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Wissenschaftlicher Witz

Der wissenschaftliche Witz ist ein Witz mit Bezug zur Wissenschaft. Der Begriff ist nicht klar umgrenzt. Er umfasst zumindest eine Form des Insiderwitzes, die Fachwissen zum Verständnis der Pointe voraussetzt. Solche Witze tauchen häufig in wissenschaftlichen Publikationen auf. Das Vergnügen, den wissenschaftlichen Witz zu entschlüsseln, ist identitätsstiftend für die wissenschaftliche Gemeinschaft.[1] Für – bisweilen auch unfreiwillige – Meisterleistungen auf diesem Gebiet wird alljährlich der Ig-Nobelpreis verliehen. Eine wichtige internationale Fachzeitschrift sind die Annals of Improbable Research.

Bereits im 17. Jahrhundert wurden wissenschaftliche Witze in das didaktische Repertoire insbesondere von Jesuiten aufgenommen.[2]

Unter den zeitgenössischen Kabarettisten gibt es einzelne, die in ihren Shows fundierte wissenschaftliche Betrachtungen anstellen. Vince Ebert tut dies auf physikalischer Basis und Eckart von Hirschhausen auf medizinischer, beide basierend auf ihren einschlägigen Hochschulstudien. Der österreichische Kabarettist Günther Paal, genannt Gunkl, arbeitet ebenfalls mit wissenschaftlichen Thesen. So begann unter anderem eines seiner Programme, nämlich Wir, schwierig, mit einem Satz Wittgensteins.

Inhaltsverzeichnis

Beispiele

Literatur

Über die literarische Parodie[3] hinaus befassen sich Witze auch mit der Literaturwissenschaft, ihrer Fachsprache, ihren Ritualen und ihrer Rezeption.

Als besonders scharfsinniger (real existierender) Schöpfer von Witzen mit wissenschaftlichem Anspruch (und beißender wissenschaftlicher Satire) gilt der berühmte Göttinger Physiker Georg Christoph Lichtenberg (1742−1799).

Der Heimatdichter Otto Bögeholz (1805−1890) ist von den Schlaraffen in Celle entdeckt worden; über ihn gibt es nicht nur einige interessante Forschungsergebnisse, auch zwei Bücher mit gesammelten Werken[4] und eine Bronzebüste existieren. In Braunschweig wurde eine Straße im Ortsteil Watenbüttel nach Bögeholz benannt.

Die Monographie Die Wahrheit über Hänsel und Gretel von Hans Traxler[5] trägt auf dem Schutzumschlag (nicht auf dem Innentitel) den Zusatz „eine glaubwürdige Parodie“, wo es sich doch eigentlich um „Die Dokumentation des Märchens der Brüder Grimm“ handelt. Aber selbst mit dieser bedauerlichen Selbstanzeige hatte das Buch eine ansehnliche Wissenschaftskarriere.

Robert Gernhardt, FW Bernstein, Friedrich Karl Waechter veröffentlichten mit Die Wahrheit über Arnold Hau im Jahr 1966 eine fiktive Leben-Werk-Monographie. Die Autoren fungieren nur als „Herausgeber“.

Vladimir Nabokovs Roman Fahles Feuer erzählt vor allem in Fußnoten zu einem fiktiven Gedicht, ähnlich verfährt Matthias Polityckis Weiberroman. Auch in Flann O'Briens Arbeiten lassen sich wissenschaftliche Witze finden.

Mathematik

Auch in der Mathematik gibt es fiktive Personen. Beispiele dafür sind Alessandro Binomi, auch unter Francesco Binomi bekannt, der vermeintliche Entdecker der binomischen Formeln, und Julius Eigen (fiktiv) oder Manfred Eigen (echt) als angeblicher Erfinder des Eigenwerts (die englische Übersetzung für Eigenwert würde demnach Eigen value lauten, statt korrekt eigenvalue).[6] Nach einem Studentenscherz wählte eine Gruppe französischer Mathematiker Mitte der 1930er Jahre als gemeinschaftliches Pseudonym den Namen Nicolas Bourbaki. Als der Herausgeber von Mathematical Reviews, Ralph Boas, das aufklärte, antwortete Bourbaki mit einer Note, in der sie ihrerseits den Namen Boas für ein Pseudonym der Herausgeber von Mathematical Reviews erklärten.

Sei \varepsilon < 0 („epsilon kleiner null“) gilt als der kürzeste Mathematikerwitz. Epsilon wird in der Mathematik regelmäßig als Variable für eine beliebig kleine Zahl größer null verwendet und viele mathematische Beweise enthalten beispielsweise den Satz „Sei epsilon größer null.

