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Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent (* 1. August 1936 in Oran, Algerien; †1. Juni 2008 in Paris) war ein international bekannter französischer Modeschöpfer, der von 1953 bis 2002 in Paris tätig war.
Saint Laurent wirkte vielfach stilbildend in der Mode, die Fachwelt würdigte ihn als „Revolutionär“ des Modedesigns, auch nach seinem Tod gilt er bis heute als Koryphäe auf dem Gebiet der gehobenen Damenmode. Yves Saint Laurent verkörperte wie nur wenige andere Designer die französische Haute Couture Mode. Den größten Einfluss hinterließ 1967 seine Kreation eines Hosenanzuges für Frauen („Le Smoking“), der die weibliche Form elegant und sachlich zugleich zur Geltung brachte und damit auch emanzipatorisch wirkte.[1]
Das Unternehmen und damit die Marke Yves Saint Laurent, kurz YSL, bestehen bis heute und sind seit Ende 1999 im Besitz der Gucci-Gruppe, welche wiederum von 1999 bis 2004 schrittweise von dem französischen PPR-Konzern aufgekauft wurde.[2] Derzeitiger Chefdesigner aller YSL-Kollektionen ist seit März 2012 Hedi Slimane.[3]
Inhaltsverzeichnis |
Saint Laurent war der Sohn von Charles Saint-Laurent, dem Besitzer einer Versicherungsgesellschaft und einer Kinokette, und dessen Frau Lucienne-Andrée, geb. Wilbaux (1914-2010).[4] Die Großeltern beider Familien wiederum kamen aus Elsaß-Lothringen und flohen während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 nach Nordafrika. Yves war das älteste Kind und kam ein Jahr nach der Heirat seiner Eltern zur Welt, zwei Töchter, Michèle und Brigitte, folgten. Er wuchs in Oran, Algerien, auf und besuchte dort das Gymnasium bis zum Baccalauréat. Bei einer Theateraufführung von Molières „Critique de l'École des femmes“ (Kritik der Schule der Frauen) entdeckte er seine Leidenschaft für Kostüme. So fertigte er bereits im Alter von elf Jahren Skizzen und Entwürfe für die Bühne an. Die Welt der Mode war für den sanften Saint Laurent auch eine Zuflucht vor dem Mobbing seiner Mitschüler. Saint Laurent war das Lieblingskind seiner Mutter, die französische Modemagazine abonniert hatte und gerne mit ihren Schneidern ihre neuen Kleider besprach.[5]
1953 kam er mit 17 Jahren nach Paris, wo er eine Ausbildung zum Mode- und Bühnenzeichner an der Modeschule der Chambre Syndicale de la Haute Couture absolvierte. Während der Ausbildung gewann er drei Preise bei einem Modezeichner-Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats IWS, darunter der Entwurf eines Cocktailkleides.[5] Seine Modezeichnungen wurden im Magazin Vogue veröffentlicht. Michel de Brunhoff, der Direktor von Vogue, stellte den jungen Designer Christian Dior vor. Bei ihm arbeitete er bis zu dessen Tod im Jahre 1957. Saint Laurent wurde im Alter von 21 Jahren zum Art Director befördert, um das Modehaus vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Im März 1958 lernte Saint Laurent seinen späteren Lebensgefährten und Geschäftspartner Pierre Bergé bei einem Dinner mit der französischen Modejournalistin Marie-Louise Bousquet (Harper's Bazaar) kennen. Quelle siehe Diskussion
1960 wurde er zum Militärdienst nach Algerien eingezogen, wo seit 1955 der Algerienkrieg wütete, und erlitt nach wenigen Tagen einen Nervenzusammenbruch. Er wurde in eine psychiatrische Anstalt überwiesen, wo man ihn mit Elektroschocks und Drogen (Sedativa) behandelte. Eine lebenslange Drogenabhängigkeit war die Folge. Sein Arbeitgeber, das Modehaus Dior, entband ihn daher von seinem Arbeitsvertrag. Bergé dagegen glaubte an Saint Laurents Talent und unternahm alles, um ihn wieder aus der Psychiatrie frei zu bekommen. Dann verklagten Saint Laurent und er Dior wegen Vertragsbruch und erhielten mehr als 100.000 US $ Entschädigung.[6] Mit diesem Startkapital konnte er sich mit Bergé 1961 selbständig machen. Fortan schneiderte Saint Laurent nur noch für das Modehaus Yves Saint Laurent Couture. Der Grafikdesigner A. M. Cassandre steuerte 1963 das Firmenzeichen YSL bei.[7] Das Paar trennte sich 1976 in freundschaftlicher Verbundenheit, doch blieben sie weiterhin Geschäftspartner und Vertraute. Bergé kümmerte sich auch weiterhin um Saint Laurent und stand ihm in seinen schlimmsten Zeiten bei. Kurz vor seinem Tode besiegelten sie mit einer formellen Heirat ihre lebenslange Verbundenheit.
