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| Physikalische GröĂe | |||||||||||||
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| Name | Zeit | ||||||||||||
| Formelzeichen der GröĂe | <math>t</math> | ||||||||||||
| Formelzeichen der Dimension | T | ||||||||||||
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Die Zeit ist eine physikalische GröĂenart. Das Formelzeichen der Zeit ist t, ihre SI-Einheit ist die Sekunde s.
Die Zeit beschreibt die Abfolge von Ereignissen, hat also im Gegensatz zu anderen physikalischen GröĂen eine eindeutige, unumkehrbare Richtung. Nach den physikalischen Prinzipien der Thermodynamik kann die Zeit als Zunahme der Entropie, d. h. der Unordnung in einem System, betrachtet werden. Aus einer philosophischen Perspektive beschreibt die Zeit das Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend zur Zukunft hinfĂŒhrend. Nach der RelativitĂ€tstheorie bildet die Zeit mit dem Raum eine vierdimensionale Raumzeit, in der die Zeit die Rolle einer Dimension einnimmt. Dabei ist der Begriff der Gegenwart nur in einem einzigen Punkt definierbar, wĂ€hrend andere Punkte der Raumzeit, die weder in der Vergangenheit noch der Zukunft liegen, als âraumartig getrenntâ von diesem Punkt bezeichnet werden.
Im SI-Einheitensystem ist die Zeit eine BasisgröĂe, wobei aus diesen GröĂen andere GröĂen aufgebaut werden.
Die BĂŒrgerliche Zeit (UT, MEZ usw.) richtet sich annĂ€hernd nach dem Sonnenstand und ist durch staatliche Regelungen innerhalb einer gewissen Zeitzone einheitlich.
In der Philosophie fragt man seit jeher nach dem Wesen der Zeit, was auch Themen der Weltanschauung berĂŒhrt. FĂŒr die physikalischen, die Bio- und Humanwissenschaften ist die Zeit ein zentraler, auch messtechnisch erfassbarer Parameter, u. a. bei allen bewegten Körpern (Dynamik, Entwicklung), in der Chronobiologie oder der Zeitsoziologie. Die Psychologie untersucht die Zeitwahrnehmung und das ZeitgefĂŒhl. Die Ăkonomie betrachtet Zeit auch als Wertgegenstand. In den Sprachwissenschaften bedeutet âZeitâ die grammatische Form der Zeitwörter, das Tempus.
Inhaltsverzeichnis |
Die wohl markanteste Eigenschaft der Zeit ist der Umstand, dass es stets eine in gewissem Sinne aktuelle und ausgezeichnete Stelle zu geben scheint, die wir die Gegenwart nennen, und die sich unaufhaltsam von der Vergangenheit in Richtung Zukunft zu bewegen scheint. Dieses PhĂ€nomen wird auch als das FlieĂen der Zeit bezeichnet. Dieses FlieĂen entzieht sich jedoch einer naturwissenschaftlichen Betrachtung, wie im Folgenden dargelegt wird. Auch die Geisteswissenschaften können die Frage nicht eindeutig klĂ€ren.
Die Zeit dient in der Physik in gleicher Weise zur Beschreibung des Geschehens wie der Raum. Die Physik besagt lediglich, dass unter allen denkbaren Strukturen im dreidimensionalen Raum in Kombination mit allen dazu denkbaren zeitlichen AblĂ€ufen nur solche beobachtet werden, die den physikalischen Gesetzen gehorchen. Dabei könnte es sich ebenso gut um unbewegliche Strukturen in einem vierdimensionalen Raum handeln, die durch die physikalischen Gesetze bestimmten geometrischen Bedingungen unterworfen sind. Etwas, das man als FlieĂen der Zeit interpretieren könnte, kommt in der Physik nicht vor. Bei genauer Betrachtung erweist es sich sogar als völlig unklar, wie ein FlieĂen der Zeit in der Sprache der Physik oder Mathematik oder irgendeiner anderen Wissenschaft prĂ€zise beschrieben werden könnte.
So ist beispielsweise die Aussage, dass die Zeit flieĂe, nur dann sinnvoll, wenn eine davon unterscheidbare Alternative denkbar ist. Die naheliegende Alternative der Vorstellung einer stehenden Zeit beispielsweise fĂŒhrt jedoch zu einem Widerspruch, da sie nur aus der Sicht eines Beobachters denkbar ist, fĂŒr den die Zeit weiterhin verstreicht, sodass der angenommene Stillstand als solcher ĂŒberhaupt wahrnehmbar ist (siehe auch Kritik der reinen Vernunft von Immanuel Kant). Könnte man die Zeit anhalten, fĂŒr wie lange âstĂŒndeâ dann die Zeit?
