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Die World Reference Base for Soil Resources (Abkürzung WRB) ist eine Bodenklassifikation, die als internationales Kommunikationsmittel für den Fachbereich Boden geschaffen wurde. Sie ist mehr oder weniger weltweit gültig, um Informationen über Böden und deren Eigenschaften über regionale und nationale Grenzen hinweg auszutauschen.
Inhaltsverzeichnis |
Seit Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in vielen Staaten Systeme, um Böden zu beschreiben und in Klassen einzuteilen. Im letzten Drittel des 20. Jahrhundert wurde aber immer deutlicher, dass diese Entwicklung zu mehreren Problemen geführt hatte:
Die USA begannen damit ihre Klassifikation radikal umzugestalten, um mit ihr alle Böden weltweit abzudecken. Die so entstandene Soil Taxonomy wurde aber trotz starker Bemühungen von Seiten der USA nicht international angenommen.
Statt dessen setzte sich ein von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) ausgearbeitetes System durch; die FAO-Bodenklassifikation („Soil Map of the World“), die 1988 herauskam. An dessen Erarbeitung wirkten zahlreiche Staaten, darunter auch Deutschland, in einem langjährigen Prozess mit. Die FAO war Initiator der internationalen Bodenverständigung, da der Austausch von Bodeninformationen in erster Linie für landwirtschaftliche Zwecke verlangt wurde.
1998 wurde auf dem 16. Bodenkundlichen Weltkongress die von da an als WRB (World Reference Base) bezeichnete Klassifikation als Nachfolger der älteren FAO-Version veröffentlicht. Noch im gleichen Jahr legte die ISSS (International Society of Soil Science) sie als internationale Klassifikation fest. Seit Sommer 2006 liegt eine neue, stark überarbeitete Fassung der WRB vor, in der Verbesserungsvorschläge aus fast 10 Jahren Praxiserfahrungen einflossen, und 2007 wurde eine korrigierte Version veröffentlicht. Von der Version aus dem Jahre 2006 existiert auch erstmalig eine offizielle deutschsprachige Übersetzung.
Eine Besonderheit der WRB ist, dass sie von vornherein nicht die nationalen Klassifikationen ersetzen sollte. Sie stellt eine internationale Sprache dar, um Erkenntnisse aus der Bodenkunde weltweit eindeutig zu veröffentlichen und leichter auszutauschen. Dies geht auch aus dem Namen hervor, denn WRB steht für World Reference Base oder zu deutsch: weltweite Referenzbasis.
Die WRB ist auch in Deutschland anerkannt. Neben ihr hat aber die Deutsche Bodensystematik nach wie vor die volle Gültigkeit und wird an den Hochschulen gelehrt. In deutschsprachiger Fachliteratur werden in der Regel die WRB-Bezeichnungen parallel zu denen der Deutschen Bodensystematik angegeben.
Die verwendeten Namen für die Bodentypen sind überwiegend Kunstnamen, die ihre Wurzeln im Latein, der griechischen Sprache, sowie in modernen Sprachen haben.
Die Klassifikation ist in zwei Ebenen aufgeteilt:
Auf der ersten Ebene werden Referenzbodengruppen (reference soil groups - RSG) unterschieden, von denen es 32 gibt (1998: 30). Die Einordnung eines Bodens in die jeweilige RSG erfolgt anhand eines Schlüssels, in dem in einer fest definierten Reihenfolge nach dem Vorhandensein und der Tiefenlage diagnostischer Horizonte (diagnostic horizons), diagnostischer Eigenschaften (diagnostic properties) oder diagnostischer Materialien (diagnostic materials) gefragt wird. Die Einordnung in eine RSG erfolgt anhand des ersten vollständig erfüllten Kriteriensatzes.
In der zweiten Ebene stehen die Qualifier (die deutsche Übersetzung Merkmale ist ungebräuchlich), die die Referenzbodengruppe weiter differenzieren. Insgesamt stehen 163 verschiedene Qualifier (sowie 54 fest definierte Zusammensetzungen von Qualifiern mit Specifiern) zur Verfügung. Dabei werden drei Arten von Qualifiern unterschieden:
Typischerweise assoziierte und Übergangsqualifier werden als Präfixe vor den Namen der RSG gestellt, andere Qualifier in Klammern als Suffixe dahinter. Die Bezeichnungen der Qulaifier werden groß geschrieben.
