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Unter Westafrika versteht man im Allgemeinen den westlichen Teil des Afrikanischen Kontinents, nordwärts bis etwa zur Zentralsahara, im Süden und Westen durch den Atlantischen Ozean begrenzt. Geographisch gesehen gehören zum "Westteil Afrikas" auch die nördlich der Sahara (und damit in "Nordafrika") gelegenen Länder des Maghreb.
Inhaltsverzeichnis |
In Westafrika befinden sich laut Einteilung der Vereinten Nationen die folgenden Staaten:
Hinzu kommt das im Südatlantik gelegene britische Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha.[1]
Die Abgrenzung „Westafrikas“ von Nordafrika, Subsahara-Afrika und Zentralafrika ist nicht eindeutig. Gelegentlich werden auch die östlichen Staaten Kamerun und Tschad zu Westafrika, die nördlichen (Mauretanien, Mali und der Niger) zu Nordafrika gerechnet.
Zwischen der Sahara, dem Atlantik und den Kamerunbergen gelegen, umfasst Westafrika den westlichen Teil der Großlandschaften Sahel und Sudan, sowie die Regenwälder Oberguineas. Das Klima ist aufgrund des Passat-Windes tropisch-wechselfeucht mit unterschiedlich ausgeprägten Trocken- und Regenzeiten. Der Sahel ist spärlich bewachsen, im Sudan herrschen Savannen vor und an der Küste gibt es Regenwald.
Im Übergangsbereich zur Sahara und in Mauretanien leben hellhäutige Berber (Tuareg) und Araber, südlich davon vor allem schwarzafrikanische Völker. Viele Westafrikaner sind Anhänger indigener Religionen; der Islam hat im Mittelalter an Einfluss gewonnen. Minderheiten von Christen leben als Folge europäischer Missionierung vor allem an der südlichen Küste. Es besteht eine Diaspora von Libanesen und Syrern, vor allem in den großen Städten.
Vor der Ankunft der Europäer bestanden in Westafrika bedeutende Reiche wie Ghana, Mali und Songhai. Ab dem 15. Jahrhundert gründeten Portugiesen, Franzosen, Briten und Brandenburger Forts und Faktoreien entlang der Küste, vor allem um den lukrativen Sklavenhandel mit Nordamerika betreiben zu können.
Westafrika hatte lange Zeit den Ruf als „Grab des weißen Mannes“. Im 18. Jahrhundert starben 25 bis 75 % der neuankommenden Europäer innerhalb des ersten Jahres nach Ankunft an Tropenkrankheiten wie Malaria, Gelbfieber oder der Schlafkrankheit. Später waren es schätzungsweise immer noch gut 10 %.[2] Die Ausbreitung dieser Krankheiten wurde durch die hohe Verbreitung von Malariamücken und Tsetsefliegen sehr begünstigt. Hinzu kamen die schlechten hygienischen Bedingungen während der Regenzeit, welche zusätzlich zur Amöbenruhr führen konnten.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde die koloniale Aufteilung zementiert. In Westafrika lagen um 1900 die ausgedehnten Kolonialgebiete von Britisch-, Deutsch- und Französisch-Westafrika.
Um 1960 kam es zu einer Unabhängigkeitswelle im Zuge derer zahlreiche westafrikanische Staaten souverän wurden.
Westafrika ist geprägt von den Gegensätzen der frankophonen und anglophonen Staaten, auch als Folge unterschiedlicher Auffassungen von Kolonialisierung durch Franzosen und Briten. Die Bindungen der ehemaligen Kolonien an ihre Mutterländer sind zum Teil enger als zu den Nachbarländern. Die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS dient der Integration Westafrikas und bemüht sich in den zahlreichen Krisenregionen um Frieden (Sierra Leone, Liberia, Elfenbeinküste).
Das Straßennetz ist dürftig ausgebaut, Eisenbahnen existieren nur als Transportmöglichkeit einiger Binnenstaaten zur Küste infolge kolonialer Wirtschaftspolitik. Bedeutende Häfen sind Dakar, Conakry, Abidjan, Accra, Lomé, Lagos und Freetown.
Die Sahelstaaten gehören zu den ärmsten der Welt, Nigeria ist trotz Ölreichtums stark unterentwickelt. An den Küsten gibt es Monokulturen einer auf den Export ausgerichteten Landwirtschaft. Eine große Zahl Westafrikaner betreibt Subsistenzwirtschaft.
In Westafrika werden über die Hälfte der afrikanischen Sprachen gesprochen. Es dominieren die nigerkordofanische und die afroasiatische Sprachgruppe. Bedeutend für die traditionelle Kultur der Savannen- und Regenwaldvölker sind die mündliche Überlieferung des Wissens durch Griots sowie der Gebrauch von Masken und Tänzen zu zeremoniellen Anlässen.