Häufig werden Mathematiker humorvoll mit Wissenschaftlern anderer Gebiete verglichen. So erinnert sich Kurt Reidemeister nach seinem Besuch der Euler-Feier der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 21.März 1957:[7]

„Der zweite Festredner war der Leiter der Delegation der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Professor Alexandroff aus Moskau – der übrigens als junger Dozent mehrere Jahre in Göttingen verbracht hat und im persönlichen Gespräch jener unbeschwerten Tage mit Wärme gedachte. Um Euler zu charakterisieren, knüpfte Alexandroff an das Zusammenspiel von Können und Verstehen an und erläuterte dies an einem Wortwitz von Medizinern über Mediziner. Die Chirurgen, so heißt es da, verstehen wenig, aber können viel; die inneren Mediziner verstehen viel, aber können wenig und die Psychiater verstehen alles, aber können nichts. Im Sinn dieser Dreiteilung, fuhr er dann vor der nun durchaus erheiterten Festversammlung fort, war Euler ein Chirurg. Euler war ein Könner, genauer, ein genialer Rechner sowohl am Material der Zahlen wie auch am Material der Formeln.“

Manchmal wollen Mathematikerwitze helfen, einen für den Anfänger schwierigen mathematischen Sachverhalt oder ein logisches Prinzip durch eine Art Gleichnis besser zu veranschaulichen:

„Ein Physiker und ein Mathematiker sollen Wasser kochen. Es ist eine Feuerstelle vorhanden, sowie ein Topf mit Wasser, der auf Platz A steht. Der Physiker und der Mathematiker lösen beide das Problem, indem sie den Topf von Platz A nehmen und auf das Feuer setzen. Nun soll wieder Wasser gekocht werden, doch steht diesmal der Topf mit kaltem Wasser auf Platz B. Der Physiker löst das Problem wieder so, dass er den Topf auf das Feuer setzt. Der Mathematiker dagegen nimmt den Topf von Platz B und stellt ihn auf Platz A und sagt: „Dieses Problem haben wir schon vorhin gelöst“.“

Der Göttinger Mathematiker David Hilbert fragte in seinen Vorlesungen die Studenten gelegentlich, warum denn die Gleichen „die Gleichen“ heißen. Sie sehen ja weder gleich aus, noch sind sie gleich hoch. Da keiner darauf eine Antwort wusste, antwortete er selbst: weil sie den gleichen Abstand voneinander haben.

Ein klassischer wissenschaftlicher Witz in der Mathematik ist der Aufsatz A mathematical theory of Big Game Hunting, veröffentlicht 1938 im American Mathematical Monthly von Ralph Boas und Kollegen (unter dem Pseudonym H. Pétard). Darin geht es um Anwendungen der Mathematik in der Großwildjagd.

Ein Beispiel für versteckte Anspielungen in Inhaltsverzeichnissen findet sich in dem Buch Vorlesungen über Topologie von Bela Kerekjarto (1923), im Inhaltsverzeichnis wird auf Erich Bessel-Hagen verwiesen[8], auf der angegebenen Seite wird er aber nicht erwähnt, dafür findet sich das Bild einer Kugel mit zwei Henkeln, eine Anspielung auf die im Volksmund Segelohren genannten markanten Merkmale von dessen Physiognomie.

In der Kryptographie werden Aufsätze aus dem Grenzbereich dieser Wissenschaft im „Journal of Craptology“ veröffentlicht (Herausgeber Nigel Smart).[9]

Physik

Die Heureka-Anekdote über Archimedes ist ein wohlbekannter antiker Witz über Wissenschaftler.

Dem damals aufstrebenden Physik-Star Hans Bethe gelang es, mit seinen Kollegen Beck und Riezler 1931 eine Nonsens-Arbeit in den angesehenen Die Naturwissenschaften unterzubringen, in der sie vorgaben, den Wert der Feinstrukturkonstante abgeleitet zu haben. Sie parodierten damit die Zahlenspielereien des damals berühmten britischen Astrophysikers Arthur Stanley Eddington.[10] Der Herausgeber Arnold Berliner war gar nicht erfreut, den Karrieren der Beteiligten schadete das aber letztlich nicht. 1948 spielte George Gamow seinem Freund Bethe umgekehrt einen Streich, als er eine für die Theorie der Entstehung leichter Elemente im Universum fundamentale Arbeit, die er und sein Student Ralph Alpher ausführten, an die Physical Review schickten. Gamow hatte Bethe ohne dessen Wissen als Autor der Arbeit hinzugefügt, um die Anklänge an den Anfang des griechischen Alphabets zu vervollständigen. Sie wurde als „Alpha Beta Gamma“-Arbeit bekannt. Bethe war zufällig der Gutachter der Arbeit, erhob aber keine Einwände gegen den Scherz.[11]

Der Pauli-Effekt beschreibt den merkwürdigen negativen Einfluss der persönlichen Anwesenheit bissiger theoretischer Physiker auf Laborergebnisse bei den Experimentatoren.

