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| Wikipedia | |
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| de.wikipedia.org (deutschsprachige Version) www.wikipedia.org (Ăbersicht aller Sprachen) | |
| Motto | Die freie EnzyklopÀdie |
| Kommerziell | nein |
| Beschreibung | Wiki einer freien kollektiv erstellten Online-EnzyklopÀdie |
| Registrierung | optional |
| Sprachen | rund 260 |
| EigentĂŒmer | Wikimedia Foundation |
| Urheber | angemeldete und nicht angemeldete Autoren |
| Erschienen | 15. Januar 2001 |
Wikipedia [ËvÉȘkiËpeËdia] (auch: die Wikipedia) ist ein am 15. Januar 2001 gegrĂŒndetes freies Online-Lexikon in zahlreichen Sprachen. Der Name Wikipedia ist ein Kofferwort, das sich aus âWikiâ (hawaiisch fĂŒr âschnellâ) und âEncyclopediaâ (dem englischen Wort fĂŒr EnzyklopĂ€die) zusammensetzt. Die englischsprachige Wikipedia ist mit weit ĂŒber drei Millionen Artikeln die gröĂte Sprachversion, gefolgt von der deutschsprachigen Wikipedia mit ĂŒber einer Million Artikeln.[1]
Die EintrĂ€ge (âArtikelâ u. a.) der Wikipedia werden von individuellen Autoren â seltener von kollektiv arbeitenden Autoren â unentgeltlich konzipiert, geschrieben und nach der Veröffentlichung gemeinschaftlich korrigiert, erweitert und aktualisiert.
Das Ziel von Wikipedia ist es, eine frei lizenzierte und qualitativ hochstehende EnzyklopĂ€die zu schaffen und zu verbreiten.[2] Jeder Internetnutzer kann Wikipedia nicht nur lesen, sondern auch als Autor mitwirken. Um Inhalte zu verĂ€ndern, ist eine Anmeldung nicht erforderlich, jedoch â unter Realnamen oder Pseudonym â erwĂŒnscht. In einem offenen Bearbeitungsprozess hat Bestand, was von der Gemeinschaft der Mitarbeitenden akzeptiert wird. Bisher haben international etwa 1.016.000 angemeldete und eine unbekannte Zahl nicht angemeldeter Nutzer zur Wikipedia beigetragen. Mehr als 6700 Autoren arbeiten regelmĂ€Ăig bei der deutschsprachigen Ausgabe mit (Zahlen jeweils per 31. Oktober 2009).[3]
Die Wikipedia ist gegenwĂ€rtig das meistbenutzte Online-Nachschlagewerk und rangiert auf Platz sechs der weltweit meistbesuchten Websites. Die englischsprachige Version wird mit sehr groĂem Abstand am hĂ€ufigsten aufgerufen, gefolgt von der deutschen und der spanischsprachigen Ausgabe.[4] Neben ihrer Funktion als EnzyklopĂ€die spielt die Wikipedia eine wachsende Rolle als Medium fĂŒr die Verbreitung von Nachrichten,[5] auch in aktuellen Krisensituationen.[6]
Alle Inhalte der Wikipedia stehen unter freien Lizenzen â die Artikeltexte unter der GNU-Lizenz fĂŒr freie Dokumentation, seit dem 15. Juni 2009 auch unter der Creative-Commons-Attribution-ShareAlike-Lizenz (CC-BY-SA),[7] bei Bildern gibt es unterschiedliche Lizenzen â und können somit (unter bestimmten Bedingungen) selbst kommerziell genutzt, verĂ€ndert und verbreitet werden.
Betreiber ist die Wikimedia Foundation, Inc., eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in San Francisco, Kalifornien. In vielen LĂ€ndern gibt es zudem unabhĂ€ngige Wikimedia-Vereine, die mit der Stiftung zusammenarbeiten. Im deutschen Sprachraum sind dies die Wikimedia Deutschland, die Wikimedia Ăsterreich und die Wikimedia CH.
Inhaltsverzeichnis |
Der erste, der die Idee hatte, das Internet zur gemeinsamen Entwicklung einer EnzyklopĂ€die zu verwenden, ist, so wird allgemein angenommen, Rick Gates, ein Internetpionier, der sie in einem nicht erhaltenen Beitrag am 22. Oktober 1993 in einer Newsgroup im Usenet zur Diskussion stellte.[8] Das Projekt, das den Namen Interpedia erhielt, kam jedoch nicht ĂŒber das Planungsstadium hinaus. Auch der 1999 von Richard Stallman angeregten GNUPedia war kein Erfolg beschieden.
Im MĂ€rz 2000 startete der Internetunternehmer Jimmy Wales mit dem damaligen Doktoranden der Philosophie Larry Sanger ĂŒber die Firma Bomis[9] ein erstes Projekt einer englischsprachigen Internet-EnzyklopĂ€die, die Nupedia. Der Redaktionsprozess der Nupedia lehnte sich stark an den bisheriger EnzyklopĂ€dien an: Sanger amtierte als Chefredakteur, Autoren mussten sich bewerben und ihre Texte anschlieĂend ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen.
Ende 2000/Anfang 2001 wurden Sanger und Wales auf das Wiki-System aufmerksam, mit dessen Hilfe Benutzer einer Website diese nicht nur lesen, sondern auch direkt im Browser verÀndern können. Am 15. Januar 2001 war das Wiki der Nupedia unter der eigenstÀndigen Adresse wikipedia.com abrufbar, was seither als die Geburtsstunde der Wikipedia gilt.[10]
UrsprĂŒnglich war die Wikipedia von Sanger auf Nupedia als SpaĂ-Projekt (âfun projectâ[11]) neben der Nupedia angekĂŒndigt worden. Dank ihrer Offenheit jedoch entwickelte sich die Wikipedia â selbst zur Ăberraschung von Sanger und Wales â so schnell,[12] dass durch sie die Nupedia in den Hintergrund rĂŒckte und im September 2003 ganz verdrĂ€ngt wurde.