Das scheinbare FlieĂen der Zeit wird daher von den meisten Physikern und Philosophen als ein rein subjektives PhĂ€nomen oder gar als Illusion angesehen. Man nimmt an, dass es sehr eng mit dem PhĂ€nomen des Bewusstseins verknĂŒpft ist, das ebenso wie dieses sich einer physikalischen Beschreibung oder gar ErklĂ€rung entzieht und zu den gröĂten RĂ€tseln der Naturwissenschaft und Philosophie zĂ€hlt. Damit wĂ€re unsere Erfahrung von Zeit vergleichbar mit den Qualia in der Philosophie des Bewusstseins und hĂ€tte folglich mit der RealitĂ€t ebenso wenig zu tun wie der phĂ€nomenale Bewusstseinsinhalt bei der Wahrnehmung der Farbe Blau mit der zugehörigen WellenlĂ€nge des Lichtes.
HinfÀllig wÀre damit unsere intuitive Vorstellung, es gÀbe eine von der eigenen Person unabhÀngige Instanz nach Art einer kosmischen Uhr, die bestimmt, welchen Zeitpunkt wir alle im Moment gemeinsam erleben, und die damit die Gegenwart zu einem objektiven uns alle verbindenden Jetzt macht.
In der Physik ist Zeit (Formelzeichen: t oder Ï, von lat. tempus (Zeit)) die fundamentale GröĂe, ĂŒber die sich zusammen mit dem Raum die Dauer von VorgĂ€ngen und die Reihenfolge von Ereignissen bestimmen lassen. Da sie sich bisher nicht auf grundlegendere PhĂ€nomene zurĂŒckfĂŒhren lĂ€sst, wird sie ĂŒber Verfahren zu ihrer Messung definiert, wie es auch bei Raum und Masse der Fall ist. Im SI-Einheitensystem wird Zeit in Sekunden (Einheitenzeichen s) gemessen. Daraus leiten sich unmittelbar die Einheiten Minute und Stunde ab, mittelbar (ĂŒber die Erdbewegung und gesetzlich festgelegte Schaltsekunden) auch Tag und Woche, dazu (abhĂ€ngig vom Kalender) Monat, Jahr, Jahrzehnt, Jahrhundert und Jahrtausend.
â Hauptartikel: Zeitmessung
Die Zeitmessung ist eine der Ă€ltesten Aufgaben der Astronomie. Dort wird zwischen einem Sonnentag (bĂŒrgerliche Zeit) und einem Sterntag unterschieden, welche im Jahr um einen Tag differieren. Der Sonnentag hat keine ganze Anzahl von Sekunden nach SI; der Unterschied wird durch Schaltsekunden ausgeglichen. Diese Probleme fĂŒhrten zur EinfĂŒhrung verschiedener Zeitskalen:
Astronomische Daten und Zeiten werden oft zweckmĂ€Ăig als Julianisches Datum (JD) oder modifiziert als MJD angegeben.
Heute ist die Zeit in der Physik, wie andere MessgröĂen auch, operational, das heiĂt ĂŒber ein Messverfahren, definiert. Zur Zeitmessung werden hauptsĂ€chlich Systeme verwendet, die periodisch in denselben Zustand zurĂŒckkehren. Die Zeit wird dann durch das ZĂ€hlen der Perioden bestimmt. Ein solches GerĂ€t nennt man Uhr. Doch auch monotone Bewegungen können Basis der Zeitmessung sein, z. B. bei den frĂŒheren Sand- und Wasseruhren.
Eine Uhr ist umso besser, je genauer der periodische Vorgang reproduzierbar ist und je weniger er sich von Ă€uĂeren Bedingungen beeinflussen lĂ€sst, beispielsweise von mechanischen Störungen, wie der Temperatur oder dem Luftdruck. Daher sind Quarzuhren deutlich prĂ€ziser als mechanische Uhren. Die genauesten Uhren sind Atomuhren, die auf atomaren Schwingungsprozessen beruhen. Damit ist ein relativer Gangfehler von 10â15 erreichbar, was einer Sekunde Abweichung in 30 Millionen Jahren entspricht. Die Zeit und damit auch die Frequenz, ihr mathematischer Kehrwert, sind die physikalischen GröĂen, die mit der höchsten PrĂ€zision ĂŒberhaupt messbar sind, was dazu gefĂŒhrt hat, dass die Definition der LĂ€nge mittlerweile auf die der Zeit zurĂŒckgefĂŒhrt wird, indem man den Meter als diejenige Strecke definiert, die das Licht im Vakuum wĂ€hrend 1/299.792.458 Sekunden zurĂŒcklegt.