Chemie

Dihydrogen-Monoxid ist nach Ansicht einiger „Wissenschaftler“ eine hochgefährliche Substanz. Es wurden sogar schon Verbote gefordert und hochwissenschaftlich begründet. Dabei handelt es sich nur um Wasser.

Im Römpp-Chemielexikon (ausschließlich 9. Auflage) gab es eine nicht ganz ernst gemeinte KKK-Regel.

Zwei Beispiele für Strukturformeln der anthropomorphen Moleküle

Stephanie H. Chanteau und James M. Tour (Rice University, Houston, Texas) veröffentlichten 2003 im angesehenen Journal of Organic Chemistry Wege zur Synthese anthropomorpher Moleküle.[12]

Biologie

Der vielleicht bekannteste und ausgefeilteste wissenschaftliche Witz im Bereich der Biologie ist die imaginäre Säugetierordnung Rhinogradentia − ein Running Gag der Zoologie, der auch in anderen Wissenschaften (z. B. in der Medizin) zur Erheiterung auf wissenschaftlichen Kongressen Verwendung findet.[13] Die auf deutsch „Nasenschreitlinge“ genannten Tiere gehen auf das Buch Bau und Leben der Rhinogradentia zurück, das von Professor Gerolf Steiner, einem namhaften Zoologen, unter Wahrung aller formalen Aspekte einer wissenschaftlichen Publikation geschrieben und im G. Fischer Verlag (mittlerweile Elsevier Science) veröffentlicht wurde, der für zahlreiche Standard-Lehrbücher der Biologie bekannt ist. Inspiriert wurde Steiner von Christian Morgensterns Gedicht „Das Nasobem“. Die Rhinogradentia sind nach mehreren Übersetzungen auch weltweit bekannt und beliebt. Fragen aus diesem Bereich der Zoologie werden international in Klausuren verwendet, aber auch, um ernsthaft biologische Zusammenhänge mit humorvollem Einschlag in der Lehre darzustellen.

Altbekannt dagegen sind die Artikel über Quaderbaum und Quaderbambus aus der Naturwissenschaftlichen Rundschau von 1978 und 1979, die von vielen Lesern als wahre Meldungen empfunden wurden, weil Derartiges im deutschen wissenschaftlichen Schrifttum einfach zu selten ist − und weil sie so täuschend echt klangen:

  • W. Selhus: Der „Quaderbaum“, Quercus quadrata van Hoosten, ein sensationeller Fund. In: Naturwiss. Rundschau 31, 1978, S. 139-142.
  • W. Selhus: Der „Quaderbaum“, Quercus quadrata van Hoosten, ein sensationeller Fund, Mitteilung II. In: Naturwiss. Rundschau 32, 1979, S. 135−137.
  • W. Liese: Chimonobambusa quadrangularis, der Quaderbambus. In: Naturwiss. Rundschau 32, 1979, S. 137−138.

Auf den Physiker Bobby Henderson geht die Theorie von der Erschaffung der Welt und ihrer Lebensformen durch das Fliegende Spaghettimonster zurück − als vierte Alternative zu Charles Darwins Evolutionstheorie, zum Lamarckismus und zum sogenannten Kreationismus. Henderson entwickelte seine Theorie als satirische Antwort auf die Diskussion um die Unterrichtung von Intelligent Design an US-amerikanischen Schulen.

Ein gewisser Prof. Dr. Hartmut Andryckzuck von der Humboldt-Universität stellte die These auf, dass deutsche Kühe nicht schwimmen können, da sie einen durch die Züchtung missgebildeten Schließmuskel hätten und so voll Wasser laufen würden. Auf diesen Scherz ist sogar die Sat.1-Sendung Genial daneben hereingefallen.[14]

Medizin

Im Pschyrembel, einem medizinischen Nachschlagewerk, findet man seit 1983 einen Eintrag zu der fiktiven Steinlaus, die einem Sketch von Loriot entstammt.[15]

Vom selben Verlag gibt es das Pschyrembel Wörterbuch Naturheilkunde und alternative Heilverfahren, in dem der Kurschatten erklärt wird.