Am 15. MĂ€rz 2001 kĂŒndigte Wales in der Wikipedia-Mailingliste an, Versionen in weiteren Sprachen einrichten zu wollen; unter den ersten waren die deutschsprachige, die französische und die katalanische Wikipedia.[13] Ende 2001 existierte die Wikipedia bereits in 18 Sprachen.
Im Februar 2002 entschied sich Bomis, nicht lĂ€nger einen Chefredakteur zu beschĂ€ftigen, und kĂŒndigte den Vertrag mit Larry Sanger, der wenig spĂ€ter seine Mitarbeit bei Nupedia und Wikipedia aufgab.
Zur gleichen Zeit erlitt die Wikipedia ihren ersten RĂŒckschlag. Zahlreiche Autoren der spanischen Wikipedia entschlossen sich zu einer Abspaltung und grĂŒndeten die Enciclopedia Libre Universal en Español, da sie, nach einer entsprechenden Mitteilung von Sanger, befĂŒrchten mussten, in der Wikipedia werde kĂŒnftig Werbung eingeblendet.[14]
Um weitere Aufspaltungen zu verhindern, erklĂ€rte Wales im selben Jahr, dass die Wikipedia werbefrei bleiben werde. AuĂerdem wurde von der wikipedia.com-Website-Adresse zu der ĂŒblicherweise mit nichtkommerziellen Organisationen assoziierten Top-Level-Domain .org gewechselt.
Am 20. Juni 2003 schlieĂlich kĂŒndete Wales die GrĂŒndung der gemeinnĂŒtzigen Wikimedia Foundation an und ĂŒbereignete ihr die Namensrechte (die bei Bomis oder ihm persönlich lagen) und spĂ€ter auch die Server.
Mittlerweile gibt es die Wikipedia in ĂŒber 260 Sprachen. Im September 2004 ĂŒberschritt die Zahl der Artikel die Millionengrenze, derzeit sind es ĂŒber zehn Millionen Artikel. Die deutschsprachige Wikipedia enthĂ€lt seit dem 27. Dezember 2009 mehr als eine Million Artikel, die englischsprachige ĂŒber drei Millionen (Stand: Dezember 2009).
Vier GrundsĂ€tze sind den Angaben des Projekts zufolge unumstöĂlich und können auch nach Diskussionen nicht geĂ€ndert werden:[15]
Die GrundsĂ€tze âneutraler Standpunktâ,[16] âNachprĂŒfbarkeitâ und âKeine Theoriefindungâ[18] sollen die inhaltliche Ausrichtung der Artikel festlegen. Um unweigerlich aufkommende KĂ€mpfe um Artikelinhalte zu deeskalieren bzw. zu schlichten, um den Lesern zu ermöglichen, sich eine eigene Meinung zu bilden, und um ihre intellektuelle UnabhĂ€ngigkeit zu unterstĂŒtzen, hat Wikipedia die Richtlinie des neutralen Standpunkts (NPOV, von englisch neutral point of view)[16] aufgestellt. Danach soll ein Artikel so geschrieben sein, dass ihm möglichst viele Autoren zustimmen können. Existieren zu einem Thema verschiedene Ansichten, so soll ein Artikel diese fair beschreiben, aber nicht selbst Position beziehen. Der neutrale Standpunkt verlangt jedoch nicht, dass alle Ansichten gleichwertig prĂ€sentiert werden (siehe auch Herrschende Meinung). Soziale Prozesse sollen gewĂ€hrleisten, dass er eingehalten wird, was bei kontroversen Themen oft zu langen Diskussionen fĂŒhrt.
Welche Themen in die EnzyklopĂ€die aufgenommen werden und in welcher Form, entscheidet der Theorie nach die Gemeinschaft der Bearbeiter in einem offenen Prozess. Konflikte entstehen in diesem Zusammenhang meist darĂŒber, was âWissenâ darstellt, wo die Abgrenzung zu reinen Daten liegt und was unter enzyklopĂ€discher Relevanz[19] zu verstehen ist. Abgesehen von groben Leitlinien, die Wikipedia von anderen Werktypen, wie Wörterbuch, Datenbank, Link- oder Zitatesammlung, abgrenzen, gibt es keine allgemeinen Kriterienkataloge (z. B. fĂŒr Biographien), wie sie in traditionellen EnzyklopĂ€dien gebrĂ€uchlich sind. Im Zweifel wird ĂŒber den Einzelfall diskutiert. Empfindet ein Benutzer ein Thema als ungeeignet oder einen Artikel als dem Thema nicht angemessen, kann er einen Löschantrag stellen, ĂŒber den anschlieĂend alle Interessierten diskutieren.
Als Verhaltensvorschrift wird in einer der Usenet-Netiquette nachempfundenen Wikiquette[17] von Mitarbeitern gefordert, ihre Mitautoren zu respektieren und niemanden in Diskussionen zu beleidigen oder persönlich anzugreifen. Grundlage ist hierbei die Regel âGehe von guten Absichten aus!â.
Mit dem Speichern ihrer Bearbeitung geben die Autoren ihre Einwilligung, dass ihr Beitrag unter der GNU-Lizenz fĂŒr freie Dokumentation (GFDL) und seit 15. Juni 2009 auch unter der Creative-Commons-Attribution-Share Alike-Lizenz (CC-BY-SA) veröffentlicht wird. Diese Lizenzen erlauben es anderen, die Inhalte nach Belieben zu Ă€ndern und - auch kommerziell - zu verbreiten, sofern die Bedingungen der Lizenzen eingehalten werden und die Inhalte wieder unter den gleichen Lizenzen veröffentlicht werden. Durch dieses sogenannte Copyleft-Prinzip ist es unmöglich, Wikipedia-Artikel und auf ihnen basierende Texte unter Berufung auf das Urheberrecht exklusiv zu verwerten.
