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Wilhelm Hahn

Wilhelm Hahn (* 1. Maijul./ 14. Mai 1909greg.[1] in Dorpat (heute Tartu/Estland); † 9. Dezember 1996 in Heidelberg) war ein lutherischer Theologe und Politiker (CDU).

Er ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kirchenarchivrat der Landeskirche Schleswig-Holstein Wilhelm Hahn, der NSDAP-Mitglied und Unterstützer der Deutschen Christen war.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hahn wuchs in Estland auf. Nach der Ermordung seines Vaters Traugott Hahn durch die Rote Armee 1919 floh die Familie nach Deutschland, wo Hahn in Gütersloh das Evangelisch Stiftische Gymnasium besuchte. Während seiner Schulzeit war er Mitglied im Jungdeutschen Orden. Anschließend studierte er evangelische Theologie an den Universitäten Tübingen, Göttingen, Bonn und Münster. Während dieser Zeit wurde er Mitglied im Verein Deutscher Studenten. 1932 legte er sein erstes theologisches Staatsexamen ab und war danach Hauslehrer in Österreich. Im Sommer 1933 trat er dem Stahlhelm bei. In der Zeit des Nationalsozialismus kehrte er nach Deutschland zurück und engagierte sich in der Bekennenden Kirche. Nach seiner Promotion zum Dr. theol. in Tübingen 1937 war er Gemeindepfarrer in Minden, doch wurde er 1942 in den Kriegsdienst eingezogen. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1946 war er als Landeskirchenrat der Westfälischen Kirche tätig und stieg 1949 zum Superintendenten des Kirchenkreises Minden auf.

1950 wurde er Professor für Homiletik an der Universität Heidelberg. Zwei Jahre später wurde er zum Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg gewählt, doch trat er dieses Amt wegen Meinungsverschiedenheiten einiger Synodalen nicht an. 1958 wurde er für zwei Jahre Rektor der Universität Heidelberg.

Nachdem Hahn bereits seit 1956 Mitglied der CDU war, war er von 1962 bis 1979 Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises von CDU und CSU. Er zog am 9. Mai 1962 als Nachrücker für den verstorbenen Hermann Finckh in den Deutschen Bundestag ein, wo er sich vor allem kulturpolitischen Fragen widmete. Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg 1964 holte ihn Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger in sein Kabinett als Kultusminister. Daraufhin legte er am 16. November 1964 sein Bundestagsmandat nieder. 1968 wurde er in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt. Das Amt des Kultusministers bekleidete er dann bis 1978, als er als damals dienstältester Kultusminister aus dem Amt schied. In seine Amtszeit fällt unter anderem die Schulreform in Baden-Württemberg (Aufhebung zahlreicher kleinerer Schulen), die Gründung neuer Gymnasien und der Universitäten Ulm und Konstanz.

Als Ministerpräsident Kiesinger 1966 Bundeskanzler wurde, strebte Hahn das Ministerpräsidentenamt in Baden-Württemberg an, doch er scheiterte zugunsten von Hans Filbinger. Er blieb aber weiterhin Kultusminister und war ab 1972 Stellvertreter Filbingers. Im Anschluss an seine Ministertätigkeit war Hahn bis 1988 Vorsitzender der Deutsch-Indischen Gesellschaft und bis 1992 Vorstandsvorsitzender des Instituts für Auslandsbeziehungen.

Nach dem Ausscheiden als Minister wurde Hahn im Juni 1979 in das Europäische Parlament gewählt. 1980 kandidierte er daher nicht mehr für den Landtag von Baden-Württemberg. 1984 wurde er erneut ins Europaparlament gewählt, doch legte er 1987 sein Mandat nieder.

Hahn starb 1996 im Alter von 87 Jahren. Er war verheiratet mit Elisabeth, geb. Rutgers, und hatte zwei Kinder.

Werke (Auswahl)

Hahn schrieb zahlreiche theologische Bücher und Aufsätze.

  • Das Mitsterben und Mitauferstehen mit Christus bei Paulus. Ein Beitrag zum Problem der Gleichzeitigkeit des Christen mit Christus. Dissertation an der Universität Tübingen, Tübingen 1937.
  • Der christliche Glaube und der Mensch der Gegenwart. Sieben Vorträge. Gütersloh 1947.
  • Erneuerung der Kirche aus dem Evangelium. Ev. Verlag „Der Rufer“, 1949.
  • Gottesdienst und Opfer Christi. Eine Untersuchung über das Heilsgeschehen im christlichen Gottesdienst. In: Veröffentlichungen der Evangelischen Gesellschaft für Liturgieforschung. Bd. 5, Göttingen 1951.
  • Erziehung aus christlicher Verantwortung. Vier Rundfunkvorträge. Bielefeld 1955.
  • Anfechtung und Gewißheit. Predigten. Göttingen 1958.
  • Dabei wollen wir bleiben! Über evangelisches Leben in Schleswig-Holstein. Hamburg 1958.
  • Zwei Welten. Glaube und Weltanschauung bei Bismarck und Hitler. Hamburg 1959 .
  • Ich stehe dazu. Erinnerungen eines Kultusministers. (Autobiographie) Stuttgart 1981.
  • Basel '89 und der „konziliare Prozeß“. Bad Liebenzell 1989.
  • Das Ende des Sozialismus, Herausforderung für Theologie und Kirche. Eine Analyse. Wetzlar 1991.
  • Der Ruf ist immer neu. Aus 200 Jahren der baltischen Theologenfamilie Hahn. Stuttgart 1993.

Preise und Auszeichnungen

Literatur

  • Jürgen Siebke (Hrsg.): Theologe - Parlamentarier - Politiker. Gedenkschrift für Wilhelm Hahn, Heidelberg 1999

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eintrag im Taufregister der Universitätsgemeinde zu Dorpat (estnisch: Tartu ülikooli kogudus)
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