Bei der Bundeswehr hält sich beharrlich das Gerücht, den Soldaten werde ein die Libido senkendes Mittel namens Hängolin in die Mahlzeiten gemischt; in der Schweizer Armee ist dieses Mittel als „Antibock“ bekannt, beim österreichischen Bundesheer „Brom“. Diese Geschichte wird bereits seit Zeiten der deutschen Wehrmacht kolportiert und kursierte auch in der NVA. In katholischen Priesterseminaren wird den Studenten dagegen angeblich „Zölibatol“ verabreicht.

In älteren Versionen des Kataloges zur Verschlüsselung von Krankheiten, Behinderungen und Verletzungen ICD-10 (International Classification of Diseases) findet sich der Begriff „Abnorme Schwerkraft“. Man bezieht sich dabei genau genommen auf das Kapitel XX (Äußere Ursachen von Morbidität und Mortalität) mit dem Code W49 „Exposition gegenüber sonstigen oder nicht näher bezeichneten unbelebten mechanischen Kräften, inkl.: Abnorme Schwerkraft“. Der physikalisch nicht korrekte Ausdruck „abnorme Schwerkraft“ wird gelegentlich scherzhaft verwendet, um den Detaillierungsgrad der ICD-10 zu kritisieren.

Pharmazie

In den neueren Auflagen von Max WichtlsTeedrogen und Phytopharmaka“ gibt es auch eine Monographie namens Pasta Theobromae. Es handelt sich hierbei um den latinisierten Namen von Schokolade. Die Droge wird bei traumatischen Leiden durch Lackschäden am Auto empfohlen.

Psychologie

Der einstmals bekannte, inzwischen wieder fast vergessene (vielleicht auch absichtlich zur Unperson erklärte) fiktive Konstanzer Psychologieprofessor Ernst August Dölle hat die Theorie des binauralen Hörens im Spannungsfeld von Dichotomie und Duplizität entworfen.[16]

Freud müsste von Ockham rasiert werden - so lautet eine Kritik an der Psychoanalyse.

Pädagogik

Hilbert Meyer und Andreas Gruschka erfanden die sogenannten „Lolationsstrategien“, „permissiv-opake Handlungsmuster zur Instrumentierung schülerorientierter Alltagsinszenierungen des Unterrichts“[17] als nicht ernst gemeinten Beitrag zum Diskurs über Handeln im pädagogischen Praxisfeld Schule.

Technik

In der Technik tauchen nichtexistenzfähige Geräte oder Geräteteile verschiedenster Art auf. Solch ein Beispiel ist die Kolbenrückziehfeder, eine angeblich in Zylindern verbaute Feder, die einen Kolben in seine Ursprungslage zurückstellen soll. Die Dunkelbirne als Gegenstück zur Glühbirne verbreitet beim Einschalten Dunkelheit und ermöglicht so das Abdunkeln von Räumen. Deren erstmalige Beschreibung erfolgte um 1910 durch den Dichter Christian Morgenstern mit einem Gedicht, in dem Korf Die Tag-Nacht-Lampe erfindet. Auch die Comicfigur Daniel Düsentrieb nutzte diese. Auch die Kupfermagneten sind eine technische Unmöglichkeit.

In Deutschland ist der Lufthaken bekannt (teilweise als Siemens-Luftanker bezeichnet), den man an Stellen eindreht oder schlägt, an denen herkömmliche Haken, auf Grund fehlender fester Materie, keinen Halt finden. Der Lufthaken ist in der Regel mit dem vorangestellten Namen einer dort ansässigen großen Elektronikfirma verbunden. In Österreich ist die Bezeichnung Siemens-Lufthaken (ugs. „Siemens-Lufthagl“) gebräuchlich, in der Schweiz Hilti-Luftanker. Im Computerspiel „Bridge Builder“ kann in einem Level ein Lufthaken für Brückenkonstruktionen eingesetzt werden.

Die Elektronik-Zeitschrift Elektor pflegt in ihren Halbleiterheften immer ein paar Scherzschaltungen unterzubringen, etwa eine Kurzschlussschaltung als Fuse-Destroyer oder das NEVER-Logikgatter.

Ernsthaft in anderen Medien zitiert wurde die Anleitung der Computerzeitschrift c’t, bei einem 486SX-Prozessor mit vorhandenem, aber nicht funktionierenden oder aktivierten mathematischen Coprozessor durch Anbohren an einer bestimmten Gehäusestelle den Coprozessor doch zu aktivieren. Eine Bohrschablone war im Artikel in aller Exaktheit angekündigt.

