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Wirtschaftsethik

Gegenstand der Wirtschaftsethik ist die Anwendung ethischer Prinzipien auf den Bereich wirtschaftlichen Handelns. Zentrale Werte sind dabei HumanitĂ€t, SolidaritĂ€t und Verantwortung.[1] Die Rechtfertigung wirtschaftsethischer Normen ergibt sich aus den Folgen wirtschaftlichen Handelns auf andere Menschen und die Umwelt. MaßstĂ€be hierfĂŒr sind soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Dabei ist es nicht Aufgabe der Wirtschaftsethik, Handlungsanweisungen auszuarbeiten. Ihre Funktion ist vielmehr die einer Orientierungshilfe fĂŒr aktuelle Debatten durch Reflexion, Methoden und kritische Analyse.[2] FĂŒr die Wirtschaftsethik bedarf es eines interdisziplinĂ€ren Diskurses, an dem Philosophen und Ökonomen, aber auch Sozialwissenschaftler und Theologen beteiligt sind. GrundsĂ€tzlich gibt es dabei eine praktische Ebene, auf der konkrete Fragestellungen geklĂ€rt und praktisches Verhalten beurteilt werden, sowie eine theoretische Ebene, auf der ökonomische Theorien ethisch beurteilt werden und diskutiert wird, welcher Zusammenhang zwischen Ethik und Wirtschaft besteht und wie dieser Zusammenhang gestaltet werden kann oder sollte. Eine weitere wichtige Unterscheidung ist die der Verantwortung des Einzelnen (Individualethik) und der Verantwortung von Unternehmen, Gruppen, VerbĂ€nden, der Politik oder der gesamten Gesellschaft (Institutionen- und Sozialethik). Wirtschaftsethik befasst sich damit, wie ökonomisch Handelnde moralische Fragen analysieren, bearbeiten und entscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Abgrenzung

Die Vielfalt der Theorien und Aussagen zur Wirtschaftsethik ist sehr groß, uneinheitlich und je nach Sicht auch gegensĂ€tzlich. Dies liegt am normativen Charakter wirtschaftsethischer Aussagen sowie an der Unterschiedlichkeit der jeweils zugrunde liegenden ethischen und ökonomischen Theorien. Hinzu kommt, dass der Gegenstand oder die Methoden der Wirtschaftsethik unterschiedlich aufgefasst werden. So ist sie abzugrenzen von der politischen Ökonomie, die sich mit dem Handeln des Staates unter ethischen Gesichtspunkten und den Funktionsprinzipien ganzer Volkswirtschaften befasst.

Im deutschsprachigen Raum unterscheidet man zwischen Wirtschaftsethik und Unternehmensethik, die sich speziell mit wirtschaftsethischen Fragen aus der Perspektive einzelner Unternehmen befasst. Dabei werden sowohl Fragen des VerhĂ€ltnisses zur Umwelt des Unternehmens (Markt, Kunden, Gesellschaft) als auch innerbetriebliche Fragen (Entlohnung, Umweltschutz, Mitbestimmung, Betriebsklima) behandelt. Im englischsprachigen Raum wird „Business Ethics“ seit lĂ€ngerem als Fach an Hochschulen gelehrt. Trotz großer Überschneidungen im Gegenstandsbereich liegt der Fokus der englischsprachigen Diskussion stĂ€rker auf anwendungsbezogenen und empirischen Fragestellungen.

Begriff

Die gemeinsame Abhandlung wirtschaftlicher und ethischer Fragen geht bis in die antike griechische Philosophie zurĂŒck und findet sich auch in den Ursprungstexten der verschiedenen Religionsgemeinschaften. Historisch erstmals verwendet wurde der Begriff der Wirtschaftsethik bei Ignaz Seipel im Jahr 1907 im Rahmen der katholischen Soziallehre.[3] Den Anstoß zu einer eigenstĂ€ndigen sozialwissenschaftlichen Disziplin gab Max Weber mit seinem umfangreichen Werk „Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen“[4] Weber verstand unter Wirtschaftsethik „die in den psychologischen und pragmatischen ZusammenhĂ€ngen der Religionen gegrĂŒndeten praktischen Antriebe zum Handeln.“ Er hob bereits die EigenstĂ€ndigkeit als Theoriebereich hervor: „Die Wirtschaftsethik ist keine einfache ‚Funktion’ der wirtschaftlichen Organisationsformen, ebenso wenig wie sie umgekehrt diese eindeutig aus sich heraus prĂ€gt.“[5]

Im Gegensatz zur allgemeinen Ethik bezieht sich die Wirtschaftsethik auf einen einzelnen, konkreten Lebensbereich, wenn dieser auch eine gewisse UnschĂ€rfe hat. Ethik wird dabei hĂ€ufig verstanden als Theorie der Moral, die ihrerseits die in der Praxis vorhandenen normativen Einstellungen und Handlungen bezeichnet. Wirtschaftsethik ist sowohl Teil der Sozialphilosophie als auch Teil der Wirtschaftsphilosophie. Methodisch unterscheidet man deskriptive Wirtschaftsethik, die sich mit den vorhanden moralischen PhĂ€nomenen und tatsĂ€chlichem Verhalten in der Wirtschaft auseinandersetzt, von der normativen Wirtschaftsethik, die sich mit prĂ€skriptiven Aussagen und deren Rechtfertigung inhaltlich befasst. Hier werden Fragen nach den MaßstĂ€ben guten Handelns, sozialer und globaler Gerechtigkeit, SolidaritĂ€t, SubsidiaritĂ€t, Anerkennung der Person und der MenschenwĂŒrde diskutiert. Davon noch einmal zu unterscheiden ist die metatheoretische Wirtschaftsethik, in der die Begrifflichkeiten wie RationalitĂ€t oder Nutzen, die Werturteilsfreiheit und die Logik der ArgumentationsansĂ€tze einschließlich der Frage, ob eine Wirtschaftsethik ĂŒberhaupt möglich ist, diskutiert werden.

In der Diskussion ĂŒber die Wirtschaftsethik haben sich drei VerstĂ€ndnisarten des Begriffs entwickelt:

  • Ethik der Wirtschaft als normative Bestimmung des wirtschaftlichen Systems
  • Ethik in der Wirtschaft als Bestimmung dessen, ob und wie ethische Normen durch die ökonomisch Handelnden anzuwenden sind
  • Ökonomie der Ethik als Anwendung ökonomischer Methoden auf den Bereich der Ethik

Je nach Untersuchungsgegenstand unterscheidet man weiterhin nach einer

  • Makroebene: Aussagen ĂŒber ethische Prinzipien in einer Gesellschaft und ganzer Wirtschaftssysteme zum Beispiel in Hinblick auf die Rolle des Eigentums oder öffentlicher GĂŒter, Markt- oder Planwirtschaft oder Fragen der Umverteilung durch Steuern und Abgaben
  • Mesoebene: Betrachtung von Unternehmen und einzelnen Institutionen wie Gewerkschaften und VerbĂ€nden und den indirekten Wirkungen bei kooperativem Handeln
  • Mikroebene: Untersuchung der Handlungen einzelner Individuen vor allem in Hinblick auf Verantwortlichkeiten

Grundfragen der Wirtschaftsethik

RationalitÀt

Als rational gilt eine Handlung, wenn man mit ihr ein bestimmtes Ziel nach eigener Überzeugung und auf der Grundlage einer in sich stimmigen (kohĂ€renten) Argumentation bestmöglich erreichen kann. Probleme des RationalitĂ€tsbegriffs liegen darin, dass unterschiedliche Werthaltungen, verschiedene, zum Teil gegenlĂ€ufige Ziele sowie voneinander abweichende Methoden schon fĂŒr einzelne Personen, vor allem aber fĂŒr Gruppen und gesellschaftliche Institutionen zu Konflikten fĂŒhren können, fĂŒr die es keine eindeutige Lösung gibt. Solche Zielkonflikte sind in der Fragestellung der Wirtschaftsethik aufgrund der GegenĂŒberstellung von Ethik einerseits und Ökonomie andererseits schon im Ansatz zugrunde gelegt.

Ökonomische RationalitĂ€t wird ĂŒblicherweise als reine Zweck-Mittel-RationalitĂ€t verstanden, die dem ökonomischen Prinzip folgt, wonach man mit vorhandenen Mitteln einen maximalen Nutzen erzielen oder eine bestimmtes Ziel mit minimalem Aufwand verwirklichen möchte. Die Konzentration auf eine rein instrumentelle RationalitĂ€t fĂŒhrt zu einem ethischen Egoismus, der andere Wertebenen (Gemeinschaft, SolidaritĂ€t, Freiheit und Gerechtigkeit) und Zielsysteme (Sinn des Lebens, Frieden, Religion) ausblendet. Ökonomen betonen zumeist, dass solche Betrachtungen lediglich als Modell zur Entwicklung ökonomischer Theorien dienten und damit keineswegs eine anthropologische Sicht vertreten werde.

Ein Ausklammern ethischer Prinzipien aus den unmittelbar auf den Markt gerichteten Handlungen wird hĂ€ufig mit dem Hinweis auf die „Gesetze des Marktes“ und auf SachzwĂ€nge, die fĂŒr das Überleben im Markt unausweichlich seien, begrĂŒndet. So vertraten Ludwig Erhard und Alfred MĂŒller-Armack, die MitbegrĂŒnder der Sozialen Marktwirtschaft, die These: „Wirtschaften an sich ist frei von moralischem Gehalt“.[6] Diesen Mechanismus hat bereits Max Weber plastisch beschrieben:

„Die heutige kapitalistische Wirtschaftsordnung ist ein ungeheurer Kosmos, in den der einzelne hineingeboren wird und der fĂŒr ihn, wenigstens als einzelnen, als faktisch unabĂ€nderliches GehĂ€use, in dem er zu leben hat, gegeben ist. Er zwingt den einzelnen, soweit er in den Zusammenhang des Marktes verflochten ist, die Normen seines wirtschaftlichen Handelns auf. Der Fabrikant, welcher diesen Normen dauernd entgegenhandelt, wird ökonomisch ebenso unfehlbar eliminiert, wie der Arbeiter, der sich ihnen nicht anpassen kann oder will, als Arbeitsloser auf die Straße gesetzt wird.“[7]

Kritiker halten dagegen, dass derartige Modelle wie das des Homo oeconomicus keine ausreichenden ErklĂ€rungsmöglichkeiten fĂŒr wirtschaftliches Handeln böten, da dieses wesentlich durch Werte und soziale Normen mitbestimmt sei. Zudem vernachlĂ€ssigten Theorien, die allein auf ökonomischer RationalitĂ€t beruhen, negative Nebenwirkungen derart bestimmter Handlungen auf andere Lebensbereiche wie die Umwelt oder gesellschaftliche Strukturen.[8] Carl Amery stellte die Ökonomisierung aller Lebensbereiche durch die Erhebung des Kapitalismus zur Ersatzreligion fest. Dies fĂŒhre zu einem „alles durchdringenden Ökonomismus, der nur noch gelten lĂ€sst und nur noch hervorbringt, was sich rechnet, und alles verhindert und zerstört, was sich nicht rechnet“.[9]

Werte und Wissenschaft

In der Geschichte der ökonomischen Theorien wurde die Frage, ob und inwieweit Werte im Rahmen der Theoriebildung eine Rolle spielen (sollten), mehrfach kontrovers diskutiert.

