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Winston Churchill

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Winston Churchill (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Winston Churchill
Churchill 1943
Amtszeiten: 1. 10. Mai 1940 – 27. Juli 1945
2. 26. Oktober 1951 – 7. April 1955
VorgÀnger: 1. Arthur Neville Chamberlain
2. Clement Attlee
Nachfolger: 1. Clement Attlee
2. Anthony Eden
Geburtsdatum: 30. November 1874
Todestag: 24. Januar 1965
Geburtsort: Woodstock (Oxfordshire), England
Partei: Konservative Partei, Liberale Partei

Sir Winston Leonard Spencer-Churchill[1] (* 30. November 1874 in Woodstock (England); † 24. Januar 1965 in London) gilt als bedeutendster britischer Staatsmann des 20. Jahrhunderts. Er war zweimal Premierminister und fĂŒhrte Großbritannien durch den Zweiten Weltkrieg. Zuvor hatte er bereits mehrere RegierungsĂ€mter bekleidet, unter anderem das des Ersten Lords der AdmiralitĂ€t, des Innen- und des Finanzministers. DarĂŒber hinaus trat er als Autor politischer und historischer Werke hervor und erhielt 1953 den Nobelpreis fĂŒr Literatur.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft, Schule, MilitÀr

Churchill als SiebenjÀhriger (1881)
Nach Churchills Flucht aus einem Kriegsgefangenenlager in Pretoria setzte die sĂŒdafrikanische Regierung 1899 auf einem Steckbrief ein Kopfgeld von 25 Pfund auf ihn aus.
Unterschrift von Winston Churchill

Winston Churchill kam in Blenheim Palace, dem Schloss seines Großvaters John Winston Spencer-Churchill, des 7. Herzogs von Marlborough zur Welt. Seine Eltern waren der britische Politiker Lord Randolph Churchill und die amerikanische MillionĂ€rstochter Jennie Jerome. FĂŒr die Familienlegende, Churchill stamme ĂŒber seine Mutter auch von Irokesen ab, gibt es keinen Beleg, auch wenn er selbst daran glaubte.[2]

Churchills Großvater vĂ€terlicherseits gehörte als Duke of Marlborough dem britischen Hochadel an. Als dritter Sohn des Herzogs erbte Churchills Vater Randolph jedoch nicht dessen Titel. Winston Churchill selbst sollte in den 1950er Jahren die angebotene Erhebung zur erblichen PeerswĂŒrde ablehnen, wurde aber 1953 zum Ritter des Hosenbandordens geschlagen. Seine Herkunft sicherte ihm in seiner Jugend die Aufnahme in renommierte Internate und eine Laufbahn als Armeeoffizier, obwohl seine Leistungen als SchĂŒler eher mangelhaft waren.

Von 1881 bis 1892 besuchte Churchill Eliteschulen in Ascot, Brighton und Harrow. Das autoritĂ€re Erziehungssystem dort widerstrebte ihm und er blieb mehrfach sitzen. Nach der Schulzeit bewarb er sich beim MilitĂ€r, fiel jedoch zweimal durch die AufnahmeprĂŒfung. 1893 aber kam er doch noch als Kadett nach Sandhurst und mit 21 Jahren als Kavallerie-Leutnant zum 4. Husarenregiment. Auf der MilitĂ€rakademie und in der Armee fĂŒhlte sich Churchill zum ersten Mal am richtigen Platz. Ohne schulischen Druck erwarb er sich nun auch eine profunde literarische Bildung und begann kurz darauf, selbst zu schreiben. Bis zu seinem Lebensende sollte er als Journalist und Buchautor einen geschliffenen Stil pflegen, der ihm den Nobelpreis fĂŒr Literatur einbrachte.

Zwischen 1895 und 1901 nahm Churchill als aktiver Soldat und Kriegsberichterstatter an fĂŒnf verschiedenen Kolonialkriegen teil, unter anderem in Kuba und verschiedenen Teilen des Empire, etwa in Malakand in der Nordwestlichen Grenzprovinz Britisch-Indiens. 1898 nahm er als Leutnant freiwillig am Feldzug zur Niederschlagung des Mahdi-Aufstandes im Sudan teil.[3] Dabei ritt er in der Schlacht von Omdurman eine der letzten großen Kavallerieattacken der britischen MilitĂ€rgeschichte mit.

Den Zweiten Burenkrieg erlebte er als Kriegsberichterstatter der Morning Post. Seinem Biographen Martin Gilbert zufolge war der Vertrag, den Churchill mit der Zeitung aushandelte, „wahrscheinlich der gĂŒnstigste Vertrag, den ĂŒberhaupt ein Kriegsberichterstatter bis dahin abgeschlossen hatte.“ Außerdem habe er „allgemein dazu [
] gefĂŒhrt, die Bezahlung von Journalisten zu verbessern“[4] Nachdem Churchill bei einem EisenbahnĂŒberfall der Buren gefangen genommen worden war, gelang ihm eine spektakulĂ€re Flucht von Pretoria zur fast 500 Kilometer entfernten Delagoa-Bucht in der portugiesischen Kolonie Mosambik. Zwei BĂŒcher[5] ĂŒber seine sĂŒdafrikanischen Abenteuer sowie seine Kriegsberichte machten ihn in Großbritannien bekannt und populĂ€r. Seine Flucht machte ihn in den Augen vieler Landsleute zu einem Nationalhelden.[6] Dies kam ihm bei der Unterhauswahl des Jahres 1900 zustatten.

Politischer Aufstieg

Bereits 1899 hatte sich Churchill vergeblich um einen Sitz im britischen Unterhaus bemĂŒht. Nach seiner RĂŒckkehr aus dem Burenkrieg zog er im MĂ€rz 1901 als frisch gewĂ€hlter Konservativer (Tory) fĂŒr den Wahlkreis Oldham ins Parlament ein.

Seinen ersten spektakulĂ€ren Auftritt im Parlament hatte er am 31. Mai 1904 mit dem demonstrativen Übertritt zu den Liberalen. Der Grund dafĂŒr war, dass er in der Frage „Freihandel oder Schutzzoll“ der Haltung der Whigs, die fĂŒr den Freihandel eintraten, nĂ€her stand. Auch in der liberalen Partei wanderte er auf der politischen Skala immer weiter nach links. Er gehörte dem sozialreformerischen ParteiflĂŒgel an und galt schließlich in der Öffentlichkeit wie sein Förderer David Lloyd George als draufgĂ€ngerischer, aber auch bewunderter Radikaler. Schon damals zeigte sich sein Ehrgeiz, einmal Premierminister zu werden. So Ă€ußerte er sich 1907 selbstbewusst, er werde zum Zeitpunkt seines 43. Geburtstages Regierungschef sein.[7]

Churchill und der deutsche Kaiser Wilhelm II. 1906 bei Herbstmanövern nahe Breslau

Bei den Konservativen wegen seines Parteiwechsels regelrecht verhasst,[8] ĂŒberraschte er Freund und Feind durch seine FĂ€higkeiten als UnterstaatssekretĂ€r fĂŒr die Kolonien (1905–1908) unter Lord Elgin sowie als Handels- (1908–1910) und Innenminister (1910–1911). Insbesondere wegen seiner armenfreundlichen Sozialpolitik stieß er bei den Tories auf heftige Ablehnung. Als skandalös, weil seiner Stellung nicht angemessen, bewerteten sie auch sein persönliches Eingreifen in eine Schießerei der Londoner Polizei mit Anarchisten, die als Belagerung der Sidney Street bekannt wurde. Das Misstrauen vieler Arbeiter dagegen weckte im November 1910 die Entscheidung des Innenministers Churchill, Soldaten nach SĂŒdwales zu entsenden, um die Lage nach dem niedergeschlagenen Tonypandy-Aufstand zu beruhigen. Diese politische Hypothek sollte ihn auf Jahrzehnte belasten.

Genau zu dem Zeitpunkt, als sich der deutsch-britische Flottenkonflikt zuspitzte, machte Premierminister Herbert Henry Asquith Churchill 1911 zum Ersten Lord der AdmiralitĂ€t (Marineminister). Seine wichtigste Entscheidung in diesem Amt vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs war die UmrĂŒstung der britischen Kriegsflotte von Kohle- auf Ölfeuerung, was ihren Aktionsradius deutlich erhöhte.

FamiliengrĂŒndung

Churchills rascher politischer Aufstieg fiel mit VerĂ€nderungen in seinem Privatleben zusammen: Im September 1908 heiratete er in der Londoner St. Margaret’s Church Clementine Hozier, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebte. Dem Ehepaar wurden spĂ€ter vier Töchter und ein Sohn geboren: Diana (1909–1963), Randolph (1911–1968), der spĂ€ter ebenfalls Parlamentarier wurde, Sarah (1914–1982), Marigold (1918–1921), die noch im Kindesalter starb, sowie Mary (* 1922), die seit 2005 TrĂ€gerin des Hosenbandordens ist. Auch zwei Enkel des Ehepaars Churchill errangen spĂ€ter Sitze im britischen Unterhaus.

Erster Weltkrieg

Churchill und David Lloyd George, von der konservativen Presse als die „schrecklichen Zwillinge“ beschimpft, schufen von 1908 bis 1911 die Grundlagen der britischen Sozialgesetzgebung. Als Premierminister holte Lloyd George Churchill 1917 zurĂŒck in die Regierung.

Als Kabinettsmitglied bestimmte Churchill Großbritanniens Politik und Strategie im Ersten Weltkrieg an entscheidender Stelle mit – zunĂ€chst als Erster Lord der AdmiralitĂ€t (Marineminister), spĂ€ter, nach dem vorĂŒbergehenden Ausscheiden aus der Regierung, als RĂŒstungsminister.

Im Marineministerium

Mitunter ĂŒberschritt Churchill seine Kompetenzen als Minister erheblich, etwa als er sich im SpĂ€tsommer 1914 in die Operationen der britischen ExpeditionsstreitkrĂ€fte in Belgien einmischte und auf eigene Faust die Verteidigung Antwerpens zu organisieren versuchte. Im Rahmen des Seekriegs entsandte er im Oktober 1914 einen starken Schiffsverband zu den Falklandinseln, um das deutsche Ostasiengeschwader der Kaiserlichen Marine unter Vizeadmiral Graf Spee im SĂŒdatlantik aufzuspĂŒren und zu vernichten.

Nach Meinung einiger Autoren soll Churchill dafĂŒr verantwortlich gewesen sein, dass die britische AdmiralitĂ€t im Jahr 1915 den Passagierdampfer RMS Lusitania, der zivile Passagiere und RĂŒstungsgĂŒter von New York nach Liverpool transportierte, nicht rechtzeitig vor einem deutschen U-Boot gewarnt hat, um dadurch die USA zum Kriegseintritt auf Seiten der Entente zu bewegen.[9] Diese Autoren werden von dem Historiker IstvĂĄn DeĂĄk allerdings als revisionistisch eingestuft.[10] Zudem konnte bis heute kein dokumentarischer Beleg fĂŒr ihre These gefunden werden.

