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| Westerwald | |
|---|---|
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Übersichtskarte Westerwald | |
| Höchster Gipfel | Fuchskaute (656,5 m ü. NN) |
| Lage | Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz |
| Teil des | Rheinischen Schiefergebirges |
| Koordinaten | 50° 40′ N, 7° 50′ O50.66666666677.83333333333656.5Koordinaten: 50° 40′ N, 7° 50′ O |
| Typ | Mittelgebirge |
| Gestein | u. a. Basalt, Quarzit, Schiefer |
| Fläche | 3.000 km² |
Der Westerwald ist ein Mittelgebirge in Hessen, Nordrhein-Westfalen und insbesondere Rheinland-Pfalz (Deutschland). Er ist rechtsrheinischer Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Seine höchste Erhebung ist mit 656,5 m ü. NN die zum Hohen Westerwald gehörende Fuchskaute.
Der Westerwald wird landläufig definiert als jenes Land zwischen den Flüssen Dill im Osten, Lahn im Süden, Rhein im Westen, Sieg im Norden und Heller im Nordosten, wobei die im Norden dieses Gebiets gelegenen Höhenzüge unmittelbar südlich von Sieg und Heller naturräumlich nicht mehr zum Westerwald gehören. Die historische Region Westerwald hat dem gegenüber noch etwas abweichende, nicht exakt zu bemessende Grenzen.
Inhaltsverzeichnis |
Der Westerwald liegt südwestlich des Dreiländerecks von Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Landkreis Altenkirchen, Lahn-Dill-Kreis, Landkreis Limburg-Weilburg, Landkreis Neuwied, Rhein-Lahn-Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Westerwaldkreis und im Kreis Siegen-Wittgenstein.
Er erstreckt sich etwa südlich von Burbach, südwestlich von Haiger, nordwestlich von Weilburg, nördlich von Limburg an der Lahn, nordöstlich von Koblenz, östlich von Linz am Rhein, südöstlich von Wissen und südlich von Betzdorf. In seinem Zentrum liegen Bad Marienberg, Hachenburg und Westerburg und Rennerod .
Im Uhrzeigersinn wird der Westerwald durch die Tallandschaften dieser Fließgewässer begrenzt:
Östlich der Dill schließt sich das Gladenbacher Bergland an, südlich der Lahn der Hintertaunus, westlich des Rheins die Eifel, nördlich der Sieg das Ebbegebirge und nordöstlich der Heller das Rothaargebirge.
Geomorphologisch gehört der Westerwald zum Rheinischen Schiefergebirge und bildet den zentral westlichen Teil von dessen östlicher, rechtsrheinischer Hälfte. Es gehört allerdings auch das östlich der Dill gelegene, bis 609 m hohe Gladenbacher Bergland und die bis 561 m hohe Struth zum Naturraum Westerwald, während die bis 641 m hohe Haincher Höhe (von der die Struth abzweigt) nebst der 579 m hohen Kalteiche schon zum Rothaargebirge gezählt wird.
Der in den oben skizzierten Grenzen bemessene Westerwald gliedert sich naturräumlich in folgende Landschaften (Naturräume, die Außengrenzen darstellen, in Klammern): [1][2][3][4]
Der Westerwald im engeren Sinn teilt sich auf in drei Regionen bzw. naturräumliche Haupteinheiten: Hoher Westerwald, Oberwesterwald und Niederwesterwald.
Die Bezeichnung Hoher Westerwald taucht zum ersten Mal 1786 auf. Die Grenzen des Gebiets, werden seitdem in der Literatur alsunterschiedlich eng gefasst. [5] Der Hohe Westerwald ist eine mit Wäldern versehene und wellige Hochfläche als basaltiger Höhenschwerpunkt des Mittelgebirges mit ausgeprägtem Reizklima auf rund 450 bis 656,5 m ü. NN. Hier befindet sich mit der Fuchskaute der höchste Berg des Westerwalds. Das Dreiländereck Nordrhein-Westfalen-Hessen-Rheinland-Pfalz befindet sich ebenfalls im Hohen Westerwald.
