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Der Wiener Tourismusverband â Kurzbezeichnung WienTourismus â ist die offizielle Destinationsmarketingorganisation bzw. Tourismusdienststelle der Stadt (des Bundeslandes) Wien. In Bezug auf Ăsterreich ist der WienTourismus eine der neun Landestourismusorganisationen der Dachmarke Ăsterreich Werbung. Der Verband besteht seit 1955.
Inhaltsverzeichnis |
Tourismus ist in Ăsterreich, da er in der Bundesverfassung nicht als Bundeskompetenz erwĂ€hnt wird, eine Materie in der Kompetenz jedes einzelnen Bundeslandes. Wien hat in seiner Eigenschaft als Land 1955 das Wiener Fremdenverkehrsförderungsgesetz beschlossen, das heute als Wiener Tourismusförderungsgesetz (WTFG) bezeichnet wird.
Dieses Landesgesetz bestimmte die Errichtung des Fremdenverkehrsverbandes fĂŒr Wien, wie der Verband ursprĂŒnglich genannt wurde (sein BĂŒro hieĂ bis 1972 Fremdenverkehrsstelle der Stadt Wien). SpĂ€ter wurde der Verbandsname zu Wiener Fremdenverkehrsverband vereinfacht und 1992 der Begriff Fremdenverkehr durch Tourismus ersetzt.
Der Verband ist eine öffentlich-rechtliche Institution, kein privatrechtlicher Zusammenschluss. Der Begriff âVerbandâ wird im Gesetz nicht im vereinsrechtlichen Sinn (wie z. B. beim Verband Alpiner Vereine Ăsterreichs) verwendet. Der Wiener Tourismusverband hat keine Mitglieder.
Das Gesetz bestimmt weiters die Organe, die Aufgaben und die Finanzierung des Verbandes.
An der Spitze des Verbandes steht eine PrÀsidentin bzw. ein PrÀsident. Sie oder er wird von der Landesregierung vorgeschlagen und von der Tourismuskommission gewÀhlt:
Seit Bestehen des Verbandes haben das PrĂ€sidentenamt (ausgenommen 1994â1997) stets amtsfĂŒhrende StadtrĂ€te innegehabt; bis 1984 der jeweilige Kultur- bzw. Bildungsstadtrat, seit 1984 der jeweilige Finanz- und Wirtschaftsstadtrat.[1] Dadurch war und ist der Tourismus in der Stadtpolitik prominent verankert.
Die PrĂ€sidentin bzw. der PrĂ€sident ist politisch verantwortlich und gegenĂŒber dem GeschĂ€ftsfĂŒhrer und allen Angestellten des Verbandes weisungsbefugt, fungiert aber de facto wie eine Aufsichtsratsvorsitzende und lĂ€sst sich vom GeschĂ€ftsfĂŒhrer ĂŒber den Fortgang der VerbandstĂ€tigkeit berichten. Diese konnte unter dem PrĂ€sidenten Hans Mayr stark ausgeweitet werden, da er die Finanzierung des Verbandes grundlegend verbesserte.
Das aus der PrĂ€sidentin (dem PrĂ€sidenten) und 17 Mitgliedern bestehende Gremium ist der Aufsichtsrat des Verbandes. Er beschlieĂt grundsĂ€tzliche Richtlinien der Arbeit und das Budget.[2] 14 Mitglieder werden von der Landesregierung nach dem StĂ€rkeverhĂ€ltnis der in der Landesregierung vertretenen Parteien bestellt; je ein Mitglied wird von den öffentlich-rechtlichen Interessenvertretungen Wirtschaftskammer Wien, Kammer fĂŒr Arbeiter und Angestellte in Wien und Wiener Landwirtschaftskammer entsandt. Zwei Mitglieder der Tourismuskommission wurden von ihr zu VizeprĂ€sidenten des WienTourismus gewĂ€hlt:
In der Tourismuskommission wurden in den letzten drei Jahrzehnten, ihrer politischen Besetzung zum Trotz, nur einstimmige BeschlĂŒsse gefasst.