Schwerwiegend war das Scheitern von Churchills Plan, die Kriegsgegner Deutschland und Österreich-Ungarn an ihrer vermeintlich schwĂ€chsten Stelle mit der Royal Navy von See aus anzugreifen: im SĂŒden ĂŒber das mit ihnen verbĂŒndete Osmanische Reich. Zwei Landeunternehmen britischer, französischer, indischer, australischer und neuseelĂ€ndischer Truppen auf der tĂŒrkischen Halbinsel Gallipoli an den Dardanellen am 19. Februar und 18. MĂ€rz 1915 scheiterten unter schweren Verlusten. Sein Flottenchef John Fisher, der Churchills PlĂ€ne von Beginn an kritisiert hatte, trat daraufhin zurĂŒck.

Ausscheiden und Wiedereintritt in die Regierung

Um eine Vertrauenskrise abzuwenden, wurde nun die Einbeziehung der Konservativen in die Regierung unausweichlich. Unter ihrem Parteichef Andrew Bonar Law knĂŒpften sie daran jedoch die Bedingung, dass Churchill als Verantwortlicher fĂŒr die sich abzeichnende Niederlage an den Dardanellen als Marineminister zurĂŒcktreten mĂŒsse. Ein weiterer Grund fĂŒr diese Forderung war, dass Churchill den Konservativen seit seinem Parteiwechsel als „VerrĂ€ter“ galt. So legte er am 18. Mai 1915 sein Amt als Erster Lord der AdmiralitĂ€t nieder. Der TruppenrĂŒckzug von den Dardanellen dauerte vom 19. Dezember 1915 bis zum 9. Januar 1916. Bei den KĂ€mpfen verloren beide Seiten jeweils ĂŒber 200.000 Mann.

Churchill mit seinem Bataillon an der Westfront, 1916

Churchill verblieb vom 23. Mai bis zum 16. November 1915 in der unbedeutenden Position des Kanzlers des Herzogtums Lancaster in der erweiterten Regierung. Schließlich aber meldete er sich freiwillig zur Armee und ging am 20. November 1915 als Major an die Front in Nordfrankreich, wo er bis zum 6. Mai 1916 ein Bataillon der Royal Scots Fusiliers befehligte.[11]

Schon im MĂ€rz 1916 hatte er in einer Rede vor dem Unterhaus kaum verhĂŒllt seine Wiederernennung zum Marineminister gefordert, damit aber nur Spott geerntet. Erst David Lloyd George, der Asquith Im Dezember 1916 als Premierminister ablöste, nahm Churchill, den Konservativen zum Trotz, am 16. Juli 1917 als Munitionsminister in sein Kabinett auf. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Entscheidung zum Bau und Einsatz der Tanks beteiligt. Diese ersten Panzer sollten im Sommer 1918 wesentlich zum Zusammenbruch der letzten deutschen Offensive an der Westfront beitragen.

Entwicklung moderner Waffensysteme

Bereits Ende 1914 war Churchill als Marineminister neben Maurice Hankey, dem SekretĂ€r des Committee of Imperial Defense, fĂŒr den Bau der als „Landschlachtschiff“ bezeichneten neuen Panzerwaffe eingetreten, um die erstarrten Fronten wieder in Bewegung zu setzen. Nach dem Krieg erklĂ€rte eine königliche PrĂŒfungskommission, die mit der Aufgabe betraut war, die Verantwortlichkeit fĂŒr bahnbrechende militĂ€rische Neuerungen und bedeutende strategische Initiativen der Kriegszeit zu klĂ€ren, dass die Möglichkeit, ĂŒber die Tanks zu verfĂŒgen, vor allen Dingen Churchill zu verdanken gewesen sei:

„Die Kommission hat das BedĂŒrfnis zu erklĂ€ren, dass es vor allem der Aufgeschlossenheit, dem Mut und der Tatkraft des Sehr Ehrenwerten Winston Spencer Churchill zu verdanken ist, wenn die nebelhafte Idee der Verwendung von Panzerwagen fĂŒr Kampfzwecke verwirklicht werden konnte.“[12]

Churchill gehörte auch zu den ersten, die das militĂ€rische Potenzial von Flugzeugen voll erfassten. Ihm war klar, dass die Maschinen, die im Weltkrieg noch vorwiegend zu AufklĂ€rungszwecken und in EinzelkĂ€mpfen eingesetzt worden waren, die KriegfĂŒhrung revolutionierten. Mit ihnen ließen sich kĂŒnftig Angriffe direkt ins Hinterland des Gegners tragen, um dessen militĂ€rische und industrielle Ressourcen zu treffen. Auch Großbritannien wĂŒrde sich nicht lĂ€nger auf seine Insellage verlassen können. Als Luftfahrtminister förderte er daher seit 1919 den Aufbau einer Luftwaffe, die 1920 im Irak auch zum Abwurf von Bomben gegen AufstĂ€ndische eingesetzt wurde.

Der Gefahren des modernen Krieges war sich Churchill vollauf bewusst. In seinem Werk The Aftermath[13] blickte er 1928 auf den Ersten Weltkrieg zurĂŒck, zog eine Bilanz aus den Erfahrungen der Vergangenheit und beschrieb damit schon den Krieg der Zukunft:

„Es öffneten sich Luftwege, auf denen Tod und Schrecken weit hinter die eigentlichen Frontlinien getragen werden konnten, so dass auch Frauen, Kinder, Greise und Kranke, die in frĂŒheren Kriegen natĂŒrlicherweise verschont blieben, davon erfasst wurden. [
] Nie zuvor war die Menschheit in dieser Lage. Ohne eine wahrnehmbare Zunahme ihrer Tugenden und ohne den Vorteil einer weiseren FĂŒhrung hĂ€lt sie zum ersten Mal die Werkzeuge in HĂ€nden, die unfehlbar ihre eigene Vernichtung besiegeln können. [
] Die Menschen wĂŒrden gut daran tun, inne zu halten und ĂŒber ihre neuen Verantwortungen nachzudenken. Der Tod steht bereit, willfĂ€hrig, erwartungsvoll und diensteifrig, die Völker massenweise niederzumĂ€hen; auf einen Ruf bereit, alle Reste der Zivilisation unwiderruflich zu Staub zu zertrĂŒmmern.“

Nach- und Zwischenkriegszeit

In der Nachkriegsregierung

Nach dem Krieg ĂŒbernahm Churchill im von Lloyd George gefĂŒhrten Koalitionskabinett nacheinander die Ämter des Kriegs-, des Luftfahrt- und des Kolonialministers (Secretary of State for the Colonies).

Ein Minister zur beliebigen Verwendung. Die Karikatur von 1921 spielt darauf an, dass Churchill seine Ministerien wechselte „wie andere Leute HĂŒte“.

Seit 1919 Kriegsminister, befĂŒrwortete er die Intervention der Westalliierten im russischen BĂŒrgerkrieg auf Seiten der Weißen Armee. Die deutsche Reichsleitung hatte 1917 Lenin aus seinem Schweizer Exil nach Russland reisen lassen, um dessen Regierung zu destabilisieren und das Land aus der Kriegskoalition hinauszudrĂ€ngen. Daher unterstĂŒtzten britische und französische Truppen seit dem FrĂŒhjahr 1918 von Archangelsk und Murmansk aus die anti-bolschewistischen KrĂ€fte. Bereits ab Juli 1919 zogen sich die britischen Truppen jedoch erfolglos aus Russland zurĂŒck. Churchill war zwar der Meinung gewesen, der Bolschewismus mĂŒsse „bereits in der Wiege erwĂŒrgt werden“, konnte sich aber mit seinen Bestrebungen nach einem weitergehenden militĂ€rischen Engagement in der eigenen Partei nicht durchsetzen.

Im September 1922 verließen die Konservativen das Kabinett, und Lloyd George verlor die Unterhauswahlen im darauf folgenden Oktober. Mit ihm war der letzte liberale Premier Großbritanniens gestĂŒrzt. Nach zwei Jahren politischer Abstinenz und zwanzig Jahre nach seinem ersten Parteiwechsel trat Churchill 1924 erneut der Konservativen Partei bei.

Schatzkanzler im konservativen Kabinett

Noch im November jenes Jahres wurde er Schatzkanzler (Finanz- und Wirtschaftsminister) in der konservativen Regierung des neuen Premiers Stanley Baldwin und blieb es bis zu dessen Abwahl 1929. Mit seinem französischen Amtskollegen Joseph Caillaux schloss er 1926 ein Fundierungsabkommen ĂŒber die Kriegsschulden, die die französische Regierung bis 1918 bei der britischen Regierung aufgenommen hatte. Seine wichtigste Entscheidung in diesem Amt war jedoch die WiedereinfĂŒhrung des Goldstandards, die er 1924 durchsetzte. Diese konservative Finanzpolitik fĂŒhrte zu steigender Arbeitslosigkeit in Großbritannien. Die Unzufriedenheit der Arbeiter gipfelte im Generalstreik von 1926. Churchill forderte, den Generalstreik gewaltsam zu beenden: Entweder das Land bricht den Generalstreik oder der Generalstreik zerbricht das Land. Dazu kam es nicht, aber 1931, zwei Jahre nach Churchills Ablösung als Finanzminister, wurde der Goldstandard wegen seiner verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen wieder abgeschafft.

Nach seinem Ausscheiden als Schatzkanzler wurde Churchill 1929 Kanzler der UniversitÀt Bristol.[14]

Im „inneren Exil“

1930 ĂŒberwarf sich Churchill mit dem abgewĂ€hlten Premier und Chef der Konservativen wegen dessen angeblich zu nachgiebiger Haltung gegenĂŒber der indischen UnabhĂ€ngigkeitsbewegung unter Gandhi, den er einen „halbnackten Fakir“ nannte. Als ĂŒberzeugter Imperialist trat er im Januar 1931 aus Baldwins Schattenkabinett aus. Ein schwerer Unfall im Dezember 1931 – er wurde in New York von einem Taxi angefahren – zwang ihn zu einer einjĂ€hrigen Erholungsphase. WĂ€hrend er auf Reisen seine Gesundheit wieder herstellte, verlor er durch seine hĂ€ufige Abwesenheit von Westminster zunehmend an Einfluss im parteiinternen Richtungsstreit.[15]

Churchill zu Gast im Atelier von Charlie Chaplin in Hollywood (1930). Aus dem Plan des kaltgestellten Politikers, als Drehbuchautor zu arbeiten, wurde jedoch nichts.