Der Oberwesterwald liegt als teils bewaldetes vulkanisches Kuppenland mit größeren Basaltdecken vor allem im Bereich der Westerwälder Seenplatte auf etwa 350 bis 500 m ü. NN. Südlich schließt sich als Teil des Lahntals das Hügelland des Limburger Beckens an.
Der Niederwesterwald grenzt an die Tallandschaften von Rhein und Lahn und stellt den West- und Südwestteil des Westerwalds als zertaltes Rumpfgebirge in Höhenlagen von 200 bis 400 m ü. NN dar. Darin eingelagerte Senkungsräume (Dierdorfer Senke, Montabaurer Senke) sind für ihre Tonvorkommen bekannt (Kannenbäckerland). Im Südwesten befindet sich mit der waldreichen Montabaurer Höhe (545 m) ein Härtlingszug aus Quarzit sowie das Naturschutzgebiet Malberg. Das nordwestlich anschließende Siebengebirge bei Bonn (bis 464 m ü. NN) wird räumlich schon dem Mittelrhein<b />gebiet zugerechnet.
Kreisstädte im Westerwald sind: Altenkirchen (Landkreis Altenkirchen), Montabaur (Westerwaldkreis) und Neuwied (Landkreis Neuwied). Darüber hinaus haben der Lahn-Dill-Kreis, der Landkreis Mayen-Koblenz, der Rhein-Lahn-Kreis und der Landkreis Limburg-Weilburg Anteile am Westerwald. Nimmt man die Sieg als nördliche geografische Begrenzung des Westerwaldes an, so gehört ebenfalls der rechtsrheinische Rhein-Sieg-Kreis zu Teilen (z. B. das Siebengebirge und die Gemeinden Eitorf und Windeck) dazu.
→ Genauere Informationen siehe in den Kategorien Ort(e) im Westerwaldkreis, Ort(e) im Landkreis Altenkirchen und Ort(e) im Landkreis Neuwied.
Der höchste Berg des Westerwalds ist die im „Hohen Westerwald“ befindliche Fuchskaute. Zahlreiche Berggipfel und -kuppen übersteigen die 600-Meter-Höhenlinie. Zu den Erhebungen des Westerwalds gehören (sortiert nach Höhe in Meter über Normalnull):
→ Hauptartikel: Liste von Bergen und Erhebungen des Westerwalds
Die begrenzenden Flüsse des Westerwaldes sind:
Im Folgenden werden die wichtigsten inneren Flüsse des Westerwaldes[6] und der unmittelbar angrenzenden Höhenzüge mit einem Einzugsgebiet von mindestens 20 km², im Uhrzeigersinn geordnet, beginnend im Osten, an der Südseite der Lahn-Sieg-Wasserscheide, aufgeführt[7][8][9].
Zur besseren Übersicht bzw. zur Sortierung flussabwärts sind, je nach Flusssystem, in die DGKZ-Ziffern nach den Ziffern des jeweiligen Hauptflusses Bindestriche eingefügt.
Die Grenzflüsse Dill und Heller, die nur rechtsseitig (Dill) bzw. linksseitig (Heller) aus dem Westerwald gespeist werden, sind kursiv gedruckt. Ihre Werte zum Einzugsgebiet und zum Abfluss betreffen jeweils nur etwa zur Hälfte den Westerwald.
Die abschnittsweisen Grenzflüsse Lahn, Rhein und Sieg sind dem gegenüber nicht aufgeführt, da sich ihre Quellgebiete in einiger Entfernung vom Westerwald befinden.