Besonders bekannt geworden ist der Methodenstreit der Nationalökonomie, in dem es darum ging, ob fĂŒr die ökonomische Theoriebildung eine historische Analyse Voraussetzung ist, aus der erst Systematiken und GesetzmĂ€ĂŸigkeiten induktiv abgeleitet werden können. Diese Position vertrat vor allem Gustav von Schmoller, der fĂŒhrende Vertreter der jĂŒngeren historischen Schule der Nationalökonomie, der zugleich ein steuerndes Eingreifen des Staates in das Wirtschaftsgeschehen befĂŒrwortete. Auf der anderen Seite standen Carl Menger und weitere Vertreter der sich im Zuge der Debatte herausbildenden Österreichischen Schule, die die Auffassung vertraten, dass es fĂŒr den Bereich der Wirtschaft durch Analyse des individuellen menschlichen Handelns möglich ist, ohne historische BezĂŒge deduktiv allgemeingĂŒltige und unverĂ€nderliche Marktgesetze herzuleiten. Verbunden mit dieser Sicht war die Forderung nach freien, vom Staat möglichst unbeeinflussten MĂ€rkten.

Schon Friedrich Nietzsche hatte in seiner Schrift Vom Nutzen und Nachteil der Historie fĂŒr das Leben auf die möglichen Auswirkungen einer VerĂ€nderung von Werten hingewiesen:

„[
] so soll es Niemanden Wunder nehmen, wenn das Volk am egoistischen Kleinen und Elenden, an Verknöcherung und Selbstsucht zugrunde geht, zuerst nĂ€mlich auseinanderfĂ€llt und aufhört Volk zu sein: an dessen Stelle dann vielleicht Systeme von Einzelegoismen, VerbrĂŒderungen zum Zweck raubsĂŒchtiger Ausbeutung der Nicht-BrĂŒder und Ă€hnliche Schöpfungen utilitaristischer Gemeinheit auf dem Schauplatz der Zukunft auftreten werden.“[10]

Schmoller hingegen trat fĂŒr eine Verbesserung der sozialen Lage ein, gehörte zu den MitbegrĂŒndern des Vereins fĂŒr Socialpolitik und zu den Kathedersozialisten, die die preußischen Sozialreformen maßgeblich beeinflussten. Nach seiner Vorstellung muss Wissenschaft auch Aussagen darĂŒber machen, auf welche Weise gesellschaftliche Werte befördert werden können, damit sich Parteien und Klassen annĂ€hern, um Revolutionen zu vermeiden.[11]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es dann innerhalb des Vereins fĂŒr Socialpolitik zur zweiten bekannten Kontroverse, dem Werturteilsstreit. Vor allem Max Weber und Werner Sombart kritisierten die Position Schmollers. Nach ihrer Auffassung sind Werte (Ziele) und die Ergebnisse der empirischen Forschung klar zu trennen. Aufgabe der Erfahrungswissenschaften ist es, Sachverhalte aufzuzeigen und auf deren Konsequenzen hinzuweisen, niemals aber „bindende Normen und Ideale zu ermitteln, um daraus fĂŒr die Praxis Rezepte ableiten zu können.“[12] Die Festlegung der Ziele ist Aufgabe der Politik.

Eine erneute, Ă€hnliche Kontroverse fand im Positivismusstreit zwischen Vertretern des kritischen Rationalismus und der Frankfurter Schule in den 1960er Jahren statt. Dabei ging es vor allem um die ObjektivitĂ€t elementarer Beobachtungsdaten einerseits und die wissenschaftliche Notwendigkeit, die Gesellschaft als TotalitĂ€t zu erfassen, andererseits. Dass wissenschaftliche Theorien notwendig Werturteile enthalten, war fĂŒr beide Seiten kein Streitpunkt.

Das VerhĂ€ltnis von Ethik und Ökonomie

Viele wirtschaftsethische Positionen hĂ€ngen davon ab, wie sie das VerhĂ€ltnis von Ethik und Ökonomie bestimmen. Beides sind Theorien vom menschlichen Handeln. In der Ethik steht die Frage nach dem Sinn und nach einem guten Leben sowie den richtigen Beziehungen der Menschen im Vordergrund. Die Ökonomie setzt vor allem auf eine bestmögliche ErfĂŒllung des Eigennutzes und stellt das VerhĂ€ltnis von individuellem Nutzen den entsprechenden Kosten gegenĂŒber. Hieraus ergeben sich regelmĂ€ĂŸig Zielkonflikte. Das zu lösende Problem beinhaltet die Frage, ob die ethischen Ziele oder die ökonomischen Ziele einen Vorrang besitzen. Annemarie Pieper unterscheidet drei Positionen, die zur Bewertung des VerhĂ€ltnisses von moralischen und wirtschaftlichen Handlungen eingenommen werden können:[13]

„(1) MoralitĂ€t und Wirtschaftlichkeit sind zwei Aspekte ein und derselben Handlungsstruktur.
(2) Moralische Handlungen und wirtschaftliche Handlungen bilden zwei voneinander getrennte, selbstÀndige Klassen von Handlungen, die unabhÀngig voneinander untersucht werden können.
(3) Wirtschaftliche Handlungen bilden eine eigene Klasse von Handlungen, die aber gleichwohl dem Prinzip der MoralitĂ€t verpflichtet sind.“[14]

Als Theorie des Typus (1) betrachtet Pieper zum einen Aristoteles, fĂŒr den jede Handlung vorrangig unter dem Prinzip eines gelingenden Lebens und der Orientierung an Tugenden als dem höchsten Gut des Menschen steht (Nikomachische Ethik, I, 6). Praxis bedeutete fĂŒr Aristoteles die Einheit von Ethik, Politik und Ökonomie. Reines Streben nach Reichtum sah er als widernatĂŒrlich an (Politik, I, 9). Ähnlich gilt fĂŒr den Utilitarismus, dass jede Handlung einen Aspekt des Nutzens und damit eine moralische Wirkung in sich trĂ€gt. Pieper zitiert Mill: „Die Auffassung, fĂŒr die die NĂŒtzlichkeit oder das Prinzip des grĂ¶ĂŸten GlĂŒcks die Grundlage der Moral ist, besagt, dass Handlungen insoweit und in dem Maße moralisch sind, als sie die Tendenz haben, GlĂŒck zu befördern.“[15] WĂ€hrend bei Aristoteles Ethik und Ökonomik zwei Perspektiven auf eine Handlung bieten, sind sie fĂŒr den Utilitaristen im Maßstab des Nutzens vereint. Der ethische und der ökonomische Wert einer Handlung sind identisch.

Dem zweiten Typus sortiert Pieper die Physiokraten zu, die eine eigene von der Moral unabhÀngige Kreislauftheorie der Wirtschaft entwickelt haben. Ebenso rechnet sie Adam Smith dieser Kategorie zu, da der Markt bei ihm ein selbstregulierendes System bildet, auch wenn dieses einen Rahmen durch die Regierung erhalten muss. Sympathie und Moral bestimmen bei Smith nach Auffassung von Pieper eine eigene Klasse von Handlungen. Auch die ökonomische Theorie von Marx und Friedrich Engels ist nach Pieper diesem Typus zuzuordnen. Deren Werttheorie, die Kritik der Entfremdung, des Eigentums und der HerrschaftsverhÀltnisse basiert nicht auf einer moralischen Theorie, sondern die ökonomische Entwicklung wird als notwendiger, dialektischer Prozess in der Geschichte gedacht.

Als dritten Typ beschreibt Pieper schließlich die Prinzipienethik, die sich von Kant herleitet und ihren Niederschlag zum Beispiel in der Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls oder in der Diskursethik (Apel/Habermas) gefunden hat.

Fast alle denkbaren Antworten zum VerhĂ€ltnis von Ethik und Ökonomie sind auch in den neueren wirtschaftsethischen Konzepten zu finden, die im Folgenden thesenartig und verkĂŒrzt angesprochen werden[16]:

  • Ökonomie ist ein System mit eigenen SachzwĂ€ngen, bei dem ethisches Handeln zu Nachteilen fĂŒhrt. Ethik ist ein eigenstĂ€ndiger Diskurs, der sich in den Rahmenbedingungen auswirken muss. (Karl Homann[17])
  • Ethik dient der Horizonterweiterung und Funktionsoptimierung der Ökonomie. Ethik ist auf die Rahmenordnung und die Individualethik begrenzt. (Bruno Molitor[18])
  • Ökonomie und Ethik sind eigenstĂ€ndige Bereiche, die ihre Konflikte kooperativ in einem Dialog lösen mĂŒssen. Die Verbesserung der Moral erfolgt durch eine StĂ€rkung der Tugenden. (Horst Steinmann[19])
  • Ökonomie und Ethik sind sich wechselseitig durchdringende und korrigierende Systeme. Es bedarf der Ethik, um Marktversagen zu korrigieren. Andererseits beeinflusst ökonomisches Wissen ethische Positionen. (Peter Koslowski[20])
  • Zwischen Ökonomie und Ethik besteht eine unauflösbare Spannung, die nur durch angemessene Anreizsysteme ausgeglichen werden kann. (Josef Wieland[21])
  • Ethik gibt der Ökonomie die Forderung nach Chancengerechtigkeit vor. Ethische Forderungen mĂŒssen aber auch die ökonomischen Konsequenzen beachten. (Amartya Sen[22])
  • Wirtschaft ist nur ein Teilbereich des gesamten Lebens und daher den höherrangigen Werten der Ethik untergeordnet. Ethik muss aber die elementaren wirtschaftlichen Notwendigkeiten in Rechnung stellen. (Oswald von Nell-Breuning[23])
  • Ökonomie muss einem humanen Leitbild der Ethik folgen. Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft ist der Mensch[24]. Das Gemeinwohl ist gegenĂŒber den Sonderinteressen Einzelner vorrangig. (Joseph Höffner[25])
  • Ethik ist der Ökonomie vorgelagert und dient der Begrenzung des ökonomischen RationalitĂ€tsprinzips. Probleme, die sich aus der Ökonomie ergeben, sind durch Diskurs zu lösen. (Peter Ulrich[26])
  • Ökonomie ist ein Teilgebiet der Ethik und hat sich der umfassenderen Handlungs- und GĂŒtertheorie der Ethik unterzuordnen. Die Anwendung ökonomischer Prinzipien wie der Nutzenmaximierung ist nur im Rahmen ethischer Zielsetzungen zulĂ€ssig. (Eilert Herms[27])

Joseph Ratzinger verweist darauf, dass in der Diskussion um die Wirtschaftsethik hĂ€ufig Vertreter zu finden sind, die entweder aus dem Bereich der Philosophie stammen oder den Wirtschaftswissenschaften angehören. Dabei kommt es oft zu MissverstĂ€ndnissen, weil die fachlichen Kenntnisse des jeweils anderen Bereiches nicht ausreichend sind. „Eine Moral, die dabei die Sachkenntnis der Wirtschaftsgesetze ĂŒberspringen zu können meint, ist nicht Moral, sondern Moralismus, also das Gegenteil von Moral“[28].