Die Tourismuskommission hat das Recht, zur Beratung spezieller Themen FachausschĂŒsse einzusetzen, deren Mitglieder der Tourismuskommission nicht angehören mĂŒssen. Derzeit bestehen zwei FachausschĂŒsse:
Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbandes trug bis 1972 den Titel GeneralsekretĂ€r, ab 1973 wurde er als Landesfremdenverkehrsdirektor bezeichnet. Heute wird die Bezeichnung Tourismusdirektor verwendet. Als GeschĂ€ftsfĂŒhrer fungierten bzw. fungiert:
Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer ist im Rahmen des von der Tourismuskommission auf Vorschlag der PrĂ€sidentin und des GeschĂ€ftsfĂŒhrers beschlossenen Jahresbudgets fĂŒr den gesamten GeschĂ€ftsbetrieb des Verbandes verantwortlich. Er hat tourismuspolitisch bedeutende Fragen mit der PrĂ€sidentin und der Tourismuskommission abzustimmen und nach deren GrundsatzbeschlĂŒssen vorzugehen.
Als RechnungsprĂŒfer des Verbandes fungiert gesetzlich das Kontrollamt der Stadt Wien. Es prĂŒft daher jĂ€hrlich den Rechnungsabschluss (die Bilanz) des Verbandes. AuĂerdem ist ein WirtschaftsprĂŒfer tĂ€tig, die Finanzen des Verbandes nach unternehmens- und steuerrechtlichen MaĂstĂ€ben zu prĂŒfen, da der Betrieb, was die Umsatzsteuer betrifft, vorsteuerabzugsberechtigt ist. Der Verband unterliegt nicht der Einkommensteuer.
Der Verband hatte seinen Sitz 1957â1973 im 1. Bezirk, Stadiongasse 6â8, und 1973â1991 im 9. Bezirk, Kinderspitalgasse 5. Seit 1991 domiziliert er im Palais Grassalkovics im 2. Bezirk, Obere AugartenstraĂe 40, gegenĂŒber dem Haupteingang des Augartens. Das KongressbĂŒro (Vienna Convention Bureau) und das Team Wien-Hotels & Info sind in der Dependance Untere AugartenstraĂe 38 untergebracht.
Der WienTourismus verfĂŒgt seit 2009 ĂŒber vier Abteilungen, die diverse Arbeitsteams bzw. -bereiche bĂŒndeln:
Weiters bestehen drei Stabsstellen der GeschĂ€ftsfĂŒhrung:
Zwei von vier Abteilungen und eine von drei Stabsstellen werden von Frauen geleitet. Von den knapp ĂŒber 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind 77 % Frauen.
Laut § 3 Wiener Tourismusförderungsgesetz hat der Verband folgende Aufgaben:
Insbesondere nennt das Gesetz:
In der Praxis befasst sich der WienTourismus nicht mit der direkten Förderung einzelner Tourismusbetriebe (etwa durch ZuschĂŒsse fĂŒr Hotelinvestitionen) oder der Mitfinanzierung einzelner Kulturveranstaltungen. Solche Förderungen obliegen dem Magistrat der Stadt Wien.
Das Tourismuskonzept Wien 2015[3] wurde vom WienTourismus in Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung und Wirtschaftskammer Wien entwickelt und bei der Wiener Tourismuskonferenz am 22. Oktober 2009 prÀsentiert. Es enthÀlt das Ziel, bis 2015 rund 11 Millionen GÀstenÀchtigungen und um 100 Mio. Euro mehr Hotellerieumsatz zu erreichen. (2010 wurden bereits 10,9 Millionen GÀstenÀchtigungen erzielt.[4])
Das Konzept sieht wesentliche AttraktivitÀtssteigerung durch
vor.
Das Projekt Wien Hauptbahnhof wird ab 2013 die Anbindung Wiens an das europÀische Hochgeschwindigkeitsnetz der Eisenbahn wesentlich erleichtern. Der Flughafen Wien hat ein auf KapazitÀtserweiterung angelegtes Ausbauprogramm begonnen.