Die Wikipedia besteht aus vielen einzelnen Webseiten, die in als âNamensrĂ€umeâ bezeichnete Gruppen aufgeteilt sind. In allen NamensrĂ€umen können die jeweiligen Seiten von aktiven Nutzern bearbeitet werden. Der wichtigste Namensraum ist der Artikelnamensraum mit den enzyklopĂ€dischen Artikeln fĂŒr passive Nutzer. Daneben gibt es, fĂŒr aktive Nutzer, weitere NamensrĂ€ume. Beispielsweise den Wikipedianamensraum mit Seiten ĂŒber Wikipediametadiskurse, unter anderem mit den Richtlinien. Im Hilfenamensraum sind Hilfeseiten zusammengefasst, die Anleitungen zur methodischen Umsetzung von Artikelbearbeitungen enthalten. Angemeldete Benutzer verfĂŒgen jeweils ĂŒber Benutzerseiten im Benutzernamensraum, die sie jeweils frei mit Inhalten fĂŒllen und gestalten können, wobei ein Bezug zu Wikipedia bestehen soll. HĂ€ufige EintrĂ€ge dort betreffen persönliche Angaben zu Alter, Herkunft und Beruf, benutzerspezifische technische Hilfen, Bearbeitungsschwerpunkte, Nennung der vom Benutzer eröffneten Artikel sowie Kritik an Wikipedia. Auch in den jeweiligen NamensrĂ€umen hat jede Seite eine ihr zugeordnete Diskussionsseite fĂŒr aktive Nutzer.
Der Inhalt ist als Hypertext organisiert. Querverweise und Formatierungsanweisungen geben die Autoren in einer einfachen Syntax ein. So wandelt die Software in doppelte eckige Klammern ([[]]) gesetzte Begriffe automatisch in einen internen Link auf den betreffenden Artikel um. Existiert der verlinkte Artikel bereits, wird der Link in blauer Farbe hervorgehoben. Existiert der Artikel noch nicht, erscheint der Verweis in Rot, und beim Anklicken öffnet sich ein Eingabefeld, in dem der Leser den neuen Artikel verfassen kann. Diese einfache VerknĂŒpfungsmöglichkeit hat dafĂŒr gesorgt, dass die Artikel der Wikipedia wesentlich dichter miteinander vernetzt sind als die anderer EnzyklopĂ€dien auf CD-ROM oder im Internet.
Neben den im Kontext angebrachten Hyperlinks auf andere Artikel bestehen noch weitere Navigationsmöglichkeiten, wie Kategorien oder der alphabetische Index, die jedoch eine untergeordnete Rolle spielen.
Betreiberin der Wikipedia ist die Wikimedia Foundation mit Sitz in San Francisco. Die einzelnen Sprachversionen der Wikipedia sind nach dem gleichen Grundkonzept aufgebaut, genieĂen aber groĂe EigenstĂ€ndigkeit.
Die Organisationsstruktur wird hauptsĂ€chlich durch in informellen Organisationsprozessen entstandene Normen bestimmt. Benutzer können sich mit ihren BeitrĂ€gen in der Gemeinschaft (community) einen Ruf erwerben. Neben der Ăberzeugungskraft von Argumenten spielt der â etwa durch Fachkenntnis in bestimmten Gebieten, aber auch durch Aufnehmen von Kontakten und Bilden von informellen Cliquen[20] erworbene â soziale Status innerhalb der Wikipedia-Gemeinschaft eine Rolle fĂŒr die Akzeptanz von Bearbeitungen im Artikelnamensraum.
Angemeldete Benutzer, die bereits eine bestimmte Zahl von Bearbeitungen vorgenommen haben, verfĂŒgen ĂŒber zusĂ€tzliche Rechte. Besonders engagierte Teilnehmer können von der Autorengemeinschaft zu Administratoren gewĂ€hlt werden. Administratoren haben erweiterte Rechte und Aufgaben, wie z. B. das Recht, die Bearbeitung von umstrittenen Artikeln fĂŒr nicht angemeldete Benutzer zu sperren oder auch Bearbeiter zeitweise auszuschlieĂen, die grob oder wiederholt gegen die Regeln verstoĂen.
Die meisten Regeln der Wikipedia entstehen dadurch, dass viele Teilnehmer einen einzelnen Vorschlag aufgreifen und anwenden. Wird ein derartiger Vorschlag von einer qualifizierten Mehrheit der Benutzer getragen, gilt er als akzeptiert und kann zur Regel werden.
Bei umstrittenen Entscheidungen wird in der Wikipedia traditionellerweise versucht, einen Konsens zu finden. In der Praxis ist ein echter Konsens unter der Vielzahl von Mitarbeitern jedoch oft nicht möglich. In solchen FÀllen werden die Entscheidungen in Verfahren getroffen, die zwischen Diskussion und Abstimmung anzusiedeln sind.
Den gröĂten persönlichen Einfluss â vor allem in der englischsprachigen Wikipedia â hat der GrĂŒnder Jimmy Wales, der mit seiner persönlichen AutoritĂ€t lange Zeit Konflikte in der Gemeinschaft schlichtete. Einen Teil seiner Aufgaben in der englischsprachigen Wikipedia ĂŒbertrug er Anfang 2004 einem von den Teilnehmern gewĂ€hlten âarbitration committeeâ. Diese einem Schiedsgericht vergleichbare Institution existiert auch in anderen Sprachversionen, unter anderem in der deutsch- und französischsprachigen Wikipedia.
Mit der Zeit haben sich gegensĂ€tzliche Ăberzeugungen herausgebildet, wie sich die Wikipedia entwickeln soll. Eine wesentliche Meinungsverschiedenheit besteht zwischen den sogenannten âInklusionistenâ und den âDeletionistenâ oder âExklusionistenâ. Dabei plĂ€dieren die Inklusionisten dafĂŒr, möglichst viele Informationen in die Wikipedia aufzunehmen und möglichst keine Artikel zu löschen. Die Gegenposition vertreten die Deletionisten, die davor warnen, allzu detaillierte und irrelevante Informationen aufzunehmen.