Auf den Chips von Integrierten Schaltungen sind mitunter noch Ecken frei. Konstrukteure füllen diese mitunter mit technisch funktionslosen, aber graphisch witzigen Strukturen (engl. Silicon Art[18][19][20] analog zu ASCII-Art), die nur ein Mikroskop sichtbar machen kann. So bekam ein Chip mit einem Oberflächenwellenfilter, das wie ein Eisenbahnschienenstrang aussieht, eine kleine Lokomotive auf dieses „Gleis“ gesetzt.

Die „Experten“witze sind ebenfalls verbreitet: So „entweicht“ in der Elektronik beim „Abrauchen“ eines elektronischen Bauelementes der vom Hersteller abgefüllte Magic Smoke und deshalb würde das Bauteil unbrauchbar.

Informatik

Write-Only-Memory ist eine Analogiebildung zu Read-Only-Memory (ROM). Ein Entwicklungsingenieur der Firma Signetics hat für einen solchen Schaltkreis sogar ein Datenblatt erstellt, um die mangelhaften Qualitätssicherungsmaßnahmen aufzudecken. Das Datenblatt wurde tatsächlich zur Veröffentlichung freigegeben, weil es vermutlich niemand gelesen oder überprüft hat − sozusagen das gelungene Papiermodell eines WOM. In der Folge wurde das Datenblatt von Signetics in einer April-Ausgabe des ELECTRONICS Magazine veröffentlicht.[21]

Write-Only-Programmieren bezeichnet Programmcode, der zwar problemlos geschrieben werden konnte, aber nur sehr schwer wieder gelesen oder verstanden werden kann. Eine beliebte und sehr geeignete Programmiersprache für diesen Zweck ist Perl. Siehe auch Obfuscated Perl Contest. Auch Reguläre Ausdrücke sind hier häufig vertreten.

Ebenfalls von fundamentaler Bedeutung ist das GIGO-Prinzip (garbage in, garbage out): Wer sein Programm mit „Müll (garbage) füttert“, erhält als Ergebnis auch solchen.

Die oft sehr kryptischen und im Wortsinn gar nicht so mnemonischen Befehlskürzel in Assemblerprogrammen haben Programmierer verführt, zahlreiche Fantasiebefehle zu erfinden wie HCF - Halt and Catch Fire.[22][23][24][25]

Selten aufzutreiben sind Wireless-LAN-Kabel. Obwohl der Begriff WLAN-Kabel einen scherzhaften Hintergrund besitzt, wird inzwischen umgangssprachlich dasjenige Kabel so bezeichnet, welches für den Anschluss von externen Antennen verwendet wird. Faktisch ist es auch möglich, die Signale von WLAN-Modulen über geeignete Koaxialkabel laufen zu lassen und damit eine tatsächliche Netzwerkverbindung herzustellen, wie ein Hobbytechniker in der Datenschleuder #84 beschreibt.

Bei Netzwerk-Problemen, die sich als nicht oder nicht vollständig eingesteckte Kabel entpuppen, spricht man auch vom packet-over-air Problem.

Eine beabsichtigte und eher dauerhaftere Unterbrechung des Netzwerkdatenverkehrs wird vorteilhafterweise durch SNIP (Sysadmin Network Interrupt Protocol) herbeigeführt. Eine Ähnlichkeit des Wortlautes mit dem Geräusch einer sich schließenden Schere kommt nicht von ungefähr.

Besonders im englischen Sprachraum sind bei Computer-Problemen sogenannte „ID10T“-Fehler bekannt, welche Kundendienst-Mitarbeiter regelmäßig bei hilfebedürftigen Benutzern diagnostizieren. Fragen diese, was „ID10T“ heißt, sagt man ihnen, sie sollen diese Zahlen- und Buchstabenkombination auf ein Blatt Papier schreiben, um sie zu verstehen – im englischen Sprachraum wird, anders als im deutschen, die Eins üblicherweise als einfacher Strich geschrieben. So wird schnell klar, dass es sich nicht um einen (wie auch immer gearteten) „ID-ten-T“-Fehler, sondern um einen „IDIOT“-Fehler handelt, was bedeutet, dass das Problem in der Unfähigkeit des Benutzers begründet liegt. Ausdrücke wie „ID10T“ sind außerdem Teil der Leetspeak-Kultur. Oder wie man auch sagt: Es gibt genau 10 Sorten von Leuten – nämlich diejenigen, die das binäre System verstehen, und diejenigen, die es nicht tun.