Nachdem sich Saint Laurent 2002 aus dem Modegeschäft zurückgezogen hatte, lebte er weitgehend zurückgezogen in der Villa Majorelle in Marrakesch, in seiner kunstgeschmückten Pariser Wohnung in der Rue de Babylone[8] und im normannischen Château Gabriel in Deauville,[9] dessen Zimmer nach Figuren aus Marcel Prousts Romanzyklus «A la recherche du temps perdu» benannt waren. In den 1990er Jahren verfasste er Prosagedichte im Stil der Chants de Maldoror von Lautréamont.[10] Saint Laurent starb in Paris am 1. Juni 2008 an einem Hirntumor.[11] Seine Asche wurde im Beisein seiner Vertrauten und Mitarbeiter im Rosengarten des Jardin Majorelle seiner Villa in Marrakesch verstreut, die er und Bergé 1980 erworben hatten.[12]
Saint Laurents erste Kollektion für das Unternehmen Dior «Ligne Trapèze» wurde ein überwältigender, weltweiter Erfolg. Die «Trapezlinie» befreite die Frauen vom Zwang zur Wespentaille und präsentierte sie in anderer Form auf elegante Weise. 1958 zeigte er bei Dior seine erste eigene Kollektion, die als „Op-Art-Mode“ entscheidend die Mode der Zeit beeinflusste. Er befreite die Kostüme ein weiteres Mal, diesmal von Wattierungen und Versteifungen an Taille, Brust und Schultern, ohne jedoch auf die Pracht und die Fülle der Kostüme à la Dior zu verzichten.
Seine Kollektionen galten in den 1960er Jahren teilweise als skandalös. Er war einer der ersten Modeschöpfer, die transparente Stoffe verwendeten (Nude-Look). Seine konsequente Verwendung schwarzer Stoffe und die Verwendung des Materials Jersey fand in den frühen 1960er Jahren wenig Gefallen, bis sich auch dies als Trend durchsetzte. Im Jahr 1965 folgten farbenfrohe, geometrisch gemusterte Kostüme im Stil von Piet Mondrian und 1966 entstand der „Schiwago-Look“ mit ersten transparenten Oberteilen und Trenchcoats. Während der 1960er und 1970er Jahre popularisierte die Firma Modetrends, wie den Beatnik-Look, Tweed-Anzüge, enge Hosen und enge, schenkelhohe Stiefel und 1966 auch den klassischen Hosenanzug für Frauen (Damensmoking). Bereits 1962 hatte die französische Schauspielerin Catherine Deneuve als erste Frau öffentlichkeitswirksam einen für Damen modifizierten Haute Couture Smoking von Yves Saint-Laurent getragen.[13] Saint-Laurent nahm den Smoking, den er Le Smoking nannte, 1965 für die Saison 1966 in seine luxuriöse Prêt-à -porter-Kollektion Rive Gauche auf und bot ihn fortan in zahlreichen Variationen für Damen an.[14][15] Saint-Laurents Smoking für Damen war ein modisches Symbol der zweiten Welle der Frauenbewegung und damit der Emanzipation der Frau in den 1960er Jahren.[16][17] Bis heute bietet das Haus Yves Saint-Laurent in seinen Kollektionen an die heutige Zeit angepasste Versionen von Le Smoking für Damen an.[18][19] Noch 1966 eröffnete Saint Laurent in Paris seinen ersten Laden für die etwas preiswertere Prêt-à -porter-Mode-Linie Rive Gauche und erschloss sich damit neue Käuferschichten. Er schuf den androgynen Typ in einer Zeit, in der die Weiblichkeit der Frau noch herrschende Doktrin war. 1968 erfand er den Safari-Look, in den siebziger Jahren ließ er sich von russischer Folklore inspirieren. Weitere populär gewordene Entwürfe wurden Ende der 1960er Jahre ein neuartiger „Nostalgie-Look“ und Mitte der 1970er Jahre der „Edel-Bäuerinnen-Look“ in poppigen Farben. Anfang der 1980er Jahre entwarf Saint Laurent Bolero- sowie Liftboyjacken. Seine Duftkreation Opium (1977)[20] wurde neben Chanel Nº 5 zum international erfolgreichsten Parfum.