Wie stark die Organisationshierarchie sich gemÀà dem Ehernen Gesetz der Oligarchie entwickelt, ist umstritten, wobei zwei von drei Forschungsarbeiten eine Oligarchisierung konstatieren.
Die Wikipedia finanziert sich ausschlieĂlich ĂŒber Spenden von Privatpersonen und Unternehmen. Die Ausgaben der Wikimedia Foundation beliefen sich im Fiskaljahr 2008/2009 auf rund 470.000 Dollar im Monat.[21] Davon entfielen ca. 40 % auf die GehĂ€lter der rund 30 Angestellten[22] und etwa 70.000 Dollar auf das Internet-Hosting. Das Budget fĂŒr das Fiskaljahr 2009/2010 betrug 9,4 Millionen Dollar.[23] Mit einer Spende von 2 Mio. Dollar im Jahr 2010 ist das Internetunternehmen Google Inc. einer der gröĂten Einzelspender.[24]
An der Finanzierung der Wikipedia beteiligen sich auch die einzelnen nationalen Wikimedia-Chapter. Zum Beispiel hat Wikimedia Deutschland zwanzig Angestellte[25] und betreibt den sogenannten Toolserver, auf dem Werkzeuge fĂŒr Wikipedia-Autoren bereitstehen.[26]
Anfangs verwendete Wikipedia als Software das in Perl geschriebene UseModWiki, das den Anforderungen jedoch bald nicht mehr gewachsen war. Im Januar 2002 stellte Wikipedia auf eine vom deutschen Biologen Magnus Manske geschriebene, MySQL-basierte PHP-Applikation (Phase II) um, die speziell an die BedĂŒrfnisse der Wikipedia angepasst war. Nachdem die Website sich ĂŒber ein Jahr die Ressourcen mit dem Webangebot von Bomis geteilt hatte, zog die englische Wikipedia, spĂ€ter auch die anderen Sprachversionen, im Juli 2002 auf einen eigenen Server mit einer von Lee Daniel Crocker ĂŒberarbeiteten und teils neugeschriebenen Version von Manskes Software (Phase III) um. Diese erhielt spĂ€ter den Namen MediaWiki.
Wikipedia lĂ€uft auf Linux-Servern, ĂŒberwiegend auf der Server-Variante von Ubuntu,[27] und mit einigen OpenSolaris-Servern fĂŒr ZFS. Ankommende HTTP-Requests gelangen zuerst an Squid-Caches, die nicht angemeldete Besucher, die nur lesen wollen, mit vorgenerierten Seiten versorgen. Die anderen Anfragen kommen an load-balanced Server auf Basis der Software Linux Virtual Server, von wo sie zu einem der Apache-HTTP-Server gelangen. Dieser nutzt die Skriptsprache PHP und die Datenbank MySQL, um die Seiten benutzerspezifisch zu generieren. Die MySQL-Datenbank lĂ€uft auf mehreren Servern mit Replikation im Master-Slave-Betrieb.
Mit steigenden Zugriffszahlen erhöhten sich die Anforderungen an die Hardware. Waren es im Dezember 2003 noch drei Server, sind zum Betrieb der Wikipedia und ihrer Schwesterunternehmungen im November 2009 mittlerweile ĂŒber 370 Server in Tampa und Amsterdam im Einsatz, die von einem Team sowohl ehrenamtlicher als auch fest angestellter Administratoren betreut werden.[28] Das Prinzip, die Server nach berĂŒhmten EnzyklopĂ€disten zu benennen, wurde 2005 aufgegeben.
Wikipedia-Server verarbeiten zwischen 25.000 und 60.000 Zugriffe pro Sekunde, je nach Tageszeit. Teilweise kommt es dabei zu KapazitĂ€tsengpĂ€ssen, die etwa dazu fĂŒhren, dass Seiten nur langsam oder gar nicht geladen werden können.
Mehrere Unternehmen und Organisationen boten der Wikimedia Foundation ihre UnterstĂŒtzung an. Im April 2005 erklĂ€rte sich der Suchmaschinenbetreiber Yahoo bereit, 23 Server in seinem Rechenzentrum in Asien fĂŒr den Betrieb der Wikipedia bereitzustellen. Am 17. Juli 2009 wurden diese Server abgekĂŒndigt und zum 1. Januar 2010 abgeschaltet.
Ein weiteres eigenes Rechenzentrum wird im Jahr 2011 in Ashburn, Virginia (USA) den Betrieb aufnehmen.[29]
Die Entwicklung der Software, etwa den Einbau neuer Funktionen, bestimmt das von der Community unabhĂ€ngige Team der Programmierer, das sich einerseits an den WĂŒnschen der Nutzer orientiert, andererseits auch neue Ideen, wie zum Beispiel Erweiterungen,[30] von auĂerhalb implementiert.
Die Wikipedia wird intern umfassend statistisch erfasst. Das Hauptranking der einzelnen Sprachversionen basiert auf der absoluten Artikelzahl. Da die Mindestanforderungen an einen Artikel in den einzelnen Versionen sehr unterschiedlich sind â einige haben Bots eingesetzt, um automatisch Artikel zu schaffen; besonders bei der VolapĂŒk-Wikipedia,[31] von deren ĂŒber 118.000 Artikeln nur etwa ein Prozent gröĂer als zwei Kilobyte â werden die einzelnen Wikipedias auch nach dem Umfang der Artikel aufgelistet. Ein anderes Ranking resultiert aus der Anzahl der Besuche der Website; ein weiterer Anhaltspunkt ist die Anzahl der Bearbeitungen.[1]
Das Wiki-System sieht vor, dass jeder Besucher der Webseiten der Wikipedia Artikel und BeitrĂ€ge verfassen und Texte Ă€ndern kann, ohne sich anmelden zu mĂŒssen. Bestimmte, dauerhaft umstrittene Artikel können jedoch von nicht angemeldeten oder neu angemeldeten Benutzern nicht bearbeitet werden (hierbei handelt es sich um eine sogenannte Halbsperre); es kommt auch vor, dass ein Artikel aktuell so stark umstritten ist oder mutwillig entstellt wird (Vandalismus), dass er fĂŒr jegliche Bearbeitung vollgesperrt wird.