Im internationalen Kongresstourismus nimmt Wien SpitzenplĂ€tze in weltweiten Rangreihungen ein. In die neue Messe Wien hat die Stadtverwaltung 190 Millionen Euro investiert. Der Ausbau des allgemeinen GeschĂ€ftstourismus nach Wien hĂ€ngt davon ab, wie viele international tĂ€tige Unternehmen BĂŒros, Forschungseinrichtungen, Verkaufsabteilungen usw. in Wien betreiben. Die Entwicklung in diesem Bereich war in den letzten Jahren erfreulich.
Die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist nach wie vor Anliegen der Wiener Tourismuswirtschaft, obwohl derzeit keine der im Gemeinderat vertretenen politischen Parteien diese Forderung unterstĂŒtzt. Viele KonkurrenzstĂ€dte Wiens haben wesentlich liberalere Regelungen als Ăsterreich.
Das Marketing fĂŒr den Erlebnistourismus nach Wien gliedert sich nach QuellmĂ€rkten (HerkunftslĂ€ndern der GĂ€ste) und nach Marketingsparten (Marketing fĂŒr die Tagungsindustrie: siehe KongressbĂŒro). Seine Ziele, Themen und Aktionen werden im jĂ€hrlich zu erstellenden Marketingplan des WienTourismus dokumentiert, der auf der so genannten Branchenwebsite des Verbandes veröffentlicht wird.
Am Beginn der Planung steht die so genannte âBudgetallokationâ. Mit dieser werden jeweils im Sommer die im Folgejahr aktiv zu bearbeitenden MĂ€rkte und die Marktbudgets bestimmt. Die 2011 vom WienTourismus mit einem Budget von 13 Millionen Euro[5] zu bearbeitenden 23 MĂ€rkte sind zum Teil so genannte âErhaltungsmĂ€rkteâ (wie etwa Deutschland, Italien, GroĂbritannien und Spanien), in denen das bisher erreichte Marktvolumen mit einigem Aufwand gehalten und nach Möglichkeit leicht ausgebaut werden soll. Der andere Teil sind EntwicklungsmĂ€rkte (wie Russland, China, Indien und Brasilien), in denen die Wirtschaftsdaten und EinschĂ€tzungen durch wichtige Partner ein wesentlich gröĂeres Marktvolumen fĂŒr Wien erreichbar erscheinen lassen und die daher prozentuell teils deutlich stĂ€rker beteiligt werden als es ihrem bisherigen Umsatzanteil in Wien entsprĂ€che.
Die Budgetallokation wird im Marketingteam erarbeitet und vom GeschĂ€ftsfĂŒhrer entschieden. AnschlieĂend wird von den Marktteams (Marktmanagerin, Medienmanagerin, Werbemanagerin fĂŒr einen Markt) unter Aufsicht der Abteilungsleitungen die Aufteilung der Marktbudgets auf die Marketingsparten B2B (business to business; Marketing bei und mit Partnern der Reiseindustrie im betreffenden Markt), B2C (business to consumer; Marketing, das sich direkt an potentielle GĂ€ste richtet) und Medienarbeit (redaktionelle Betreuung der fĂŒr die Hauptzielgruppen im Markt wichtigen Fernseh- und Radiostationen sowie Zeitschriften und Zeitungen) geplant. Diese Aufteilung ist flexibel und wird im Laufe des Jahres nicht selten aktuellen Kooperationsmöglichkeiten angepasst.
Tendenziell werden Investitionen im B2B-Bereich (z. B. bei touristischen Messen) zurĂŒckgenommen, wĂ€hrend der B2C-Bereich â vor allem Internetmarketing und TV-Werbung â verstĂ€rkt wird. Laut GĂ€stebefragungen sind nach den Reisetipps von Freunden, Verwandten und Bekannten Informationen aus dem Internet die wichtigste Quelle fĂŒr Reiseimpulse und Reiseentscheidung.