Ganz anders als zu Beginn seiner politischen Karriere galt Churchill in den 1930er Jahren nahezu als ReaktionĂ€r. Wie die meisten konservativen Politiker dieser Zeit unterschĂ€tzte er Adolf Hitler zunĂ€chst[16] und glaubte, in dessen und in Mussolinis Politik positive AnsĂ€tze erkennen zu können.[17] Seine Einstellung Ă€nderte sich aber, als er erkannte, dass Hitlers Politik auf einen neuen Krieg hinauslief. Seine Warnungen und die scharfe Ablehnung der Appeasementpolitik, der Beschwichtigung und des Nachgebens gegenĂŒber der Aggressionspolitik des nationalsozialistischen Deutschland, brachte ihm in weiten Teilen der britischen Bevölkerung den Ruf eines Kriegstreibers ein. Hatte er 1932 bei einem Aufenthalt in MĂŒnchen noch vergeblich das GesprĂ€ch mit Hitler gesucht, so wies er nun AnnĂ€herungsversuche der deutschen Reichsregierung, darunter zwei Einladungen Hitlers nach Berchtesgaden, zurĂŒck.[18][19] Langfristig verbesserte er mit dieser Haltung zwar sein VerhĂ€ltnis zu einigen seiner innenpolitischen Gegner, den antifaschistischen linken Sozialisten und zur Labour Party.[20] Der großen Mehrheit der britischen Bevölkerung erschien Churchill in den 30er Jahren jedoch als ein Mann, der seine Zukunft bereits hinter sich hatte. In der konservativen Parlamentsfraktion beschrĂ€nkte sich seine AnhĂ€ngerschaft auf zwei, damals noch sehr unbedeutende Abgeordnete: Harold Macmillan und Brendan Bracken.

Er zog sich auf seinen Landsitz Chartwell in Kent zurĂŒck, wo er sich seinem Hobby, der Malerei, vor allem aber seinen journalistischen und schriftstellerischen Ambitionen widmete. Damals entstanden unter anderem die großangelegte Biographie seines Ahnherrn Marlborough und die vierbĂ€ndige Geschichte der englischsprachigen Völker, die er bis spĂ€t in der Nacht seinen SchreibkrĂ€ften diktierte. Seinem Biografen William Manchester zufolge, war Churchill in den 1930er Jahren der bestbezahlte Schriftsteller und Kolumnist der Welt.[21] Aber auch in diesen „Wilderness Years“, wie Churchill die Zeit seines „inneren Exils“ spĂ€ter nannte, pflegte er intensive politische und gesellschaftliche Kontakte, um den Anschluss an die zeitgenössischen Entwicklungen zu behalten. Zu den GĂ€sten seiner berĂŒhmten Abendgesellschaften in Chartwell zĂ€hlten u. a. Heinrich BrĂŒning, Frederick Lindemann und Charlie Chaplin.

RĂŒckkehr in die Regierung

Neville Chamberlains Appeasementpolitik lehnte Churchill strikt ab.

Die Warnungen vor Hitler wurden so lange nicht ernst genommen, bis dessen eigene Politik dem britischen Volk und der politischen Klasse in Großbritannien klar machte, wie berechtigt Churchills Misstrauen gewesen war. Seit dem Anschluss Österreichs und der Annexion des Sudetenlandes 1938 sowie der Besetzung der so genannten „Rest-Tschechei“ durch das Deutsche Reich im MĂ€rz 1939 erkannten die Verfechter des Appeasement, dass ihre Politik gescheitert war. Am 31. MĂ€rz sahen sich Großbritannien und Frankreich veranlasst, eine GarantieerklĂ€rung zugunsten Polens abzugeben.

Churchill, der diese Entwicklung vorausgesagt hatte, fand nun zunehmend Gehör. Sofort nach dem deutschen Überfall auf Polen, mit dem am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begann, berief Premierminister Arthur Neville Chamberlain ihn ins Kabinett. Wie bereits 1911 wurde Churchill am 3. September 1939 mit dem Amt des Ersten Lords der AdmiralitĂ€t (Marineminister) betraut. Die KriegserklĂ€rung an das Deutsche Reich folgte am gleichen Tag, doch die GroßmĂ€chte vermieden noch ein halbes Jahr lang die direkte Konfrontation im großen Maßstab. Die folgenden Monate bis zum FrĂŒhjahr 1940 gingen als „Sitzkrieg“ (franz: „DrĂŽle de guerre“; engl.:„Phoney War“) in die Umgangssprache ein.

Churchill wusste, welche kriegsentscheidende Bedeutung die schwedischen Eisenerzlieferungen ĂŒber den eisfreien norwegischen Hafen Narvik fĂŒr das Deutsche Reich hatten. Er drĂ€ngte daher ab Dezember 1939 darauf, auf der Schifffahrtsroute entlang der KĂŒste des neutralen Norwegen Minen zu verlegen. Diese Operation Wilfred hĂ€tte deutsche Erzfrachter zum Ausweichen in internationale GewĂ€sser gezwungen, wo sie dann von der Royal Navy hĂ€tten versenkt werden können. Ein weiterer Plan sah vor, im Rahmen der Operation Royal Marine im Rhein an der französisch-deutschen Grenze Treibminen zu verlegen. Beide PlĂ€ne wurden jedoch bis April 1940 von der französischen Regierung blockiert, um keinen deutschen Angriff zu provozieren. Zudem wĂ€ren mit Operation Wilfred britisch-französische Waffenlieferungen an Finnland im Winterkrieg gegen die Sowjetunion behindert worden.[22] Erst im Mai 1940 wurden in Rhein, Mosel und Maas mehrere tausend Treibminen verlegt, die den Schiffsverkehr zwischen Karlsruhe und Mainz behinderten.[23]

Als Alternative zu diesen Vorhaben favorisierte Churchill Plan R 4, die Besetzung der norwegischen HĂ€fen durch britische Truppen.[24] Diesem Plan kamen die Deutschen jedoch um wenige Stunden zuvor. Unter höchster Geheimhaltung hatten sie das Unternehmen WeserĂŒbung vorbereitet, das am 7. April 1940 begann und am 9. April zur Besetzung erster Ziele in DĂ€nemark und Norwegen fĂŒhrte. Die Royal Navy konnte Narvik daher nicht mehr kampflos erreichen. In der anschließenden Schlacht um Narvik hĂ€tte das unerfahrene britisch-französische Expeditionskorps, das ab dem 24. April durch norwegische Truppen verstĂ€rkt worden war,[25] die deutschen GebirgsjĂ€ger beinahe besiegt. Letztlich scheiterte das Unternehmen der Alliierten jedoch am fehlenden Nachschub. Nach dem Beginn des deutschen Westfeldzuges zogen sie Anfang Juni 1940 ihre letzten Einheiten aus Norwegen ab.

Der Kriegspremier

Briten und Franzosen hatten die deutsche Besetzung Polens und DĂ€nemarks sowie den Angriff auf Norwegen nicht verhindern können. Mit dem Scheitern des Plans R 4[26] verlor Premier Chamberlain den letzten politischen RĂŒckhalt in Bevölkerung und Parlament. Nach der sogenannten Norwegendebatte sah sich der frĂŒhere Verfechter der Appeasement-Politik zum RĂŒcktritt gezwungen.

Obwohl Churchill von Teilen der Presse fĂŒr den Fehlschlag in Norwegen verantwortlich gemacht wurde, kamen als Nachfolger nur er und Lord Halifax in Frage, der jedoch als Appeasementpolitiker weitgehend diskreditiert war. So bildete Churchill am 10. Mai 1940 eine Allparteienregierung unter Einschluss der Labour Party. Er selbst ĂŒbernahm neben dem Amt des Premiers auch das des Ministers fĂŒr Verteidigung. Am selben Tag begann die deutsche Westoffensive (Fall Gelb) mit dem Angriff auf Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Ab dem 24. Mai wurden die alliierten Truppen von Norwegen nach Frankreich zurĂŒckverlegt. Am 8. Juni fiel Narvik in deutsche Hand, und mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich trat die Westoffensive in ihre entscheidende 2. Phase (Fall Rot).

Sommer 1940

Die territoriale Situation in Europa nach dem deutschen Westfeldzug 1940

Aufgrund des unerwartet schnellen Vormarschs der Wehrmacht im Westfeldzug wurde Churchill schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit mit dem völligen Scheitern der alliierten Kriegsstrategie konfrontiert. Am 21. Mai erreichten deutsche PanzerverbĂ€nde die KanalkĂŒste bei Abbeville, so dass das britische Expeditionskorps bei DĂŒnkirchen eingeschlossen wurde. Als sich bereits in den ersten Juni-Wochen die militĂ€rische Niederlage Frankreichs abzeichnete, versuchte Churchill, eine Kapitulation des VerbĂŒndeten unter allen UmstĂ€nden zu verhindern. Aus diesem Grund schlug er der französischen Regierung eine Französisch-britische Union vor, die Vereinigung beider LĂ€nder. Dem gemeinsamen Oberkommando hĂ€tten damit die französische Flotte und die außerhalb Europas stationierten französischen Truppen weiterhin zur VerfĂŒgung gestanden. In Frankreich setzten sich jedoch die BefĂŒrworter einer Kapitulation durch, die unter Marschall Philippe PĂ©tain eine neue Regierung bildeten. Diese unterzeichnete am 25. Juni in CompiĂšgne einen Waffenstillstand mit Deutschland. Frankreich schied aus dem Krieg aus.

Die meisten Historiker stimmen darin ĂŒberein, dass Hitler einem Sieg nie so nahe gekommen war wie im Sommer 1940: Frankreich war geschlagen; Großbritannien stand allein und ohne ausreichend gerĂŒstete Armee der deutschen Kriegsmaschinerie gegenĂŒber, die bereits halb Europa ĂŒberrannt hatte. Und in Churchills Kabinett gab es noch immer AnhĂ€nger der Appeasement-Politik Chamberlains, die fĂŒr Verhandlungen mit dem Deutschen Reich eintraten. Als ihr Protagonist stand Lord Halifax noch immer bereit, Churchill als Premierminister abzulösen.

Hitlers Sieg hĂ€tte nach Churchills eigenen Worten bedeutet, dass „die ganze Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten, einschließlich all dessen, was wir gekannt und geliebt haben, im Abgrund eines neuen dunklen Zeitalters versinken“ mĂŒsste. Daher verlangte er im Juni gegen teilweise WiderstĂ€nde in der eigenen Regierung, dass keinerlei ZugestĂ€ndnisse an Deutschland gemacht und der Krieg notfalls von Übersee aus weitergefĂŒhrt werden sollte.