Eine eigentliche Redaktion gibt es nicht, das Prinzip basiert vielmehr auf der Annahme, dass sich die Benutzer gegenseitig kontrollieren und korrigieren. Die deutschsprachige Wikipedia hat 2008 das System der Sichtung eingefĂŒhrt. Dadurch wird allen unangemeldeten Benutzern standardmĂ€Ăig die letzte gesichtete Version eines Artikels angezeigt. Neuere, ungesichtete Versionen bereits gesichteter Artikel werden angemeldeten Benutzern standardmĂ€Ăig angezeigt, können aber auch von unangemeldeten Benutzern ĂŒber den Reiter Ungesichtete Ănderung aufgerufen werden.
Jede Seite verfĂŒgt ĂŒber eine eigene Diskussionsseite, auf der jeder Benutzer Verbesserungs- oder ĂnderungsvorschlĂ€ge vorschlagen kann. Sie gibt zudem Aufschluss ĂŒber die Entwicklungsgeschichte eines Artikels und eventuelle Kontroversen.
Im Dezember 2005 veröffentlichte die Zeitschrift Nature einen Vergleich der englischen Wikipedia mit der EncyclopĂŠdia Britannica.[32] In einem Blindtest hatten 50 Experten je einen Artikel aus beiden Werken aus ihrem Fachgebiet ausschlieĂlich auf Fehler geprĂŒft. Mit durchschnittlich vier Fehlern pro Artikel lag die Wikipedia nur knapp hinter der Britannica, in der im Durchschnitt drei Fehler gefunden wurden.
Britannica reagierte darauf im MĂ€rz 2006 mit einer Kritik der Nature-Studie, in der sie dem Wissenschaftsmagazin schwere handwerkliche Fehler vorwarf â so seien etwa Artikel herangezogen worden, die gar nicht aus der eigentlichen EnzyklopĂ€die, sondern aus JahrbĂŒchern stammten, auĂerdem seien die Reviews selbst nicht auf Fehler geprĂŒft worden.[33] Die Zeitschrift Nature wies die VorwĂŒrfe zurĂŒck und erklĂ€rte, sie habe die Online-Ausgaben verglichen, die auch die Jahrbuchartikel enthielten. Dass die Reviews auf Fehler geprĂŒft seien, habe sie nie behauptet; und dadurch, dass die Studie als Blindtest durchgefĂŒhrt worden sei, trĂ€fen sĂ€mtliche Kritikpunkte auch auf die Reviews der Wikipedia-Artikel zu, das Gesamtergebnis Ă€ndere sich folglich nicht.[34]
Gute Vergleichsnoten erhielt Wikipedia von GĂŒnter Schuler im Juli 2007 sowohl in der Konkurrenz zu den bekannten UniversalenzyklopĂ€dien als auch in der GegenĂŒberstellung mit diversen Fachlexika und Online-Suchmaschinen wie Yahoo und Google.[35] Die VorzĂŒge der Wikipedia gegenĂŒber den klassischen Online-Suchmaschinen sah Schuler vor allem in der gĂŒnstigen Kombination aus Weblinks, die âvom Feinstenâ seien, und der Tatsache, dass zumindest âdie gröĂeren Wikipedia-Sprachversionen mittlerweile so gut wie alle Themenbereiche abdecken.â[36]
Positiv fiel auch das Urteil von Christoph Drösser und Götz Hamann (Die Zeit) aus, die anlĂ€sslich des zehnten Geburtstags von Wikipedia hervorhoben, dass diese, anders als gedruckte Lexika, stets auf der Höhe der Zeit sei und ihre Wirkung allenfalls mit der von Denis Diderots EncyclopĂ©die aus dem Jahre 1751 verglichen werden könne: Diderot verband mit seinem Werk die Hoffnung, dass âunsere Enkel nicht nur gebildet, sondern gleichzeitig auch tugendhafter und glĂŒcklicher werdenâ. Nach dem Erscheinen der ersten BĂ€nde seiner EnzyklopĂ€die verbreitete diese sich in Europa wie keine vor ihr. In einer Welt aus Hörensagen, mĂŒndlicher Ăberlieferung, einzelnen aufklĂ€rerischen Schriften und kleineren Lexikon-Editionen erleuchtete das umfassende Werk den Kontinent. Mit Diderot bekam die AufklĂ€rung ein intellektuelles Fundament. Gebildete Menschen in Europa bedienten sich mit einem Mal aus demselben Wissensschatz. Indem sie die EnzyklopĂ€die nutzten und zitierten und ĂŒbersetzten, verstĂ€ndigten sie sich darĂŒber, wie die Welt ist. Eine Ă€hnliche Wirkung entfaltet heute Wikipedia.[37]
Die IdentitĂ€t der Wikipedia-Autoren (âWikipedianerâ[38]) ist vielfach nicht bekannt. Zwar machen viele angemeldete Autoren Angaben zur eigenen Person auf ihrer Benutzerseite, doch ist dies freiwillig und kaum ĂŒberprĂŒfbar. Ein erheblicher Anteil bearbeitet unangemeldet ohne Benutzerkonto. Im FrĂŒhjahr 2007 geriet der Fall des 24-jĂ€hrigen amerikanischen Wikipedia-Autors Essjay in die Schlagzeilen, der sich fĂ€lschlich als UniversitĂ€tsprofessor ausgegeben hatte und in der englischsprachigen Wikipedia in die höchsten Community-Ămter aufgestiegen war.[39]
Siehe auch Abschnitt âVertrauenswĂŒrdigkeitâ im Artikel âKritik an Wikipediaâ.