Isaac Newton beschreibt das PhÀnomen der Zeit mit den folgenden Worten:
âDie absolute, wahre und mathematische Zeit verflieĂt an sich und vermöge ihrer Natur gleichförmig und ohne Beziehung auf irgendeinen Ă€uĂeren Gegenstand.â
â Isaac Newton: Mathematische Prinzipien der Naturlehre; London 1687
Der Begriff âabsolute Zeitâ galt in der Physik bis zur Formulierung der speziellen RelativitĂ€tstheorie im Jahre 1905. Er liegt auch heute noch dem menschlichen AlltagsverstĂ€ndnis des PhĂ€nomens Zeit zugrunde.
Durch die Entdeckungen im Zusammenhang mit der RelativitĂ€tstheorie musste der newtonsche Begriff der absoluten Zeit aufgegeben werden. So beurteilen Beobachter, die sich relativ zueinander bewegen, zeitliche AblĂ€ufe unterschiedlich. Das betrifft sowohl die Gleichzeitigkeit von Ereignissen, die an verschiedenen Orten stattfinden, als auch die Zeitdauer zwischen zwei Treffen zweier Beobachter, die sich zwischen diesen Treffen relativ zueinander bewegen (Zeitdilatation). Da es kein absolut ruhendes Koordinatensystem gibt, ist die Frage, welcher Beobachter die Situation korrekt beurteilt, nicht sinnvoll. Man ordnet daher jedem Beobachter seine sogenannte Eigenzeit zu. Ferner beeinflusst die Anwesenheit von Massen den Ablauf der Zeit, sodass diese an verschiedenen Orten im Gravitationsfeld unterschiedlich schnell verstreicht. Damit ist Newtons Annahme, die Zeit verflieĂe ohne Bezug auf Ă€uĂere GegenstĂ€nde, nicht mehr haltbar.
Zeit und Raum erscheinen in den Grundgleichungen der RelativitĂ€tstheorie fast völlig gleichwertig nebeneinander und lassen sich daher zu einer vierdimensionalen Raumzeit vereinigen. Im dreidimensionalen Raum ist die Wahl der drei Koordinatenachsen willkĂŒrlich, sodass Begriffe wie links und rechts, oben und unten, vorne und hinten relativ sind. In der speziellen RelativitĂ€tstheorie stellt sich nun heraus, dass auch die Zeitachse nicht absolut ist. So verĂ€ndern sich mit dem Bewegungszustand eines Beobachters auch die Orientierung seiner Zeit- und Raumachsen in der Raumzeit. Es handelt sich dabei um eine Art Scherbewegung dieser Achsen, die mathematisch mit den Drehungen nahe verwandt ist. Damit lassen sich Raum und Zeit nicht mehr eindeutig trennen, sondern hĂ€ngen in gewisser Weise voneinander ab. Die Folge sind PhĂ€nomene wie RelativitĂ€t der Gleichzeitigkeit, Zeitdilatation und LĂ€ngenkontraktion. Diese im Zusammenhang mit der RelativitĂ€tstheorie entdeckten Eigenschaften von Zeit und Raum entziehen sich weitgehend der menschlichen Anschauung. Sie sind jedoch mathematisch prĂ€zise beschreibbar und â soweit experimentell zugĂ€nglich â auch bestens bestĂ€tigt. Allerdings lĂ€sst sich durch eine Bewegung die Zeitachse nicht umdrehen, das heiĂt, Vergangenheit und Zukunft lassen sich nicht vertauschen.
Zeit ist in der allgemeinen RelativitÀtstheorie nicht unbedingt unbegrenzt. So gehen viele Physiker davon aus, dass der Urknall nicht nur der Beginn der Existenz von Materie (Physik) ist, sondern auch den Beginn von Raum und Zeit darstellt. Nach Stephen W. Hawking hat es einen Zeitpunkt eine Sekunde vor dem Urknall ebenso wenig gegeben wie einen Punkt auf der Erde, der 1 km nördlich des Nordpols liegt.