Schon am 13. Mai, in seiner ersten Rede als Premierminister, hatte Churchill seinen Landsleuten „nichts als Blut, MĂŒhsal, TrĂ€nen und Schweiß“ angekĂŒndigt und festgestellt, dass der „Krieg gegen eine monströse Tyrannei, wie sie nie ĂŒbertroffen worden ist, im finsteren Katalog der Verbrechen der Menschheit“ nur mit einem „Sieg um jeden Preis“[27] beendet werden dĂŒrfe. Selbst nach der Niederlage Frankreichs, als viele den Krieg fĂŒr England verloren gaben, beharrte Churchill auf Zielen, die praktisch damals schon auf die bedingungslose Kapitulation Deutschlands hinausliefen. Am 18. Juni sagte er vor dem Unterhaus:

„Was wir verlangen, ist gerecht, und wir nehmen nichts davon zurĂŒck. Kein Jota, keinen i-Punkt lassen wir ab. Tschechen und Polen, Norweger, HollĂ€nder und Belgier haben ihre Sache mit der unseren vereint. Sie alle mĂŒssen wieder aufgerichtet werden.“[28]

Über das besetzte Frankreich sagte er:

„Die freien Franzosen sind von Vichy zum Tode verurteilt, doch eines Tages wird man die Namen dieser Menschen lobpreisen, in Stein eingravieren und sie in den Straßen und der Dörfer Frankreichs wiederfinden. Eines Tages, wenn Frankreich und ganz Europa die Freiheit und den Ruhm wiederfinden werden.“[29]

Mit einer weiteren Rede (We Shall Fight on the Beaches) stimmte er am 10. Juni das Parlament und wenig spĂ€ter in einer Rundfunkansprache das britische Volk auf den Widerstand gegen Hitler-Deutschland ein. Er machte – auch an dessen Adresse gerichtet – unmissverstĂ€ndlich klar:

„Wir werden kĂ€mpfen bis zum Ende. Wir werden in Frankreich kĂ€mpfen, wir werden auf den Meeren und Ozeanen kĂ€mpfen. Wir werden mit wachsender Zuversicht und wachsender StĂ€rke am Himmel kĂ€mpfen. Wir werden unsere Insel verteidigen, wie hoch auch immer der Preis sein mag. Wir werden an den StrĂ€nden kĂ€mpfen, wir werden an den Landungsabschnitten kĂ€mpfen, wir werden auf den Feldern und auf den Straßen kĂ€mpfen, wir werden in den HĂŒgeln kĂ€mpfen. Wir werden uns nie ergeben.“[30]

Infolge dieser kompromisslosen Haltung ignorierte Churchill auch das sogenannte „Friedensangebot“, das Hitler Großbritannien in seiner Reichstagsrede vom 19. Juli 1940 machte.[31] Hatte sich die deutsche FĂŒhrung bis dahin noch Hoffnungen gemacht, dass angesichts der Kriegslage kompromissbereitere britische Politiker Churchill ablösen könnten, so wurden diese am 22. Juli zunichte gemacht. Churchill veranlasste ausgerechnet den als frĂŒheren Verfechter des Appeasement bekannten Lord Halifax zu einer Antwort auf Hitlers Rede: „Deutschland wird den Frieden erhalten, wenn es die von ihm besetzten Gebiete gerĂ€umt, alle von ihm unterdrĂŒckten Freiheiten wiederhergestellt und Garantien fĂŒr die Zukunft gegeben hat.“[32]

Invasionsgefahr und Luftkrieg

Bei einem Luftangriff zerstörte Londoner HÀuser
Churchill und de Gaulle 1944 in Marokko.

Churchill bestand erfolgreich seine ersten großen Herausforderungen im Amt: Seiner Regierung gelang es, das geschlagene britische Expeditionskorps zum grĂ¶ĂŸten Teil aus DĂŒnkirchen abzuziehen und eine deutsche Invasion zu verhindern. Die Grundlage dafĂŒr hatte der Premier unmittelbar nach seinem Regierungseintritt gelegt, indem er der Flugzeugproduktion oberste PrioritĂ€t eingerĂ€umt und Lord Beaverbrook die Verantwortung dafĂŒr ĂŒbertragen hatte. Als die Luftschlacht um England im August 1940 ihren Höhepunkt erreichte, war es maßgeblich dessen Leistungen und denen des Luftmarschalls Hugh Dowding zu verdanken, dass die Royal Air Force (RAF) der deutschen Luftwaffe ein militĂ€risches Patt abtrotzen konnte. Hitler war es zum ersten Mal nicht gelungen, einem Land seinen Willen aufzuzwingen.[33] Churchills Entschluss, weiterzukĂ€mpfen, der endgĂŒltig in den Tagen von DĂŒnkirchen gefallen war, zwang Hitler schließlich dazu, den von Anfang an geplanten Krieg gegen die Sowjetunion zu wagen, ohne den Krieg im Westen beendet zu haben. Historiker wie Ian Kershaw sehen darin den Anfang vom Ende der Kriegsstrategie Hitlers.[34]

Der Abwehr einer deutschen Invasion diente auch Churchills Befehl, das Gros der französischen Mittelmeerflotte zu versenken. Denn nach dem Waffenstillstand verfolgte die Regierung Marschall PĂ©tains in Vichy eine Politik der Kollaboration mit Deutschland: Damit drohte die Marine des bisherigen VerbĂŒndeten in Hitlers HĂ€nde zu fallen. In einer PrĂ€ventivaktion, der Operation Catapult, zerstörte die Royal Navy daher am 3. Juli 1940 mehrere französische Schlachtschiffe und Zerstörer, die vor dem algerischen Hafen Mers-El-Kebir ankerten. Dabei starben 1267 französische Marinesoldaten. Das Vichy-Regime brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien ab. Ein weiterer Grund dafĂŒr dĂŒrfte gewesen sein, dass Churchill dem damaligen Brigadegeneral und StaatssekretĂ€r im französischen Kriegsministerium Charles de Gaulle am 18. Juni 1940 ermöglicht hatte, ĂŒber BBC seinen berĂŒhmt gewordenen Appell an seine Landsleute zu senden, in dem er sie zur Fortsetzung des Kampfes aufforderte. Am 8. August unterzeichneten Churchill und de Gaulle die Übereinkunft von Chequers, in der sich Großbritannien verpflichtete, die IntegritĂ€t aller französischen Besitzungen sowie die „integrale Restauration und UnabhĂ€ngigkeit und die GrĂ¶ĂŸe Frankreichs“ zu respektieren. Trotz starker persönlicher Vorbehalte gegen de Gaulle erkannte Churchill ihn als legitimen ReprĂ€sentanten des Freien Frankreich an.

Der deutsche Invasionsplan (Unternehmen Seelöwe) wurde im Herbst 1940 immer wieder verschoben, bis er im FrĂŒhjahr 1941 schließlich aufgegeben wurde. In dieser Zeit flogen deutsche Bomber jedoch stĂ€ndig Luftangriffe auf London und viele andere StĂ€dte in England, die – wie beispielsweise Coventry – schwere Zerstörungen erlitten. Vom 25. August 1940 an ging auf Befehl Churchills auch die Royal Air Force dazu ĂŒber, gezielt Wohngebiete deutscher StĂ€dte zu bombardieren, nachdem bereits zuvor Angriffe gegen Industrieanlagen etwa im Ruhrgebiet geflogen worden waren.

Churchill im Juni 1943. Das V-Zeichen fĂŒr victory ‚Sieg‘ wurde durch ihn populĂ€r.

Die britische Bevölkerung sah in den Aktionen der Royal Air Force damals eine legitime Antwort auf die deutsche KriegfĂŒhrung, die mit den Bombardierungen Guernicas, Warschaus, Rotterdams und der sĂŒdenglischen StĂ€dte erstmals in der Geschichte schwere Luftangriffe auf zivile Ziele unternommen hatte. SpĂ€testens Mitte 1944, als Briten und Amerikaner die uneingeschrĂ€nkte Luftherrschaft ĂŒber dem Reichsgebiet errungen hatten, erreichten die FlĂ€chenbombardierungen jedoch eine Eigendynamik, die auch Churchill nicht mehr stoppen konnte oder wollte. WĂ€hrend dieser Zeit wurden zahlreiche deutsche StĂ€dte in Schutt und Asche gelegt. Erst die hohe Opferzahl der Luftangriffe auf Dresden veranlasste Churchill, die Bombardements deutscher StĂ€dte einstellen zu lassen. Ganz am Ende des Kriegs distanzierte er sich von Luftmarschall Arthur Harris, den er 1942 zum Oberbefehlshaber des britischen Bomber Command ernannt hatte. Dieser hatte zu den Verfechtern des moral bombing gehört, also dem FlĂ€chenbombardement zur Brechung der Kampfmoral des Feindes, und dieses stets als Auftrag seiner Regierung empfunden.

Die Großen Drei

Solange Großbritannien im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland allein stand, konnte Churchill nur dafĂŒr sorgen, dass es den Krieg nicht verlor. Ein Sieg aber, das war ihm bewusst, war nur im BĂŒndnis mit den USA möglich. Er setzte daher auf ein gutes VerhĂ€ltnis zu Franklin D. Roosevelt. Der US-PrĂ€sident aber konnte es vor seiner Wiederwahl im November 1940 nicht wagen, sein Land direkt in den Krieg zu verwickeln.

Dennoch erreichte Churchill, dass Großbritannien ĂŒber den Nordatlantik mit lebens- und kriegswichtigen GĂŒtern aus den USA versorgt wurde. Das Leih- und Pachtgesetz, das Roosevelt am 11. MĂ€rz 1941 durch den Kongress brachte, ging auf eine direkte Initiative Churchills vom Mai 1940 zurĂŒck. Es erlaubte der US-Regierung unter anderem, Kriegsschiffe an Großbritannien auszuleihen.

Am 14. August 1941 trafen sich Roosevelt und Churchill vor Neufundland auf dem Schlachtschiff „HMS Prince of Wales“. Dort unterzeichneten sie die Atlantik-Charta, die mit ihren „Acht Freiheiten“ zur Grundlage der Nachkriegsordnung und der Vereinten Nationen werden sollte.

Bis dahin hatte sich Großbritanniens Lage bereits entscheidend verbessert. Schon Hitlers Ausgreifen auf den Balkan und Nordafrika hatte die Zahl deutscher Luftangriffe auf Ziele in Großbritannien verringert. Nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 stand das Vereinigte Königreich nicht mehr allein im Krieg. Trotz seines Misstrauens gegen Josef Stalin, der zunĂ€chst mit Hitler paktiert hatte, bot Churchill ihm nun sofort UnterstĂŒtzung an. So kam es trotz der prekĂ€ren Lage, in der sich Großbritannien befand, ab Oktober 1941 zur Lieferung von britischen und US-amerikanischen HilfsgĂŒtern an die Sowjetunion.

