verstärkt durch seine positive Marx-Rezeption seinen Ruf als Sozialist. In seinem Hauptwerk Der moderne Kapitalismus (1902) begründete er die Einteilung in die Entwicklungsphasen Früh-, Hoch- und Spätkapitalismus. Ebenso wie seinem Zeitgenossen Max Weber ging es Sombart um eine spezifisch soziologische und historische Fundierung der Entwicklungsgeschichte des kapitalistischen Systems.

Sombarts Soziologie behauptete unter anderem eine Entsprechung von Geist und Gesellschaft, was bedeutet, dass Geistes- und Gesellschaftswissenschaften als Einheit gesehen werden müssen. Bemerkenswert sind seine Beiträge zur Bedeutung des Luxus. Nachdem Sombart den Thesen von Karl Marx zunächst positiv gegenüber gestanden hatte, bezog er in späteren Jahren als pessimistischer Kulturphilosoph einen national-konservativen Standpunkt. Einige Historiker betrachten Sombart als einen sozialkonservativen Wegbereiter des Nationalsozialismus.[2][3]

Im Buch Die Juden und das Wirtschaftsleben knüpfte Sombart einen Zusammenhang, der die Juden als kapitalistische Hauptakteure wie geschaffen erschienen ließ.[4] Als Wandervolk hätten sie nie eine Bindung zum Boden, dafür aber umso intensiver zum abstrakten Wert des Geldes entwickelt, primär zweckrationale Beziehungen ausgebildet und sich damit eine Befähigung zum Kapitalismus angeeignet, wie sie niemals ein sesshaftes Volk hätte entwickeln können.[4] Ferner stellte Sombart die Geschäftsmethode des „Kundenfangs“ als unchristlich und damit „jüdisch“ dar.[4] Im 13. Kapitel dieses Buches behandelt er "Das Rassenproblem" mit den Stichworten "die anthropologische Eigenart der Juden", "die jüdische `Rasse´", "die Konstanz des jüdischen Wesens", "die rassemäßige Begründung volklicher Eigenarten". [5] Für den Wissenschaftler Friedemann Schmoll schlug Sombart hiermit eine Brücke zu einem offenen antisemitischen Antikapitalismus.[4]

In Der Bourgeois, Luxus und Kapitalismus sowie Krieg und Kapitalismus beschäftigte er sich weiter mit den Ursachen des Aufstiegs des Kapitalismus.

In Der proletarische Sozialismus, einer Neuauflage von Sozialismus und soziale Bewegung deutet sich Sombarts Wandlung zum Anhänger der Konservativen Revolution an. Seine Versuche, im nationalsozialistischen Regime politischen Einfluss und Wirkung zu gewinnen, scheiterten unter Angriffen auf seine Person. Dies entfremdete Sombart zusätzlich vom Nationalsozialismus. Das Buch Deutscher Sozialismus wurde, obwohl er sich im Vorwort zur „Hitlerregierung“ bekannte[3] und „vom Standpunkt einer nationalsozialistischen Gesinnung“[3] argumentierte, als nicht mit der nationalsozialistischen Weltanschauung vereinbar abgelehnt. Studenten wurde vom Besuch seiner Vorlesungen abgeraten. In seinem 1938 geschriebenen Werk Vom Menschen distanziert er sich eindeutig von nationalsozialistischen Rassentheorien.

Werke

  • (1896): Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert
  • (1903): Die deutsche Volkswirtschaft im 19. Jahrhundert
  • (1906): Das Proletariat. Bilder und Studien, Reihe „Die Gesellschaft“, Bd. 1., Rütten & Loening, Berlin
  • (1906): Warum gibt es in den Vereinigten Staaten keinen Sozialismus? Mohr, Tübingen
  • (1911): Die Juden und das Wirtschaftsleben.,Duncker & Humblot, Leipzig
  • (1912): Liebe, Luxus und Kapitalismus, Wagenbach Taschenbuch Nr. 103, Berlin ²1967
  • (1913): Der Bourgeois. Reproduktion rororo, Deutsche Enzyklopädie Nr. 473
  • (1913): Krieg und Kapitalismus, Duncker & Humblot, München 1913
  • (1915): Händler und Helden. Patriotische Besinnungen, Duncker & Humblot, München/Leipzig
  • (1916): Der moderne Kapitalismus. Historisch-systematische Darstellung des gesamteuropäischen Wirtschaftslebens von seinen Anfängen bis zur Gegenwart, dtv, München ³1987 (3 Bde. in 6)
  • (1921): Luxus und Kapitalismus, Duncker & Humblot, München 1922
  • (1924): Der proletarische Sozialismus, 2 Bände
  • (1930): Die drei Nationalökonomien
  • (1934): Deutscher Sozialismus, Buchholz & Weisswange, Berlin-Charlottenburg
  • (1938): Vom Menschen. Versuch einer geisteswissenschaftlichen Anthropologie, Duncker & Humblot, Berlin ³2006, ISBN 978-3-428-12083-3
  • (1956): Noo-Soziologie, Duncker & Humblot, Berlin

Literatur

  • Michael Appel (1992): Werner Sombart. Historiker und Theoretiker des modernen Kapitalismus. Marburg: Metropolis.
  • Jürgen G. Backhaus (1996), Hg.: Werner Sombart (1863–1941). Social Scientist. 3 Bde. Marburg: Metropolis. (Das Standardwerk der modernen Sombartforschung)
  • Jürgen G. Backhaus (2000), Hg.: Werner Sombart (1863–1941). Klassiker der Sozialwissenschaft. Eine kritische Bestandsaufnahme. Marburg: Metropolis.
  • Bernhard vom Brocke (1987), Hg.: Sombarts Moderner Kapitalismus. Materialien zur Kritik und Rezeption. München: dtv.
  • Werner Krause (1962): Werner Sombarts Weg vom Kathedersozialismus zum Faschismus, Rütten & Löning, Berlin
  • Friedrich Lenger (1994): Werner Sombart, 1863-1941. Eine Biographie. München: Beck. (Die moderne Standardbiographie; Subjekt eines Mikro-Historikerstreits in der Zeit (siehe den Artikel von W. Drechsler in Backhaus 2000))
  • Frederick Louis Nussbaum (1933): A History of the Economic Institutions of Modern Europe. An Introduction of 'Der Moderne Kapitalismus' of Werner Sombart. New York: Crofts.
  • Nicolaus Sombart (1991): Jugend in Berlin, 1933–1943. Ein Bericht. Frankfurt am Main: Fischer
  • Rolf Peter Sieferle (1995): Der resignierte Antikapitalismus: Werner Sombart, in ders.: Die Konservative Revolution. Fünf biographische Skizzen. Frankfurt am Main: Fischer

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main ²2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 587.
  2. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Fischer Verlag, 2005, S. 586. Vgl. Bernhard vom Brocke: Werner Sombart. In: Hans-Ulrich Wehler (Hrsg): Deutsche Historiker. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1972, S. 144.
  3. a b c Irene Raehlmann: Arbeitswissenschaft im Nationalsozialismus: Eine wissenschaftssoziologische Analyse. VS Verlag, 2005, S. 157.
  4. a b c d Friedemann Schmoll: Die Verteidigung organischer Ordnungen: Naturschutz und Antisemitismus zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus. In: Joachim Radkau/Frank Uekötter: Naturschutz und Nationalsozialismus. Campus Verlag, 2003, S. 176.
  5. Die Juden und das Wirtschaftsleben, Berlin 1911, S. 337 ff.
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