Der eher publikumsscheue Couturier und sein Label YSL erlangten internationale Beachtung. Bekannte Musen Saint Laurents waren Loulou de La Falaise, Betty Catroux und Catherine Deneuve. Saint Laurent gehörte zu den ersten Modeschöpfern, die schwarze Models buchten.[21] Weil die Modezeitschrift Vogue sich weigerte, Naomi Campbell auf das Titelblatt der französischen Ausgabe zu setzen, drohte er 1988 der Redaktion mit der Stornierung von Werbeanzeigen.[22][23] Der Welt der Bühne blieb er seit seinen Kindheitstagen treu, so fertigte er unter anderem für Zizi Jeanmaire, Roland Petit, Rudolf Nurejew und Catherine Deneuve Kostüme an. Saint Laurent ließ sich auch vom Stil der Maler Delacroix, Goya, Matisse, Mondrian, Picasso, van Gogh und Velázquez inspirieren. 1983 wurden Arbeiten von Yves Saint Laurent im New Yorker Metropolitan Museum of Art ausgestellt. Damit war er der erste lebende Modedesigner, dem diese Ehre dort zuteil wurde.
1993 wurde das Modehaus Yves Saint Laurent für nahezu 600 Mio. US-Dollar an den Pharmakonzern Sanofi verkauft. Von 1998 bis 2000 zeichnete der spätere Lanvin-Designer Alber Elbaz für die Damenmode der Prêt-à -porter-Sparte Yves Saint-Laurent Rive Gauche verantwortlich. Ende 1999 kaufte Gucci das YSL-Markenzeichen und der amerikanische Modedesigner Tom Ford übernahm ab 2000 die Verantwortung für die Rive Gauche Kollektion, während Saint Laurent selbst weiterhin die Haute Couture-Kollektionen gestaltete.
2002 zog sich Yves Saint Laurent mit einem vielbeachteten und betrauerten Modedefilée aus dem Geschäft zurück. Die Prominenz aus der Modewelt und dem kulturellen Leben verabschiedete sich von Saint Laurent. Seine Lieblings-Models Naomi Campbell, Jerry Hall und Laetitia Casta traten ein letztes Mal für ihn auf und Catherine Deneuve sang ein Liebeslied.[24] Mit Saint Laurents Rückzug wurde die Haute Couture Linie des Hauses eingestellt.
Tom Ford verließ YSL Ende 2003, um sich auf seine eigene Modelinie zu konzentrieren. 2004 erhöhte PPR seine Anteile an der Gucci-Gruppe auf 99,4%, zu welcher YSL seit 1999 nach dem Abkauf von Sanofi gehörte. Der Italiener Stefano Pilati - ein ehemaliger Designer für Giorgio Armani und Prada, welcher bereits seit 2000 auf Fords Anregung für YSL als Designer gearbeitet hatte - wurde im gleichen Jahr zu Fords Nachfolger ernannt.[25] Im Jahr 2005 arbeiteten über 900 Angestellte für das Unternehmen und erzielten einen Umsatz von 162 Millionen Euro.[26] 2008 wurde nach 10-jährigen Dauer-Verlusten bei YSL mit einem Umsatz von 263 Mio. Euro und einem Betriebsgewinn von 300.000 Euro wieder schwarze Zahlen geschrieben.[27] Der Umsatz im Geschäftsjahr 2009 lag mit einem erneuten Betriebsverlust von 10 Mio. Euro bei 238 Mio. Euro und 2010 mit einem Betriebsgewinn von 12 Mio. Euro bei 269 Mio. Euro, was einen Anteil von 12% des Jahres-Umsatzes der Gucci-Gruppe ausmachte.[28] 2010 gab es weltweit 78 direkt von YSL unterhaltene Boutiquen. Chefdesigner Pilati wurde 2012 durch den ehemaligen Dior-Herrenmodeschöpfer Hedi Slimane ersetzt, der bereits zwischen 1997 und 2000 als Herrenmode-Designer für YSL gearbeitet hatte.[29][30]
Originalkleider und Accessoires von Saint Laurent werden in einem Privatmuseum in dem Pariser Stadtteil La Villette aufbewahrt. Die im Jahr 2004 gegründete Stiftung «Fondation Pierre Bergé - Yves Saint Laurent» konserviert 5.000 Kleider, 15.000 Accessoires und Zeichnungen Saint Laurents bei einer konstanten Temperatur von 18 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 50 %.[31]