Am 7. Dezember 1941 erfolgte Japans Angriff auf die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor, und am 11. Dezember erklĂ€rte auch Hitler den USA den Krieg. Damit hatte Churchill endlich den gewĂŒnschten VerbĂŒndeten an seiner Seite. Unter den „Großen Drei“ – Roosevelt, Stalin und Churchill – sollte ihm am Ende zwar nur noch die Rolle des Juniorpartners der Amerikaner bleiben. Dennoch ĂŒbte er weiter großen Einfluss auf die KriegfĂŒhrung aus, nun schon mit Blick auf die Zeit nach Hitlers Niederlage. Denn klarer als Roosevelt erkannte er die Gefahr, dass dem von den Nazis beherrschten ein sowjetisch dominiertes Europa folgen könnte.

Ausdruck dieser BefĂŒrchtung war Churchills Mittelmeerplan. Wie schon in der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg wollte er die Kriegsgegner an ihrer schwĂ€chsten Stelle im SĂŒden – diesmal in Italien – angreifen, dann die Alpen östlich umgehen, nach Österreich und ins Zentrum Deutschlands vorstoßen und zugleich die deutschen Truppen auf dem Balkan abschneiden. Damit wollte er die Chance wahren, den Krieg noch vor dem Vorstoß der Roten Armee bis weit nach Mitteleuropa hinein zu entscheiden. Ein erster Schritt zu diesem Plan war die Operation Torch, die Landung der Briten und Amerikaner in Nordafrika am 8. November 1942.

Auf der Casablanca-Konferenz vom 14. bis 26. Januar 1943 legten Churchill und Roosevelt die gemeinsame Kriegsstrategie fest. Sie einigten sich dabei auf den Grundsatz Germany first, wonach die Niederwerfung Hitler-Deutschlands Vorrang vor dem Krieg gegen Japan haben sollte. Roosevelt setzte gegen Bedenken Churchills, der dies psychologisch nicht fĂŒr klug hielt, die Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands durch.

Chiang Kai-shek, Roosevelt und Churchill auf der Konferenz von Kairo 1943

Am 10. Juli 1943 landeten die Alliierten in Italien und nahmen Sizilien ein. Dies hatte den Sturz von Benito Mussolini zur Folge. Doch der Vormarsch der alliierten Truppen ĂŒber die Apenninhalbinsel kam sehr viel langsamer voran, als sich Churchill erhofft hatte. Auf der Konferenz von Teheran vom 28. November bis 1. Dezember 1943 trafen er und Roosevelt erstmals mit Stalin zusammen: Dieser drĂ€ngte nun auf die Eröffnung einer zweiten Front in Frankreich. Dabei wurde auch die so genannte Westverschiebung Polens beschlossen: Nach dem Kriegsende sollte die Sowjetunion die schon im Hitler-Stalin-Pakt gewonnenen ostpolnischen Gebiete behalten, dafĂŒr wurde Polens Westgrenze an die Oder-Neiße-Linie verlegt.

Auf dem Weg zur Teheran-Konferenz hatte Churchill in Ägypten Station gemacht. Auf der Konferenz von Kairo besprach er am 1. November 1943 mit Roosevelt und Chiang Kai-shek, dem Staatschef Chinas, das weitere militĂ€rische Vorgehen gegen Japan in Ostasien. Auf der zweiten Kairoer Konferenz am 26. Dezember setzte Churchill bei Roosevelt durch, dass die VerbĂŒndeten am Prinzip „Deutschland zuerst“ festhielten. Danach sollten die Kriegsanstrengungen im Pazifik erst nach dem Kriegsende in Europa forciert werden.

Am D-Day, dem 6. Juni 1944, fand mit der Operation Overlord schließlich die von Stalin lange geforderte alliierte Landung in der Normandie statt. In Frankreich kamen die Alliierten rasch voran und befreiten bereits im August Paris. Im Oktober erreichten ihre Truppen die Reichsgrenze bei Aachen. Um die weitere Zusammenarbeit der Alliierten in Europa und im Pazifik zu besprechen, traf sich Churchill vom 11. bis 16. September 1944 mit Roosevelt im kanadischen QuĂ©bec.

Die „Großen Drei“: Churchill, Roosevelt und Stalin auf der Konferenz von Jalta 1945

Mit seinem Außenminister Anthony Eden besuchte er vom 9. bis 19. Oktober 1944 Moskau. Trotz der Erfolge der britischen und amerikanischen Truppen fĂŒrchtete er weiterhin, dass die Rote Armee schneller und weiter nach Mitteleuropa vorstoßen könnte als die Westalliierten. Daher verabredete er mit Stalin eine Aufteilung Mittel-, Ost- und SĂŒdosteuropas in InteressensphĂ€ren. RumĂ€nien, Bulgarien und Ungarn wurden dem sowjetischen Einflussbereich zugeordnet, Griechenland dem britischen. In Jugoslawien wollten beide MĂ€chte ihren Einfluss teilen. Churchill einigte sich mit Stalin ferner auf die Curzon-Linie als Polens Ost- und die Oder als Polens Westgrenze.[35]

Die Ardennen-Offensive der deutschen Wehrmacht im Winter 1944/45 verstĂ€rkte seine Bedenken noch, so dass er auf der Konferenz von Jalta vom 4. bis 11. Februar 1945 zu weiteren ZugestĂ€ndnissen an Stalin bereit war. Dort wurde nicht nur Deutschlands Aufteilung in vier Besatzungszonen beschlossen, sondern auch Europas Teilung in eine westliche und eine sowjetische EinflusssphĂ€re, wie sie bis 1989 Bestand hatte. Churchill musste sich dabei nicht nur mit Stalin, sondern auch mit Roosevelt auseinandersetzen: Dieser war den Sowjets gegenĂŒber sehr viel weniger misstrauisch und glaubte, sie nach dem Krieg in eine wirkliche Friedensordnung einbinden zu können.

Potsdamer Konferenz: Josef Stalin, Harry S. Truman und Winston Churchill wÀhrend einer Konferenzpause, Juli 1945

Der Krieg ging nun rasch dem Ende zu. Im MĂ€rz, als die britischen Truppen am Rhein standen, stattete Churchill seinem Oberbefehlshaber, Feldmarschall Bernard Montgomery, einen Besuch ab und setzte mit ihm bei Wesel ĂŒber den Strom. Am 8. Mai 1945 konnte er vor dem britischen Unterhaus die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht und damit den Sieg in Europa (V-E-Day) bekannt geben.

Nachdem Roosevelt am 12. April 1945 gestorben war, traf sich Churchill mit dessen Nachfolger Harry S. Truman und mit Stalin am 17. Juli auf der Potsdamer Konferenz, um ĂŒber das weitere Vorgehen in Deutschland und gegen das noch kĂ€mpfende Japan zu beraten.

Erneut in der Opposition

Churchill wÀhrend der Potsdamer Konferenz 1945
Churchill grĂŒĂŸt die Menge in Whitehall am Tag seiner Radioansprache zum Sieg ĂŒber das nationalsozialistische Deutschland am 8. Mai 1945.

Mitten in der Potsdamer Konferenz wurde Churchill als Premier von seinem bisherigen Stellvertreter Clement Attlee abgelöst. Die Unterhauswahl vom 26. Juli hatte dessen Labour Party gewonnen, weil sie den Briten bessere Schulen, bessere Wohnungen und ein staatliches Gesundheitswesen versprach. Churchills Wahlkampfprogramm – die Fortsetzung des Krieges gegen Japan und die Warnung vor einer Finanz-„Gestapo“ – schien den WĂ€hlern dagegen wenig zukunftsorientiert zu sein.

WĂ€hrend der folgenden sechs Jahre war er OppositionsfĂŒhrer im Unterhaus. Er nutzte diese Zeit auch, um als weltweit geachteter Staatsmann auf aktuelle Chancen und Gefahren aufmerksam zu machen. Als einer der ersten hatte er schon im Krieg die Folgen der Gewaltpolitik Stalins erkannt. Bereits im Mai 1945 hatte er aus Furcht vor einem weiteren Vormarsch der Roten Armee nach Westeuropa den britischen Generalstab mit der Ausarbeitung von Operation Unthinkable beauftragt, einem Geheimplan fĂŒr einen Angriff auf die Sowjetunion. Aufgrund militĂ€rischer und politischer ErwĂ€gungen wurde der Plan jedoch fallen gelassen.[36] Nun, nach dem Krieg, unterstĂŒtzte Churchill PrĂ€sident Trumans EindĂ€mmungspolitik gegenĂŒber der Sowjetunion und prĂ€gte den Begriff „Eiserner Vorhang“ (s. u.) fĂŒr die Grenze zwischen Ost- und Westeuropa. Er bestĂ€rkte die USA auch darin, ihr bis 1954 bestehendes Monopol auf Atom- und Wasserstoffbomben fĂŒr offensive, gegen die Sowjetunion gerichtete politische Ziele zu gebrauchen.

Andererseits waren seine berĂŒhmten Reden vor der akademischen Jugend in ZĂŒrich 1946 und dem Europarat in Straßburg 1949 zukunftsweisend: Darin schlug er die Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“ vor, deren „erster Schritt eine Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland“ sein mĂŒsse. „Es kann kein Wiederaufleben Europas geben ohne ein geistig großes Frankreich und ein geistig großes Deutschland“, sagte er und sprach weiter von der Notwendigkeit, der europĂ€ischen Völkerfamilie „[
] eine Struktur zu geben, unter der sie in Frieden, Sicherheit und Freiheit leben kann. Wir mĂŒssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa schaffen. Nur so können Hunderte Millionen von WerktĂ€tigen wieder einfache Freuden und Hoffnungen erlangen, die das Leben lebenswert machen.“

Begeistert von den Ideen des französischen Außenministers Aristide Briand, hatte er sich erstmals schon 1930 in der Saturday Evening Post zu dieser Konzeption geĂ€ußert. Jetzt sah er darin einen pragmatischen Weg, den Hass zwischen den europĂ€ischen Völkern abzubauen und den Kontinent zu befrieden. Damit verband er das KalkĂŒl, das infolge zweier Weltkriege verringerte politische Gewicht der europĂ€ischen Staaten gegenĂŒber den USA und der Sowjetunion zu stĂ€rken. Großbritannien sollte nach seiner Vorstellung jedoch nicht in die neu zu schaffenden europĂ€ischen Strukturen eingebunden sein: „Wir haben unsere eigenen TrĂ€ume. Wir sind bei Europa, aber nicht von ihm. Wir sind verbunden, aber nicht eingeschlossen.“ Offenbar hoffte er, Großbritannien könne durch einen unabhĂ€ngigen Kurs mit seinem atlantischen Partner USA auf Augenhöhe bleiben. Grundkonstante seiner PlĂ€ne blieb die Idee einer föderalen Union von Nationalstaaten, die in Freiheit und Wohlstand zusammenleben sollten.