Eine andere Art, mitzuteilen, dass das Problem eher nicht am Rechner liegt, ist, das Problem als PEBKAC zu klassifizieren oder als OSI-Ebene-8-Problem (die Ebene 7 ist die höchste Schicht, die Anwendung, darüber kann nur noch der Anwender kommen). Üblicherweise wird im Fachjargon die englische Ausdrucksweise „Layer-8-Problem“ verwendet. Als „Layer-9“ wird scherzhaft die (nicht existierende) religiöse Schicht des OSI-Layers bezeichnet.

Weil die Zahl 31 im Oktalsystem mit der Zahl 25 im Dezimalsystem übereinstimmt, kurz Oct 31 = Dec 25, wird daraus gefolgert, dass Halloween und Weihnachten verwechselt werden dürfen.[26][27][28]

Manchmal wird die Wahrheit durch die Formel 2B || ¬2B (2B or not 2B) definiert. Dabei handelt es sich um ein Shakespeare -Zitat (to be or not to be).

Sogar Betriebssystemautoren können sich manchmal einen Gag nicht verkneifen. So ist in BeOS eine Funktion mit Namen is_computer_on() Teil des offiziellen APIs.[29] Sie prüft, wie schnell eine ganze Zahl ausgegeben wird. Im Gegensatz prüft is_computer_on_fire(), wie schnell eine Gleitkommazahl erzeugt wird. Der GNU Hurd kernel verwendet die Fehlerbezeichnung EIEIO (der Refrain des englischen Kinderlieds Old Mac Donald had a farm...), die einen „hoffnungslosen“ Systemzustand beschreiben soll, und als Computer bought a farm („Der Computer hat einen Bauernhof gekauft“) ausgegeben wird.[30]

Sehr beliebt in Informatikerkreisen ist es auch, rekursive Akronyme zu verwenden, bei denen das Akronym selber eines der abgekürzten Worte ist, wie beispielsweise GNU, das für GNU is not Unix („GNU ist nicht Unix“) steht.

Philosophie

In der Hochphase postmoderner Theorie veröffentlichte Alan Sokal 1996 in der Zeitschrift Social Text einen Aufsatz mit dem Titel „Transgressing the Boundaries: Towards a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity.“ Sein Anliegen war es, zu zeigen, ob ein führendes Wissenschaftsmagazin einen frei erfundenen Zusammenhang publiziert, solange er eindrucksvoll klingt und konform zur ideologischen Grundlinie der Zeitschrift ist. Die folgend so genannte Sokal-Affäre führte zu hitzigen Diskussionen über die Richtigkeit der dekonstruktivistischen Infragestellung der positivistischen Naturwissenschaft.

Theologie

Martin Luther oder Philipp Melanchthon sollen in der Form eines Trinkspruchs das ironische Beispiel eines (fehlerhaften) Kettenschlusses (soriticus Syllogismus) geprägt haben, der unterschiedlich überliefert wird. In Immanuel Kants aus dem Nachlass herausgegebener Logik-Vorlesung lautet der Spruch: „Qui bene bibit, bene dormit; qui bene dormit, non peccat; qui non peccat, salvatur; ergo qui bene bibit, salvatur“ („Wer gut trinkt, schläft gut, wer gut schläft, sündigt nicht, wer nicht sündigt, wird erlöst, also: Wer gut trinkt, wird erlöst werden“). Der Spruch wird unter anderem auch William Shakespeare zugeschrieben. Es dürfte sich aber um einen Ulk aus dem Studentenmillieu handeln, der nicht berücksichtigt, dass Sünden nicht nur durch Handlungen, sondern auch durch Unterlassungen geschehen können.

Ein klassisches Beispiel einer Parodie des Wissenschaftsbetriebs (im Bereich der Theologie im 16. Jahrhundert) sind die Dunkelmännerbriefe, der aus Sicht der (humanistischen) Verfasser von geringem Niveau war. Eine ebenso klassische Satire für das 18. Jahrhundert, die diesmal auf das Niveau der Studenten der Theologie abzielt, ist die Jobsiade.