â Hauptartikel: Zeitreise
Die erwĂ€hnten relativistischen Effekte lassen sich im Prinzip als Zeitreisen interpretieren. Inwieweit ĂŒber die KrĂŒmmung der Raumzeit und andere PhĂ€nomene auch Reisen in die Vergangenheit prinzipiell möglich sind, ist nicht abschlieĂend geklĂ€rt. Mögliche Kandidaten sind sogenannte Wurmlöcher, die Bereiche der Raumzeit mit unterschiedlicher Zeit verbinden könnten, ferner spezielle Flugbahnen in der Umgebung eines hinreichend schnell rotierenden Schwarzen Loches und schlieĂlich die Umgebung zweier kosmischer Strings, die hinreichend schnell aneinander vorbei fliegen. Der erforderliche Aufwand fĂŒr eine praktische Nutzung einer dieser potenziellen Möglichkeiten wĂŒrde jedoch gegenwĂ€rtig die Mittel der Menschheit bei Weitem ĂŒbersteigen.
Die bei Reisen in die Vergangenheit auftretenden Paradoxien lieĂen sich im Rahmen der everettschen Vielwelten-Theorie vermeiden. Danach wĂ€re die Vergangenheit, in die man reist, in einer Parallelwelt angesiedelt. Der ursprĂŒngliche Ablauf der Dinge und der durch die Zeitreise modifizierte wĂŒrden sich beide parallel und unabhĂ€ngig voneinander abspielen.
Zeitreisen sind ein beliebtes Thema in Literatur und Film â Zeitreise#Zeitreisen in der Literatur und im Film.
Der Zeitbegriff hÀngt eng mit dem KausalitÀtsbegriff zusammen. So betrachten wir es als selbstverstÀndlich, dass die Ursache vor ihrer Wirkung auftritt, genauer gesagt wird jeder Beobachter von korrelierten Ereignissen den Vorgang so beschreiben, dass in seinem Modell des Vorgangs die Wirkung durch die Ursache bedingt ist. Die Vergangenheit ist unverÀnderlich, sie kann nicht von gegenwÀrtigen Ereignissen beeinflusst werden. Die Zukunft hingegen hÀngt von der Gegenwart kausal ab, kann also durch Ereignisse oder Handlungen in der Gegenwart beeinflusst werden.
In der RelativitĂ€tstheorie wird die zeitliche Reihenfolge mancher Ereignisse, die an verschiedenen Orten stattfinden, von relativ zueinander bewegten Beobachtern unterschiedlich beurteilt. Das ist genau dann der Fall, wenn die beiden Ereignisse nur durch ein Signal mit Ăberlichtgeschwindigkeit in Kontakt treten könnten. Könnte eine Wechselwirkung mit Ăberlichtgeschwindigkeit stattfinden, dann könnte man mit folgendem System eine Botschaft in die Vergangenheit schicken:
Daher wĂ€re das KausalitĂ€tsprinzip verletzt. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde vermutet, dass es ĂŒberlichtschnelle Tachyonen geben könnte. Sollten sie mit gewöhnlicher Materie in Wechselwirkung treten können, so wĂ€re die KausalitĂ€t verletzt. Die Hypothese der Existenz von Tachyonen hat daher kaum AnhĂ€nger.
Die Gesetze der Physik, die den GrundkrĂ€ften der PhĂ€nomene unseres Alltags zugrunde liegen, sind invariant bezĂŒglich einer Inversion der Zeit. Das bedeutet, dass zu jedem Vorgang, der diesen Gesetzen gehorcht, auch der zeitumgekehrte im Prinzip möglich ist. Diese Aussage steht in krassem Widerspruch zu unserer Alltagserfahrung. FĂ€llt eine Keramiktasse zu Boden, so zerbricht sie in Scherben. Dass sich umgekehrt diese Scherben von selbst wieder zu einer intakten Tasse zusammenfĂŒgen, ist dagegen noch nie beobachtet worden. Ein solcher Vorgang stĂŒnde jedoch nicht prinzipiell im Widerspruch zu den Naturgesetzen. Er ist lediglich extrem unwahrscheinlich.