Zweite Amtszeit und letzte Jahre

Winston Churchill trifft Konrad Adenauer am 12. Mai 1956 zu einem GesprÀch im Bundeskanzleramt

Mit Churchill als Spitzenkandidat errangen die Konservativen im Oktober 1951 einen knappen Wahlsieg, weil er diesmal die Wahlkampfthemen der Labour Party ĂŒbernommen und den Briten eine FortfĂŒhrung des staatlichen Wohnungsbauprogramms versprochen hatte. Innenpolitisch verlief seine zweite Amtszeit in Downing Street No. 10 weitgehend unspektakulĂ€r. In der Außen- und Kolonialpolitik dagegen musste er mit mehreren von der VorgĂ€ngerregierung geerbten Konfliktherden zurechtkommen. Er tat dies als weiterhin ĂŒberzeugter Verfechter des Britischen Empire und des Kolonialismus.

In der Abadan-Krise beispielsweise forderte und unterstĂŒtzte Churchill die Maßnahmen des amerikanischen Geheimdienstes CIA, die schließlich zum Sturz des iranischen Premierministers Mossadegh fĂŒhrten. Die Krise war entstanden, als das iranische Parlament auf Betreiben Mossadeghs Anfang 1951 die Verstaatlichung der unter britischer Kontrolle stehende Erdölindustrie des Landes beschloss.

In Malaya war bereits 1948 eine Rebellion gegen die britische Herrschaft ausgebrochen. Auch in der Kolonie Kenia schwelten Unruhen, die 1952 in den Mau-Mau-Aufstand mĂŒndeten. In beiden FĂ€llen trat Churchill dafĂŒr ein, die AufstĂ€nde militĂ€risch niederzuschlagen. Anschließend versuchte er aber, fĂŒr alle Seiten politisch tragbare Lösungen zu finden. Die von ihm initiierten FriedensgesprĂ€che mit den AufstĂ€ndischen in Kenia scheiterten allerdings kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Amt. FĂŒr die malayischen Sultanate im heutigen Malaysia und fĂŒr Singapur ließ er 1953 PlĂ€ne fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit ausarbeiten, die 1957 realisiert wurden.

Nach dem Tod Stalins im MĂ€rz 1953 bot Churchill der Sowjetunion ĂŒberraschend die Auflösung der Blöcke und Schaffung eines gesamteuropĂ€ischen Sicherheitssystems an, eine Idee, die erst mehr als 40 Jahre spĂ€ter verwirklicht wurde.

Im selben Jahr erhielt er den Nobelpreis fĂŒr Literatur fĂŒr sein großes historisches Werk Der Zweite Weltkrieg. Die neue Königin Elisabeth II. schlug ihn wegen seiner Verdienste zum Ritter des Hosenbandordens. Den angebotenen Herzogstitel schlug Sir Winston in den Folgejahren aber mehrfach aus, um weiter fĂŒr das Unterhaus kandidieren zu können.

Im Juni 1953 erlitt er zum wiederholten Mal einen Schlaganfall, der ihn zeitweilig amtsunfĂ€hig machte. Schließlich drĂ€ngten seine Parteifreunde ihn 1955 zum vorzeitigen RĂŒcktritt. Sein Nachfolger wurde Anthony Eden. Der Ex-Premier ließ sich 1955 und 1959 noch einmal ins Unterhaus wĂ€hlen, dem er am Ende mehr als 60 Jahre angehörte, trat aber als Redner nicht mehr in Erscheinung.

Nach seinem RĂŒcktritt lebte Winston Churchill zurĂŒckgezogen noch weitere zehn Jahre. Er starb in seinem 91. Lebensjahr am 24. Januar 1965 – auf den Tag genau 70 Jahre nach dem Tod seines Vaters. Er wurde drei Tage lang in der Westminster Hall aufgebahrt und anschließend mit einem Staatsakt in der Saint Paul’s Cathedral geehrt. Beigesetzt wurde Churchill in der GrabstĂ€tte seiner Familie auf dem Saint Martin’s Churchyard in Bladon in der NĂ€he seines Geburtsorts Woodstock.

Churchill im Urteil von Zeitgenossen und Nachwelt

FrĂŒher Ruhm: Schon 1908 wurde Churchill als Wachsfigur ins Londoner Kabinett von Madame Tussauds aufgenommen.
Eine Karikatur von Edward Tennyson Reed, erstmals veröffentlicht 1909 im Punch.
Sie stellt Churchill als „Luftikus“ unter den Kabinettsmitgliedern der Regierung Asquith dar und stĂŒtzt das Urteil „brillant aber unsolide“, das ĂŒber den Churchill der Vorkriegszeit weit verbreitet war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg: Der Nationalheld. Churchill-Denkmal in London

Hitler wollte in seinem Gegenspieler nur „diesen SchwĂ€tzer und Trunkenbold Churchill“ entdecken, der ihn daran gehindert habe, „große Werke des Friedens“ zu vollbringen.[37] Ein 1993 in Oxford erschienenes Werk mit BeitrĂ€gen von 29 Historikern und Politikern wĂŒrdigt Churchill dagegen als „vielleicht die grĂ¶ĂŸte Gestalt im 20. Jahrhundert“.[38]

Seine schillernde Persönlichkeit irritierte bereits seine Zeitgenossen und entzieht sich jeder eindimensionalen Beurteilung. Churchill verkörperte in seinem politischen Dasein mal den radikalen Sozialreformer, mal den reaktionĂ€ren Imperialisten. Einerseits war er der viel beschworene Krieger, der mit seiner HĂ€rte und Skrupellosigkeit eher ins 18. Jahrhundert Marlboroughs zu passen schien, andererseits der Politiker, der half, die UNO und EuropĂ€ische Union mitzubegrĂŒnden und mit seiner Idee der „Vereinigten Staaten von Europa“ den Weg ins 21. Jahrhundert wies.

Keiner Partei, schon gar keiner Parteidoktrin verpflichtet, wechselte er die politischen Lager, wann immer es ihm nötig und opportun erschien. Er war daher als unzuverlĂ€ssig verschrien und wurde wegen seiner Ideen sogar von Freunden gefĂŒrchtet. Lloyd George beschrieb Churchills Verstand als eine „mĂ€chtige Maschine, doch [
] wenn der Mechanismus versagte oder falsch lief, waren die Folgen verheerend.“[39]

In der britischen Öffentlichkeit galt Churchill laut Sebastian Haffner noch bis zum Zweiten Weltkrieg als „brillant aber unsolide“.[40] Seine Zeitgenossen sahen es als unseriös und gefĂ€hrlich an, dass Churchill eine Neigung dazu hatte, sich persönlich in riskante Situationen zu begeben, wie bei der Belagerung der Sidney-Street 1911 oder bei der Antwerpen-Expedition 1914. Weit ausgreifende aber letztlich gescheiterte Vorhaben Churchills – wie der Dardanellen-Plan und die Intervention im nachrevolutionĂ€ren Russland – schienen ihr Urteil zu bestĂ€tigen. Der Schriftsteller H.G. Wells sprach fĂŒr viele, als er den frĂŒhen Churchill mit einem „schwer zu behandelnden kleinen Jungen“ verglich, „der es verdient, ĂŒbers Knie gelegt zu werden“.[41] Wells dĂŒrfte der britischen Mehrheitsmeinung aber auch Jahrzehnte spĂ€ter Ausdruck verliehen haben, als er kurz vor dem Zweiten Weltkrieg seine Ansichten zu Churchill revidierte: „Ich wage zu behaupten, das wir zu Churchill halten werden, der so viele Fehler gemacht hat, dass er keine weiteren mehr machen kann und der immerhin ziemlich gerissen ist.“[42] Ganz Ă€hnlich wandelte sich das Churchill-Bild im Werk des Karikaturisten David Low: Verspottete er Churchill bis in die 1930er Jahre noch als „ReaktionĂ€r“ und „politischen Abenteurer“, so solidarisierte er sich ab Mai 1940 mit dem gerade ernannten Kriegspremier in dem Cartoon „All Behind You Winston“.[43] Nach dem Sieg ĂŒber Hitler 1945 zollte Low seinem einstigen Lieblingsfeind in der Karikatur „The Two Churchills“ als „leader of humanity“ seinen Respekt.[44] Churchill machte es Kritikern insofern leicht, da er höchst eitel sein konnte, stets auf seine Wirkung und den großen Auftritt bedacht. Aber er war auch fĂ€hig, eine große Rolle auszufĂŒllen. So meinte General de Gaulle, der nicht zu seinen besten Freunden gehörte: „Churchill erschien mir (im Juni 1940) als ein Mann, der der gröbsten Arbeit gewachsen war – vorausgesetzt, sie war gleichzeitig grandios.“

In seiner Außenpolitik ließ Churchill sich, wie er selbst es formulierte, von dem Prinzip der „Weltverantwortlichkeit“ leiten. Aufgrund der Erfahrung des Ersten Weltkriegs sah er die westlichen Demokratien – vor allem Großbritannien und die USA – in der Pflicht, eine Ă€hnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Als Hauptgegner des Weltfriedens sah er nach 1918 zunĂ€chst die Sowjetunion, seit Mitte der 30er Jahre aber in zunehmendem und wegen seiner expansiven Politik gefĂ€hrlicherem Maße Deutschland. Er bekĂ€mpfte die Appeasementpolitik seines VorgĂ€ngers Chamberlain, weil sie den Krieg, den sie vermeiden sollte, in seinen Augen nur umso wahrscheinlicher machte. Um das nationalsozialistische Deutschland zu schlagen, schreckte er auch nicht vor dem kriegsbedingten BĂŒndnis mit Stalin zurĂŒck, das aus seiner Sicht das kleinere von zwei Übeln darstellte. Aber er betrachtete seine Arbeit 1945 erst als halb getan und gehörte zu den ersten, die eine EindĂ€mmung der sowjetischen Expansionspolitik forderten.

Der britische Luftkrieg gegen deutsche StĂ€dte und die Zivilbevölkerung wird Churchill bis heute zum Vorwurf gemacht. Der deutsche Publizist Jörg Friedrich bezeichnete ihn deshalb als Massenmörder. Er kritisiert, dass im Rahmen des sogenannten moral bombing gezielt Wohngebiete angegriffen wurden, auch noch gegen Kriegsende, als dies keine militĂ€rische Bedeutung mehr gehabt habe. Der Historiker Frederick Taylor betont dagegen, dass Großbritannien nach dem RĂŒckzug seiner LandstreitkrĂ€fte vom Kontinent Deutschland nur noch mit Hilfe der Royal Air Force angreifen konnte. Punktgenaue Angriffe auf rein militĂ€rische und industrielle Ziele seien zumindest in der Anfangsphase – zumal bei Nachtangriffen – technisch nicht möglich gewesen.

