|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Der Wohlwollende Vertrag ist eine Übereinkunft zwischen dem letzten Kaiser von China, Pu Yi, nach seiner Abdankung, und der Regierung der chinesischen Republik aus dem Jahre 1912.
Inhaltsverzeichnis |
Der Vertrag sichert dem ehemaligen Kaiser auch weiterhin Titel und Würden sowie ein Wohnrecht in der Verbotenen Stadt (dem Zentrum Pekings) und eine jährliche Apanage zu und stellt den kaiserlichen Hofstaat unter den Schutz der republikanischen Regierung. Der Vertrag umfasst acht Artikel und hat folgenden Wortlaut:[1]
In Anbetracht der Tatsache, dass der Kaiser der Großen Qing-Dynastie öffentlich seine Zustimmung zur Errichtung eines republikanischen Regierungssystems bekanntgegeben hat, werden hiermit die nachfolgenden Artikel bezüglich der "wohlwollenden Behandlung des Kaisers der Großen Qing nach seiner Abdankung" aufgezählt:
Mit diesem Vertrag erkannte die Republik China auch nach der Abdankung Pu Yis das kulturelle Erbe der Vergangenheit an und sicherte dem letzten Kaiser quasi eine symbolische Bedeutung zu. Noch immer kamen republikanische Beamte und Minister sowie ausländische Staatsgäste in die Verbotene Stadt und entboten dem jungen Kaiser ihre Achtung. Dies zeigt, dass der chinesische Kaiser noch immer ein mächtiges Symbol für das chinesische Volk war und vom Ausland als Respektsperson anerkannt wurde.
Schon einige Jahre nach Abschluss des Vertrags geriet die chinesische Regierung mit der Zahlung der jährlichen Apanage immer weiter in Rückstand, so dass, um den kaiserlichen Hofstaat aufrechterhalten zu können, Wertsachen und Kunstgegenstände aus kaiserlichem Bestand verkauft werden mussten. Im Jahre 1924 hatte sich der Hass unter den Vertretern der Republik so weit aufgesteigert, dass republikanische Truppen in die Verbotene Stadt einrückten und den Kaiser samt Hofstaat vertrieben. Damit war der Vertrag von seiten der Republik China gebrochen worden.
In der Volksrepublik China wurde Pu Yi 10 Jahre lang als Kriegsverbrecher in einem kommunistischen Umerziehungslager inhaftiert und indoktriniert, weil er von den Japanern als Oberhaupt des Marionettenstaats Mandschukuo eingesetzt worden war. (Pu Yi war als Kaiser des Marionettenstaats Mandschukuo zwar über Geheimverträge der Japaner informiert, wusste aber wahrscheinlich nichts von den Kriegsverbrechen wie etwa dem Massaker von Nanking oder der Spezialeinheit 731 mit ihren biologischen und chemischen Menschenversuchen.) Er starb 1967 an Nierenkrebs, körperlich und seelisch gebrochen durch die Kulturrevolution.