Der Hintergrund dieses Umstandes ist eine WahrscheinlichkeitsĂŒberlegung, die im zweiten Hauptsatz der Thermodynamik formuliert wird. Danach nimmt die Entropie, welche das MaĂ der Unordnung eines abgeschlossenen Systems angibt, stets zu und damit seine Ordnung ab. Eine vorĂŒbergehende Zunahme der Ordnung ist prinzipiell nicht ausgeschlossen, aber je nach GröĂe mehr oder weniger unwahrscheinlich. Um die spontane Wiedervereinigung von Scherben zu einer Tasse zu provozieren, mĂŒsste man eine mehr als astronomische Zahl von Scherbenhaufen anlegen und beobachten.
Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik verletzt damit die Symmetrie bezĂŒglich der beiden Richtungen der Zeit. Er lĂ€sst sich daher auch nicht aus den Grundgesetzen der Physik herleiten, sondern hat die Eigenschaft eines Postulats. Die beiden Richtungen der Zeit verlieren damit ihre Gleichwertigkeit, und man spricht vom thermodynamischen Zeitpfeil. Er wird als potenzielle Basis fĂŒr das FlieĂen der Zeit von der Vergangenheit in die Zukunft angesehen, so wie wir es in unserer Alltagswelt erfahren.
Oft ist in diesem Zusammenhang von einer Umkehrbarkeit oder Unumkehrbarkeit der Zeit die Rede. Dabei handelt es sich jedoch um eine sprachliche und logische Ungenauigkeit. Könnte jemand die Zeit umkehren, dann sĂ€he er sĂ€mtliche VorgĂ€nge rĂŒckwĂ€rts ablaufen. Dieser umgekehrte Lauf der Zeit wĂ€re aber nur aus der Sicht eines Beobachters erkennbar, der einer Art persönlicher Zeit unterworfen ist, die weiterhin unverĂ€ndert vorwĂ€rts lĂ€uft. Eine solche Spaltung der Zeit in eine, die einem Experiment oder Gedankenexperiment unterworfen wird, und eine weitere unverĂ€nderte, ergibt jedoch keinen Sinn.
Die Gesetze der Physik, die die PhĂ€nomene der schwachen und starken Wechselwirkung beschreiben, sind nicht invariant bezĂŒglich einer Zeitumkehr. Zu einem Prozess im Bereich der Kern- und Elementarteilchenphysik ist der zeitumgekehrte daher nicht unbedingt mit den Gesetzen der Physik vertrĂ€glich. Das CPT-Theorem besagt, dass der Prozess wieder in Einklang mit den Naturgesetzen steht, wenn er nicht nur zeitumgekehrt, sondern zusĂ€tzlich spiegelbildlich betrachtet und aus Antimaterie aufgebaut wird. Aus dem CPT-Theorem folgt, dass Prozesse, welche eine sogenannte CP-Verletzung darstellen, wie es bei einigen TeilchenzerfĂ€llen der Fall ist, nicht invariant bezĂŒglich einer Zeitumkehr sein können.
Im Formalismus der Beschreibung von Antimaterie sind Antiteilchen gleichwertig zu gewöhnlichen Teilchen, die sich in gewissem Sinne rĂŒckwĂ€rts in der Zeit bewegen. In diesem Sinne hat die Paarvernichtung von einem Teilchen mit seinem Antiteilchen eine formale Ăhnlichkeit mit einem einzigen Teilchen, das sich an dieser Stelle in die Vergangenheit zurĂŒckzubewegen beginnt, sodass es dort doppelt und in der Zukunft gar nicht existiert.
Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass das PhĂ€nomen Zeit im Bereich der Planck-Zeit von 10â43 s seine Eigenschaften als Kontinuum verliert. So fĂŒhrt die konsequente Anwendung der bekannten physikalischen Gesetze zu dem Ergebnis, dass jeder Vorgang, der kĂŒrzer ist als die Planck-Zeit, nur einem Objekt zugeordnet werden kann, das sofort zu einem Schwarzen Loch kollabieren muss (siehe Planck-Einheiten). Diese Ăberlegung zeigt, dass die bekannten physikalischen Gesetze jenseits der Planck-Zeit versagen. Eine KlĂ€rung der damit verbundenen Fragen erhofft man sich von einer noch zu entwickelnden Theorie der Quantengravitation, die die beiden fundamentalen Theorien der Physik, die RelativitĂ€tstheorie und die Quantenphysik, vereinigen wĂŒrde. In einer solchen Theorie wĂ€re die Zeit im Bereich der Planck-Zeit möglicherweise quantisiert. So geht man beispielsweise in der Loop-Quantengravitation, einem Kandidaten fĂŒr die Theorie der Quantengravitation, davon aus, dass das GefĂŒge der Raumzeit ein vierdimensionales, schaumartiges Spin-Netzwerk darstellt mit âBlasenâ von der GröĂenordnung der Planck-Einheiten. Allerdings darf man sich diesen âSchaumâ nicht in Raum und Zeit eingebettet vorstellen, sondern der Schaum ist in dieser Theorie Raum und Zeit.
