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Der Wertkonservatismus ist ein Schlagwort für eine Grundhaltung, welche die in einer Gesellschaft tatsächlich oder vermeintlich vorherrschenden Wertvorstellungen bewahren will. Er unterscheidet sich vom Werterelativismus, gilt aber in erster Linie als Gegenbegriff zum sogenannten Strukturkonservatismus.
Der Begriff des Wertkonservatismus wurde 1975 vom SPD-Politiker Erhard Eppler in seinem Buch Ende oder Wende eingeführt. Als wertkonservativ bezeichnete Eppler eine Politik, die sich für die Bewahrung der Natur, einer humanen und solidarischen menschlichen Gemeinschaft, sowie Wert und Würde des Einzelnen einsetzt.[1] Damit bezog sich Eppler vor allem auf die in den 1970er Jahren erstarkende Umwelt- und Friedensbewegung.[2][3] Diese wolle Herrschaftsstrukturen verändern, um bestimmte Werte zu erhalten.[4]
Dagegen sah Eppler im traditionellen „konservativen Lager“ einen Strukturkonservatismus verankert, dem es um die Erhaltung der vorhandenen Machtstrukturen gehen würde. Der Gegenbegriff des Strukturkonservativismus wurde dabei negativ besetzt. Es stellt die zu kritisierende Organisation oder Person als modernisierungsfeindliche Bewahrer überkommener Strukturen dar.[5] Laut Eppler geht es dem Strukturkonservatismus um „die Konservierung von Privilegien, von Machtpositionen, von Herrschaft“.[6]
Bereits in den 1970er Jahren wurde dieser Gegensatz von sozialdemokratischen Politikern aufgegriffen, unter anderem von Helmut Schmidt, doch konnten auch die Grünen durch ihr Eintreten für ökologische Themen in Anspruch nehmen, wertkonservativ zu argumentieren.[7][8] Später ist der Begriff auch von traditionell dem Konservatismus zuzuordnenden Kräften aufgegriffen worden. Den Vorwurf des Strukturkonservatismus weisen Konservative von sich.[9] Dagegen wird mitunter auch den Gewerkschaften Strukturkonservatismus vorgeworfen.[10]