Aufgabe der ganzen Stadt bzw. aller âStakeholderâ ist im Destinationsmarketing im weiteren Sinn die âProduktgestaltungâ mit dem Ziel, dass Wien als Destination attraktiver erscheint. Vor allem sind hier neue Angebote (1999: Sammlung Essl, 2001: Museumsquartier Wien, 2003: Albertina, 2004: Liechtenstein Museum und Sisi-Museum, 2006: Theater an der Wien als drittes Opernhaus Wiens, Mozarthaus Vienna) und attraktive Veranstaltungen (vom âEistraumâ bis zum âSilvesterpfadâ) wichtig. Auch FuĂgĂ€ngerwegweiser zu wichtigen SehenswĂŒrdigkeiten, Aufschriften und Durchsagen auch in Englisch, Themenjahre wie Joseph Haydn 2009, Gustav Mahler 2010 / 2011 und Gustav Klimt 2012 und vieles mehr sind Teile umfassenden Destinationsmarketings.
Der WienTourismus betreibt aktives Webmarketing auf wichtigen Websites der QuellmĂ€rkte. AuĂenwerbung (Plakate, Werbung auf Verkehrsmitteln) gehört ebenso zum Marketing wie Inserate in Zeitungen und Zeitschriften, Auftritte bei Veranstaltungen (wie dem Londoner Gourmetfestival oder der Design Week in Tokio), Produktplatzierung und Werbung in Kinos und auf TV-KanĂ€len. Unter Produktplatzierung wird Werbung fĂŒr Wien auf Produkten oder bei Dienstleistungen anderer Branchen verstanden, z. B. das Wien-Gewinnspiel auf Hunderttausenden Schokokekspackungen in Spanien oder bei einer Kreditkartenwerbung einer tschechischen Bank.
Die Kosten einzelner Werbeformen und die Zielgruppen sind in den MĂ€rkten unterschiedlich, daher mĂŒssen Medien, EinsatzzeitrĂ€ume und Themen pro Markt individuell geplant werden. Dies wird von den Werbemanagerinnen gemeinsam mit der beauftragten Werbeagentur getan. Wo möglich, wird Werbung gemeinsam mit einem kommerziellen Anbieter unternommen, z. B. Austrian Airlines, Niki und Air Berlin.
Bei der Betreuung der bzw. potentieller GeschĂ€ftspartner durch die Marktmanagerinnen geht es darum, bei den fĂŒhrenden Reiseveranstaltern (âtour operatorsâ) im StĂ€dtetourismus und den wichtigsten ReisebĂŒroketten mit Wien entsprechend vertreten zu sein. Das Wien-Angebot soll im Katalog des Veranstalters attraktiv dargestellt und im ReisebĂŒro aktiv verkauft werden. Dazu sind stĂ€ndige Kontakte mit diesen Unternehmen nĂŒtzlich, die bei Wien- bzw. Ăsterreich-PrĂ€sentationen, touristischen Fachmessen, Einzelkontakten und Einladungen von ReisebĂŒroverkĂ€ufern nach Wien (sogenannte âStudiengruppenâ, pro Jahr etwa 3.000 Personen) zustandekommen.
Die Bedeutung der âReisebrancheâ ist tendenziell leicht rĂŒcklĂ€ufig, da immer mehr Menschen das Internet nicht nur als Lieferant fĂŒr Reiseideen und als Informationsquelle, sondern auch als Buchungswerkzeug nĂŒtzen. Am wichtigsten ist die Branche fĂŒr Wien nach wie vor in den weiter entfernten, anderssprachigen QuellmĂ€rkten.
Medienarbeit zĂ€hlt wie InformationstĂ€tigkeit zu den Basisaufgaben einer Tourismusorganisation. Anfragen von Medien, WĂŒnsche nach Interviewpartnern oder Fotografiergelegenheiten, Reisereportagen und Leserreisen werden von Medien teils aus eigenem betrieben, teils auch vom WienTourismus durch entsprechende VorschlĂ€ge und Einladungen nach Wien initiiert. Pro Jahr werden beim Verband rund 1.000 Medienvertreter/innen aus aller Welt registriert und von den Medienmanagerinnen betreut.