Ein amüsantes aktuelles Beispiel ist der Lexikoneintrag zu Wein und Wahrheit von Eberhard Jüngel in der RGG4. Wein und Wahrheit seien Zwillinge, die gemeinsam haben, dass sie die Wirklichkeit unterbrächen. Zwar habe der syrische Übersetzer des Jesus Sirach den Wein aufs schlimmste beleidigt, weil er Wein mit Wasser gleichsetzt: „Schlimmer kann man den Wein nicht kränken!“; aber Wein und Wasser gehörten eben nicht fundamental zusammen wie Wein und Wahrheit: „Und was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“ [31]

Rechtswissenschaften

Im juristischen Bereich spielte der fiktive Verfassungsrechtler Friedrich Gottlob Nagelmann eine ähnliche Rolle. Er war an der Universität Potsdam beheimatet, außerdem findet sich ein Eintrag über ihn in Meyers aktuellem Personenlexikon und die Festschrift zu seinen Ehren[32] ist in vielen Universitätsbibliotheken ausleihbar.

Auch in der Geschichte der USA findet sich eine entsprechende Persönlichkeit in Gestalt des Richters am Supreme Court I. M. Kidding (phonetisch: “I am kidding”, engl: „Ich scherze“).

Wirtschaftswissenschaften

Die Wirtschaftswissenschaften sehen sich gelegentlich dem Vorwurf ausgesetzt, sämtliche Lebenslagen rein wirtschaftlich zu bewerten. So hat beispielsweise Gary Becker die Grundlagen der Preistheorie auf Kriminalität und Familienverhältnisse angewandt (siehe auch Rotten Kid Theorem). Als Satire schrieb Alan Blinder daraufhin einen Artikel über das Zähneputzen aus ökonomischer Sicht („The economics of brushing teeth“), der sogar im angesehenen Journal of Political Economy (Vol. 82) veröffentlicht wurde.[33] Darin stellt Blinder ein (künstlich aufgeblähtes) mathematisches Modell vor, das sich mit der Optimierung der täglich auf das Zähneputzen verwendeten Zeit beschäftigt, ausgehend von der Annahme, dass das Einkommen einer Person eine von Arbeitszeit und Zahnhygiene abhängige Funktion ist. Aus dem Modell lassen sich nach Ansicht des Autors „viele empirisch überprüfbare Hypothesen ableiten.“

Der Gozintograph ist ein Funktionsgraph, der beschreibt, aus welchen Teilen sich verschiedene Produkte zusammensetzen. Der Name dieses Graphen ist eine scherzhafte Verballhornung: Der Mathematiker Andrew Vazsonyi gab als Urheber den (fiktiven) italienischen Mathematiker Zepartzat Gozinto an, was nichts anderes bedeutet als „the part that goes into“. Diese Bezeichnung ist mittlerweile allgemein akzeptiert.

Geschichte

Auf den Eintrag „Apopudobalia“ im ersten Band des „Neuen Pauly“ über eine antike Vorform des Fußballs fallen zumindest Studenten immer wieder herein.

Musikwissenschaft

In zahlreichen musikwissenschaftlichen Lexika taucht Otto Jägermeier auf, ein fiktiver Zeitgenosse von Richard Strauss und spätromantischer Komponist, besonders bekannt durch seine Forschungsarbeit auf Madagaskar und sein von madagassischen Einflüssen geprägtes Spätwerk. Im angelsächsischen Sprachgebiet ist hierzu P. D. Q. Bach und sein Werk zu nennen. Erwähnt wird dieser Komponist auch in Herbert Rosendorfers Roman Das Messingherz.

Im New Grove's Dictionary of Music (1980) gab es (soweit bekannt) zwei fiktive Einträge, unter insgesamt über 20.000 Biographien: Dag Henrik Esrum-Hellerup, angeblich ein dänischer Komponist und Flötist, eingeschmuggelt vom Spezialisten für skandinavische Musik Robert Layton und benannt nach einem Vorort von Kopenhagen (Hellerup). Der andere Eintrag Guglielmo Baldini, italienischer Komponist, konnte seine Traditionslinie schon auf Hugo Riemann zurückführen (er wurde im Grove's prüfungsresistent mit dem “Archiv für Freiburger Diözesangeschichte” belegt). In den neuen Auflagen wurden beide entfernt, dafür gab es einen Artikel über fiktive Biographien von David Fallows. [34] Baldini fand sich nach Riemann, der ihm ein Madrigalbuch zuordnet und ihn in Ferrara um 1540 leben ließ, noch in mehreren Musiklexika. Das einzig erhaltene Exemplar seiner Madrigale verbrannte nach Prof. Budde leider im 2. Weltkrieg in Mainz[35]. Ein weiterer Wackelkandidat aus dem Riemann-Lexikon ist Ugolinus de Maltero, der um 1320 gelebt haben soll und ein Landsmann von Riemann aus Thüringen war, Verfasser von De Cantus Fractibili.