â Hauptartikel: Philosophie der Zeit
In der Antike haben sich u. a. die Philosophen Platon, Aristoteles und Augustinus mit dem Begriff der Zeit befasst, in der Neuzeit vor allem Newton, Leibniz, Kant, Heidegger und Bergson.
FĂŒr Platon haben Raum und Zeit keine Wesenheit, sondern sind nur bewegte Abbilder des eigentlich Seienden (Ideenlehre). FĂŒr Aristoteles ist der Zeitbegriff untrennbar an VerĂ€nderungen gebunden, Zeit ist das MaĂ jeder Bewegung und kann nur durch diese gemessen werden. Sie lĂ€sst sich in unendlich viele Zeitintervalle einteilen (Kontinuum).
Augustinus unterscheidet erstmals zwischen einer physikalisch exakten (messbaren) und einer subjektiven, erlebnisbezogenen Zeit. Zeit und Raum entstanden erst durch Gottes Schöpfung, fĂŒr den alles eine Gegenwart ist. Das Geheimnis der Zeit fasst Augustinus in folgendem Ausspruch zusammen:
âWas also ist âZeitâ? Wenn mich niemand danach fragt, weiĂ ich es; will ich es einem Fragenden erklĂ€ren, weiĂ ich es nicht.â (Confessiones XI, 14)
FĂŒr Isaac Newton bilden Zeit und Raum die âBehĂ€lterâ fĂŒr Ereignisse, sie sind fĂŒr ihn ebenso real wie gegenstĂ€ndliche Objekte: âZeit ist, und sie tickt gleichmĂ€Ăig von Moment zu Moment.â In der Naturphilosophie dominiert Newtons Auffassung, weil sie ermöglicht, Zeit und Raum unabhĂ€ngig von einem Bezugspunkt oder Beobachter zu beschreiben.
Im Gegensatz dazu meint Gottfried Wilhelm Leibniz, dass Zeit und Raum nur gedankliche Konstruktionen sind, um die Beziehungen zwischen Ereignissen zu beschreiben. Sie haben kein âWesenâ und es gebe daher auch keinen âFlussâ der Zeit. Er definiert die Zeit so: âDie Zeit ist die Ordnung des nicht zugleich Existierenden. Sie ist somit die allgemeine Ordnung der VerĂ€nderungen, in der nĂ€mlich nicht auf die bestimmte Art der VerĂ€nderungen gesehen wird.â[1]
Nach Immanuel Kant ist die Zeit ebenso wie der Raum eine âreine Anschauungsformâ des inneren Sinnes. Sie seien unser Zugang zur Welt, gehörten also zu den subjektiv-menschlichen Bedingungen der Welterkenntnis, in deren Form das menschliche Bewusstsein die SinneseindrĂŒcke erlebt.
Kant schreibt ihr jedoch eine empirische QualitĂ€t fĂŒr Zeitmessungen und entfernte Ereignisse zu. Wir können die Zeit aus unserer Erfahrung nicht wegdenken und auch nicht erkennen, ob sie einer â wie auch immer gearteten â Welt an sich zukommt. In Ă€hnlicher Weise beschreibt Martin Heideggers Hauptwerk âSein und Zeitâ letztere als eine Wirklichkeit, die das Menschsein zutiefst prĂ€gt.
Eine dichterische AnnĂ€herung an das Wesen der Zeit, die an Augustinus anknĂŒpft, stammt von Michael Ende: âEs gibt ein groĂes und doch ganz alltĂ€gliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darĂŒber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darĂŒber. Dieses Geheimnis ist die Zeit.â (Momo, 1973).
â Hauptartikel: ZeitgefĂŒhl, Zeitwahrnehmung
Zwischen der subjektiv wahrgenommen Zeit und der objektiv messbaren bestehen oft deutliche Differenzen. Die folgenden Abschnitte sollen diese kurz und ĂŒbersichtlich darstellen.
Die Wahrnehmung der Zeitdauer hĂ€ngt davon ab, was in der Zeit passiert. Ein ereignisreicher Zeitraum erscheint kurz, âvergeht wie im Flugâ. Hingegen dauern ereignisarme ZeitrĂ€ume manchmal quĂ€lend lange. Von dieser Beobachtung leiten sich auch die Begriffe Kurzweil und Langeweile ab.
Paradoxerweise empfindet man im RĂŒckblick die Zeiten gerade umgekehrt: In ereignisreichen Zeiten hat man viele Informationen eingespeichert, sodass dieser Zeitraum lange erscheint. Umgekehrt erscheinen ereignisarme Zeiten im RĂŒckblick kurz, da kaum Informationen ĂŒber sie gespeichert sind.
Gleichzeitigkeit in der Wahrnehmung ist komplexer, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Es gibt verschiedene Schwellen:
â Hauptartikel: Chronobiologie
Fast alle Lebewesen, bis hin zum Einzeller, besitzen eine biologische innere Uhr, die sich mit dem Tag-Nacht-Wechsel und anderen natĂŒrlichen Zyklen synchronisiert. Die innere Uhr zum Tagesrhythmus lĂ€uft aber auch ohne Tageslicht, wie an Pflanzen in der Dunkelheit gezeigt werden konnte, aber auch an Menschen in Bunker-Experimenten, in denen die freiwilligen Versuchspersonen ohne jeden Hinweis auf Ă€uĂere Zeitrhythmen lebten. Dabei stellte sich nach einiger Zeit ein konstanter Wach-Schlaf-Rhythmus von im Mittel etwa 25 Stunden ein. Man bezeichnet ihn als circadianen Rhythmus (von lat. circa, ungefĂ€hr, und lat. dies, Tag).
Die vergleichende Kulturwissenschaft und die philosophische Reflexion darauf fĂŒhren immer mehr zu der Einsicht, dass es die Zeit als anthropologische Konstante, die allen Menschen gleicherweise zukommt, ĂŒberhaupt nicht gibt, sondern nur diverse kulturspezifische Zeitauffassungen mit diversen Strukturen, wie die zyklische der Vorsokratiker und der Naturethnien, die sich in der Annahme von der ewigen Wiederkehr des Gleichen dokumentiert, die eschatologische, die einen Anfang hat und auf ein Endziel gerichtet ist und auch die vormoderne Geschichtsauffassung bestimmt, die gradlinig-kontinuierliche, aus der Vergangenheit kommende und ĂŒber die Gegenwart in die Zukunft gehende, die in der traditionellen Physik zugrunde gelegt wird und die wir heute zumeist als universell unterstellen, die aber ein westliches Kulturprodukt ist, die dilatierende, die sich in jedem Augenblick aufspreizt und die Zeitvorstellung der Quantentheorie zu erklĂ€ren vermag (s. Everettsche Mehrweltentheorie).
â Hauptartikel: Zeitsoziologie
âMenschliche Existenz verwirklicht sich im Entwerfen der Zukunft, im Behalten des Gewesenen und im Entspringenlassen der Gegenwart. Deshalb ist sie vom ProzeĂ ihrer Zeitigung her zu verstehen. Eine bevorzugte Form des Zeitigens ist das ErzĂ€hlen. Wann und wie der Vorgang des Zeitigens einsetzt, wie er sich entfaltet und wie er endet â alles das ist Schöpfung des ErzĂ€hlers.â
â Walter Biemel
â Hauptartikel: Tempus
Als Tempus bezeichnet man die Zeitform in der Grammatik. In verschiedenen Sprachen gibt es unterschiedliche Zeitformen, die unterschiedlich gebildet werden. In der hochdeutschen Sprache wird die Zeit auf drei Weisen dargestellt.
Einen zeitlich anhaltenden Verlauf kann man auch mit Partizip angeben. Beispiel: das flieĂende Wasser.
Einen Extremfall stellt die umstrittene Behauptung von Benjamin Lee Whorf dar, der in einer Untersuchung der Sprache der Hopi festgestellt haben will, dass die Hopi-Sprache kein Konzept fĂŒr den Begriff der Zeit besĂ€Ăe. Dies fĂŒhrte zum linguistischen RelativitĂ€tsprinzip alias Sapir-Whorf-Hypothese, wonach das Denken von den gesprochenen Sprachen abhĂ€ngt.
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