Die Berichterstattung der Medien ĂŒber das touristische Wien ist seit vielen Jahren oft prominent und fĂŒr die Wiener Tourismusbranche zumeist erfreulich. So nannte z. B. The New York Times im Dezember 2008 Wien in ihrer Webausgabe als Nr. 8 unter den SehenswĂŒrdigkeiten der Welt, die man 2009 besuchen âmussâ. Themenjahre sind fĂŒr die mediale Berichterstattung sehr nĂŒtzlich: Das âSissi-Jahrâ 1998 zum 100. Todestag von Kaiserin Elisabeth war ebenso wie das Mozart-Jahr 2006 (250. Geburtstag des Komponisten) mit besonders viel Wien-Berichterstattung verbunden.
Das Vienna Convention Bureau besteht seit 1969. Da der Tourismusverband damals die nötigen Mittel fĂŒr das Kongressmarketing nicht aus dem Ertrag der Ortstaxe aufbringen konnte, wurde das KongressbĂŒro lang paritĂ€tisch von Stadtverwaltung und Wirtschaftskammer Wien finanziert. Um den Geldgebern die direkte Aufsicht ĂŒber diesen GeschĂ€ftsbereich zu ermöglichen, richtete die Tourismuskommission den Fachausschuss Kongressförderung ein, in dem die Geldgeber vertreten sind. Der Fachausschuss befindet bis heute ĂŒber vorgeschlagene Tagungssubventionen.
Das KongressbĂŒro hat seine Kundendaten seit Anfang der siebziger Jahre per EDV gespeichert und verwaltet und war damit der erste computerisierte Bereich des WienTourismus. In der entstandenen elektronischen Datenbank wird das Kundenverhalten seit Jahrzehnten dokumentiert; aus der Analyse der einzelnen DatensĂ€tze lassen sich Anhaltspunkte fĂŒr kĂŒnftige Entscheidungen von Kongressveranstaltern und damit Hinweise fĂŒr erfolgreiches Kongressmarketing gewinnen.
Das KongressbĂŒro betreibt weltweites Marketing fĂŒr Kongresse, Firmentagungen, Anreiz- und Belohnungsreisen (Incentives) und Messen in Wien (2008 entfielen 14,7 % der GĂ€stenĂ€chtigungen in Wien auf diesen Bereich; 80 % des Umsatzes entfallen auf zumeist wissenschaftliche Tagungen, 20 % auf FirmengeschĂ€ft.) Dabei geht es darum, EntscheidungstrĂ€ger möglichst frĂŒhzeitig vor dem von ihnen geplanten Termin der Veranstaltung auf die Vorteile aufmerksam zu machen, die sie haben, wenn sie die Veranstaltung in Wien abhalten. Zum Kongressmarketing gehören PrĂ€sentationen bei den EntscheidungstrĂ€gern, Einladungen dieser zu so genannten âInspection Visitsâ in Wien, die Vorstellung Wiens bei der zuvor abgehaltenen Tagung des Veranstalters und die detaillierte, nicht auf Gewinnabsicht gerichtete Beratung des Veranstalters ĂŒber konkret geeignete Veranstaltungsorte und potentielle GeschĂ€ftspartner in Wien (vom Dolmetschservice bis zur Gestaltung eines Galaabends).
Das KongressbĂŒro des WienTourismus ĂŒbt keinerlei kommerzielle Funktionen aus. Es ĂŒbergibt erfolgreich akquirierte Projekte, wenn der Veranstalter will, einem von diesem ausgewĂ€hlten âProfessional Congress Organiserâ (PCO) in Wien (zumeist ein ReisebĂŒro mit Kongressabteilung), der den Veranstalter von der Buchung gewĂŒnschter Leistungen bis zur Budgetplanung und Buchhaltung der Tagung entlasten kann. (Einige Tagungsveranstalter legen aber Wert darauf, diese TĂ€tigkeiten selbst auszuĂŒben.)