Die Mündungsorte sind je mit einem Stern (*) gekennzeichnet.
| Name |
Haupt- fluss |
Länge [km] |
Einzugsgebiet [km²] |
Abfluss (MQ) [l/s] |
Quellgebiet |
Natur- raum [10] |
Orte (flussabwärts) |
DGKZ |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Dill | Lahn (r) | 55,0 | 717,7 | 9514 | Kalteiche (mit Haincher Höhe) | 333.0 | Haiger, Dillenburg, Herborn, Ehringshausen, Wetzlar* | 258-4 |
| Haigerbach | Dill (r) | 15,5 | 52,0 | 1014 | Westerwälder Basalthochfläche | 322.0 | Haiger* | 2584-2 |
| Aubach | Dill (r) | 15,8 | 31,3 | 620 | Westerwälder Basalthochfläche | 322.0 | Haiger* | 2584-32 |
| Amdorfbach | Dill (r) | 15,9 | 54,4 | 782 | Westerwälder Basalthochfläche | 322.0 | Amdorf, Burg* | 2584-72 |
| Rehbach | Dill (r) | 20,3 | 48,7 | 828 | Westerwälder Basalthochfläche | 322.0 | Sinn* | 2584-8 |
| Ulmbach | Lahn (r) | 22,9 | 60,9 | 741 | Westerwälder Basalthochfläche | 322.0 | Leun-Biskirchen* | 258-56 |
| Kallenbach | Lahn (r) | 14,6 | 84,7 | 942 | Westerwälder Basalthochfläche | 322.0 | Löhnberg* | 258-58 |
| Kerkerbach | Lahn (r) | 20,7 | 70,2 | 564 | Südliches Oberwesterwälder Hügelland | 323.3 | Lahr, Runkel* | 258-72 |
| Elbbach | Lahn (r) | 40,7 | 323,7 | 3996 | Westerwälder Basalthochfläche | 322.0 | Hadamar, Limburg* | 258-76 |
| Gelbach | Lahn (r) | 39,7 | 221,2 | 2480 | Oberwesterwälder Kuppenland | 323.1 | Montabaur, Weinähr | 258-94 |
| Emsbach | Lahn (r) | 11,5 | 29,4 | Hochfläche von Welschneudorf | 324.0 | Bad Ems* | 258-98 | |
| Hillscheiderbach | Rhein (r) | 12,6 | 43,2 | Montabaurer Höhe | 324.1 | Vallendar* | 2-71144 | |
| Brexbach | Saynbach (l) | 21,7 | 53,5 | Montabaurer Höhe | 324.1 | Sayn* | 2712-8 | |
| Masselbach | Brexbach (r) | 9,5 | 23,7 | Montabaurer Höhe | 324.1 | 27128-2 | ||
| Saynbach | Rhein (r) | 42,7 | 222,3 | Dreifelder Weiherland | 323.2 | Sayn, Bendorf* | 2-712 | |
| Holzbach | Wied (l) | 43,8 | 176,3 | Dreifelder Weiherland | 323.2 | Dierdorf, Döttesfeld* | 2716-2 | |
| Wied | Rhein (r) | 102,3 | 770,8 | 8340 | Dreifelder Weiherland | 323.2 | Altenkirchen, Neustadt, Neuwied* | 2-716 |
| Mehrbach | Wied (r) | 22,9 | 65,9 | Leuscheid | 330.0 | Mehren, Ehrenstein* | 2716-4 | |
| Pfaffenbach | Wied (r) | 20,6 | 62,8 | Leuscheid | 330.0 | Buchholz, Bennau, Wiedmühle* | 2716-6 | |
| Pleisbach | Sieg (l) | 24,3 | 89,8 | Rheinwesterwälder Vulkanrücken | 324.7 | Sankt Augustin* | 272-78 | |
| Hanfbach | Sieg (l) | 19,0 | 51,5 | Asbacher Hochfläche | 324.8 | Hennef* | 272-72 | |
| Nister | Sieg (l) | 63,8 | 246,0 | 4300 | Westerwälder Basalthochfläche | 322.0 | Wissen-Nisterbrück* | 272-4 |
| Kleine Nister | Nister (r) | 24,6 | 63,5 | Westerwälder Basalthochfläche | 322.0 | 2724-8 | ||
| Elbbach | Sieg (l) | 21,9 | 54,1 | Neunkhausen-Weitefelder Plateau | 322.1 | Wissen* | 272-36 | |
| Daadenbach | Heller (l) | 16,0 | 53,3 | Westerwälder Basalthochfläche | 322.0 | Betzdorf* | 2722-8 | |
| Heller | Sieg (l) | 30,2 | 204,2 | 3820 | Kalteiche (mit Haincher Höhe) | 333.0 | Herdorf, Betzdorf* | 272-2 |
Zu den Stillgewässern des Westerwalds gehören:
Geologisch ist der Westerwald Teil des Rheinischen Schiefergebirges und stellt wie dieses einen stark erodierten Rest des großen variszischen Gebirgssystems dar, welches in der Vorzeit große Teile Europas prägte.