Niklas Luhmann war skeptisch, ob ĂŒberhaupt eine Wirtschaftsethik aus wissenschaftstheoretischer Sicht begrĂŒndbar ist. Er merkte ironisiernd an:

„Die Sache hat einen Namen: Wirtschaftsethik. Und ein Geheimnis, nĂ€mlich ihre Regeln. Aber meine Vermutung ist, dass sie zu der Sorte von Erscheinungen gehört wie auch die StaatsrĂ€son oder die englische KĂŒche, die in der Form eines Geheimnisses auftreten, weil sie geheim halten mĂŒssen, dass sie gar nicht existieren.”[29]

Themenfelder der Wirtschaftsethik

Die in der Praxis von einer Wirtschaftsethik inhaltlich zu beurteilenden Fragen weisen eine ungeheure Vielfalt auf. Die Themen betreffen unter anderem Armut, Hunger und Durst, Kindersterblichkeit, Verletzung der Menschenrechte, Bevölkerungswachstum, Arbeitslosigkeit, Seuchen, Migration und Vertreibung, Umweltzerstörung, Klimawandel, Energiemangel, Korruption, Kinderarbeit, Prostitution, Tierschutz (Robbenjagd, Überfischung, Elfenbein), Drogenanbau und -konsum, Kriege (auch von Warlords), organisierte KriminalitĂ€t, Fundamentalismus, Terrorismus. Im Folgenden können nur einige Themenfelder von grundlegender Bedeutung nĂ€her angesprochen werden.

Selbstverantwortung in Sozial- und Wohlfahrtsstaat

Sozialstaat

In Deutschland ist das Prinzip des Sozialstaates im Grundgesetz festgelegt: „Die verfassungsmĂ€ĂŸige Ordnung in den LĂ€ndern muss den GrundsĂ€tzen des republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Sinne dieses Grundgesetzes entsprechen.“ (Artikel 28 Absatz 1 Satz 1 GG). Unter Sozialstaat versteht man die Gesamtheit staatlicher Einrichtungen, Steuerungsmaßnahmen und Normen, um das Ziel zu erreichen, Lebensrisiken und negative soziale Folgewirkungen abzufedern.[30] Mit dieser Bestimmung ist allerdings eine inhaltliche Ausgestaltung noch offen. HĂ€ufig wird Sozialstaat mit Wohlfahrtsstaat gleichgesetzt. FĂŒr die Ausgestaltung der wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse einer Gesellschaft besteht aber materiell ein wesentlicher Unterschied in den Begriffen. WĂ€hrend der Sozialstaat sicherstellen soll, dass den Menschen in Notlagen, denen sie aus eigener Kraft nicht mehr gewachsen sind, Hilfe geleistet wird, beinhaltet der Wohlfahrtsstaat Leistungen, die das soziale, materielle und kulturelle Wohlergehen der BĂŒrger aktiv befördert. Beim Begriff des Sozialstaates geht man grundsĂ€tzlich von der Selbstverantwortung des BĂŒrgers aus. Der Staat greift nur ein, wenn der BĂŒrger seine Selbstverantwortung nicht mehr in ausreichendem Maß wahrnehmen kann (SubsidiaritĂ€t).

Wohlfahrtsstaat

Im Wohlfahrtsstaat wird ein Teil des Bereiches der Selbstverantwortung durch FĂŒrsorgemaßnahmen des Staates ersetzt. Der aktive Eingriff des Staates in das Leben der BĂŒrger ist auch unter ethischen Gesichtspunkten umstritten.[31] Wilhelm Röpke, einer der „VĂ€ter der Sozialen Marktwirtschaft“, betrachtete den Wohlfahrtsstaat als eine Fortsetzung des (damaligen) Sozialismus mit anderen Mitteln: „Der Wohlfahrtsstaat von heute ist nicht ein bloßer Ausbau der alten Einrichtungen der Sozialversicherung und SozialfĂŒrsorge, wie sie etwa in Deutschland durch Bismarck geschaffen worden waren. Er ist inzwischen in immer mehr LĂ€ndern zu einem Instrument der sozialen Revolution geworden, deren Ziel die möglichst vollkommene Gleichheit der Einkommen und Vermögen [...] ist.“[32] Und auch Ludwig Erhard warnte: „Dieser Drang und Hang ist mehr als alles andere geeignet, die echten menschlichen Tugenden: Verantwortungsfreudigkeit, NĂ€chsten- und Menschenliebe, das Verlangen nach BewĂ€hrung, die Bereitschaft zur Selbstvorsorge und noch vieles Gute mehr allmĂ€hlich aber sicher absterben zu lassen – und am Ende steht vielleicht nicht die klassenlose, wohl aber die seelenlos mechanisierte Gesellschaft.“[33]

Wirtschaftsordnung

Wirtschaftsordnungen werden politisch bestimmt. „Die Frage der Wirtschaftsordnung steht in unlösbarem Zusammenhange mit der politischen und Gesamtlebensordnung, die wir erstreben. Es gilt heute Klarheit darĂŒber zu gewinnen, wie wenig es möglich ist, die Ideale menschlicher Freiheit und persönlicher WĂŒrde zu verwirklichen, sofern die wirtschaftliche Ordnung, die wir wĂ€hlten, dem widerspricht.”[34] Das Spektrum der Varianten reicht nach dem Freiburger Ordoliberalimus von der reinen Zentralverwaltungswirtschaft bis hin zur reinen Marktwirtschaft[35][36]. Aus wirtschaftsethischer Perspektive wird dabei diskutiert, inwieweit die verschiedenen AusprĂ€gungen zum Wohl der Menschen beitragen und die Soziale Gerechtigkeit unterstĂŒtzen. Unterschiedliche Bewertung findet die Rolle eines "aktiven Staates" im Wirtschaftsprozess. Wilhelm Röpke warnt vor staatlichen Eingriffen: „Die immense Gefahr dieses kranken Pluralismus besteht also darin, dass die Interessengruppen den Staat begehrend umlagern – als die modernen Freier der Penelope. Je weiter die Grenzen der Kompetenz des Staates gezogen werden und je grĂ¶ĂŸer seine Macht ist, umso interessanter wird er als Objekt dieses Begehrens.“[37] Dagegen steht die These: „Je stĂ€rker ein Sozialstaat den wirtschaftlichen Austausch reguliert, je mehr sozialrechtliche Gesetze er erlĂ€sst und je intensiver er die Einkommen umverteilt, desto eher ist es sozial und wirtschaftlich benachteiligten Personen möglich, frei von der notdĂŒrftigen UnterstĂŒtzung anderer Privatpersonen und der stĂ€ndigen Angst vor dem sozialen Abstieg das eigene Leben bis zu einem gewissen Ausmaß selbstbestimmt gestalten zu können.“[38] FĂŒr Ludwig Erhard war die Marktwirtschaft sozial, weil die BĂŒrger nicht auf Zuweisungen des Staates, auf das Wohlwollen von Parteien, auf die Bevormundung durch Organisationen oder auf die fĂŒrsorgende Einvernahme von Volksgemeinschaften angewiesen sind[39]. Oskar Lafontaine hingegen begrĂŒndet wohlfahrtsstaatliche Maßnahmen mit der Folge von Einkommensunterschieden: „Je grĂ¶ĂŸer die Unterschiede bei Einkommen und Vermögen sind, umso grĂ¶ĂŸer ist die Zahl derjenigen, deren soziale Lage sie nicht zu einem freien und selbstbestimmten Leben befĂ€higt.“[40] Unter dem Stichwort Wohlfahrtskapitalismus wird diskutiert, inwieweit auch einzelne Unternehmen direkt zur sozialen Gerechtigkeit beitragen sollten.

Eigentum

Nach Thomas von Aquin ist Eigentum nicht durch Naturrecht zu begrĂŒnden: „Alles, was gegen das Naturrecht ist, ist unerlaubt. Nach dem Naturrecht aber sind alle Dinge Gemeinbesitz; dieser Gemeinsamkeit aber widerspricht der Eigenbesitz. Also ist es dem Menschen nicht erlaubt, sich eine Ă€ußere Sache anzueignen.“ (II/II, q. 66, a. 2, 1.)[41] Eigentum ist aber dennoch zulĂ€ssig und zwar aus dem Vernunftrecht heraus: „Deshalb ist der Eigenbesitz nicht gegen das Naturrecht, sondern wird dem Naturrecht hinzugefĂŒgt auf Grund der Findung durch die menschliche Vernunft.“ (II/II, q. 66, a. 2, ad 1.) Thomas nennt drei VernunftgrĂŒnde fĂŒr das Eigentum: Zum einen fĂŒhrt Eigentum zu einer höheren Sorgfalt gegenĂŒber den Sachen. Zum zweiten regelt Eigentum eindeutig die ZustĂ€ndigkeiten. Und schließlich gewĂ€hrleistet eine Eigentumsordnung Rechtssicherheit. Da Eigentum dem Naturrecht nach göttlich ist, ist das irdische Eigentum dem Gemeinwohl verpflichtet und es besteht eine strenge Pflicht zum Geben von Almosen.

Nach John Locke entsteht Eigentum einerseits durch ursprĂŒngliche Aneignung von Grund und Boden sowie des Wertes der eignen Arbeit andererseits. Eigentum hat eine grundlegende Funktion fĂŒr die Staatsbildung: „Das große und hauptsĂ€chliche Ziel also, um dessen willen Menschen sich zu einem Staatswesen vereinigen und sich unter eine Regierung stellen, ist die Erhaltung des Eigentums.“[42]

Eine Ă€hnliche Bewertung findet sich in der französischen Revolution: „Da das Eigentum ein unverletzliches und heiliges Recht ist, kann es niemandem entzogen werden, es sei denn, dass dies die gesetzlich festgelegte öffentliche Notwendigkeit offensichtlich fordert, und dass eine gerechte und vorherige EntschĂ€digung geleistet wird.“ (Artikel 17 der ErklĂ€rung der Menschen- und BĂŒrgerrechte).

