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Wilhelm Matthias Naeff (* 19. Februar 1802 in Altstätten; †21. Januar 1881 in Muri bei Bern) war ein Schweizer Politiker. Nach 18 Jahren Tätigkeit in der Regierung des Kantons St. Gallen wurde er als Vertreter der liberal-radikalen Fraktion (der heutigen FDP) in den Bundesrat gewählt. Seine Amtszeit von 27 Jahren ist die viertlängste aller Bundesräte. Im Jahr 1853 war er Bundespräsident.
Inhaltsverzeichnis |
Als Sohn des politisch einflussreichen Textilgrosshändlers Johann Matthias Naeff wurde er in eine alteingesessene und traditionsreiche Rheintaler Familie hineingeboren. Wilhelm Matthias Naeff studierte Jurisprudenz an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg, wo er auch promovierte. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er 1828 im Alter von nur 26 Jahren in den St. Galler Grossen Rat und zwei Jahre später in die Kantonsregierung gewählt. Er war 18 Jahre lang Regierungsrat, leitete die Departemente für Polizei (1830–1840), Bauten (1840–1846) und Äusseres (1847–1848) und amtete acht Mal als Landammann.
Naeff selbst griff nicht in die Auseinandersetzungen zwischen Liberalen und Konservativen ein, die damals die Schweiz prägten. Das Rheintal war eine Hochburg der Liberalen und so konnte sich Naeff auf seine Anhängerschaft verlassen. Als Regierungsrat war er an Planungen zur Rheinregulierung beteiligt, die jedoch erst ab 1892 umgesetzt wurden. Im Strassen- und Eisenbahnbau trug er bedeutend der Entwicklung seines Kantons bei. Ausserdem war er an Zollverhandlungen mit Nachbarstaaten beteiligt.
Als eidgenössischer Kommissar nach Schwyz (1833) und Luzern (1845, 1847) vermittelte er geschickt bei den Trennungswirren im Kanton Schwyz und beim Freischarenzug in Luzern. Er war 1844, 1845 und 1847 sanktgallischer Tagsatzungsabgeordneter. Als Vorsitzender einer Volksversammlung forderte er bereits 1836 die Einsetzung eines repräsentativen Verfassungsrates. Neun Jahre später gehörte er der Siebnergruppe an, welche die erste Bundesverfassung des 1848 geschaffenen schweizerischen Bundesstaates ausarbeitete. Am 30. September 1848 wurde er erster Ständerat des Kantons St. Gallen und Mitglied der neu gegründeten Bundesversammlung.
Am 16. November 1848 wurde Naeff zum siebten Mitglied des Bundesrates gewählt, dabei erhielt er im ersten Wahlgang 72 von 132 abgegebenen Stimmen. Naeffs Wahl war ein Zugeständnis an den Kanton St. Gallen, dessen Stimme den Ausschlag für die gewaltsame Auflösung des Sonderbunds gegeben hatte. Auch war Naeff derjenige Bundesrat mit der meisten Regierungserfahrung.
Dem Bundesrat gehörte Naeff 27 Jahre lang an, wesentlich länger als seine damaligen Amtskollegen. In seinen ersten Amtsjahren konnte er für den jungen Bundesstaat wichtige Aufbauarbeit leisten, vor allem bei der Modernisierung der Landesinfrastruktur. Zu seinen grossen Verdiensten gehört unter Anderem die Vereinheitlichung des zersplitterten Postwesens unter Bundeskompetenz. 1850 wurden die ersten Briefmarken der ein Jahr zuvor gegründeten Bundespost herausgegeben. Unter seiner Leitung (1850–1852) wurde das erste Telegrafennetz erstellt, die alle wichtige Ortschaften der Schweiz miteinander verband und auch die Industrialisierung des Landes beschleunigte. Der Ausbau des nationalen Eisenbahnnetzes blieb in privaten Händen, Bundesaufgabe war lediglich die Konzessionsvergabe. Auf diesem Gebiet leistete sein Bruder Ferdinand Adolf Naeff Pionierarbeit.