Das devonische Grundgebirge wird von vulkanischen Massen aus dem Tertiär überlagert, insbesondere Basalten und Tuffen. Wirtschaftlich bedeutend war und ist neben der Gewinnung von Schiefer, Kalk, Quarzit und Ton auch das Eisen, der Bimskies im Neuwieder Becken, verschiedene Mineralquellen und früher der Abbau von Braunkohle.
Das gesamte Gebiet des Westerwalds lag im Erdaltertum (vor 600 bis 270 Mio. Jahren) unter einem tropisch warmen Meeresarm. Dieses Meer lagerte viele Kilometer dicke Sedimente in die variszische Geosynklinale ab, die bei der folgenden Gebirgsbildung stark gefaltet wurden. Die am Nord- und Südwestrand des Westerwalds gelegenen Städte Siegen und Koblenz gaben auch zwei Schichten des Unter-Devons mit ihren bunten Schiefern ihre Namen. Den oberen Gebirgsstock bilden ausgedehnte vulkanische Decken aus Basalt mit eingelagerten Tuffen.
In einigen Gebieten baut man seit langem Schiefer und Ton ab, der im so genannten Kannenbäckerland, aber auch an einigen anderen Orten in Töpfereien weiterverarbeitet wird. Auch der Export, insbesondere nach Italien, ist bedeutend (über eine Million Tonnen pro Jahr). Im östlichsten Westerwald (hessischer Teil) finden sich interessante Kalksteinvorkommen aus unterschiedlichsten geologischen Zeiträumen. Der Erdbacher Kalk aus dem Unterkarbon gab einer kleinen Zeitstufe den Namen „Erdbachium“.
Bei Breitscheid finden sich Reste eines Atolls aus dem subtropischen Devonmeer vor 380 Millionen Jahren. Teile dieser Kalkformation werden im Tagebau gewonnen; bei Enspel wurde ein Fossilien-Schutzgebiet eingerichtet, in dem Institute mehrerer Hochschulen Forschungen und Exkursionen betreiben. Einige Karsthöhlen sind Forschungsthemen der Speläologie und bewirken das zeitweilige Verschwinden und Wiederauftauchen des Erdbachs.
Das geologisch alte Rumpfgebirge des Westerwalds wird in seinem nördlichen Teil von vulkanischem Hochland aus tertiären Basaltdecken überlagert. Es überdeckt ein Gebiet von etwa 50 × 70 km, woraus sich rund 3.000 km² ergeben, womit der Westerwald zu den flächenmäßig größeren Gebirgen Deutschlands gehört. Im Bereich von Senkungsräumen hat er in seinem flacheren Westteil („Vorderer“ oder „Unterer Westerwald“) den Charakter eines Hügellands. Typisch für die Wirtschaft des zu etwa 40 % bewaldeten „Oberen Westerwalds“ ist der traditionelle Abbau von Schiefer, Ton, Diabas und Basalt, die Töpferei und die Eisenindustrie; unter anderem auch Bergbau im Siegerländer Erzrevier. Der Westerwald hat trotz seiner relativ geringen Höhe ein für Mittelgebirge typisches Reiz-Klima. Wirtschaftlich-kulturell gehört er zu den bekanntesten Gebirgen Deutschlands.
Auf Grund der vorgeschichtlichen Funde konnte festgestellt werden, dass schon die Kelten im Westerwald ansässig waren und die Eisenerzvorkommen nutzten; das war in der sog. Hallstattzeit (ältere Eisenzeit, ca. 750 bis 500 v. Chr.). Die Einwanderung erfolgte aller Wahrscheinlichkeit nach vom Hunsrück aus. Aus der La-Tène-Zeit stammen die keltischen ringwallbewehrten Schutz- und Fliehburgen, die u.a. auf dem Malberg oder dem Bornkasten bei Nomborn anzutreffen sind.