FĂŒr den FrĂŒhsozialisten Pierre Joseph Proudhon hingegen galt: „Eigentum ist Diebstahl“. Eigentum war fĂŒr Marx und Engels Ursache der Entfremdung und der Ausbeutung des Arbeiters: „Das Kapital hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen HĂ€nden konzentriert. Die Arbeiter, die sich stĂŒckweise verkaufen mĂŒssen, sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel und daher gleichmĂ€ĂŸig allen WechselfĂ€llen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt.“[43] Sie sahen daher im Kommunismus vor allem ein Projekt zur „Aufhebung des Privateigentums“[44]

Die katholische Soziallehre schließt an Thomas von Aquin an und fasst das Eigentum als notwendigen Faktor zur Verwirklichung der individuellen Freiheit auf. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde festgestellt, dass das Privateigentum - auch an den Produktionsmitteln - zur „Selbstdarstellung der Person“ beitrĂ€gt und „den unbedingt nötigen Raum fĂŒr eigenverantwortliche Gestaltung des persönlichen Lebens jedes einzelnen und seiner Familie“ schafft; das Recht auf Eigentum mĂŒsse gleichsam „als eine Art VerlĂ€ngerung der menschlichen Freiheit“ betrachtet werden (Gaudium et spes, Nr. 71)

Bewertung von Arbeit

Bei der Verteilungsgerechtigkeit geht es darum, ob die begrĂŒndeten AnsprĂŒche auf Einkommen und Vermögen in einer Gruppe von Menschen (einem Unternehmen, einem Staat, global) so geregelt sind, dass die Beteiligten von einem neutralen Standpunkt aus zustimmen können. Es wird als ungerecht empfunden, wenn jemand einer VollbeschĂ€ftigung nachgeht und der dabei erzielte Lohn nicht das Existenzminimum erreicht, so dass derjenige auf öffentliche UnterstĂŒtzung angewiesen ist (Kombilohn). Es wird ebenfalls als ungerecht empfunden, wenn ein Manager eines Unternehmens ein Einkommen von mehr als dem 100fachen eines normalen Arbeiters hat. Kritikern hieran wird vorgeworfen, sie fĂŒhrten eine „Neid-Debatte“. Diese Extreme kennzeichnen die gesellschaftliche Diskussion um die Themenbereiche Gerechter Lohn, Mindestlohn oder Bedingungsloses Grundeinkommen. „Die Ungleichheit der Einkommen fĂŒhrt dahin, dass die Produktion von Luxusprodukten bereits erfolgt, wenn dringende BedĂŒrfnisse von Haushalten mit geringem Einkommen noch Befriedigung verlangen. Hier also bedarf die Verteilung, die sich in der Wettbewerbsordnung vollzieht, der Korrektur“[45] In den modernen Industriegesellschaften haben sich als klassische Korrektursysteme die Sozialversicherungen, ein progressives Steuersystem sowie verschiedene Formen der direkten UnterstĂŒtzung (Kindergeld, Sozialgeld) entwickelt. RegelmĂ€ĂŸig besteht politische Uneinigkeit ĂŒber Höhe und Ausmaß der Umverteilung. In der empirischen Gerechtigkeitsforschung wird eine zunehmende Unzufriedenheit mit den bestehenden Einkommen konstatiert.[46] Thema der Wirtschaftsethik ist der Maßstab einer angemessenen Entlohnung und wer diese festlegt. „Die Entscheidung ĂŒber die Lohnprinzipien ist eine Werteentscheidung. Wichtiger als die absolute Lohnhöhe erscheint die Nachvollziehbarkeit und Fairness des Lohnermittlungsverfahrens und die Offenlegung der zugrunde gelegten Gerechtigkeitsaspekte“[47] Schlagworte fĂŒr ein gerechtes Einkommen sind einerseits „Gleicher Lohn fĂŒr gleiche Arbeit“ (keine Diskriminierungen) oder andererseits „Leistung muss sich lohnen“. Aber auch die Frage der „BedĂŒrfnisse“ spielt eine wesentliche Rolle. Ob ein Einkommen als ausreichend angesehen wird, hĂ€ngt hĂ€ufig vom Familienstand und der Anzahl der Kinder ab. Dieser Faktor wird aber in den Entlohnungssystemen der freien Wirtschaft ĂŒblicherweise nicht, bestenfalls indirekt berĂŒcksichtigt. Im öffentlichen Dienst gibt es hingegen fĂŒr Kinder Zulagensysteme. Unter Hinweis auf Ergebnisse aus der Gerechtigkeitsforschung kommt Stephan Panter zu dem Schluss: „Der Markt ist eine gute Institution, um den Kuchen zu vergrĂ¶ĂŸern, er ist aber ungeeignet uns ĂŒber Verteilungsgerechtigkeit „abstimmen“ zu lassen und sie dann auch zu realisieren.“[48] Kriterien können Gleichheit, Leistung, Ausbildung, Berufserfahrung, das Alter oder der Markt sein.[49] Adam Smith nennt fĂŒnf BestimmungsgrĂŒnde fĂŒr die Höhe eines Arbeitsentgeltes:[50]

  1. Arbeitsbedingungen (schwer, schmutzig, gefÀhrlich)
  2. Qualifikation
  3. SaisonabhÀngigkeit
  4. Vertraulichkeit
  5. Karrierechancen

Im Falle von Marktanomalien hielt Walter Eucken Mindestlöhne fĂŒr gerechtfertigt[51]: „Wenn trotzdem antikonjunkturelle PhĂ€nomene auf einem Arbeitsmarkt der Wettbewerbsordnung nachhaltig auftreten sollten, wĂŒrde die Festsetzung von Minimallöhnen akut werden“[52] Dieses Problem wird nach seiner EinschĂ€tzung „allerdings in der Wettbewerbsordnung schon durch die Anwendung der dargestellten Prinzipien wesentlich abgeschwĂ€cht und in vielen FĂ€llen gelöst.“[51] In der modernen politischen Philosophie finden sich die Extrema im Liberalismus, der eine Umverteilung weitgehend ablehnt, und im Egalitarismus, fĂŒr den eine möglichst weitgehende Gleichverteilung als Ausdruck von Gerechtigkeit anzustreben ist.

Einbeziehung der Umwelt

Wirtschaftliches Handeln hat immer auch Auswirkungen auf die Umwelt. Der Verbrauch von Ressourcen, die Erzeugung von Emissionen, Fragen der Tierhaltung in der Landwirtschaft, Kernenergie oder Gentechnik sind Gegenstand wirtschaftlichen Handelns und zugleich grundsÀtzliche Themen ethischer Bewertung. Die Diskussionen verweisen dabei auf Chancen (Umweltnutzen) und Risiken (Umweltbelastungen), die mit neuartigen Technologien verbunden sind. Eine eindringliche Warnung stammt von dem polnischen Schriftsteller Stanislaw Lem:

„Wir sind wie Kinder in einer Wohnung, mit Brennstoffen und ZĂŒndern ausgerĂŒstet und von ihren Betreuern verlassen. Die Biotechnik wird sich weiterentwickeln, ungeachtet aller WiderstĂ€nde. Gesetzgeberische Maßnahmen, die solchen ‚Fortschritt‘ hemmen, werden ohnehin nur in den zivilisierten LĂ€ndern greifen. Es werden heftige KĂ€mpfe um die Patentierung des menschlichen und nichtmenschlichen Genoms ausgefochten. Die ZĂŒchtung von Menschenersatzteilen – Nieren, Herzen, Muskeln, Gliedmaßen, Lebern – schreitet fort. Die von kirchlichen WĂŒrdentrĂ€gern hochgehaltene “WĂŒrde des Menschen” wird dabei biotechnologisch allmĂ€hlich ĂŒberfahren. Statt dessen wird es viele MonstrositĂ€ten geben, transgene Horrorwesen. Um mit einer Metapher zu sprechen: Der schreckliche, demiurgische Geist wird sich in keiner legislativ entworfenen “Flasche” verschließen lassen.“[53]

Die Kritik des Fortschrittsglaubens hatte einen wesentlichen Impuls in der Studie ĂŒber die Grenzen des Wachstums des Club of Rome. Die Empörung ĂŒber die Nichtbeachtung der ökologischen Folgen wirtschaftlichen Handelns hat mit entsprechenden UmweltverbĂ€nden und Parteien zu einer VerĂ€nderung der politischen Landschaft insbesondere in Europa gefĂŒhrt. Die Frage der ZukunftsfĂ€higkeit der menschlichen Gesellschaft unter Stichwörtern wie Klimakatastrophe, Artenvielfalt, Peak Oil, Ozonloch, Waldsterben etc. ist offen. Pessimistischen EinschĂ€tzungen steht die Überzeugung der Beherrschbarkeit durch technologische Innovationen gegenĂŒber.

Umweltkatastrophen wie Bhopal, Brent Spar, Amoco Cadiz und Tschernobyl haben die öffentliche Wahrnehmung und die UnterstĂŒtzung des Anliegens der Umweltbewegung deutlich verstĂ€rkt. Schrittweise hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass nachhaltiges Wirtschaften ein ethisch erstrebenswertes Ziel ist, das zunehmend zum mitgeltenden Maßstab ökonomischer Entscheidungen wird.

Ein neuer Impuls fĂŒr die umweltethische Bewertung wirtschaftlichen Handelns entstand durch die Idee der Umweltgerechtigkeit, die ihre Quellen insbesondere in der Environmental Justice-Bewegung in den USA hat. UrsprĂŒnglich ging es darum, dass unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen regional und sozial unterschiedlich mit Umweltverschmutzungen belastet wurden. Daraus folgte im zweiten Schritt die Forderung, dass alle Betroffenen bei umweltrelevanten Entscheidungen auch an diesen teilhaben sollen.[54]

Unternehmensethik

Die Unternehmensethik ist ein eigenstĂ€ndiger Bereich der Wirtschaftsethik, der sich mit der Frage, welchen moralischen Wertvorstellungen Unternehmen genĂŒgen sollten, befasst. Dabei gibt es zum einen die Perspektive der Beziehungen des Unternehmens zur Gesellschaft. Hier stehen Fragen nach dem Beitrag der Produkte zum Gemeinwohl (kritisch z.B. Kernenergie, Waffen, ökologisch bedenkliche Produkte), der Umweltbelastung durch die Produktion, der Fairness gegenĂŒber den Sozialpartnern (Shareholder Value versus Stakeholder Value) oder die Rolle im Rahmen der Globalisierung im Vordergrund. Zum anderen wird auch ein ethisches Verhalten innerhalb des Unternehmens gefordert in Hinblick auf die FĂŒhrungsprinzipien, Zulassung von Mitbestimmung, Zahlung fairer Löhne, menschenwĂŒrdige Arbeitsbedingungen etc.