Yves Saint Laurent erwarb im Laufe seines Lebens Hunderte Kunstgegenstände und Gemälde von höchster Qualität und aus allen Stilepochen. Kunst war für ihn Beruhigung und Inspiration, wie sein Kunsthändler Alexis Kugel sagte.[32] Das Prinzip einer solchen Stilmischung war von Anfang an bewusst gewählt, das Ehepaar Vicomte Charles und Vicomtesse Marie-Laure de Noailles war das Vorbild für ein Ensemble von Kostbarkeiten.[33] „Bei ihnen haben wir gelernt, Stile, Epochen und Kontinente zu mischen“, äußerte sein Lebensgefährte Pierre Bergé.[34] Die Pariser Kunsthändler Alexis und Nicolas Kugel[35] und der Bilderhändler Alain Tarica[36] waren ihre wichtigsten Bezugsquellen. Vom 23. bis 25. Februar 2009 wurde nach einer halbjährigen Vorbereitung ihre Sammlung von 733 Kunstwerken im Pariser Grand Palais bei einer weltweit beachteten und vielfach als Jahrhundertauktion bezeichneten Auktion aufgelöst. Zu der Sammlung gehörten neben Goldschmiedearbeiten aus dem Haus Hannover, Art Déco-Möbel auch Gemälde von Künstlern wie etwa Henri Matisse, Giorgio de Chirico, Pablo Picasso, Paul Klee, James Ensor, Marcel Duchamp, Franz Hals.[37] Das Gemälde „Les coucous, tapis bleu et rose“ (Die Schlüsselblumen, Tischdecke in blau und rosa)[38] von Matisse aus dem Jahr 1911 erzielte bei der Versteigerung der Privatsammlung am 23. Februar 2009 den Rekordwert von 32,1 Millionen Euro und ist der höchste Versteigerungserlös, der jemals für einen französischen Maler erzielt wurde.[39] Das Gemälde des niederländischen Malers Piet Mondrian „Komposition mit Blau, Rot, Gelb und Schwarz“ wurde für 19,2 Mio. Euro versteigert. Die Versteigerung erbrachte insgesamt eine Summe von 374 Mio. Euro,[40] was der bisher höchste Betrag für eine private Kunstsammlung in Europa ist. Der Erlös der gemeinsamen Privatsammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé kommt je zur Hälfte einer neuen Stiftung für Forschungsprojekte zum Kampf gegen Aids und der Stiftung «Fondation Pierre Bergé - Yves Saint Laurent» zugute, welche die Gesamtkollektion des Modeschöpfers konservieren und erschließen soll.[39]
„Ich weiß, dass ich die Mode vorangebracht habe und den Frauen ein bisher verbotenes Universum geöffnet habe.“
– Yves Saint Laurent, 2002[41]
„Ich habe einfach eine Gabe. Das ist geheimnisvoll, aber die Natur hat mir ein Talent gegeben: zu wissen, zu spüren, was die Frauen wünschen. Und das zur richtigen Zeit. Dazu muss ich nicht rausgehen und reisen. Ich habe einfach gute Antennen.“
– Yves Saint Laurent[41]
„Nichts ist schöner als ein nackter Körper. Das schönste Kleidungsstück, das eine Frau tragen kann, ist die Umarmung eines Mannes, der sie liebt. Und für die, die dieses Glück nicht finden, bin ich da!“
– Yves Saint Laurent[41]
„Coco Chanel hat den Frauen die Freiheit gegeben, Yves Saint Laurent die Macht.“
„Die Mode hat nicht ganz den Rang von Kunst. Aber sie braucht für ihren Fortbestand einen Künstler.“
– Yves Saint Laurent, 2002[43]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Saint Laurent, Yves |
| ALTERNATIVNAMEN | Saint-Laurent, Yves Henri Donat Mathieu (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Modedesigner |
| GEBURTSDATUM | 1. August 1936 |
| GEBURTSORT | Oran |
| STERBEDATUM | 1. Juni 2008 |
| STERBEORT | Paris |