Zur Sozialstruktur der Wikipedia-Autoren existieren noch wenige Untersuchungen. Eine Umfrage von WĂŒrzburger Psychologen ergab einen MĂ€nneranteil von 88 Prozent und etwa 50 Prozent Singles. 43 Prozent der Befragten arbeiten Vollzeit. Eine groĂe Gruppe bilden Studenten. Das Durchschnittsalter betrĂ€gt 33 Jahre. Zu ihrer Motivation befragt, bewerteten ĂŒber 80 Prozent die Erweiterung des eigenen Wissens als wichtig bis sehr wichtig.[40] Deutlich wird auch ein hoher Anteil der 13- bis 23-JĂ€hrigen.[41]
In einer Analyse des Partizipationsverhaltens angemeldeter Teilnehmer stellte Jimmy Wales fest, dass die HĂ€lfte aller BeitrĂ€ge von nur 2,5 Prozent der Nutzer stammte.[42] Er stĂŒtzte damit seine These von der Wikipedia als âcommunity of thoughtful usersâ, die er einer Auffassung als emergentem PhĂ€nomen gegenĂŒberstellte, in dem sich aus den BeitrĂ€gen einer Vielzahl anonymer Internetnutzer eher spontan eine EnzyklopĂ€die herausbildet.[43]
Seit einiger Zeit hat die Wikipedia-Gemeinde zunehmend Schwierigkeiten, engagierte Autoren zu finden und zu halten. Eine im Herbst 2007 veröffentlichte Erhebung in der englischsprachigen Version ergab, dass die Wikipedia erstmals seit ihrer GrĂŒndung ein sinkendes Engagement ihrer aktiven Benutzer zu verzeichnen hat, und auch die Zahl der Neuanmeldungen rĂŒcklĂ€ufig ist. Einer der HauptgrĂŒnde ist laut einer Studie ein immer rauer werdender Umgangston.[44] Eine ErklĂ€rung ist die, dass die Einstiegsschwierigkeiten fĂŒr technisch nicht versierte Erstautoren zu groĂ sind. Dem soll seit April 2010 mit einem von der Stanton Foundation mit 890 000 Dollar finanzierten Projekt zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit abgeholfen werden.[45] In der deutschsprachigen Wikipedia wurde zudem im Jahr 2007 ein Mentorenprogramm ins Leben gerufen, um durch die Hilfe erfahrener Wikipedianer neuen Autoren den Einstieg zu erleichtern.[46]
Die zunehmende relative Macht einer sich sozial schlieĂenden Administratorenschaft, der hĂ€ufig verletzende Tonfall auf den Diskussionsseiten und in Projektdebatten, eine zunehmend brĂŒske Behandlung von anonymen Mitarbeitern (âIPsâ) und neuangemeldeten âBenutzernâ,[47] könnten hier eine problematische Entwicklung kennzeichnen.
Die Wikipedia entwickelte sich schon kurz nach ihrer GrĂŒndung zu einem mehrsprachigen Unterfangen. Eine neue Wikipedia in einer anderen Sprache kann jederzeit gegrĂŒndet werden, sobald sich genĂŒgend Interessierte finden. Ăber sprachliche Grenzen hinweg können in der Community Kontroversen entstehen. Auch ausgestorbene oder Plansprachen sind grundsĂ€tzlich zulĂ€ssig. Mittlerweile gibt es mehrere Wikipedias in Dialekten wie Plattdeutsch, Kölsch oder Bayrisch. Die Artikel der durch Interwiki-Links miteinander verknĂŒpften Sprachversionen sind oft nicht Ăbersetzungen bestehender Artikel, sondern eigenstĂ€ndige BeitrĂ€ge.
Eine Untersuchung eines britischen Forscherteams hat gezeigt, dass der kulturelle Hintergrund einen erheblichen Einfluss auf das Editierverhalten der Autoren hat. So wird in der deutschsprachigen Wikipedia deutlich öfter Text gelöscht als in der niederlÀndisch-, französisch- oder japanischsprachigen.[48] <div style="clear:left;" />
Die Autorenschaft der Wikipedia wird als eine âmethodenorientierte Communityâ beschrieben.
Siehe dazu auch Abschnitt âOrganisationsstrukturâ.
Bedingt durch Sprachbarrieren besteht zwischen den einzelnen Sprachgemeinschaften in der Regel wenig Austausch; die Communitys organisieren und entwickeln sich unabhĂ€ngig voneinander. Einzelne Initiativen wie die âĂbersetzung der Wocheâ versuchen, diese Barriere zu ĂŒberwinden und fĂŒr mehr Austausch zu sorgen.
Besonders die GrĂŒndung von Wikimedia Commons bewirkte einen Aufschwung in der internationalen Zusammenarbeit. Auf den mehrsprachig angelegten Commons arbeiten Wikipedia-Teilnehmer aus allen Sprachversionen am Aufbau eines zentralen Medien-Repositoriums.
Es hat sich gezeigt, dass die GNU-Lizenz fĂŒr freie Dokumentation (GFDL), unter der die Wikipedia-Inhalte stehen, fĂŒr die Wiki-basierte Erstellung einer freien EnzyklopĂ€die nur bedingt tauglich ist. Die Lizenz wurde ursprĂŒnglich fĂŒr freie EDV-Dokumentationen entwickelt, bei denen die Anzahl der Textrevisionen und der beteiligten Autoren in der Regel ĂŒberschaubar ist. In der Wikipedia hingegen ist gerade an Artikeln zu populĂ€ren oder kontroversen Themen mitunter eine groĂe Anzahl von Autoren beteiligt. Artikelverschmelzungen und -aufspaltungen, Ăbersetzungen aus anderssprachigen Wikipedia-Versionen sowie anonyme Textspenden aus unklaren Quellen sind an der Tagesordnung. Der komplexe Entstehungsprozess vieler Artikel lĂ€sst sich oft nur mĂŒhsam rekonstruieren.