Für jede RSG gibt es eine Liste mit zulässigen Qualifiern, wobei einer RSG minimal 9 und maximal 30 mögliche Merkmale zugeordnet sind. Aus den möglichen Qualifern müssen alle zutreffenden ausgewählt werden. Je weiter oben in der Liste ein möglicher Präfix-Qualifier steht, desto weiter rechts (d. h. näher am Namen der RSG) steht er. Demselben Prinzip folgend (Stellung relativ zum Namen der RSG), werden Suffix-Qualifier in der Reihenfolge angegeben, in der sie in der Liste stehen. Für Zwecke der Erstellung von Kartenlegenden kann die Zahl der Qualifier reduziert werden. Trifft kein anderer Präfix-Qualifier der Liste zu, erhält der Boden den Präfix-Qualifier Haplic ("gewöhnlich").
Die Qualifier können mit Hilfe von Specifiern noch in ihrer Aussage modifiziert werden, zum Beispiel, wenn sich ein Qualifier nur auf einen Teil des Bodenprofils bezieht. Die Specifier werden als Vorsilbe(n) an den entsprechenden Qualifier gehängt.
Aufgrund der hierarchischen Einteilung besteht die Möglichkeit, mehrere Tausend verschiedene Bodenuntereinheiten anzusprechen.
Wird die WRB mit der alten FAO Weltbodenkarte verglichen, so fällt auf, dass die Aussage über die Nutzungspotentiale und Nutzungseinschränkungen gänzlich aus der WRB verschwunden ist. Die früheren Soil Phases, also der Zustand in dem sich die Böden befinden, sind in die differenzierenden Merkmale der WRB zwar mit eingegangen, allerdings sind sie nicht mehr erkennbar.
Die Liste der Referenzbodengruppen umfasst 32 Böden, die nicht alphabetisch geordnet sind, sondern in der Reihenfolge des WRB-Schlüssels zur Bodenansprache mit Angabe des Codes:
Organische Böden
Anthropogene Böden
Böden mit eingeschränkter Durchwurzelung
Wasserbeeinflusste Böden
Durch Eisen- und/oder Aluminiumprozesse geprägte Böden
Stauwasserböden
Humusakkumulationsböden
Salzakkumulationsböden
Böden mit Tonverlagerungshorizonten
Junge, wenig differenzierte Böden
Anhand eines Beispiels soll das Vorgehen bei der Bodenansprache mit der WRB aufgezeigt werden:
Ebene 1: Festlegung der Referenzbodengruppe
Folge: Der diagnostische Schlüssel für die RSG Leptosol trifft zu. Alle später in der Liste folgenden RSG kommen nicht mehr in Frage. Die Referenzbodengruppe ist ein Leptosol.
Ebene2: Bestimmung der Qualifier
Für den Leptosol kommen 17 Präfixe in Frage. Die genaue Qualifierliste und die Bedeutungen der einzelnen Qualifier können der WRB entnommen werden (siehe Weblinks). In diesem Fall soll der Boden aus mäßig verwitterten vulkanischen Ablagerungen bestehen (Andic) und extrem flachgründig sein (Lithic). Alle anderen möglichen Präfixe treffen nicht zu. Lithic steht in der Liste vor Andic und muss daher näher am Namen der Referenzbodengruppe stehen. Damit lauten die Präfixe Andic Lithic.
Daneben befinden sich 19 mögliche Suffixe in der Liste, von denen nur die relativ gute Nährstoffversorgung (Eutric) zutrifft. Damit gibt es bei diesem Boden das Suffix Eutric.
Der Boden heißt daher: Andic Lithic Leptosol (Eutric)
Gäbe es weitere Suffixe, würden diese durch Komma getrennt in der nachgestellten Klammer aufgeführt, und zwar in der Reihenfolge, wie sie in der Liste möglicher Qualifier erscheinen.
Die WRB steht vollständig als Download zur Verfügung: