|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Wilhelmstraße | |
|---|---|
| Straße in Berlin | |
| | |
| Blick nach Süden in die Wilhelmstraße, rechts die Britische Botschaft | |
| Basisdaten | |
| Ort | Berlin |
| Ortsteil | Mitte, Kreuzberg |
| Querstraßen | (Auswahl) Dorotheenstraße, Unter den Linden, Behrenstraße, Voßstraße, Leipziger Straße |
| Nutzung | |
| Nutzergruppen | Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr, ÖPNV |
| Technische Daten | |
| Straßenlänge | rd. 2400 Meter |
Die Wilhelmstraße liegt in den Berliner Ortsteilen Mitte und Kreuzberg. Sie war der Sitz wichtiger Regierungsbehörden Preußens und des Deutschen Reiches. Bis 1945 stand der rhetorische Ausdruck Wilhelmstraße auch für die gesamte deutsche Reichsregierung, ähnlich wie Whitehall für die britische Regierung oder der Quai d’Orsay für das französische Außenministerium stehen. Trotz starker Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sind zahlreiche historische Gebäude in dieser Straße erhalten; die Berliner Denkmalliste nennt 17 schützenswerte Objekte.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Die etwa 2,4 Kilometer lange Straße verläuft in nord-südlicher Richtung. Sie beginnt im Norden am Reichstagufer, kreuzt den Boulevard Unter den Linden an der Ostseite des Pariser Platzes und die Leipziger Straße und endet heute am Halleschen Ufer nahe dem Halleschen Tor in Kreuzberg. Ursprünglich lief ihr südliches Ende in das Rondell (Belle-Alliance-Platz, heute: Mehringplatz) ein, sie wurde allerdings um 1970 vom Platz weg verschwenkt.
Zwischen der Behrenstraße und Unter den Linden ist die Wilhelmstraße zum Schutz der dort befindenden britischen Botschaft für den Durchgangsverkehr mit Ausnahme von Fußgängern und Radfahrern gesperrt.
Nachdem Friedrich Wilhelm I. König geworden war, ließ er Berlin und damit auch die Friedrichstadt erheblich vergrößern. Innerhalb der Friedrichstadt-Erweiterung wurde 1731 die Husarenstraße angelegt. Nach dem Tod von Friedrich Wilhelm I. wurde sie nach ihm benannt.
Im nördlichen Teil der Straße entstanden viele Palais' von Ministern und persönlichen Vertrauten des Königs, wie zum Beispiel Samuel von Marschall. Drei dieser Palais bekamen durch einen Ehrenhof eine besonders repräsentative Gestaltung. Das Palais Schwerin (benannt nach Kurt Christoph von Schwerin), später Palais des Reichspräsidenten, das Palais Schulenburg, danach Reichskanzlei und das Palais Vernezobre, später umgebaut zum Prinz-Albrecht-Palais.
Im südlichen Ende der Straße siedelte sich ab 1737 die aus Böhmen nach Berlin gekommene Herrnhuter Brüdergemeine an.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahmen wichtige Ministerien Preußens ihren Sitz in der Straße. Ab 1871 folgten Regierungsbehörden des Deutschen Reiches. Ausländische Botschaften bauten in direkter Nähe. Nach 1933 richteten sich die Schaltzentralen des Nationalsozialismus an der Wilhelmstraße ein.
Viele Gebäude wurden während des Zweiten Weltkrieges durch die Luftangriffe der Alliierten und die Schlacht um Berlin schwer beschädigt und nach 1945 enttrümmert. Zwischen der Behren- und der Voßstraße wurden in den späten 1980er Jahren Wohn- und Geschäftshäuser in Plattenbauweise errichtet. Sie erhielten relativ aufwendige Fassaden und waren ein beliebtes Domizil der DDR-Nomenklatura.
Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde die Wilhelmstraße in einen nördlichen Bereich, der zum Ostsektor gehörte, und einen südlichen Bereich, der zu West-Berlin gehörte, getrennt. Die Grenze verlief in Höhe des Straßenzuges Niederkirchner- /Zimmerstraße.[2] Im Kreuzberger Abschnitt entstanden in den 1970er und 1980er Jahren ebenfalls etliche Wohnneubauten, die zum Bestand der Sozialbauten gehören.
Weil sich auch die Gestapo-Zentrale im Prinz-Albrecht-Palais an der Wilhelmstraße befand, hat sich die Stiftung Topographie des Terrors gegründet, die die Straße unter dem Begriff Geschichtsmeile Wilhelmstraße in ihren historischen Bezügen für die Öffentlichkeit aufzuarbeiten versucht. Auf Initiative des Abgeordnetenhauses von Berlin weist seit Beginn der 1990er Jahre eine ständige Straßenausstellung mit gläsernen Infotafeln auf die Standorte früherer Institutionen hin.
In der Wilhelmstraße befanden sich vor 1945 unter anderem folgende Gebäude:
In der zu DDR-Zeiten in Otto-Grotewohl-Straße (zu Ehren des DDR-Politikers Otto Grotewohl) umbenannten Straße hatten in den 1970er Jahren folgende Diplomatische Missionen ihren Sitz:[3]
Heute befinden sich in der Wilhelmstraße unter anderem folgende Einrichtungen:
Bemerkenswert sind auch weitere Baudenkmale wie die 1868 errichtete Gemeindeschule (Wilhelmstraße 116/117)[5] oder das ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammende Verwaltungsgebäude Haus-Nummer 65/66[6] sowie Teile von Wohngebäudeensembles, deren eine Seite an die Wilhelmstraße grenzt.
Am 8. November 2011 wurde an der Ecke zur Straße An der Kolonade das 17 Meter hohe Denkzeichen Georg Elser zur Erinnerung an den Hitler-Attentäter Georg Elser eingeweiht.[7]
In unmittelbarer Nähe befindet sich das Holocaust-Mahnmal mit seinen rund 2700 Stelen.
Die nach 1731 unter den Namen Husarenstraße angelegte Straße wurde um 1740 nach dem seinerzeit verstorbenen König Friedrich Wilhelm I. umbenannt.
In Verbindung mit dem Ausbau der Friedrichstadt wurde die Wilhelmstraße verlängert. Diese Verlängerung erhielt 1822 den Namen Neue Wilhelmstraße.
Der in Mitte verlaufende, zu Ost-Berlin gehörende Straßenabschnitt der Wilhelmstraße (von der Zimmerstraße bis Unter den Linden) und der Neuen Wilhelmstraße wurden 1964 in Otto-Grotewohl-Straße umbenannt. Seit 1993 heißt der komplette Straßenzug bis zum Reichstagufer wieder Wilhelmstraße, nachdem auch andere Namen wie beispielsweise Toleranzstraße diskutiert wurden. In Richtung Norden geht die Wilhelmstraße auf der Marschallbrücke (zwischen Reichstagufer und Schiffbauerdamm) heute nahtlos in die Luisenstraße über, indem die frühere Neue Wilhelmstraße einbezogen blieb. Dies führte dazu, dass bei der Rückbenennung 1993 die ringförmig laufende Hausnummerierung, deren Anfangs- und Endabschnitt im West-Berliner Abschnitt stets erhalten geblieben war, zwar wieder ergänzt werden konnte, jedoch nicht die historisch bedeutenden Grundstücke wieder ihre alten Hausnummern erhielten.
Der ehemals an der Straße liegende Wilhelmplatz existiert heute nicht mehr, er wurde großenteils mit Plattenbauten (im Norden) und der Tschechischen Botschaft (im Süden) überbaut. Der östlich anschließende Zietenplatz wurde wiederhergestellt. Die Denkmäler preußischer Feldherren des Berliner Bildhauers August Kiß wurden wiedererrichtet.
52.509722222213.3841666667Koordinaten: 52° 30′ 35″ N, 13° 23′ 3″ O