Erster KongressreprĂ€sentant im WienTourismus war Ernst Rahofer (spĂ€ter kommerzieller GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Festspiel- und Kongresshauses in Bregenz). Ihm folgte 1971 Alexander Pfann nach, der 1982 die Kurdirektion in Baden bei Wien ĂŒbernahm. NĂ€chster Leiter war Leopold Saul, 1990 gefolgt vom heutigen Leiter Christian Mutschlechner, dessen QualitĂ€ten durch die Wahl zum PrĂ€sidenten der International Congress and Convention Association (ICCA) fĂŒr zwei Amtsperioden bestĂ€tigt wurden.
Die Rangreihung der Union of International Associations (UIA) sah Wien fĂŒr 2009 weltweit auf Rang 3 der internationalen TagungsstĂ€dte.[6] Die ICCA vergab fĂŒr 2009 an Wien, was internationale Tagungen betrifft, bereits zum fĂŒnften Mal in Folge Rang 1 weltweit.[7]
Der WienTourismus stellt folgende Informationsleistungen bereit:
Seit den siebziger Jahren an der West- und der SĂŒdeinfahrt (und kurze Zeit auch an der Nordeinfahrt) der Stadt gefĂŒhrte Informationsstellen fĂŒr Autofahrer sind nach Verbreitung von Internet und Mobiltelefonie obsolet geworden und wurden daher 2001 geschlossen. Der WienTourismus plant derzeit weitere AuskunftsbĂŒros im im Bau befindlichen âSkylinkâ-Terminal des Flughafens Wien und im neuen Wiener Hauptbahnhof, dessen Bau 2010 begonnen hat.
Die Idee, die Vielfalt an Sehenswertem deutlich zu machen, wurde bei den Wiener Festwochen 1956 vom Festwochenverein realisiert. Dutzende Bauten trugen, wie in einer Freiluftausstellung, Tafeln der Aktion âWIEN â EINE STADT STELLT SICH VORâ.[8] Die nummerierten charakteristischen Tafeln, deren Grunddesign bis heute verwendet wird, tragen vier rot-weiĂe FĂ€hnchen und sind dadurch fĂŒr GĂ€ste gut sichtbar. 1957 wurde die technische Betreuung der Aktion vom Fremdenverkehrsverband fĂŒr Wien ĂŒbernommen, inhaltlich war bis 1980 der jeweilige Denkmalschutzreferent des Kulturamtes der Stadt Wien (Gerhardt Kapner, Robert Waissenberger, Richard Denscher) verantwortlich, danach der Wiener Fremdenverkehrsverband. Er nahm nun bestehendes touristisch Relevantes neuerer Zeit in die Aktion auf, wie das Sigmund-Freud-Museum, das StraĂenbahnmuseum und das Hundertwasserhaus. SpĂ€ter folgten auch aktuelle ErgĂ€nzungen vom MuseumsQuartier bis zum Holocaust-Denkmal. Im Mai 2006 wurde zum Beispiel eine nicht nummerierte derartige Informationstafel â âGedenktafelâ bezeichnet â an der Otto Glöckel-Schule enthĂŒllt.[9]
In die BegleitbroschĂŒre, deren Gesamtauflage (inkl. englische Ausgabe) in die Hunderttausende geht und die seit 1981 unter dem Titel Wien von A bis Z verkauft wird, wurden frĂŒher bis zu â300 Bauten, Museen, DenkmĂ€ler und andere SehenswĂŒrdigkeitenâ (Auflage Juni 1990) aufgenommen. StĂ€rkere Bebilderung und die Konzentration aufs Wesentliche ergaben spĂ€ter bei gleicher Seitenzahl den heutigen Untertitel â150 Tipps zu Kunst & Genuss in der Kaiserstadtâ (nicht mehr jede Tafel scheint in der BroschĂŒre auf). ErgĂ€nzt wird der lexikalische Teil durch den Anhang Auf den Spuren BerĂŒhmter: von Peter Altenberg bis Stefan Zweig.
Auf Kosten der Betreffenden werden auch GebÀude, die touristisch weniger wichtig sind, betafelt, wenn sie in die Aktion passen. Alle neu montierten Tafeln werden neuerdings mit Text in Deutsch und Englisch versehen.