Worum man ĂŒberhaupt kĂ€mpfe, wurde Churchill wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges gefragt. Seine Antwort: „Wenn wir aufhörten zu kĂ€mpfen, wĂŒrdet ihr es bald herausfinden.“[45] Kurz und bĂŒndig befand Willy Bretscher, Chefredakteur der Neuen ZĂŒrcher Zeitung: „Churchill rettete im Sommer 1940 Europa.“[46] Churchills Landsmann Alan Moorehead meinte, dass man Churchill aufgrund dieser Leistung als den „grĂ¶ĂŸten Briten seit Wellington“ ansehen mĂŒsse.[47] Diesen Standpunkt teilen heute britische wie deutsche Historiker und Biografen. Trotz der Toten des Bombenkriegs, fĂŒr den der Premier mit verantwortlich war, sind laut Christian Graf Krockow „dank Churchills Unbeugsamkeit Abermillionen von Menschen gerettet worden.“[48] Arnold J. Toynbee urteilte Jahre nach dem Krieg: „Ohne Churchill lĂ€ge die Welt heute in Ketten.“ Sein schwedischer Biograf Knut Hagberg pflichtete dem 1945 bei: „Wenn es Winston Churchill nicht gelungen wĂ€re, England zum Kampfe zu wecken, dann wĂŒrde es bald kein freies Land mehr in Europa gegeben haben.“[49] Und Peter de Mendelssohn schrieb: „Andere mochten und mussten die Zukunft bewĂ€ltigen. Er hatte bewirkt, dass es ĂŒberhaupt eine Gegenwart gab.“

Aus diesen und vielen Ă€hnliche Äußerungen seiner Zeitgenossen geht hervor, was auch nach heutigem Forschungsstand als Churchills historische Lebensleistung gilt: dass er Hitlers Sieg verhindert hat. Er ĂŒberzeugte die Briten in der scheinbar aussichtslosen Lage des Sommers 1940 davon, den Krieg noch nicht verloren zu geben, stĂ€rkte ihren Durchhaltewillen und legte die Grundlagen fĂŒr die kommende Anti-Hitler-Koalition mit den USA und der UdSSR. Aus diesen GrĂŒnden sehen auch viele deutsche Churchill-Biografen wie Hans-Peter Schwarz, Christian Graf Krockow[50] und Sebastian Haffner[51] in Churchill, nicht in Roosevelt oder Stalin, den entscheidenden Gegenspieler Hitlers.

Als Churchill geboren wurde, stand das britische Empire in seinem Zenit. Als er starb, war Großbritannien zu einer Macht zweiten Ranges geworden. Er selbst mochte dies als Scheitern empfinden, aber de Mendelssohn schrieb dazu:

„Merkmal der GrĂ¶ĂŸe kann nicht nur sein, was einer hienieden an Bedeutendem schafft. Vielmehr vermag echte GrĂ¶ĂŸe auch dem Weitblick, der Entschlossenheit und der unerschĂŒtterlichen Tatkraft innezuwohnen, mit denen einer sich der verderblichen Schöpfung in den Weg stellt und die KrĂ€fte aufzurufen [
] vermag, die dem Unheil die Straße versperren. Ein solcher war Winston Churchill.“

Filmische Aufbereitung

Winston Churchills Leben war das Thema des oscarnominierten Dokumentarfilms The Finest Hours (1964) von Peter Baylis.

Auszeichnungen, Ehrungen, Mitgliedschaften

Briefmarkenblock 1968 mit einem PortrÀt Churchills

Werke

  • The Story of the Malakand Field Force: An Episode of Frontier War, 1898.
  • The River War: An Historical Account of the Reconquest of the Sudan, 1899. (Online beim Project Gutenberg)
  • Savrola, 1900. (Roman)
  • From London To Ladysmith via Pretoria, 1900.
  • Ian Hamiltons's March, London 1900.
  • Lord Randolph Churchill, 1906.
  • My African Journey, 1908.
  • The World Crisis, 4 BĂ€nde, 1923 bis 1929.
  • My Early Life, 1930 (dt. Meine frĂŒhen Jahre, List Taschenbuch Nr. 293/294, Paul List Verlag, 4.Aufl., MĂŒnchen 1965)
  • Marlborough. His Life and Times, 1933 bis 1938, 4 BĂ€nde. (dt. Marlborough, 2 Bde., ZĂŒrich 1990)
  • Great Contemporaries, 1937; ( dt. Grosse Zeitgenossen, Fischer BĂŒcherei, Frankfurt und Hamburg,1959), Sammlung von Zeitschriftenessays, u. A. ĂŒber: George B. Shaw, Alfons XIII., Georg V., Georges Clemenceau, Wilhelm II., Lawrence von Arabien;
  • The Second World War, 6 BĂ€nde, erschienen 1948 bis 1954, ISBN 3-502-19132-8
deutsche Version:
Eduard Thorsch (Übersetzer): Der zweite Weltkrieg: Mit einem Epilog ĂŒber die Nachkriegsjahre. Fischer Tb, 4. Auflage, Frankfurt am Main 2003, ISBN 978-3-596-16113-3 (enthĂ€lt den Epilog Der kalte â€čFriedeâ€ș und unsere Zukunft von 1957)
  • A History of the English-Speaking Peoples, 1956 bis 1958, 4 BĂ€nde (dt. Geschichte der englischsprachigen Völker, 5 Bde., Augsburg 1990).
  • Reden in Zeiten des Krieges, ausgewĂ€hlt, eingeleitet und erlĂ€utert von Klaus Körner, Hamburg u. Wien 2002.

Literatur

  • Peter Alter: Winston Churchill (1874–1965), Stuttgart 2006 ISBN 3-17-018786-4 (Neuere, gut lesbare Biographie)
  • Robert Blake/ Roger Louis, (Hrsg.): Churchill. A major new Assessment of his Life in Peace and War. Oxford 1993 (Aufsatzsammlung der renommiertesten zeitgenössischen Churchill-Kenner), ISBN 0-19-820317-9
  • David Cannadine: Winston Churchill. Abenteurer, Monarchist, Staatsmann. Berenberg, Berlin 2005, ISBN 3-937834-05-2
  • John Charmley: Churchill. Das Ende einer Legende. Ullstein, Berlin 1997 (Kritische Biographie), ISBN 3-548-26502-2
  • John Colville: Downing Street TagebĂŒcher 1939–1945. Siedler, Berlin 1988 (Tagebuchaufzeichnungen eines der engsten Mitarbeiter Churchills wĂ€hrend der Kriegsjahre), ISBN 3-88680-241-8
  • Virginia Cowles: Winston Churchill. Der Mann und seine Zeit, Wien 1954.
  • Joachim Fest, UnzeitgemĂ€ĂŸer Held seiner Zeit. Winston Churchill, in: Aufgehobene Vergangenheit. Portraits und Betrachtungen, MĂŒnchen 1983, S. 215-238.
  • Martin Gilbert, Randolph S. Churchill: Winston S. Churchill. 8 BĂ€nde mit BegleitbĂ€nden. Butterworth, London 1966, 1988 (Monumentale, englischsprachige Biographie), ISBN 0-434-13017-6.
  • Walter Graebner: Churchill – der Mensch. Rainer Wunderlich, TĂŒbingen 1965 (engl. Original My dear Mr. Churchill. in: W. Graebner: Literary Trust. 1965.).
  • Russell Grenfell: Churchill und die Deutschland-Politik. Lynx, Gauting 2002 (Kritische Betrachtung, erschien bereits 1954 unter dem Titel „Bedingungsloser Haß?“), ISBN 3-936169-04-7
  • Sebastian Haffner: Winston Churchill. Kindler Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-463-40413-3. (Kurze, leicht zu lesende Biographie)
  • Knut Hagberg: Winston Churchill, Stockholm 1945. (Biografie von einem schwedischen Autoren)
  • Roy Jenkins: Churchill. Macmillan, London/Basingstoke/Oxford 2001 (englischsprachige Biographie), ISBN 0-333-78290-9
  • Christian Graf von Krockow: Churchill. Eine Biographie des 20. Jahrhunderts. Hoffmann und Campe, Hamburg 1999, ISBN 3-455-11270-6
  • John Keegan: Churchill Weidenfels & Nicolsen, 2002 (Englischsprachige Biographie), ISBN 0-297-60776-6
  • Franz Lehnhoff: Winston Churchill. EnglĂ€nder und EuropĂ€er, Köln 1949. (Biographie von einem Schweizer Autoren)
  • Elizabeth Longford: Winston Churchill, London 1974.
  • John Lukacs: FĂŒnf Tage in London. England und Deutschland im Mai 1940 Siedler, Berlin 2000 (Darstellung der entscheidenden Tage, in denen Churchill in seinem Kabinett die FortfĂŒhrung des Kriegs gegen Deutschland durchsetzte), ISBN 3-88680-707-X
  • Peter de Mendelssohn: Churchill. Sein Weg und seine Welt. Bd 1. Erbe und Abenteuer. Die Jugend Winston Churchills 1874–1914. Lemm, Freiburg 1957.
  • Alan Moorehead: Churchill. Eine Bildbiographie, MĂŒnchen 1961.
  • Robert Payne: The Great Man. A Portrait of Winston Churchill, New York 1974.
  • John Ramsden: Man of the Century. Winston Churchill and his Legend Since 1945, London 2003.
  • Andrew Roberts: Churchill und seine Zeit. MĂŒnchen, DTV 1998 (Kritische Biographie), ISBN 3-423-24132-2
  • David Stafford: Churchill & Secret Service. London 1997 (Abacus), ISBN 0-349-11279-7.
  • Vladimir G. Truchanovskij: Churchill. Eine Biographie, Berlin 1973. (Biographie aus Sicht der Sowjetunion)
  • Ben Tucker: Winston Churchill. Sein Leben in Bildern. Bern 1946.