1852 war Naeff Vizepräsident des Bundesrates, im darauf folgenden Jahr Bundespräsident und somit wie damals üblich vorübergehend Aussenminister. Ab etwa 1854 verlor er aber immer mehr an Einfluss und erwarb sich den Ruf, ein Sesselkleber und Langweiler zu sein. Verschiedene Bestätigungswahlen überstand er nur mit knappen Mehrheiten und er wurde nie wieder zum Bundespräsidenten gewählt. Wegen Überlastung musste er 1860 das Bauwesen an das Departement des Innern abgeben. Politische Gegner schaffte sich Naeff mit der ablehnenden Haltung gegenüber der geplanten Gotthardbahn (der Kanton St. Gallen favorisierte stets eine Bahn über den Splügenpass), doch machte er sich um die Entwicklung des 1874 in Bern gegründeten Weltpostvereins verdient. Am 31. Dezember 1875 trat er zurück. Drei Jahre später wurde Simeon Bavier, Naeffs Grosscousin zum Bundesrat gewählt, der ebenso die Splügelpass-Bahn befürwortete, 1882 jedoch die Gotthardbahn, deren Bau noch unter Naeff begann, einweihte. Wilhelm Matthias Naeff starb nach mehreren Schlaganfällen im Alter von 78 Jahren.
Während seiner Amtszeit stand Naeff folgenden Departementen vor:
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| — | Mitglied im Schweizer Bundesrat 1848–1875 |
Fridolin Anderwert |
Wilhelm Matthias Naeff | Josef Munzinger | Jakob Dubs | Jean-Jacques Challet-Venel | Eugène Borel | Joachim Heer | Johann Jakob Scherer | Karl Schenk | Emil Welti | Simeon Bavier | Adolf Deucher | Josef Zemp | Robert Comtesse | Ludwig Forrer | Louis Perrier | Robert Haab | Marcel Pilet-Golaz | Enrico Celio | Josef Escher | Giuseppe Lepori | Willy Spühler | Rudolf Gnägi | Roger Bonvin | Willi Ritschard | Leon Schlumpf | Adolf Ogi | Moritz Leuenberger | Doris Leuthard
Jonas Furrer | Daniel-Henri Druey | Josef Munzinger | Wilhelm Matthias Naeff | Friedrich Frey-Herosé | Jakob Stämpfli | Constant Fornerod | Josef Martin Knüsel | Jakob Stämpfli | Jakob Dubs | Karl Schenk | Josef Martin Knüsel | Emil Welti | Paul Cérésole | Johann Jakob Scherer | Joachim Heer | Bernhard Hammer | Numa Droz | Simeon Bavier | Louis Ruchonnet | Adolf Deucher | Adrien Lachenal | Eugène Ruffy | Eduard Müller | Walter Hauser | Ernst Brenner | Josef Zemp | Robert Comtesse | Marc-Emile Ruchet | Ludwig Forrer | Eduard Müller | Arthur Hoffmann | Gustave Ador | Felix-Louis Calonder | Giuseppe Motta | Marcel Pilet-Golaz | Max Petitpierre | Friedrich Traugott Wahlen | Willy Spühler | Pierre Graber | Pierre Aubert | René Felber | Flavio Cotti | Joseph Deiss | Micheline Calmy-Rey | Didier Burkhalter
Friedrich Frey-Herosé | Wilhelm Matthias Naeff | Josef Munzinger | Constant Fornerod | Josef Martin Knüsel | Johann Jakob Scherer | Karl Schenk | Joachim Heer | Numa Droz | Louis Ruchonnet | Adolf Deucher | Adrien Lachenal | Ludwig Forrer | Josef Anton Schobinger | Edmund Schulthess | Hermann Obrecht | Walther Stampfli | Rodolphe Rubattel | Thomas Holenstein | Friedrich Traugott Wahlen | Hans Schaffner | Ernst Brugger | Fritz Honegger | Kurt Furgler | Jean-Pascal Delamuraz | Pascal Couchepin | Joseph Deiss | Doris Leuthard | Johann Schneider-Ammann
Josef Munzinger | Daniel-Henri Druey | Josef Martin Knüsel | Jakob Stämpfli | Constant Fornerod | Jean-Jacques Challet-Venel | Victor Ruffy | Paul Cérésole | Karl Schenk | Johann Jakob Scherer | Wilhelm Matthias Naeff | Bernhard Hammer | Simeon Bavier | Walter Hauser | Robert Comtesse | Marc-Emile Ruchet | Josef Anton Schobinger | Giuseppe Motta | Jean-Marie Musy | Albert Meyer | Ernst Wetter | Ernst Nobs | Max Weber | Hans Streuli | Jean Bourgknecht | Roger Bonvin | Nello Celio | Georges-André Chevallaz | Willi Ritschard | Otto Stich | Kaspar Villiger | Hans-Rudolf Merz | Eveline Widmer-Schlumpf
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Naeff, Wilhelm Matthias |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 19. Februar 1802 |
| GEBURTSORT | Altstätten |
| STERBEDATUM | 21. Januar 1881 |
| STERBEORT | Muri bei Bern |