Der Anspruch der Gesellschaft an ein Unternehmen folgt dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns. Dabei wird deutlich neben der LegalitĂ€t auch die LegitimitĂ€t, also neben der Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen auch eine angemessene BerĂŒcksichtigung moralischer Normen gefordert. Subunternehmer mit Billiglöhnen, Wucher, Bilanzmanipulationen, Massenentlassungen, Werksverlagerungen ins Ausland fĂŒhren zu Protesten und zu Imageverlusten. Selbst erfolgreiche Wachstumsentwicklungen mit hohen Gewinnen werden als Übervorteilung der Sozialpartner kritisiert, wenn nicht auf diese in besonderem Maße RĂŒcksicht genommen wird. Besonders in der Kritik stehen Investmentgesellschaften, die Firmen erwerben, um kurzfristig Ergebnisse hochzutreiben und durch AusschĂŒttungen von Substanz ĂŒberdurchschnittliche Gewinne zu erzielen (Heuschreckendebatte), aber auch Kapitalanlagegesellschaften, deren Bezug zur Realwirtschaft kaum noch gegeben ist. Heinrich Pesch stellte schon 1918 fest: „Und stillt etwa der in der Hand einzelner sich hĂ€ufende Reichtum die Begierde? Die Menschen werden, je mehr sie erworben haben, immer habgieriger, immer rĂŒcksichtsloser, immer skrupelloser“.[55] Viele Unternehmen versuchen dem entgegenzuwirken und haben Programme zur gesellschaftlichen Verantwortung (Corporate Social Responsibility) oder als aktive Mitglieder der Zivilgesellschaft (Corporate Citizenship) in ihre Organisation aufgenommen. Eine solche Haltung wird unter anderem von den Vereinten Nationen mit dem Programm Global Compact aktiv gefördert.

Konsumentenethik

In den letzten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts ist das Bewusstsein immer mehr gewachsen, dass der Konsument durch sein Verbraucherverhalten Einfluss auf die Wirtschaft und auf die von dieser realisierten Werte nehmen kann. Eine frĂŒhe Aktion entstand in der Anti-Apartheid-Bewegung mit einem von den Apartheidsgegnern angeregten FrĂŒchteboykott. Mit dem gleichen VerstĂ€ndnis wurden Eine-Welt-LĂ€den gegrĂŒndet, die sich durch den Verkauf von Waren aus EntwicklungslĂ€ndern gegen Ausbeutung in der Handelskette und fĂŒr faire Preise der Hersteller einsetzen. Hieraus ist eine breite Bewegung des Fair Trade entstanden. Ebenfalls ethisch motiviert sind die Hersteller von Bioprodukten im Bereich der Landwirtschaft, die trotz höherer Preise zunehmend Marktanteile gewinnen, weil die KĂ€ufer in ihrem Verhalten einen Beitrag zur Nachhaltigkeit sehen. Weitere Themen in diesem Bereich sind das Energiesparen oder nachhaltige Geldanlagen.

Vorgeschichte und Entstehung

Als erster Sozialwissenschaft gelingt es der Wirtschaftswissenschaft sich im 19. Jahrhundert, nach dem Vorbild der Naturwissenschaften aus der spĂ€tmittelalterlichen Moralphilosophie zu emanzipieren. Sie etabliert sich als autonome Ökonomik. Seitdem stehen Ethik und Wirtschaftswissenschaft als einander entfremdete Denktraditionen in einem disziplinĂ€ren Nicht-VerhĂ€ltnis: Die Ökonomie stĂŒtzt sich auf eine ausschließlich an Effizienz ausgerichtete ökonomische RationalitĂ€t. Fragen der Menschen- und Umweltgerechtigkeit sind in die SphĂ€re einer außerökonomischen Ethik verwiesen. An dieser Zwei-Welten-Konzeption von Ethik und Ökonomie entzĂŒndet sich das konstitutive Grundproblem einer modernen Wirtschaftsethik: Wie lĂ€sst sich die ökonomische RationalitĂ€t mit der ethisch-praktischen Vernunft systematisch vermitteln?

An der UniversitĂ€t MĂŒnster gab es seit den 1920er Jahren unter Heinrich Weber und seit 1951 unter Joseph Höffner AnsĂ€tze, Wirtschaftswissenschaft und philosophisch begrĂŒndeter Wirtschaftsethik zu verknĂŒpfen. Diese Professoren waren in beiden Wissenschaftsdisziplinen promoviert und hatten in beiden FakultĂ€ten Lehrbefugnis und Promotionsrecht. Heinrich Weber kann als VorlĂ€ufer des Ordoliberalismus gelten und Joseph Höffner hatte als SchĂŒler von Walter Eucken einen starken Bezug zum Ordoliberalismus. Das disziplinĂ€re NichtverhĂ€ltnis ist weder notwendig noch wissenschaftsgeschichtlich durchgehend festzustellen.[56] Des Weiteren tat sich die UniversitĂ€t Witten/Herdecke hervor bei der Förderung wissenschaftlicher Talente auf dem Gebiet Wirtschaftsethik[57]

Wirtschaftsethische Reflexion lĂ€sst sich ideen- und theoriegeschichtlich bis auf die Einheit von Ethik, Politik und Ökonomie bei Aristoteles zurĂŒckverfolgen. Auch schulische Studien, die ökonomische Klassik, deren Hauptvertreter wie Adam Smith aus der Moralphilosophie stammen, der Methodenstreit in Deutschland und Max Weber sind als Wegmarken in der Vorgeschichte der heutigen Diskussion anzufĂŒhren. Außerdem ist der im deutschen Sprachraum beheimatete Ordoliberalismus zu nennen. Aus dem Blickwinkel der vorherrschenden Richtung der Wirtschaftswissenschaft (Neoklassik, Mainstream) sind das jedoch RandphĂ€nomene, die dem ökonomischen SelbstverstĂ€ndnis nach außerhalb des ökonomischen Bezugsrahmens argumentieren. Zu den wenigen Ökonomen, die sowohl als herausragende Wirtschaftswissenschaftler als auch Wirtschaftsethiker gelten, gehört Frank Knight, der als BegrĂŒnder der Chicago-Schule in die Theoriegeschichte eingegangen ist. Weiter dĂŒrfen aber auch nicht die NobelpreistrĂ€ger Friedrich August von Hayek oder James M. Buchanan vergessen werden.

Seit Mitte der 1980er Jahre ist das Interesse an der Wirtschaftsethik wiedererwacht. Stichworte wie Shareholder Value, zunehmende Umweltzerstörung oder wachsende Massenarbeitslosigkeit werfen die Frage nach den normativen Grundlagen des Wirtschaftens auf. Wirtschaftsethik kommt als Krisenreflexion auf den Weg. Wesentliche Impulse fĂŒr die Wiederentdeckung der Wirtschaftsethik gingen vom Verein fĂŒr Socialpolitik, kirchlichen Akademien und verschiedenen UniversitĂ€ten aus. Arbeitsgruppen, Diskussionsforen, Buchreihen, akademische VerbĂ€nde, Seminare und Vorlesungen lassen die Wirtschaftsethik seit etwa 1990 zu einem eigenen Forschungs- und Lehrgebiet heranwachsen.

Einzelne AnsÀtze

Karl Homann: Ethik mit ökonomischer Methode

Karl Homann und seine SchĂŒler, darunter insbesondere Andreas Suchanek, Ingo Pies und Christoph LĂŒtge, begrĂŒnden ihr Konzept einer Wirtschaftsethik auf der Analyse von Dilemmasituationen wie dem Gefangenendilemma, da diese das zentrale Charakteristikum der modernen Gesellschaft darstellen. Zur Analyse bedienen sie sich dabei der ökonomischen Methode, wobei hier aber im Gegensatz zum traditionellen VerstĂ€ndnis nicht die Knappheit im Vordergrund steht, sondern Interaktionen. Homann et al. gehen folglich nicht von der Möglichkeit einer technischen Lösung aus. Ihrer Ansicht nach ist in einer modernen, arbeitsteiligen Welt der institutionalisierte Wettbewerb, d. h. der Wettbewerb unter Spielregeln, der Ansatzpunkt, um erwĂŒnschte Ziele zu realisieren.

In einer modernen Welt sind die Spielregeln, also die Rahmenbedingungen, der systematische Ort der Moral. Hingegen kann der Versuch, Moral durch Appelle implementieren zu wollen, systematisch scheitern, wenn die Adressaten dieser Appelle ihnen nur nachkommen könnten, indem sie gegen ihre eigenen Interessen verstoßen. Erstens werden hier die empirischen Bedingungen der Implementierbarkeit von Moral nicht berĂŒcksichtigt, was zu unangemessenen Forderungen, also zu normativistischem Fehlschluss fĂŒhre. Zweitens gebiete es die WĂŒrde des Menschen, diesen vor der Zumutung zu bewahren, systematisch gegen seine eigenen Interessen verstoßen zu sollen.

Daher mĂŒssen die Anreizwirkungen der Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass individuelles Handeln von Akteuren zu einem gesellschaftlich erwĂŒnschten Zustand fĂŒhrt. Aufgabe der Wirtschaftsethik im obigen Sinne sei es daher, Institutionen so zu gestalten, dass sie Anreizwirkungen entfalten, welche die Menschen in die Lage versetzen, freiwillig und zum gegenseitigen Vorteil interagieren zu können und damit die Dilemmasituation zu ĂŒberwinden. Eine prĂ€gnante Zusammenfassung liefern Homann et al. selbst: „Der systematische Ort der Moral in einer Marktwirtschaft ist die Rahmenordnung.“ bzw. „Die Effizienz in den SpielzĂŒgen, die Moral in den Spielregeln.“[58]

Peter Ulrich: integrative Wirtschaftsethik

Mit der „integrativen Wirtschaftsethik“ eröffnet Peter Ulrich ein diskursethisch fundiertes Gegenkonzept zum Mainstream. "Hauptaufgabe der integrativen Wirtschaftsethik sei: Die Ökonomismuskritik, die Sicherstellung des Vorrangs der Politik vor der Ökonomik sowie der Ausbau der ökonomischen RationalitĂ€t zum Konzept der Lebensdienlichkeit".

Peter Ulrich, der als einer der prominentesten Kritiker Homans gilt, merkt dazu an: "Wie in weiten Teilen ökonomischer Theorie der Politik, werde bei Homann ...demokratische Legitimation kategorial auf Pareto-Effizienz verkĂŒrzt; ethische LegitimitĂ€t reduziert sich auf strategische Akzeptanz; der demokratische Gesellschaftsvertrag wird als generalisierter Vorteilstausch und damit als TauschgeschĂ€ft interpretiert (TauschgeschĂ€ft). Innerhalb dieses methodologischen normativen Individualismus, deckt sich demnach Pareto-Effizienz mit dem LegitimitĂ€tserfordernis des Konsenses".

„Mit einem politisch-philosophischen fundierten VerstĂ€ndnis von (republikanisch-deliberativer) Demokratie hat eine so ansetzende ökonomische Konzeption Demokratischer Ordnungspolitik nichts zu tun. Hinter der Konstitutionellen Ökonomik Homanns kommt vielmehr eine ökonomische Reduktion Demokratischer Politik auf rein ökonomische Logik zum Vorschein“.