Es wird daher auch unter Juristen diskutiert, wie die GFDL-Lizenzbedingungen im Einzelnen anzuwenden sind. Dies gilt etwa fĂŒr die Bereitstellung der vollstĂ€ndigen Versionsgeschichte, die Ermittlung von Hauptautoren oder die Pflicht zur vollstĂ€ndigen Wiedergabe des Lizenztextes.
Nach einer Abstimmung innerhalb der Wikipedia hat die Wikimedia Foundation am 21. Mai 2009 bekannt gegeben, dass die Wikipedia ab 15. Juni 2009 sowohl unter GNU-Lizenz fĂŒr freie Dokumentationen als auch unter Creative-Commons-Attribution-ShareAlike-Lizenz (Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen)[49] lizenziert wird. Die Creative-Commons-Lizenzen sind im Gegensatz zur GNU-Lizenz nicht nur fĂŒr EDV-Dokumentationen konzipiert und können daher zum Beispiel bei Bildern Vorteile bieten.[50]
Angesichts der digitalen Spaltung bestehen bezĂŒglich des Zugangs zu PC, Internet und somit Wikipedia sowohl global als auch lokal erhebliche Niveauunterschiede. Diese stehen dem Ideal der fĂŒr jedermann gleichermaĂen verfĂŒgbaren EnzyklopĂ€die entgegen. In globaler Hinsicht verursachen sie zudem ein unerwĂŒnschtes GefĂ€lle in der VollstĂ€ndigkeit des enzyklopĂ€dischen Wissens, siehe Abschnitt âGewichtungâ im Artikel âKritik an Wikipediaâ.
Der prominenteste und bisher schwerstwiegende Zensurfall, dessen Opfer die Wikipedia wurde, sind die Sperrungen in der Volksrepublik China im Zeitraum zwischen 2004 und 2008, von denen zeitweise groĂe Teile Chinas betroffen waren. Im September 2006 widersetzte sich Jimmy Wales einer Aufforderung der chinesischen Regierung, politische EintrĂ€ge fĂŒr eine chinesische Version der Wikipedia zu blockieren, mit der BegrĂŒndung, Zensur widerspreche der Philosophie von Wikipedia. Dem Observer sagte Wales: âWir stehen fĂŒr die Freiheit von Information, und wenn wir einen Kompromiss eingingen, wĂŒrde das meiner Ansicht nach ein ganz falsches Signal senden, nĂ€mlich dass es niemanden mehr [âŠ] gibt, der sagt: âWisst ihr was? Wir geben nicht auf.ââ[51]
Der Organisation Reporter ohne Grenzen zufolge blockierte der Iran 2006 mehrere Monate lang die kurdische Wikipedia.[52]
ThailĂ€ndische Nutzer berichteten im Oktober 2008 von einer Sperrung des englischen Artikels ĂŒber König Bhumipol.[53]
Im Dezember 2008 blockierten britische Provider den Artikel ĂŒber das Scorpions-Album Virgin Killer wegen des dort abgebildeten Album-Covers, das die Internet Watch Foundation, eine halbstaatliche britische Organisation zur BekĂ€mpfung von Kinderpornografie im Internet, als Kinderpornografie eingestuft und auf ihre Sperrliste gesetzt hatte.[54]
Wikipedia-Inhalte werden von zahlreichen Websites dank der freien Lizenz aufgenommen, einige verdienen dabei an der Einblendung von Werbung. Auch viele Medien verwenden fĂŒr ihre Berichte BeitrĂ€ge aus der Wikipedia, oft ohne sie zu ĂŒberprĂŒfen.
Es entstanden in der ersten Zeit der Wikipedia mehrere Offline-Reader, die eine Nutzung auch dann erlaubten, wenn man keine Verbindung zum Internet hatte. Bei deren Verbreitung spielte die deutschsprachige Wikipedia eine Vorreiterrolle. Deutschsprachige Wikipedianer stellten sogenannte WikiReader zusammen, Artikelsammlungen zu einem Thema, von denen einige in kleinen Auflagen auch gedruckt erschienen.
Im Herbst 2004 veröffentlichte der Berliner Verlag Directmedia Publishing in Zusammenarbeit mit der Wikipedia-Community eine CD-Version der deutschsprachigen Wikipedia. Etwa halbjĂ€hrlich erschienen bis 2007 DVD-Ausgaben, die auch frei im Netz zum Herunterladen bereitgestellt wurden. Lektorierte Sammlungen von Wikipedia-Texten veröffentlichte in den Jahren 2005 und 2006 die Zenodot Verlagsgesellschaft als Taschenbuchreihe WikiPress. Seit 2008 gibt es den Freeware-Offline-Reader WikiTaxi. Er ermöglicht den Import von aktuellen Wikipedia-DatenbankauszĂŒgen in allen verfĂŒgbaren Sprachen und stellt die Offline-Nutzung von Wikipedia und den Schwesterprodukten sicher.[55] Der zu Bertelsmann gehörende Wissen Media Verlag brachte im September 2008 das Wikipedia Lexikon in einem Band heraus, eine knapp 1000-seitige Druckfassung mit 20.000 Stichwörtern auf Basis der 2007/2008 am hĂ€ufigsten aufgerufenen Artikel der deutschsprachigen Wikipedia.[56] Diese Nutzungsformen verloren aber mit dem zunehmendem Umfang der Wikipedia und der zunehmend jederzeitigen VerfĂŒgbarkeit des Internet-Zugangs immer mehr an Bedeutung.