Schon während der La-Tène-Zeit drangen vom Osten und vom Siegtal die Germanen ein; sie kamen um 380 v. Chr. in den oberen Westerwald, umgingen den Hohen Westerwald als unwegsame Waldwildnis und stießen im 2. Jahrhundert zum Rhein vor.
Noch in der Zeit, als die keltische Bevölkerung den vordringenden Germanen nach Westen ausweichen musste, drangen links des Rheins die Römer vom Südwesten her vor. Ihnen gelang es jedoch nur einen Streifen rechts des Rheins und den "Rhein-Westerwald" zu gewinnen; der Westerwald blieb außerhalb der römischen Besatzungszone, denn die Römer zogen es vor, vor ihren Grenzen eine siedlungsarme, möglichst unwegsame Wildnis zu erhalten.
Die endgültige Besiedlung und damit die Territorialgeschichte des Westerwalds begann mit dem Eindringen der Chatten (Hessen) nach der Vertreibung der Römer im 3. Jahrhundert n. Chr.. Endungen der Siedlungsnamen wie -ar, -mar und -aha ("Haigraha" = Haiger) stammen doch noch aus der Völkerwanderungszeit. Diese ersten Siedlungen der Chatten lagen in der Peripherie des Westerwalds in boden- und klimagünstigen Becken und Tälern. Als Beispiel können die Städte Hadamar, Lahr und Wetzlar gesehen werden. Vom 4. bis zum 6. Jahrhundert entstanden die Siedlungen der Landnahmezeit in unwegsamere Gebiete, mit Endungen auf -ingen und -heim, wie Bellingen und Bladernheim; diese liegen auf den weiten Hochflächen des Oberwesterwaldes.
Die Franken bauten ihre alten Siedlungskammern am Rande des Westerwalds zu Kerngebieten ihrer Gaue, um langsam und bleibend Stützpunkte im Landesinnern zu errichten. Es entstanden Orte der Rodezeit mit Namen auf -rode, -scheid, -hahn (=Hag), -berg, -tal und -seifen: mit der Schaffung von Rodesiedlungen und dem Holzeinschlag für die Erzverhüttung begann die Vernichtung des Waldes in großem Umfang.[11] Zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert erfolgte von den Altsiedlungen aus der Ausbau von Siedlungen nach den Rändern zu, erkennbar an Namensendungen wie -hausen, -hofen, -kirch, -burg oder -tal.[12]
Die letzte Siedlungsperiode im Westerwald begann im 10. Jahrhundert und endete um 1300; durch die Politik der Karolinger und der damit einher gehenden trierischen und kölnischen Mission, erlebte dieser Raum die Christianisierung. Trier drang lahnaufwärts vor, Köln an Rhein und Sieg, Trierisch-lothringische und niederrheinische Einflüsse wurden ebenfalls in den Westerwald getragen. Zu den Zeugnissen der Baukunst aus dieser Epoche gehört die Stiftskirche von Dietkirchen in ihren ältesten Teilen.
Nach vielen Besitzerwechseln durch die Adelsgeschlechter der Ottonen und Salier, waren es schließlich die Grafen von Sayn, Diez und Wied, die sich ausgedehnten Grundbesitz aneignen konnten. Besondere Bedeutung erlangten die Grafen von Laurenburg, die sich später Grafen von Nassau nannten. Im Osten gaben die Landgrafen von Hessen den Ton an, die sich in Machtkämpfen gegen das Erzbistum Mainz durchsetzen konnten. Daneben waren die Grafen von Wied, die Grafen von Sayn-Wittgenstein und das Kurfürstentum Trier bedeutende Landesherren.