Die Rahmenordnung des Marktes sei – entgegen Homanns ordnungsethischen Prinzips, welche die Effizienz in den SpielzĂŒgen, die Moral in den Spielregeln sieht – nicht systematischer Ort der Moral. "Genau genommen, ist die Rahmenordnung vielmehr Ort der Moralimplementierung. Gedanklicher Ort der MoralbegrĂŒndung ist die unbegrenzte Öffentlichkeit aller mĂŒndigen BĂŒrger". Ulrich kennzeichnet hier einen Kategorienfehler innerhalb Homanns Theorie.

Ein weiterer entscheidender Einwand an Homann betrifft den ökonomischen BegrĂŒndungszirkel der Rahmenordnung. „Die Rahmenordnung des Marktes, die diesen legitimieren soll, wird letztlich selbst wiederum unter dem rein wirtschaftlichen Gesichtspunkt der Markteffizienz begrĂŒndet.“ Ulrich kennzeichnet dies innerhalb seiner AusfĂŒhrungen als ordnungspolitischen Ökonomismus.

Den methodologischen Individualismus, der innerhalb Homanns Konzeption zum Vorschein komme, könne man auch als methodischen Zynismus charakterisieren. „Die Subjekte geben ihre Willensfreiheit gleichsam in der Garderobe ab, bevor sie als Homines oeconomici, die nicht anders können als erwerbsorientiert zu denken und zu handeln, die BĂŒhne des Freien Marktes betreten“.

„Der Zynismus beginnt mit dem Gedankenexperiment, ob ein institutionelles Arrangement auch im ‚schlechtesten Fall‘, wenn sich alle Individuen als strikt eigennĂŒtzig agierende Homines oeconomici verhalten wĂŒrden, noch ‚funktioniert‘ (H-O-Test), und ĂŒberhöht ihn in der Normativen Wendung dieses worst case zum Prinzip der guten Gesellschaftsgestaltung.“

„Hinter dem methodologischen worst-case-Interesse als vorwissenschaftliches, erkenntnisleitendes Interesse, kommt ein radikaler normativer Individualismus zum Vorschein: Es geht um das praktische Ziel, die Individuen möglichst restlos von moralischen AnsprĂŒchen zu entlasten, damit sie ihr unterstelltes BedĂŒrfnis nach strikter Eigennutzmaximierung (vulgĂ€rpsychologischer Hedonismus) ausleben dĂŒrfen. Der modellinterne schlechteste Fall (worst case) entpuppt sich als der modellexterne, fĂŒr die Gestaltung der Gesellschaft intendierte, beste Fall“.

„Der Methodische Ökonomismus erweise sich somit vor allem, als eine Methode des Abbruchs der Reflexion auf die LegitimitĂ€t der handlungsleitenden Zwecke und Interessen“. „Die durch den Ökonomischen Determinismus zum alleinigen RationalitĂ€tskriterium erhobenen funktionalen Bedingungen des real existierenden Wirtschaftssystems, fungieren im Sachzwangdenken als geistiger Schließmechanismus des wirtschaftsethischen Diskurses“.

„Ob die SachzwĂ€nge des marktwirtschaftlichen Systems als Gesellschaftsordnung (Marktgesellschaft) herrschen oder ob es eine ihn beherrschende und kontrollierende Gesellschaftsordnung gibt (Primat der Politik vor der Logik des Marktes), ist als praktische Frage des politischen Willens zu begreifen. Absolute SachzwĂ€nge des Marktes, losgelöst von lebensweltlichen Vorgaben, existierten nicht“.

"Alle wirksamen SachzwÀnge sind letztlich als Moment einer politisch von irgendjemandem gewollten und durchgesetzten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu verstehen. Das bedeutet, dass alle SachzwÀnge, die nicht naturgesetzlich determiniert sind, institutionalisierte NormenzwÀnge sind, die grundsÀtzlich in Frage gestellt werden können".

„Die Sachzwangproblematik wirtschaftsethisch ernst zu nehmen hieße, sich nicht mit einem Reflexionsstopp vor den vorgefundenen empirischen Bedingungen der Selbstbehauptung jedes Wettbewerbsteilnehmers zu begnĂŒgen, sondern dem sich naturwĂŒchsig entfaltenden Eigensinn der ökonomischen Systemdynamik, beharrlich auf den dahinter liegenden normativen Grund zu leuchten und ihn ethisch-kritischer Argumentation zugĂ€nglich zu machen“.

„Der Versuch der strikten Lokalisierung der Moral in der Rahmenordnung und die restlosen Entlastung der Wirtschaftssubjekte von Moralzumutungen nicht nur im Markt, sondern auch in ihren politischen Strategien, bricht in sich zusammen und mit ihm das ordnungsethische Prinzip, 
 die Effizienz in den SpielzĂŒgen, die Moral in den Spielregeln“.

GegenĂŒberstellung der kontroversen Aussagen

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Ulrichs Kritik an Homann stellt eine VerkĂŒrzung dessen Theorie dar. Homann ist keinesfalls der Ansicht, dass die Moral nur in der Rahmenbedingung liege. Auch in Homanns Konzept bleibt den Unternehmen Raum fĂŒr moralisches Handeln. Dies ergibt sich aus der prinzipiell unvollkommenen Rahmenordnung. Nur im gedachten Idealfall kann die Rahmenordnung die Individuen vollstĂ€ndig von moralischen Anforderungen entlasten. Die Unvollkommenheit der Rahmenordnung bezieht sich dabei allerdings nicht allein auf „noch nicht geregeltes“. Es können auch gĂŒltige und anerkannte Gesetze etwa in ihrer Durchsetzung zu kostspielig sein.[59]

Auch Ulrich fordert (im Bewusstsein der Unvollkommenheit) die Rahmenordnung zur Moralentlastung (nicht -befreiung!) der Individuen. Worin besteht also der grundsÀtzliche Unterschied zwischen Homanns und Ulrichs Konzeption?

Bei Homann findet an entscheidender Stelle ein Reflexionsabbruch statt. Zwar sollen Unternehmen (bzw. Unternehmer!) die Rahmenordnung einer kritischen Reflexion unterziehen, um so die Defizite zu erkennen, und diese durch individuelle moralische BemĂŒhungen zu kompensieren. Allerdings endet bei Homann die Pflicht der Reflexion unmittelbar vor dem neoliberalen Paradigma der Gewinnmaximierung von Unternehmen und der nun nicht mehr zu hinterfragenden PrĂ€misse, der Markt sei der beste Ort der Handlungskoordination in der Gesellschaft: Langfristige Gewinnmaximierung wird zur „sittlichen Pflicht der Unternehmen“.[60] Abgesehen von der TrivialitĂ€t, dass die QuantitĂ€t der Gewinne nicht von der ethischen QualitĂ€t ihrer Realisierung abzulösen ist,[61] findet bei Homann keine Auseinandersetzung mit der Frage statt, in welchen Bereichen das Prinzip der Marktkoordination tatsĂ€chlich die beste Lösung ist. Homanns auf – nach dieser Ansicht – neoliberalen PrĂ€missen basierender wirtschaftsethischer Ansatz greift insofern zu kurz.

Nach einer anderen Lesart ist die Beobachtung von Ulrich, Homann reduziere Legitimation systematisch auf Pareto-Verbesserungen (nicht: -Effizienz), durchaus richtig.[62] Denn Homann nimmt an[63], dass Werte oder Universalien wie "LegitimitĂ€t", "Gerechtigkeit", (Willens-) "Freiheit" oder "das Gute" nicht etwa real existieren und erkannt werden könnten, sondern dass Menschen sich diese Wörter lediglich als Instrumente bzw. als Heuristik[64] zur Lösung realweltlicher Probleme ausgedacht haben.[65] Da alle realweltlichen Probleme aus Sicht der Betroffenen letztlich Kostenprobleme darstellen, dĂŒrften sich "Werte", die nicht auf das Kosten-Nutzen-KalkĂŒl von Menschen zurĂŒckgefĂŒhrt werden könnten, zur Lösung solcher Probleme regelmĂ€ĂŸig als unzweckmĂ€ĂŸig erweisen.[66] Folglich haben Werte fĂŒr Homann "grundsĂ€tzlich hypothetischen Charakter"[67] (d.h. sie können getestet und falsifiziert werden), womit "die dogmatische Vorstellung von der sakrosankten Werte-Welt [...] endgĂŒltig zerstört" sei.[68] Es sei die Aufgabe einer neuen "Wertewissenschaft"[69], dysfunktionale Werte funktional umzudefinieren, um sie aus Sicht aller Menschen, denen eine solche Wertewissenschaft sie empfehlen wĂŒrde, wertvoller zu machen.[70] Ulrich argumentiert dagegen, dies sei zwar schlĂŒssig gedacht, aber keine "Ethik", weil "moralfrei".[71] Viel Verwirrung scheint der unterschiedliche Gebrauch des NormativitĂ€tsbegriffs in beiden Schulen zu stiften. Zur Unterscheidung: Ulrich möchte gern Handlungen oder ZustĂ€nde anhand eines diskursethisch letztbegrĂŒndeten "moral point of view"[72] beurteilen, wĂ€hrend Homann in der Tradition des Kritischen Rationalismus LetztbegrĂŒndungen fĂŒr unmöglich oder unwahrscheinlich hĂ€lt. Deshalb ist es ein methodologisches MissverstĂ€ndnis, wenn Homanns sogenannte "neoliberale PrĂ€missen" als "Reflexionsabbruch"[73] gedeutet werden.[74] Denn bei diesen "PrĂ€missen" handelt es sich lediglich um technische Modellannahmen, die man auch anders treffen könnte, wenn man denn meint, damit zu empirisch-praktisch relevanteren Ergebnissen kommen zu können. In der Homann-Schule wird also versucht, eine rein hypothetische NormativitĂ€t in Form neuer Begriffe und Nominaldefinitionen zu produzieren, welche sich auf die Praxis pareto-superior auswirken "sollen". Das bedeutet natĂŒrlich nicht, das dies im Ulrich-Sinne deontologisch "gesollt" sei, denn eine aus irgendetwas (bei Ulrich und K. O. Apel: aus der FĂ€higkeit des Menschen, zu sprechen) letzbegrĂŒndete "moralische Pflicht" existiert ja aus Homanns vertragstheoretischer Perspektive gar nicht (oder kann nicht erkannt werden, selbst wenn sie existierte).[75] Folglich nennt Homann den Ansatz - nach dieser Lesart - ökonomische "Ethik" nicht etwa deshalb, weil es ihm dabei um die BegrĂŒndung moralischer Pflichten (im Sinne einer deontologisch angelegten Ethik) ginge, sondern weil es ihm dabei um die semantische Ausrichtung sozialwissenschaftlicher Theoriebildung auf die Entdeckung wechselseitiger Besserstellungspotentiale (im Sinne einer vertragstheoretisch angelegten Ethik) geht.

Weitere wichtige AnsÀtze der Wirtschaftsethik im deutschsprachigen Raum stammen von Peter Koslowski, Josef Wieland sowie Horst Steinmann und Albert Löhr.