Seit Februar 2009 können AuszĂŒge aus der deutschsprachigen Wikipedia als vom Benutzer individuell zusammenstellbares Book-on-Demand im A5-Format mit mindestens 48 und höchstens 828 Seiten hergestellt werden.[57] Nichts damit zu tun hat die inzwischen vielfach kritisierte GeschĂ€ftspraxis einiger Print-on-Demand-Buchverlage, die â wie Bucher LLC und VDM Publishing â Wikipedia-Artikel in SammelbĂ€nden ausdrucken und ohne Abstimmung mit Wikimedia im Online-Buchhandel vertreiben.[58]
Durch die immer gröĂere Verbreitung von Smartphones spielt auch die Nutzung der Wikipedia unterwegs ein steigende Rolle.[59] Speziell angepasste Apps stellen die Wikipedia-Inhalte auf den meist kleinen Bildschirmen der GerĂ€te passend dar. Auch der Zugang durch natĂŒrliche Sprache wird dabei immer wichtiger. Einige Apps, wie etwa AskWiki, können gesprochene Fragen verstehen und die Antwort aus einem passenden Wikipedia-Artikel heraussuchen.
Da sich Wikipedia auf EnzyklopÀdieartikel beschrÀnkt, sind inzwischen Ableger entstanden, die sich anderer Textsorten und weiterer Medien annehmen.
Ein solcher Ableger ist Wiktionary, bei dem das Wiki-Konzept auf WörterbĂŒcher angewendet wird. Im Juli 2003 wurde Wikibooks mit dem Ziel gegrĂŒndet, freie LehrbĂŒcher zu erstellen. Wikiquote sammelt Zitate; Wikisource ist eine Sammlung freier Originalquellen.
Seit September 2004 gibt es mit den Wikimedia Commons eine zentrale Datenbank, die Bilder und andere Medien fĂŒr alle Wikimedia-Projekte gemeinsam zugĂ€nglich macht und Wikispecies, ein Verzeichnis sĂ€mtlicher Arten.
Wikinews, das sich dem Aufbau einer freien Nachrichtenquelle widmet, wurde Anfang November 2004 ins Leben gerufen. Seit August 2006 gibt es Wikiversity, eine Studien- und Forschungsplattform auf Basis eines Wiki.
Am 23. April 2009 haben die Wikimedia Foundation und das Telekommunikationsunternehmen Orange eine Partnerschaft angekĂŒndigt, mit dem Ziel, die âZugangsmöglichkeiten von Menschen zu freiem Wissen zu erweiternâ. Auf den Mobile- und Webportalen von Orange sollen eigene Wikipedia-KanĂ€le mit entsprechenden Links bereitgestellt werden.[60]
Wikipedia inspirierte die GrĂŒndung zahlreicher anderer Wikis, so zum Beispiel die EnzyklopĂ€dieprojekte Wikiweise und Citizendium. Beide sehen sich als Gegenentwurf zur freien Wikipedia und wollen einen höheren QualitĂ€tsstandard bieten. Aus der Wikipedia-Gemeinschaft entwickelten sich ab 2004 die Parodien Kamelopedia, Uncyclopedia und Stupidedia. Im Juli 2008 hat Google ein verwandtes ebenfalls mehrsprachiges Projekt namens Knol gestartet, das als mögliche ernsthafte Konkurrenz zur Wikipedia angesehen wird. Das Projekt OpenStreetMap bezieht sich in der Arbeitsweise gerne auf die Wikipedia und bezeichnet sich hĂ€ufiger als âDie Wikipedia fĂŒr Kartenâ.
Mehr dazu im Abschnitt âWikipedia und die Popularisierung des Konzeptes: 2001 bis 2005â (und folgenden) des Artikels âWikiâ.
Siehe Abschnitt âWikipedia im Vergleich zu anderen EnzyklopĂ€dienâ sowie Artikel âDeutschsprachige Wikipediaâ, Abschnitt âRezeptionâ.
Erfolg und PublizitÀt des offenen EnzyklopÀdiekonzepts (Wikipedia lag 2007 erstmals auf Platz Vier der international bekanntesten Marken)[61] weckten auch das Interesse zahlreicher Wissenschaftler und Studenten.
So visualisierte und analysierte ein Forscherteam von IBM und MIT beispielsweise 2004 mit dem Historyflow-Verfahren die Evolution von Artikeln. Die Autoren stellten dabei unter anderem fest, dass die Gemeinschaft Vandalismus erstaunlich schnell beseitigte.[62]
Eine Autorengruppe um den Soziologen Christian Stegbauer untersuchte die deutschsprachige Wikipedia auf dem Stand vom September 2006 netzwerkanalytisch. Sie ermittelte eine zunehmende SchlieĂung der Gruppe der Administratoren mit Selbstrekrutierung und sozialer Exklusion der nachfolgenden Mitarbeiter.[63]
Sie sieht darin zum Teil einen Selbststeuerungsprozess. Stegbauer verwendet fĂŒr diese Gruppen (in verschiedenen Fachbereichen) den Ausdruck FĂŒhrungselite, die Macht â allerdings nicht im politischen oder ökonomischen Sinn â auf sich versammelt. Er ermittelt und beschreibt im Einzelnen die Erstellung von Artikeln in einem System, das sich in stĂ€ndigen Reputations- und RollenkĂ€mpfen stabilisiert und dessen zentrales Ordnungsprinzip der FleiĂ sei. Am deutlichsten ortet er es im Zugang zum Administratorenamt innerhalb der Autorenschaft. Denn die dort praktizierte formelle Wahl durch alle interessierten Wikipedia-Nutzer habe sich de facto zu einem Kooptationsverfahren von Spezialisten, sei es Spezialisten fĂŒr Redigieren oder Regel-Wissen, entwickelt.[64] Er identifizierte insgesamt acht soziale Rollen:
Siehe auch Abschnitt âKritik an der Mitarbeiterstrukturâ im Artikel âKritik an Wikipediaâ.
Einen Ăberblick ĂŒber die Lehr- und ForschungstĂ€tigkeit zu Wikis im Allgemeinen und der Wikipedia im Besonderen geben englisch die Wiki Research Bibliography und deutsch die Wikipedistik, siehe Abschnitt âWeblinksâ.
Wikipedia wurden folgende Preise und Auszeichnungen verliehen:
Durch die chronologische Anordnung lassen sich sowohl die historische Entwicklung als auch zeitgebundene Schwerpunkte besser erkennen und nachvollziehen.
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