Aktuelle Ergebnisse: Wien, Abschnitt Tourismus
Der WienTourismus stellt auf seiner Website umfang- und detailreiche Statistiken zur VerfĂŒgung:
(1) Diese Daten werden vom Magistrat der Stadt Wien (Magistratsabteilung 5) zur VerfĂŒgung gestellt und entsprechend aufbereitet.
(2) Diese Daten werden vom WienTourismus selbst erhoben bzw. aggregiert.
Auf der von Modul University Vienna und Ăsterreich Werbung betriebenen Website TourMIS â Touristisches Marketinginformationssystem stellt der WienTourismus monatlich Ankunfts- und NĂ€chtigungsergebnisse von Wien und sieben Umlandgemeinden (âGreater Viennaâ) aggregiert dar und ermöglicht damit einen internationalen Konkurrenzvergleich. Es handelt sich dabei um Gemeinden, die mit hoher Sicherheit Wien-Besucher beherbergen und groĂteils unmittelbar an Wien grenzen: Klosterneuburg, GroĂenzersdorf, Schwechat, Vösendorf, Perchtoldsdorf, Mödling, Brunn am Gebirge.
Im WienTourismus werden internationale Rangreihungen, die sich auf Wien beziehen und touristisch relevant sind, fĂŒr Interessenten dokumentiert.
Der Verband vertritt die touristischen Interessen der Stadt gegenĂŒber öffentlichen und privaten Institutionen und Personen im In- und Ausland. Dies umfasst unter anderem die Mitwirkung an Diskussionen der Ăsterreich Werbung ĂŒber die Gestaltung des weltweiten Ăsterreich-Tourismusmarketings, an tourismusrelevanten Beratungen der Stadtverwaltung (etwa betreffend Verkehrsregelungen fĂŒr Touristen-Autobusse) und an Arbeitsgruppen der Sektion Tourismus und historische Bauten des Wirtschaftsministeriums (etwa zu einem Tourismuskonzept fĂŒr den österreichischen Donauraum oder zu kulturtouristischen MarketingplĂ€nen) und der Bundesanstalt Statistik Ăsterreich.
Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer ist Mitglied der Konferenz der Landestourismusdirektoren und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft StĂ€dtetourimus der LandeshauptstĂ€dte und der Bundeshauptstadt (ArGe StĂ€dte), die vom WienTourismus 1978 zur BĂŒndelung der stĂ€dtetouristischen Interessen gegrĂŒndet wurde.
Der Wien-Tourismus ist Mitglied folgender Organisationen bzw. Arbeitsgemeinschaften:
Das Budget 2009 des WienTourismus betrug 27,1 Millionen Euro, fĂŒr 2010 wurde es mit 23,7 Millionen Euro beschlossen. Das Budget fĂŒr 2011 schien auf der Website des Wiener Tourismusverbandes Im JĂ€nner 2011 noch nicht auf.
In den gewerblichen Beherbergungsbetrieben Wiens â wozu mit ihren ortsfesten UnterkĂŒnften auch CampingplĂ€tze zĂ€hlen â hebt der Unternehmer auf Grund des Wiener Tourismusförderungsgesetzes (WTFG) vom Gast fĂŒr jede bezahlte NĂ€chtigung die so genannte Ortstaxe ein und fĂŒhrt den Ertrag einmal im Monat an die Stadtkasse ab. (Die Ortstaxe wird auf der dem Gast ausgestellten Rechnung separat ausgewiesen und unterliegt nicht der Umsatzsteuer.)
Konsumentenvertreter vertreten daher die Auffassung, die Ortstaxe werde vom Gast bezahlt. Unternehmervertreter sind der Meinung, der Gast bezahle den Gesamtpreis, weil ihm das Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis passe, und wĂŒrde gleich viel bezahlen, wenn der Preis keine Ortstaxe enthielte. Sie vertreten daher die Auffassung, dass die Beherbergungsunternehmer diese Abgabe nicht nur de jure, sondern auch de facto selbst entrichten.