Verweise

Siehe auch

Literatur

Grundlegendes
  • Lexikon der Wirtschaftsethik, hrg. v. Georges Enderle / Karl Homan / Martin Honecker / Walter Kerber / Horst Steinmann. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1993, ISBN 3-451-22336-8.
  • Thomas Beschorner u.a. (Hrsg.): Wirtschafts- und Unternehmensethik. RĂŒckblick – Ausblick – Perspektiven. Hampp, Mering/MĂŒnchen 2005, ISBN 3-87988-931-7 (Schriftenreihe fĂŒr Wirtschafts- und Unternehmensethik, Bd. 10)
  • Hardy Bouillon: Wirtschaft, Ethik und Gerechtigkeit, Studien zur Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung - Band IX; Buchausgabe, Flörsheim am Main 2010 ISBN 978-3-942239-07-3
  • Markus Breuer, Alexander Brink, Olaf J. Schumann (Hrsg.): Wirtschaftsethik als kritische Sozialwissenschaft. Haupt, Bern u. a. 2003, ISBN 3-258-06573-X (St. Galler BeitrĂ€ge zur Wirtschaftsethik, Bd. 32).
  • Wolfgang Deppert (Hrsg.): Mensch und Wirtschaft. InterdisziplinĂ€re BeitrĂ€ge zur Wirtschafts- und Unternehmensethik. Wirtschaft mit menschlichem Antlitz. Leipziger UniversitĂ€tsverlag, Leipzig 2001, ISBN 3-934565-69-7 (Wirtschaft mit menschlichem Antlitz, Bd. 1).
  • Norbert Hoerster: Ethik und Interesse. Reclam, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-018278-6 (Reclams Universal-Bibliothek, Nr. 18278).
  • Karl Homann, Christoph LĂŒtge: EinfĂŒhrung in die Wirtschaftsethik. LIT, MĂŒnster 2004, ISBN 3-8258-7758-2 (EinfĂŒhrungen Philosophie, Bd. 3).
  • Wilhelm Korff u. a. (Hrsg.): Handbuch der Wirtschaftsethik (4 BĂ€nde). GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 1999.
  • Peter Koslowski: Prinzipien der Ethischen Ökonomie, Mohr Siebeck, TĂŒbingen 1988, ISBN 978-3-162453198.
  • Hans Lenk, Matthias Maring (Hrsg.): Wirtschaft und Ethik. Reclam, Stuttgart 1992, ISBN 3-15-008798-8 (Reclams Universal-Bibliothek, Nr. 8798).
  • Matthias Maring (Hrsg.): Verantwortung in Technik und Ökonomie, UniversitĂ€tsverlag Karlsruhe, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-86644-296-2 (Volltext als Download zur VerfĂŒgung)
  • Bernd Noll: Wirtschafts- und Unternehmensethik in der Marktwirtschaft. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 2002, ISBN 3-17-016598-4.
  • Andreas Suchanek: Ökonomische Ethik. 2. Auflage. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2007, ISBN 978-3-8252-2195-9 (Uni-TaschenbĂŒcher).
  • Peter Ulrich: Integrative Wirtschaftsethik. Grundlagen einer lebensdienlichen Ökonomie. 4. Auflage. Haupt, Bern/Stuttgart/Wien 2007, ISBN 978-3-258-07261-6.
  • Peter Ulrich: Zivilisierte Marktwirtschaft. Eine wirtschaftsethische Orientierung. Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe. Haupt, Bern/Stuttgart/Wien 2010
  • Josef Wieland: Die Ethik der Governance. 5. Auflage. Metropolis-Verlag, Marburg 2007, ISBN 978-3-89518-606-6 (Studien zur Governanceethik, Bd. 1).
Globale und regionale AnsÀtze
  • Claus-Heinrich Daub: Globale Wirtschaft – globale Verantwortung. Die Integration multinationaler Unternehmen in den Prozess der nachhaltigen Entwicklung; Edition gesowip, Basel 2005, ISBN 3-906129-23-3.
  • Karl Homann (Hrsg.), Peter Koslowski, Christoph LĂŒtge: Wirtschaftsethik der Globalisierung. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2005, ISBN 3-16-148503-3.
Philosophische, Religiöse und theologische AnsÀtze
  • Dirk Baecker (Hrsg.), Walter Benjamin, Norbert Bolz, Christoph Deutschmann: Kapitalismus als Religion. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2002, ISBN 3-931659-27-5 (Copyrights, Bd. 9).
  • Karl Heinz Brodbeck: Die fragwĂŒrdigen Grundlagen der Ökonomie. Eine philosophische Kritik der modernen Wirtschaftswissenschaften. 3. Auflage. WBG, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-534-20073-3.
  • AndrĂ© Comte-Sponville: Kann Kapitalismus moralisch sein? Diogenes, ZĂŒrich 2009.
  • Alexander Dietz: Der homo oeconomicus. Theologische und wirtschaftsethische Perspektiven auf ein ökonomisches Modell. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2005, ISBN 3-579-05310-8 (Leiten, Lenken, Gestalten, Bd. 18).
  • Joseph Höffner: Wirtschaftsordnung und Wirtschaftsethik. Richtlinien der katholischen Soziallehre, Deutschen Bischofskonferenz in Fulda, 23. September 1985
  • Jung, H., Soziale Marktwirtschaft und weltliche Ordnung. Grundlegung einer politischen Wirtschaftsethik im sozialethischen Ansatz Luthers. Ethik im Theologischen Diskurs (EThD) Bd 21, Berlin 2009.
  • Karl Lehmann: Der Schatten des „Homo oeconomicus“. Zur Notwendigkeit einer integrativen und lebensdienlichen Ethik des Wirtschaftens, Vortrag vom 17. September 2008
  • Niehaus, Michael; Wisniewski, Roger: Management by Sokrates: Was die Philosophie der Wirtschaft zu bieten hat. DĂŒsseldorf: Cornelsen Verlag 2009.
  • Arthur Rich: Wirtschaftsethik (2 BĂ€nde). GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh.
    • Bd. 1: Grundlagen in theologischer Perspektive. 4. Auflage. 1991, ISBN 3-579-00197-3.
    • Bd. 2: Marktwirtschaft, Planwirtschaft, Weltwirtschaft aus sozialethischer Sicht. 2. Auflage. 1992, ISBN 3-579-00198-1.
Geschichte der Wirtschaftsethik
  • Manfred Hermanns: Sozialethik im Wandel der Zeit. Geschichte des Lehrstuhls fĂŒr Christliche Gesellschaftslehre in MĂŒnster 1893–1997. Schöningh, Paderborn u. a. 2006, ISBN 3-506-72989-6 (Abhandlungen zur Sozialethik, Bd. 49).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Karl Homann: Wirtschaftsethik. In: Lexikon der Wirtschaftsethik, hrg. v. Georges Enderle / Karl Homan / Martin Honecker / Walter Kerber / Horst Steinmann. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1993, Sp. 1287. ISBN 3-451-22336-8
  2. ↑ Georg Mohr: Brauchen moderne Gesellschaften Orientierung und kann Philosophie sie geben?, in: Hans-Jörg SandkĂŒhler: Philosophie wozu?, Suhrkamp, Frankfurt 2008, 229-253, hier 251; ebenso: Michael S. AßlĂ€nder: Philosophia Ancilla Oeconomiae? Wirtschaftsethik zwischen Hilfswissenschaft und Orientierungswissenschaft, in: Thomas Beschorner u.a. (Hrsg.): Wirtschafts- und Unternehmensethik, Hampp, MĂŒnchen und Mering 2005, 325-338, hier 337-338
  3. ↑ Ignaz Seipel: Die wirtschaftlichen Lehren der KirchenvĂ€ter, Wien 1907, 304
  4. ↑ Max Weber: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen, in: Archiv fĂŒr Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, 1916-1918 [Einzelangaben siehe dort]
  5. ↑ Max Weber: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen, Studienausgabe Band 19: Konfuzianismus und Taoismus, Mohr Siebeck, TĂŒbingen 1991, 2
  6. ↑ Ludwig Erhard, Alfred MĂŒller-Armack: Soziale Marktwirtschaft. Ordnung der Zukunft, Ullstein, Frankfurt-Berlin-Wien 1972, 54
  7. ↑ Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus [1904/05, 1920], Beck, MĂŒnchen 1979, 45
  8. ↑ Vgl. zu diesem Abschnitt Jean-Louis Arni: Stichwort „RationalitĂ€t“, in: Lexikon der Wirtschaftsethik, Sp. 868-876
  9. ↑ Carl Amery: Global Exit. Die Kirche und der totale Markt, Luchterhand, MĂŒnchen 2002, 15
  10. ↑ Friedrich Nietzsche: Vom Nutzen und Nachteil der Historie fĂŒr das Leben. [1874], Kritische Studienausgabe. Bd. 1, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, dtv, 2.Aufl.. MĂŒnchen 1988, S. 243-343, hier 319
  11. ↑ Gustav von Schmoller: Die Volkswirtschaft, die Volkswirtschaftslehre und ihre Methode. Zuerst 1893 erschienen in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften. 1. Auflage Jena 1890-1897; in erweiterter Fassung 3. Auflage Jena 1909-1911. (Ausgabe Frankfurt am Main 1949)
  12. ↑ Max Weber: Die "ObjektivitĂ€t" sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis [1904], in: Gesammelte AufsĂ€tze zur Wissenschaftslehre, Mohr Siebeck, TĂŒbingen 1988, hier: S. 149
  13. ↑ Annemarie Pieper: Ethik und Ökonomie. Historische und systematische Aspekte ihrer Beziehung, in: Bernd Bievert, Klaus Held und Josef Wieland: Sozialphilosophische Grundlagen ökonomischen Handelns, Suhrkamp, 2. Aufl. Frankfurt 1992, 86-101
  14. ↑ Annemarie Pieper: Ethik und Ökonomie, 86
  15. ↑ John Stuart Mill: Utilitarismus, Reclam, Stuttgart 1976, 13
  16. ↑ Darstellung der verschiedenen Ansatze nach Handbuch der Wirtschaftsethik, Band 1, 855-883 sowie aufgrund der Einzelangaben
  17. ↑ Karl Homann, Andreas Suchanek: Ökonomik. Eine EinfĂŒhrung, Mohr Siebeck, 2. Aufl. TĂŒbingen 2004
  18. ↑ Bruno Molitor: Wirtschaftsethik, Vahlen, MĂŒnchen 1989
  19. ↑ Thomas Bausch, Annette Kleinfeld, Horst Steinmann (Hrsg.): Unternehmensethik in der Wirtschaftspraxis, Hampp, Mering 2000