Weblinks

 Commons: Winston Churchill â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Der Name Spencer ist dem ursprĂŒnglichen Familiennamen seiner Vorfahren vĂ€terlicherseits entlehnt; den Vornamen Leonard erhielt er zu Ehren seines Großvaters mĂŒtterlicherseits, Leonard Jerome.
  2. ↑ Dieser Familienmythos der Churchills und der Jeromes besagt, Jennie Jeromes Ur-Großmutter Anna Baker, verheiratete Willcox, sei entweder selbst aus der Verbindung einer Weißen und eines Irokesen hervorgegangen oder habe ihre Tochter Clarissa Hall außerehelich mit einem Irokesen gezeugt. Genealogische Beweise fĂŒr die Richtigkeit dieser Behauptungen konnten bislang nicht erbracht werden. Jennie Churchills Biograf Ralph G. Martin beruft sich auf Spekulationen ĂŒber Anna Willcox, die den Großteil ihres Lebens in Neuengland und Nova Scotia verbracht hatte: „[
] may have been raped by an Indian and [that her daughter] Clarissa Willcox may have been half-caste“ (Martin: Jennie. The Life of Lady Randolph Churchill, Bd. 1, London 1969). Elisabeth Snell vom britischen Churchill Center, einer Einrichtung, die sich der Erforschung von Churchills Leben und der Pflege seines Andenkens widmet, bemerkt hierzu, dass es ebenso möglich sei, dass andere Kinder die junge Anna Baker aufgrund ihres dunklen Teints so lange mit der Indianer-Behauptung neckten, bis sie selbst an diese glaubte ([1]). Über die Kontroverse selbst urteilte Snell, dass „das Fehlen von Beweisen die Geschichte nicht unwahr mache, sie aber ebenso wenig verbriefe“. Als gesichert sei lediglich festzuhalten, dass der „Irokesen-Mythos“ existierte, und dass er weithin geglaubt wurde. Was Churchills eigene Haltung zu der Frage angeht, vermerkt Snell: „Sir Winston, to whose romantic nature the story (of Iroquois ancestors) appealed, was known to believe it, as did some members of his family [
].“ Im gleichen Sinne Ă€ußert sich William Manchester (Manchester: Last Lion, London 1983). Churchills Enkelsohn, Winston Churchill Jr., Ă€ußert im Vorwort des Buches The Great Republic, das Churchills Schriften ĂŒber die Vereinigten Staaten zusammenfasst, dass er selbst – mit Blick auf die, „auf eine sonderbare Weise dĂŒsteren GesichtszĂŒge“ (“mysteriously dark features”), seiner Ur-Ur-Großmutter, Clarissa Willcox, auf einem GemĂ€lde, das er von seinem Großvater geerbt habe – „geneigt sei, (an die Wahrheit der Behauptung) zu glauben“, es aber seinen Lesern anheimstellen wĂŒrde, sich ein eigenes Urteil zu bilden (Churchill [Hrsg.]: The Great Republic. A History of America, London 2002).
  3. ↑ Winston S. Churchill: Kreuzzug gegen das Reich des Mahdi (original: The River War. A Historical Account of the Reconquest of the Soudan, London 1899), Frankfurt 2008, ISBN 978-3-8218-6204-0, S. 7
  4. ↑ Martin Gilbert: Churchill, Bd. 1, S. 451.
  5. ↑ From London to Ladysmith via Pretoria und Ian Hamilton's March
  6. ↑ Roy Jenkins: Churchill, London 2001, S. 61 f.
  7. ↑ Hyam: Churchill at the Colonial Office, S. 357
  8. ↑ Dies belegen Memoiren vieler Zeitgenossen, etwa die von Helen Violet Bonham-Carter (Winston Churchill as I Knew Him, London 1965) oder Eduard von der Heydt (Auf dem Monte VeritĂĄ. Erinnerungen und Gedanken ĂŒber Menschen, Kunst und Politik, ZĂŒrich 1958). Ein zeitgenössischer Beleg ist auch die Schlagzeile „Winston Churchill is out, OUT, OUT!“, mit der die konservative Tageszeitung The Daily Telegraph 1908 Churchills Niederlage gegen William Joynson-Hicks bei einer Nachwahl in Manchester feierte. Dennoch ließ Churchill den Draht zu seiner alten Partei nie völlig abreißen und pflegte Kontakte zu einflussreichen Konservativen. So blieb ihm David Balfour im ganzen wohlgesinnt, Hugh Cecil trat 1908 als sein Trauzeuge auf, und der junge Konservative Lord Birkenhead, mit dem Churchill den politischen Klub The Other Club grĂŒndete, wurde damals sogar sein engster persönlicher Freund.
  9. ↑ Lusitania-AffĂ€re: Schmutziges GeschĂ€ft in: Der Spiegel 45/1972
  10. ↑ IstvĂĄn DeĂĄk: Essays on Hitler's Europe. University of Nebraska Press, Lincoln 2001, ISBN 0-8032-6630-8, S. 185f.
  11. ↑ Peter Alter: Winston Churchill (1874–1965). Leben und Überleben. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-17-018786-3, S. 75. (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google Buchsuche)
  12. ↑ Alan Moorehead: Churchill, MĂŒnchen 1960, S. 49 f.
  13. ↑ Winston Churchill: The World Crisis. Band 4: The Aftermath (1918–1928). Butterworth, London 1929.
  14. ↑ History of the University www.bristol.ac.uk, 16. November 2008.
  15. ↑ Virginia Cowles: Churchill, Wien 1954
  16. ↑ Dietrich Aigner: Das Ringen um England. Das deutsch-britische VerhĂ€ltnis. Die öffentliche Meinung 1933–39, MĂŒnchen 1969, S. 154 f.
  17. ↑ Winston Churchill: The Truth about Hitler, in: „The Strand Magazin“, November 1935, S. 10 f.
  18. ↑ Klaus Larres: Churchill’s Cold War. The Politics of Personal Diplomacy, New Haven 2002, S. 31 f.
  19. ↑ Peter Alter: Winston Churchill (1874–1965). Leben und Überleben. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-17-018786-3, S. 117. (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google Buchsuche)
  20. ↑ Dietrich Aigner: Winston Churchill, in: Rolf K. Hocevar (Hrsg.): Die Epoche der Weltkriege, MĂŒnchen 1970.
  21. ↑ Manchester: Last Lion, Boston 1983
  22. ↑ Verminung der norwegischen KĂŒstengewĂ€sser
  23. ↑ britische Treibminen in deutschen BinnengewĂ€ssern
  24. ↑ Plan R 4 in engl. Wikipedia
  25. ↑ Alliierte Übermacht in Norwegen
  26. ↑ Operation Wilfred 5.–8. April 1940
  27. ↑ Zit. nach Sebastian Hafner, Churchill, Reinbek 1967, S. 120
  28. ↑ Zit. nach Sebastian Hafner, Churchill, Reinbek 1967, S. 123
  29. ↑ August 1940
  30. ↑ Zum Original-Wortlaut siehe: http://en.wikisource.org/wiki/We_shall_fight_on_the_beaches
  31. ↑ Zu den Überlegungen auf deutscher und britischer Seite nach der Niederlage Frankreichs siehe Gerhard L. Weinberg: „Eine Welt in Waffen“, Darmstadt 1995, S. 162-165 und S. 173
  32. ↑ Zit. nach Raymond Cartier, Der Zweite Weltkrieg, Band 1: 1939-1941, MĂŒnchen, ZĂŒrich 1982, S. 242
  33. ↑ Vgl. Alexander LĂŒdeke: Der Zweite Weltkrieg. Ursachen, Ausbruch, Verlauf, Folgen. Berlin 2007, ISBN 978-1-4054-8585-2, S. 69.
  34. ↑ Vgl. Ian Kershaw: Wendepunkte. SchlĂŒsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41. DVA, MĂŒnchen 2. Aufl. 2008, ISBN 978-3-421-05806-5, S. 75.
  35. ↑ League of Nations Archives: Chronology 1944
  36. ↑ Bob Fenton: The secret strategy to launch attack on Red Army, Daily Telegraph, Issue 1124, 1. Oktober 1998
  37. ↑ zitiert nach Sebastian Haffner: Winston Churchill, Reinbek 1967, S. 175; im gleichen Sinne auch: Henry Picker: Hitlers TischgesprĂ€che im FĂŒhrerhauptquartier, Stuttgart 1976, S. 128 (GesprĂ€ch vom 21. MĂ€rz 1942): „Es sei schade, dass man eines besoffenen Kerls (Churchills) wegen Krieg fĂŒhren mĂŒsse, anstatt Friedenswerken, so der Kunst, zu dienen.“; Hitlers Auffassung von Churchill als einem notorischen Trinker zeigt sich auch in dem von Krockow (Krockow: Churchill, S. 130) betonten, hĂ€ufigen Gebrauch der Wendung von Churchill als dem „WhiskysĂ€ufer von der Themse“, die auch von Joseph Goebbels aufgegriffen wurde.
  38. ↑ zitiert nach Robert Blake, Roger Louis (Hrsg.): Churchill. A major new Assessment of his Life in Peace and War. Oxford 1993
  39. ↑ David Lloyd George: Mein Anteil am Weltkrieg, 2 Bde., Berlin 1933/1934. Lord Birkenhead Ă€ußerte sich Ă€hnlich: “When Winston is right he is superb. When he's wrong, well, oh my God
”.
  40. ↑ Sebastian Haffner: Historische Variationen, darin Kapitel: Churchill. Ähnlich bei Klaus Jarres: Churchill's Cold War, 2002, S. 31, der einen Bericht Schlesingers ĂŒber den Churchill der 1930er zitierte: „By that time many of his countrymen generally regard him as unreliable, reactionary and reckless, a brilliant man who had thrown away what might have been a brilliant political career.“
  41. ↑ Knut Hagberg: Winston Churchill, Stockholm 1945, S. 182.
  42. ↑ Zit nach Hagberg (s.o.): „Well, I dare say we will stick to Churchill, who has made so many mistakes that he can't make any more and who is rather clever anyhow.“
  43. ↑ Cartoon im Evening Standard vom 14. Mai 1940. In dem Cartoon lĂ€sst Low die gesamte britische Bevölkerung symbolisch hinter Churchill treten, wĂ€hrend dieser seine Ärme hochkrempelt um die Herausforderungen des Krieges anzunehmen.
  44. ↑ Karikatur im Evening Standard vom 31. Juli 1945.
  45. ↑ Runfunkrede vom 30. MĂ€rz 1940. Im Original: “If we stopped fighting you would soon find out” (zitiert nach University of Aberdeen: Aberdeen University Review, 1958, S. 403).
  46. ↑ Werner Vogt: Winston Churchill. Mahnung, Hoffnung und Vision. 1938-1946. Das Churchill-Bild in der Berichterstattung und Kommentierung der Neuen ZĂŒrcher Zeitung und die unternehmensgeschichtlichen HintergrĂŒnde, ZĂŒrich 1996, S. 10.
  47. ↑ Alan Moorehead: Churchil', S. 126.
  48. ↑ Krockow: Churchill, S. 310
  49. ↑ Knut Hagberg: Winston Churchill, ZĂŒrich 1945, S. 215.
  50. ↑ Krockow: Churchill. Eine Biografie des 20. Jahrhunderts. Hamburg 1999, S. 8
  51. ↑ Haffner: Churchill, Reinbek bei Hamburg 1984.
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