Siehe auch

Literatur

  • George H. Scherr (Hrsg.): Journal der unwiederholbaren Experimente. Krüger, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-8105-1713-5 (Übersetzung aus dem Englischen).
  • Heinrich Zankl Irrwitziges aus der Wissenschaft - Von Leuchtkaninchen bis Dunkelbirnen, Wiley VCH 2008, ISBN 3-527-32114-4

Weblinks

Einzelnachweise

  1. „Witz: Küchentest der Wissenschaften“ Beitrag in „Der Aufbau“, New York, 1940
  2. Findlen, Paula. 1990. „Jokes of Nature and Jokes of Knowledge: The Playfulness of Scientific Discourse in Early Modern Europe.“ Renaissance Quarterly 43(2): 292-331, S. 301
  3. „Komik bedeutet immer, wie die Komikforschung Bachtins, Plessners, Joachim Ritters, W. Preisendanz’ und vieler anderer herausgearbeitet hat, Brechung und Relativierung, Außerkraftsetzen und Infragestellen.“ Theodor Verweyen, Vorlesung Theorie und Geschichte der Parodie (2003)
  4. Otto Bögeholz: Alles ist Gefühl. ISBN 3-936469-09-1. Und: Otto Bögeholz: Gefühl ist Alles. ISBN 3-936469-29-6.
  5. Hans Traxler: Die Wahrheit über Hänsel und Gretel. pardon-Bibliothek Bärmeier & Nikel, 1963.
  6. Heinrich Zankl: Irrwitziges aus der Wissenschaft: Von Leuchtkaninchen und Dunkelbirnen. Weinheim: Wiley-VCH 2008. ISBN 3-527-32114-4, Seite 32-33
  7. Kurt Reidemeister. Über Leonhard Euler. Mathematisch-Physikalische Semesterberichte. Bd.6, Nr.1/2, S.4, 1958, ZBL 0086.00401
  8. Das Inhaltsverzeichnis verweist auf diese Seite, siehe auch die Erläuterung und dem Vergleich mit dem Original
  9. Journal of Craptology
  10. G. Beck, H. Bethe, and W. Riezler, Die Naturwissenschaften 19, 39 (1931), Seite 38-39
  11. NN: A Gamov Joke, www.aip.org, letzter Abruf 10/2008
  12. Stephanie H. Chanteau, James M. Tour*: Synthesis of Anthropomorphic Molecules: The NanoPutians, Journal of Organic Chemistry, Vol. 68, pp. 8750-8766
  13. Stümpke, Harald: Bau und Leben der Rhinogradentia. 1. Auflage, 83 S., Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1961, ISBN 3-437-30083-0
  14. Christoph Drösser: Stimmt’s? – Kuh mit Leck. In: Die Zeit. Nr. 37, 4. September 2003 (Artikel bei Zeit online, abgerufen am 28. Dezember 2008).
  15. Stefanie Schramm: Handbuch für Hypochonder, Die Zeit Nr. 39, 20. September 2007, www.zeit.de
  16. Herrmann, Theo W. (ed.) (1974). Dichotomie und Duplizität. Grundfragen psychologischer Erkenntnis. Ernst August Dölle zum Gedächtnis. Bern: Huber. ISBN 978-3-456-80013-4
  17. Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Hilbert Meyer, 30. August 2008
  18. Silicon Art Gallery
  19. Silicon Zoo
  20. Chip Fun
  21. Die Geschichte des Write-Only-Memory bei Signetics
  22. Assembler as it REALLY is
  23. Assembler Commands Fun
  24. RISC Op Codes
  25. Fun Op Codes
  26. Verkauf des Slogans Oct 31 = Dec 25 auf Mousepads und T-Shirts
  27. Zitat von Oct 31 = Dec 25 in Blogs
  28. Slogan Oct 31 = Dec 25 bei wer-weiss-was
  29. Easter Egg Archive: is_computer_on() as part of BeOS API (engl.)
  30. Altes FAQ des GNU Hurd kernels
  31. RGG4, Band 8, S. 1360f.
  32. Umbach, Dieter C. [Hrsg.]; Herzog, Roman; Benda, Ernst: Das wahre Verfassungsrecht - Zwischen Lust und Leistung [Gedächtnisschrift für F.G. Nagelmann]. ISBN 3-7890-1064-2.
  33. Blinder, Alan S.: The Economics of Brushing Teeth, The Journal of Political Economy, Vol. 82, No. 4 (Jul. - Aug., 1974), pp. 887-891
  34. New York Times zu Grove Dictionary und falsche Einträge, 21. Januar 2001, von James Oestreich
  35. Zankl Irrwitziges in der Wissenschaft
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