  20. ↑ Peter Koslowski: Prinzipien der Ethischen Ökonomie, Mohr Siebeck, TĂŒbingen 1988
  21. ↑ Josef Wieland: Die Ethik der Governance, Metropolis, 5. Aufl. Marburg 2007
  22. ↑ Amartya Sen: Ökonomie fĂŒr den Menschen, Beck, MĂŒnchen 2000; Ähnlich: Nils Ole Oermann: AnstĂ€ndig Geld verdienen?: Protestantische Wirtschaftsethik unter den Bedingungen globaler MĂ€rkte, GĂŒterslohner Verlagshaus, GĂŒtersloh 2007
  23. ↑ Oswald Nell-Breuning: Gerechtigkeit und Freiheit. GrundzĂŒge der katholischen Soziallehre, Olzog, MĂŒnchen 1985
  24. ↑ Zweites Vatikanisches Konzil "Gaudium et Spes" 63 (Deutscher Text)
  25. ↑ Joseph Höffner: Christliche Gesellschaftslehre. Neuausgabe, herausgegeben, bearbeitet und ergĂ€nzt von Lothar Roos, Kevelaer 1997
  26. ↑ Peter Ulrich: Integrative Wirtschaftsethik. Grundlagen einer lebensdienlichen Ökonomie, Haupt, 4. Aufl. Bern. 2007
  27. ↑ Eilert Herms: Die Wirtschaft des Menschen: BeitrĂ€ge zur Wirtschaftsethik, Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2008
  28. ↑ Joseph Ratzinger: Marktwirtschaft und Ethik, in: Lothar Roos (Hrsg.): Stimmen der Kirche zur Wirtschaft, Köln 1986, 50–58, hier 58
  29. ↑ Niklas Luhmann: „Wirtschaftsethik - als Ethik?”, in: Wirtschaftsethik und Theorie der Gesellschaft, hg. von Josef Wieland, Frankfurt: Suhrkamp, S., 1993, 134-147, hier S. 134
  30. ↑ Frank Nullmeier, Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik von Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung
  31. ↑ Norbert Hinske: Kants Warnung vor dem Wohlfahrtsstaat, Die neue Ordnung, Jahrgang 58 Nr. 6, Dezember 2004
  32. ↑ Wilhelm Röpke: Jenseits von Angebot und Nachfrage [1958], Haupt, 5. Auflage Bern 1979, S. 232
  33. ↑ Ludwig Erhard: Wohlstand fĂŒr alle], Econ, DĂŒsseldorf und Wien 1957, S. 248-249.
  34. ↑ Alfred MĂŒller-Armack: Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik. Studien und Konzepte zur sozialen Marktwirtschaft und zur europĂ€ischen Integration [1966], Haupt, Bern/Stuttgart 1976, S. 81
  35. ↑ Walter Eucken, Die Grundlagen der Nationalökonomie, Jena, 1939, S. 128f
  36. ↑ Wilhelm Röpke, Die Lehre von der Wirtschaft, Erlenbach-ZĂŒrich, 1951, S. 272f
  37. ↑ Wilhelm Röpke: Jenseits von Angebot und Nachfrage [1958], Haupt, 5. Auflage Bern 1979, S. 208
  38. ↑ Andreas Wimmel: Sind sozialpolitische Interventionen aus liberaler Perspektive wertvoll? – Thesen zum SpannungsverhĂ€ltnis von persönlicher Freiheit und sozialer Sicherheit in modernen Wohlfahrtsstaaten, in: Zeitschrift fĂŒr Politik 1/2003, S. 69
  39. ↑ Hans D. Barbier: Soziale Marktwirtschaft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Juni 2005, S. 13
  40. ↑ Oskar Lafontaine, Politik fĂŒr alle. Streitschrift fĂŒr eine gerechte Gesellschaft, Berlin 2005, S. 260
  41. ↑ Thomas von Aquin: Summa theologica, Buch II, Teil II, Frage 66, Artikel 2. Vom Naturrecht
  42. ↑ John Locke: Über die Regierung, 9, 124, Reclam, Stuttgart 1974, 96
  43. ↑ Karl Marx / Friedrich Engels: Manifest der kommunistischen Partei; MEW Bd. 4, S. 468
  44. ↑ Karl Marx / Friedrich Engels: Manifest der kommunistischen Partei; MEW Bd. 4, S. 475
  45. ↑ Walter Eucken: GrundsĂ€tze der Wirtschaftspolitik, Bern/TĂŒbingen 1952, 300
  46. ↑ Stefan Liebig und JĂŒrgen Schupp: Immer mehr ErwerbstĂ€tige empfinden ihr Einkommen als ungerecht DIW Wochenbericht 31/2008
  47. ↑ Norbert Thom, zitiert nach: Michael S. AßlĂ€nder: Was ist ein gerechter Lohn? Philosophisch-historische Anmerkungen zu einer zeitlosen Frage, in: FORUM Wirtschaftsethik 16. Jg., Nr. 4/2008, 7-17, hier 8
  48. ↑ Stephan Panther: Gerechtigkeit in der Ökonomik. Empirische Ergebnisse und ihre möglichen Konsequenzen, in: Hans G. Nutzinger (Hrsg.): Gerechtigkeit in der Wirtschaft – Quadratur des Kreises?, Metropolis, Marburg 2005, 21-50, hier 46-48
  49. ↑ Holger Lengfeld: Lohngerechtigkeit im Wandel der Arbeitsgesellschaft, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 04-05/2007)
  50. ↑ Adam Smith: Wohlstand der Nationen, MĂŒnchen 1990, 86-92
  51. ↑ a b LĂŒder Gerken, Walter Eucken und sein Werk: RĂŒckblick auf den Vordenker der sozialen Marktwirtschaft, Mohr Siebeck, 2000, ISBN 3161475038, Seite 22
  52. ↑ Walter Eucken: Die Wettbewerbsordnung und ihre Verwirklichung, in Walter Eucken und Franz Böhm (Hrsg.): Ordo – Jahrbuch fĂŒr die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, WĂŒrzburg 1949, 76
  53. ↑ Stanislaw Lem: Hemmungsloser Fortschritt. In: Die Zeit, Nr. 1/99 vom 30. Dezember 1998, S. 30
  54. ↑ eine ausfĂŒhrliche Darstellung dieser Entwicklung findet sich in: Julia Schultz: Umwelt und Gerechtigkeit in Deutschland, Metropolis, Marburg 2009
  55. ↑ Heinrich Pesch: Ethik und Volkswirtschaft, Freiburg im Breisgau 1918, S. 146
  56. ↑ vgl. Manfred Hermanns: Sozialethik im Wandel der Zeit. Persönlichkeiten - Forschungen - Wirkungen des Lehrstuhls fĂŒr Christliche Gesellschaftslehre und des Instituts fĂŒr Christliche Sozialwissenschaften der UniversitĂ€t MĂŒnster, Schöningh, Paderborn 2006
  57. ↑ [www.uni-wh.de/universitaet/presse/presse-details/artikel/die-wiege-der-wirtschaftsethik-steht-in-witten/ UniversitĂ€t Witten/Herdecke - Wirtschaftsethik]
  58. ↑ Homann, K.; Blome-Drees, F., Wirtschaftsethik, 1992, S. 35
  59. ↑ Homann/Blome-Drees 1992, S. 159
  60. ↑ Homann/Blome-Drees 1992, S. 51
  61. ↑ Ulrich 1998, S. 408
  62. ↑ Homann folgt hier Immanuel Kant, dessen Menschheitszweckformel lautet: "Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest" (Hervorhebung hinzugefĂŒgt). Handlungsweisen, die keine Pareto-Verbesserungen wĂ€ren, können dieser Formel zufolge (aufgrund der Wörter "jederzeit" und "zugleich") nicht moralisch sein. Quelle: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785), BA 67. Ebenso Kant: "Die Politik sagt: 'Seid klug wie die Schlangen', die Moral setzt (als einschrĂ€nkende Bedingung) hinzu: und ohne Falsch wie die Tauben'" (Hervorhebung hinzugefĂŒgt). Quelle: Kant, Immanuel (1781 [1984]): Zum ewigen Frieden. Stuttgart: Reclam. S. 36.
  63. ↑ Vgl. fĂŒr den gesamten Absatz Homann, Karl (1980): Die Interdependenz von Zielen und Mitteln. TĂŒbingen: Mohr Siebeck. S. 251-258.
  64. ↑ Vgl. Homann, Karl (1988): Demokratie und RationalitĂ€t. TĂŒbingen: Mohr Siebeck, S. 257-261. Dieses Unterkapitel seiner Habilitationsschrift nennt Homann "Der heuristische Charakter der Gerechtigkeitstheorie".
  65. ↑ Etwa so, wie ein Affe sich ein Stöckchen bastelt, um damit Termiten zu angeln (fĂŒr Homann wĂ€ren die Termiten und der Appetit des Affen der "Grund" fĂŒr die Idee des Stöckchens, nicht etwa umgekehrt. Diese Analogie findet sich bei Homann natĂŒrlich nicht. Ähnlich Popper, Karl (1974): Das Elend des Historizismus. TĂŒbingen: Mohr Siebeck, S. 24-31.
  66. ↑ Ähnlich Immanuel Kant: "Kinder Handlungen als edele, großmĂŒtige, verdienstliche zum Muster aufzustellen, in der Meinung, sie durch EinflĂ¶ĂŸung eines En[t]husiasmus fĂŒr dieselbe einzunehmen, ist vollends zweckwidrig." Quelle: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785), A 280. Ebenso Buchanan, James/Tullock, Gordon (1958): The Calculus of Consent. Indianapolis: Liberty Fund Inc. Recht Ă€hnlich auch Rawls, John (1971): A Theory of Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press.
  67. ↑ Homann, Karl (1980): a.a.O. S. 254 (Hervorhebung im Original).
  68. ↑ Homann, Karl (1980): a.a.O. S. 254.
  69. ↑ Homann, Karl (1980): a.a.O. S. 258.
  70. ↑ Ähnlich Schelling, Thomas C. (1984): Economic Reasoning and the Ethics of Policy. in: Schelling, Thomas C. (Hrsg.), Choice and Consequence. Cambridge, MA: Harvard University Press. S. 1-26. Vgl. insbes. S. 3.
  71. ↑ Ulrich, Peter (2008): Integrative Economic Ethics. Foundations of a Civilized Market Economy. New York: Cambridge University Press. S. 99 und 107, insbesondere Abb. 3.2.
  72. ↑ Vgl. Ulrich (2008): a.a.O. S. 43-62.
  73. ↑ Ulrich (2008): a.a.O. S. 115ff.
  74. ↑ Vgl. das Kapitel "Der methodologische Status der Gerechtigkeitstheorie" in Homann (1988): a.a.O. Homann bezeichnet darin den Anspruch, Handlungen oder ZustĂ€nde anhand eines letzbegrĂŒndeten "moral point of view" beurteilen zu wollen, wörtlich als "Dogmatismus" (S. 209).
  75. ↑ Ähnlich Popper: "Fragen wie 'Was ist Leben?' oder 'Was ist die Schwere?' [oder 'Was ist Gerechtigkeit?', d.V.] spielen in der modernen Wissenschaft keine Rolle." Popper, Karl (1980): Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde, Band 2., sechste Auflage, MĂŒnchen: Franke Verlag, S. 30.
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