Die politischen Verhältnisse vereinfachten sich bis zum 16. Jahrhundert. Zwischen den Einflusssphären der vier Großen (Mainz, Köln, Trier, Hessen) konnte das Haus Nassau sein Territorium an der Dill, zwischen Siegen und Nassau ausdehnen und festigen. Nach den napoleonischen Wirren teilte sich Nassau mit der neu erschienenen Großmacht Preußen weite Gebiete des Westerwaldes. Ein souveränes Herzogtum Nassau gab es bis zur Annexion durch Preußen im Jahr 1866.
Heute ist der Westerwald auf drei Bundesländer aufgeteilt: Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Der Name „Westerwald“ wurde erstmals 1048 in einer kurtrierischen Urkunde erwähnt und bezeichnete damals nur die Waldgebiete westlich des Königshofs Herborn. Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er allgemein gebräuchlich für das gesamte Mittelgebirge.
Der „Hohe Westerwald“ bildete seit dem Mittelalter das Kerngebiet der Herrschaft zum (auch: vom oder auf dem) Westerwald. Diese umfasste die drei „Gerichte“ (Amtsbezirke) Marienberg, Emmerichenhain und Neukirch. Die Herrschaft auf dem Westerwald kam später unter die Verwaltung der Herrschaft bzw. Grafschaft Beilstein.
→ Hauptartikel Herrschaft zum Westerwald
Der Westerwald galt lange Zeit als Gebiet mit schwacher Wirtschaftskraft, schlechter Infrastruktur und unattraktiven Unternehmensstandorten. Eine steigende Mobilität, zunehmende Erschließung von Gewerbeflächen, Förderprogramme, effektiveres Regional-Marketing und nicht zuletzt die Schaffung verkehrsgünstiger Anbindungen an die Ballungszentren Rhein/Main und Köln/Bonn trugen in den letzten Jahren zu einer steigenden Prosperität der Region bei. Damit einher ging auch eine Zunahme von sozialen, kulturellen und touristischen Angeboten, die den Westerwald für Menschen und Bürger zunehmend attraktiver machen. Die Bevölkerungsentwicklung der letzten Jahre belegt, dass beispielsweise der Westerwaldkreis ein Zuzugsraum innerhalb Rheinland-Pfalz mit überdurchschnittlichem Wachstumspotential ist[13].
Der Wirtschaftsraum Westerwald präsentiert sich als Standort zahlreicher großer und kleiner mittelständischer Gewerbe- und Industrieunternehmen mit teils weltweiten Aktivitäten und Niederlassungen. Eine ganze Reihe von Produkten aus der Region haben einen hohen Bekanntheitsgrad und genießen internationales Ansehen. Die unterschiedlichsten Handwerksbereiche sind mit ihrer langen Tradition zunehmend wieder vermehrt in der Lage, den marktwirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung zu tragen und in einem weit über die regionalen Grenzen hinausreichenden Wettbewerb ihre Produkte und Dienstleistungen erfolgreich zu platzieren.
Im Laufe der vergangenen Jahre verloren jedoch auch einige Wirtschaftszweige ihre einstige Bedeutung. Dazu gehört neben dem Bergbau auch die Landwirtschaft.
Der Westerwald und seine Randgebiete werden von Abschnitten der Bundesstraßen 8, 42, 49, 54, 62, 255, 256, 277, 413 und 414 durchzogen, über die Verbindung zu den Bundesautobahnen 3, 45 und 48 besteht.
Es führen mehrere, teils privatisierte, Eisenbahnstrecken durch den Westerwald, darunter die ICE-Neubaustrecke zwischen Köln und Frankfurt mit Bahnhöfen in Montabaur und Limburg. Außerdem ist der Westerwald unter anderem über den im „Hohen Westerwald“ gelegenen Siegerlandflughafen per Flugzeug für Geschäftsreisende und den Frachtverkehr zugänglich. Die internationalen Großflughäfen Rhein/Main und Köln/Bonn sind je nach Verkehrsmittel durchschnittlich in etwa 30-60 Minuten erreichbar.
Die benachbarten Städte Koblenz und Bendorf bieten darüber hinaus Häfen für den Binnenschifffahrtsverkehr.
