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Wie das prinzipiell bei jedem Vokalbuchstaben möglich ist, steht y als Vokalbuchstabe in den Schreibsystemen moderner Sprachen teils für einen oder mehrere Vokale, teils je nach Stellung für Vokale oder einen Konsonanten (so im Englischen). In einigen Sprachen wird y aber auch als Konsonantenbuchstabe verwendet (so im Türkischen). y kommt auch als Bestandteil von festen Zeichenkombinationen (Digraphen) für einzelne Phoneme vor (so im Ungarischen).
Im Deutschen wird y ausschließlich in Lehn- und Fremdwörtern (außerdem in Eigennamen) verwendet und hat dann (annähernd) den Lautwert der Herkunftssprache; die grundlegende Aussprache ist bei vokalischer Verwendung (langes/geschlossenes oder kurzes/offenes) [y] (im unbetonten Auslaut jedoch [i]), bei Verwendung als Konsonant oder Halbvokal [j].
Der Buchstabe Y hat in deutschen Texten eine durchschnittliche Häufigkeit von 0,04 %. Er ist damit nach Q und X der drittseltenste Buchstabe.
Inhaltsverzeichnis |
| Proto-semitisches Waw-Zeichen |
Phönizisches Waw | Griechisches Ypsilon | Etruskisches U/Y | Lateinisches Y |
Der Name Ypsilon stammt aus dem Griechischen und bedeutet „schlichtes I“ (ὔ – ψιλον; ψιλον – schlicht, einfach, kahl, leer, bloß).
Das Ypsilon ist einer der jüngsten Buchstaben im lateinischen Alphabet und teilt sich einen Großteil seiner Geschichte mit dem U, dem V und dem W (und dem F). Es hat seinen Ursprung im phönizischen Buchstaben Waw, der den Lautwert [w] hatte. Ins griechische Alphabet wurde der Buchstabe als Ypsilon übernommen, der ursprünglich auch den Lautwert [u] hatte. Auf dem Weg über die Etrusker wurde daraus das lateinische U.
Das klein geschriebene griechische Ypsilon sieht im Gegensatz zur Lateinischen Schrift fast so aus wie ein klein geschriebenes lateinisches U. Im griechischen Alphabet existiert kein Buchstabe der dem U-Laut entspricht, stattdessen wird aus der Abfolge eines Omikron mit einem Ypsilon der U-Laut. Bei im Prinzip fehlerhaften Transkriptionen aus dem Griechischen mit lateinischer Schrift sieht man daher oft statt eines einfachen "u" ein "ou", obwohl es sich nur um einen U-Laut handelt.
Bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. hatte sich infolge des Sprachwandels der Lautwert des griechischen Ypsilon jedoch gewandelt, es stand nun für den Laut [y]. Als die Römer um diese Zeit begannen, verstärkt griechische Begriffe zu verwenden, behalfen sie sich zuerst mit der Umschreibung mit U, fügten jedoch dann das Ypsilon an das Ende ihres Alphabets hinzu.
Im Frühneuhochdeutschen und im Mittelniederländischen wurde der lange [iː]-Laut bisweilen als ij wiedergegeben. Da diese Schreibung oft gleich aussah wie ein ÿ, wurde sie mit y verwechselt. Im Schweizer Hochdeutsch und im Afrikaans wird ein solches y, das als Ligatur aus ij entstanden ist, bis heute verwendet, beispielsweise in Namen wie Schwyz oder Schnyder. Im Niederländischen hingegen wird heute die Ligatur ij gebraucht.
Seit der Spätantike wird das Ypsilon im Griechischen (Υ/υ) als [i] ausgesprochen, bezeichnet also denselben Laut wie i. Daher und durch den Gebrauch griechischer Fremdwörter (bzw. auf griechischem Vorbild aufgebauter Kunstwörter) gibt es in den heutigen Orthographien anderer Sprachen sehr verschiedenartige Verwendungen des y:
Im Griechischen wandelt sich die Lautbedeutung des Ypsilons in Kombination mit anderen Vokalen. „Ου“ (o+y) wird als U gesprochen, „αυ“ (a+y) neugriechisch als „af“ und „ευ“ (e+y) als „ef“. Das griechische Präfix „auto-“ wird beispielsweise somit „afto“ gesprochen.
In der heutigen deutschen Rechtschreibung wird das y fast ausschließlich in Fremdwörtern und Eigennamen verwendet. Bei griechischen Fremdwörtern hat sich unter dem Einfluss der Schulbildung die Aussprache [y] (ü) weitgehend durchgesetzt (beispielsweise Typ, Xylophon). Noch im früheren 19. Jahrhundert war hingegen die Aussprache [i] üblich.[1] Im Schweizer Hochdeutsch ist in verschiedenen griechischen Fremdwörtern noch die Aussprache [i] üblich, beispielsweise in Asyl. In Fremdwörtern aus anderen Sprachen wird im Allgemeinen die fremde Aussprache übernommen, z. B. bei englischen Fremdwörtern als [i] (meist Wortende, beispielsweise Party, Hobby) oder [aɪ] (beispielsweise Nylon), und am Wortanfang vor weiterem Vokalbuchstaben als [j] (beispielsweise Yen, Yoruba).
In Eigennamen (Familien- und geografischen Namen) wird y in der Regel wie ü gesprochen (Sylt, Thyssen, Byhleguhre-Byhlen), daneben auch als i (Kyffhäuser, Gysi). In alemannischen Namen wird das y regelmäßig als geschlossenes [i(ː)] ausgesprochen, beispielsweise in Schwyz oder Mythen, denn diese Verwendung geht auf das ij zurück (siehe oben). Ferner kommt das y als Variante von unsilbischem i (als Bestandteil von Diphthongen) in verschiedenen Namen vor, beispielsweise in Bayern, dessen y auf eine Anordnung von König Ludwig von Bayern von 1825 zurückgeht, welche im Zusammenhang mit der Wahl seines Sohnes Otto zum König von Griechenland steht (neben ay kommen auch die Kombinationen ey und oy vor). In Eigennamen kann y auch Bestandteil von anderen, sonst unüblichen Mehrgraphen sein: in uy (neben ui) für langes ü (z. B. Huy) oder für eu (Gruyter), in oey für langes ö (Oeynhausen).
Y ist das Kennzeichen der Bundeswehr auf den Nummernschildern ihrer Kraftfahrzeuge. Daher wird die Bundeswehr in Deutschland mit humorigem bis ironischem Unterton auch "Y-Reisen" oder "Y-Tours" genannt.
Siehe auch: Abkürzung, Akronym, beginnend mit dem Buchstaben Y oder y