Bis 1987 war die Ortstaxe je nach Preisniveau der NĂ€chtigung mit einem im Gesetz festgelegten Schillingbetrag zu entrichten. Dies machte es erforderlich, das Gesetz jeweils nach wenigen Jahren an die Inflation anzupassen, um den realen Ertrag nicht zu schmĂ€lern. Auf Initiative von PrĂ€sident Hans Mayr wurde die Ortstaxe 1987 nach Verhandlungen mit der Hotellerie im WTFG mit dem fixen Prozentsatz von 2,8 % des NĂ€chtigungsentgelts (ohne FrĂŒhstĂŒckszuschlag, ohne Umsatzsteuer) festgelegt. Dadurch erĂŒbrigt sich seither die Inflationsanpassung.
Laut WTFG wird der WienTourismus aus dem Ertrag der Ortstaxe finanziert. Sie ist somit die wirtschaftliche Basis der VerbandstĂ€tigkeit. Die bei der Stadtkasse eingelangten Ortstaxenzahlungen werden dem WienTourismus mehrmals im Jahr ĂŒberwiesen. Der Verband erhĂ€lt durch die ĂŒberwiesenen Summen auch sehr konkrete Daten ĂŒber den Hotellerieumsatz in Wien insgesamt und ĂŒber den saisonalen Verlauf der Umsatzentwicklung. Er enthĂ€lt auf Grund des Steuergeheimnisses keine Informationen ĂŒber den Umsatz des einzelnen Betriebes.
2009 sollte der Orstaxenertrag laut Budget 56 % der Einnahmen des Verbandes ausmachen; es traten aber betrĂ€chtliche Mindereinnahmen auf, die durch Entnahmen aus der RĂŒcklage kompensiert werden mussten, um den Marketingplan erfĂŒllen zu können. FĂŒr 2010 wurden daher nur 47 % des (geringeren) Gesamtbudgets aus der Ortstaxe erwartet; ĂŒber die Erwartungen fĂŒr 2011 sagt die Website des WienTourismus nichts aus.
Neben dem Ertrag der Ortstaxe erhĂ€lt der Verband seit der PrĂ€sidentschaft von Hans Mayr Mittel aus dem allgemeinen Stadtbudget: 2009 machten sie 20 % der Einnahmen des Verbandes aus, 2010 wurden sie mit 22 % geplant (fĂŒr 2011 wurden keine Angaben veröffentlicht). Damit wird kompensiert, dass der Verband â im Unterschied zu TourismusverbĂ€nden anderer BundeslĂ€nder Ăsterreichs â nicht von allen vom Tourismus nach Wien profitierenden Branchen mitfinanziert wird, sondern nur von der Hotellerie.
Weiters trĂ€gt die Wirtschaftskammer Wien seit 1969 zur Finanzierung des KongressbĂŒros des WienTourismus bei.
Eigene Einnahmen des Verbandes entstehen im Wesentlichen durch Zimmervermittlung (âWien-Hotels & Infoâ und Buchung auf www.wien.info), durch den Verkauf von Inseraten in verbandseigenen Druckwerken und durch BeitrĂ€ge von in- und auslĂ€ndischen Kooperationspartnern fĂŒr gemeinsame Marketingaktionen.
Ăber 80 % des Budgets werden laut Angaben des WienTourismus in das Marketing und die damit befassten Arbeitsteams investiert. Marktmanagement, Medienmanagement und GĂ€steservice sind sehr personalintensive Bereiche, da es hier vor allem um direkte Kontakte mit potentiellen EntscheidungstrĂ€gern, Meinungsbildnern und GĂ€sten geht. In den Bereichen Werbung und Werbemittelproduktion ist hingegen ein betrĂ€chtlicher Sachaufwand nötig, um den wĂŒnschenswerten âWerbedruckâ zu erzeugen und Informationsmaterial in zahlreichen Sprachen bereitstellen zu können.
Das Marketingbudget wird QuellmÀrkten nach deren Bedeutung und Chancen zugeordnet. Innerhalb des einem Markt gewidmeten Budgets ist hohe FlexibilitÀt die Regel, so dass auch unvorhergesehene Kooperationsangebote von Markt- und Medienpartnern realisiert werden können.