Der Westerwald entwickelt sich zunehmend zu einem attraktiven Naherholungsgebiet für die Ballungszentren Rhein/Main und Köln/Bonn. Ein Schwerpunkt hierbei sind die zahlreichen Wandermöglichkeiten, insbesondere der im Jahre 2008 eröffnete Westerwaldsteig. Daneben finden sich anspruchsvolle kulturelle Angebote (historische Museen, Ausstellungen, Kunst in der Natur, Theater, Konzerte und Veranstaltungen jeglicher Art) ebenso, wie ausgiebige Möglichkeiten an sportlichen Aktivitäten (Segelfliegen, Paragliding, Drachenfliegen, Mountainbiking, Flusswandern, Kanufahren, Reiten, Golf etc.). Zudem gibt es zahlreiche Wintersportmöglichkeiten mit entsprechender Infrastruktur (Loipen, Skilifte). Auch das Angebot an Wellness- und Gesundheitsprogrammen wächst. Zahlreiche Kur- und Luftkurorte bieten hierfür gute Rahmenbedingungen.
Der Westerwald hat eine lange Tradition des Bergbaus. Zwar sind heutzutage alle ehemaligen Schächte, Förderanlagen und Gruben geschlossen, eine ganze Reihe von ihnen sind jedoch zu Industriedenkmälern umgewandelt worden, die besichtigt werden können. Zu ihnen gehören unter anderem:
Seit Mai 2009 kann in Breitscheid auch eine Tropfsteinhöhle besichtigt werden, das so genannte Herbstlabyrinth.
Dem Bedarf an Restaurationsbetrieben und Übernachtungsmöglichkeiten wird entsprechend Rechnung getragen. Das Angebot reicht vom einfachen Campingplatz über Landgasthöfe, Ferienwohnungen bis hin zum luxuriösen Sterne-Hotel mit 18-Loch Golfanlage. Die kulinarischen Angebote stehen dieser Qualität in nichts nach.
Die Westerwälder Küche ist einfach und basiert im Wesentlichen auf dem, was die Region selbst an Zutaten zu bieten hat. Hierzu gehört an erster Stelle die Kartoffel genannt, unter anderem Grundlage für ein typisches Westerwälder Gericht, den Döppekooche. Bohnen, Wirsing, Grün-, Blumen-, Rosen- und Rotkohl, sowie Sauerkraut und Rübstiel sind die typischen Gemüse- und Knollensorten. Die meist einfachen Gerichte, die daraus hergestellt werden, verfügen jedoch über einen großen Variantenreichtum hinsichtlich der Zubereitungsarten, die von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sein können. Demnach wird zum Beispiel ein Kartoffelkuchen aus Hardt anders hergestellt, als ein Kartoffelkuchen aus Daaden. Ebenso trug früher die geringe Wirtschaftskraft dazu bei, mit Einfalls- und Ideenreichtum aus den immer wiederkehrenden Grundzutaten eine Vielzahl unterschiedlicher Speisen zuzubereiten. In den Westerwälder Steinguttöpfen süß oder sauer Eingelegtes, Aufläufe, Eintöpfe und Suppen wurden hin und wieder ergänzt durch Hackbraten, Hasenpfeffer oder Fleischklöße (Hachenburger Ischel) - zu Festtagen auch mit Gänse-, Schweine- oder Wildbraten. Die winterlichen Schlachtfeste produzieren noch heute verschiedenste Wurstsorten, wie Blut-, Brat- und Leberwurst oder auch das regionale Pannas. Die Einfachheit der Speisen bescherte ihnen jedoch schnell den Ruf des sogenannten "Armeleuteessen", woran auch zum Beispiel Gerichte mit der Bezeichnung "Armer Ritter" erinnern. Auch der Hering - eingelegt, gebraten, im Glas oder als Salat zwar sehr beliebt - galt als Armeleuteessen. Trotzdem gehören bis heute auch ein großes Angebot an verschiedenen Kuchen und Waffeln zu den typischen Westerwälder Spezialitäten, zum Beispiel Rimmelskuchen oder Pitzjeskuchen. Auch entdeckt man zunehmend wieder die alte Tradition, das Brot selbst in einem Backes (Backhaus) zu backen, was seinerzeit ein gesellschaftliches Ereignis war, galt doch das dörfliche Backhaus quasi als Vorläufer der Gemeindehäuser. [14]
Trotz der Nähe zu den rheinischen Weinanbaugebieten trinkt man im Westerwald Bier, aus der auch eine Biersuppe gemacht wird, bei Bedarf mit Rosinen oder einem Esslöffel Rum.
Im Übrigen wurde der größte Dippekuchen der Welt, an dessen Herstellung elf Amateurköche beteiligt waren, 1983 in einer Brotfabrik in Ebernhahn im Westerwald gebacken. Er ergab etwa 4000 Portionen bei einer Oberfläche von fast 5m2. Folgende Zutaten sind überliefert:
Mit dem Westerwald sind eine ganze Reihe bekannter Personen aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Sport verbunden. Hier auszugsweise einige Beispiele:
Kultur: Paul Deussen • Heiner Feldhoff • Hellmuth Gensicke • Alexander Graf von Hachenburg • Hanns-Josef Ortheil • Karl Ramseger-Mühle • Wilhelm Reuter • August Sander • Salamat Schiftah • Erwin Wortelkamp
Politik: Sabine Bätzing • Hans-Artur Bauckhage • Alfred Beth • Emil Bettgenhäuser • Theodor Blank • Wilhelm Boden • Ludwig Eich • Hendrik Hering • Georg Leber • Michael Lieber • Friedrich Wilhelm Raiffeisen • Rudolf Scharping • Franz-Josef Wuermeling
Religion: Johann Wilhelm Bausch • Rosa Flesch • Joseph Höffner
Siehe auch: → Liste bekannter Persönlichkeiten des Westerwalds
Bekannt ist der Westerwald auch durch zahlreiche, vor allem volkstümliche Lieder, insbesondere das 1936 entstandene Westerwaldlied (auch Westerwaldmarsch) sowie durch Westerwald, du bist so schön, das „neue Westerwaldlied“ des Liedermachers Ulrik Remy: Ich bin aus ’m Westerwald und Das schönste Mädchen vom Westerwald von Karl-Eberhard Hain und Jürgen Hardeck (Ignotum), bekannt gemacht durch De Höhner, Die Schröders und andere Gruppen. Der Text des ursprünglichen Westerwaldliedes lautet: <poem>
Heute wollen wir marschier’n Einen neuen Marsch probier’n In dem schönen Westerwald Ja da pfeift der Wind so kalt
Refrain: O du schöner Westerwald* Über deine Höhen pfeift der Wind so kalt Jedoch der kleinste Sonnenschein Dringt tief ins Herz hinein
Und die Gretel und der Hans Gehn des Sonntags gern zum Tanz Weil das Tanzen Freude macht Und das Herz im Leibe lacht
Refrain
Ist das Tanzen dann vorbei Gibt es meistens Keilerei Und dem Bursch, den das nicht freut, sagt man nach, er hat kein' Schneid
Refrain
O du schöner Westerwald Bist ja weit und breit bekannt Echte Menschen der Natur Von Falschheit keine Spur
Refrain
*An dieser Stelle oft sechssilbiger Zwischenruf, z. B. „Eukalyptusbonbon“ oder „Schmeißt den Spieß vom Fahrrad“. </poem>
Die Westerwälder werden im Volksmund als „Wäller“ und oft auch als „Basaltköpp“ bezeichnet, da sie als dickköpfig gelten und in einer sehr basaltreichen Region leben.
Im größten Teil der Westerwaldregion werden Mundarten des Wäller Platt, einer Moselfränkischen Dialektgruppe, gesprochen. Als Teil des kontinentalwestgermanischen Dialektkontinuums gehen diese allmählich an ihren Rändern in die benachbarten Dialekte über.
Hermann Josef Roth: Naturkundliche Bibliographie des rechtsrheinischen Schiefergebirges zwischen Lahn und Sieg (Planaria, 3). Overath 1989, ISSN 0931-3737
Portal:Westerwald – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Westerwald
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