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Die ZĂ€sur (lateinisch caesura âSchnittâ) ist allgemein ein (gedanklicher) Einschnitt.
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ZĂ€suren sind beispielsweise in der römischen, griechischen und germanischen Dichtung Einschnitte, die nach bestimmten QuantitĂ€ten im Vers erfolgen. Dieser Einschnitt kann im Unterschied zur DihĂ€rese, die hĂ€ufig in der Bukolik verwendet wird, auch innerhalb des VersfuĂes liegen, wodurch der VersfuĂ oder Takt auf zwei Wörter verteilt wird.
Eine ZÀsur markiert eine minimale Pause beim Lesen, wie zum Beispiel im Hexameter. Ein Hexameter setzt sich aus Daktylen und Spondeen zusammen. Ein Daktylus besteht aus einer langen und zwei kurzen Einheiten. Ein Spondeus besteht aus zwei langen Einheiten. Bei der Platzierung von ZÀsuren wird eine lange Einheit als eins gezÀhlt und zwei kurze Einheiten ebenfalls als eins. Es gibt folgende ZÀsuren:
Die ZĂ€sur in der Verslehre wird auch Inzision genannt, speziell beim Pentameter. In deutscher Metrik heiĂt die ZĂ€sur nach einer Hebung mĂ€nnlich, nach einer Senkung weiblich oder klingend. Die ZĂ€sur im Vers teilt die Verszeile in mehrere Teile (Kola). Der Begriff ZĂ€sur (oder DihĂ€rese) existiert auch in der Literatur, besonders der Lyrik, in der Architektur und der Musik. In letzterer handelt es sich um einen kurzen senkrechten Strich in der Notenschrift, der SĂ€ngern oder Spielern von Blasinstrumenten anzeigt, wo geatmet werden soll. In diesem Sinne wird diese Notation auch bei anderen Instrumenten angewandt, um eine gedankliche Pause im StĂŒck anzuzeigen.
In den verschiedenen Kunstformen hat die ZĂ€sur verschiedene Wirkungen, die von entspanntem Innehalten bis zur spannungsgeladenen Stille/Pause, einem Einschnitt, reichen. Insofern ist sie ursprĂŒnglich der Rhetorik zuzuordnen.
Alexandriner aus Es ist alles eitel (1637) von Andreas Gryphius (Auszug):
Die ZĂ€sur in der Geschichtsforschung beschreibt einen markanten Einschnitt, also die Grenze zwischen zwei Zeitepochen. Beispiele fĂŒr solche ZĂ€suren fĂŒr die moderne Gesellschaft sind etwa die Oktoberrevolution 1917 bzw. das Ende des Ersten Weltkriegs 1918, das Ende des Zweiter Weltkriegs 1945, die Wende 1989 in der DDR, die zur deutschen Wiedervereinigung fĂŒhrte. Oft werden auch die TerroranschlĂ€ge am 11. September 2001 als Epocheneinschnitt bzw. ZĂ€sur bezeichnet, was aus historischer Sicht jedoch noch nicht eindeutig genug bestimmt werden kann. Ein Beispiel in der Antike war etwa die Diktatur Sullas ab 82. v. Chr. Weitere Beispiele fĂŒr ZĂ€suren in der Neuzeit sind das Ende des DreiĂigjĂ€hrigen Kriegs 1648, die Französische Revolution 1789 oder der Wiener KongreĂ 1815, der zur Neuordnung Europas nach der napoleonischen Ăra fĂŒhrte.
In der Musik ist die ZĂ€sur ein Einschnitt bzw. Ruhepunkt in der Tonfolge, der durch das Notenschriftzeichen âZĂ€surâ (Unicode-Zeichen U+1D113) wiedergegeben wird. Die ZĂ€sur findet sich hauptsĂ€chlich in Vokalliteratur und dient in erster Linie als Atempause. Sie kann jedoch auch als agogisches Stilmittel verwendet werden. In der Regel wird die vorausgehende Note zum Luftholen entsprechend gekĂŒrzt. Dabei wird das Tempo der Musik nicht oder kaum beeinflusst. Die ZĂ€sur ist nicht zu verwechseln mit dem Asteriscus (siehe Psalmodie).