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Der Stamm der Yámana (auch: Yagan) ist eine der vier ethnischen Gruppen, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf Feuerland siedelten. Ebenso wie die anderen Ureinwohner Feuerlands wurden sie im Zuge der Besiedelung durch weiße Siedler bereits Anfangs des 20. Jahrhunderts fast vollständig ausgerottet.
Inhaltsverzeichnis |
Die Yámana siedelten als Seenomaden entlang des Beagle-Kanal und der benachbarten Kanäle von der Halbinsel Brecknock bis zu den Wollaston-Inseln bei Kap Hoorn. Ähnlich wie die Kawesqar war auch für sie das Kanu Lebensmittelpunkt: in ihnen transportierten die Familien ihren gesamten Besitz, ebenso wurde eine Feuerstelle von einem Rastplatz zum anderen mitgenommen. Diese Kanus wurden aus der Rinde des Lenga-Baums (Nothofagus pumilio) produziert. Wenn sie an Land lagerten, lebten die Yámana in niedrigen Hütten, die aus Baumästen gefertigt wurden. Je nach Jahreszeit änderten diese Hütten aufgrund der unterschiedlichen Witterung ihre Form. Über Jahrhunderte lagerten die Yámana an bevorzugten Lagerplätzen, die von Bergen aufgebrochener Muscheln umgeben waren. Während die Männer für die Jagd verantwortlich waren, tauchten die Frauen im eiskalten Wasser nach Muscheln und Krebsen.
Die ersten Europäer, die den Yámana begegneten, waren die Seeleute einer holländischen Expedition, die 1624 in der Nähe von Kap Hoorn auftauchte, aber erst mit dem Aufkommen der Schnellsegler und der Waljagd Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu regelmäßigen Kontakten zwischen den Europäern und den Yámana. In Europa bekannt wurden jene vier Yámana, die im Zuge der Expedition von Parker King und Robert FitzRoy in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach England verschleppt wurden, als Jemmy Button, Fuegia Basket, Boat Memory und York Minster.
Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam es zu regelmäßigen Kontakten, etwa durch die Missionierungsbemühungen der South American Missionary Society. Bei Ankunft der ersten Siedler um 1884 brach allerdings eine Masernepidemie aus, die fast die Hälfte der insgesamt auf 1000 Personen geschätzten Yámana tötete. Ebenso trug die den Indianern durch Missionare überlassene Kleidung zur Ausbreitung der Epidemie bei. Die nunmehr forcierte sesshafte Lebensweise und der Wechsel der Ernährungsweise (von vorrangig tierischen Fetten zu pflanzlichen Produkten) verschärfte den schlechten Gesundheitszustand der Überlebenden (Skrofulose, Lungenentzündung und Tuberkulose). Um 1911 lebten deshalb nur noch rund 100 Yámana. Die letzte Yámana, die noch den ursprünglichen Lebensstil pflegte, starb 1983.
Heute leben noch Nachkommen von fünf verschiedenen Stammesmüttern und -vätern in Ukika bzw. Puerto Williams, die aber durch Heirat mit verschiedener kultureller Herkunft verbunden sind. Die Sprache beherrscht in eingeschränktem Umfang neben der bekannten Vertreterin Cristina Calderón (* ca. 1938) auch noch Patricio Chiguay Calderón.
* zusammengestellt aus: Chatwin/Theroux: Wiedersehen mit Patagonien. 1985.
| Jahr | 1834 | 1880 | 1888 | 1889 | 1908 | 1924 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 3000 | 1200 | 800 | 400 | 170 | 50 |