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Der Zeitgeist ist die Denk- und Fühlweise eines Zeitalters.[1] Der Begriff bezeichnet die Eigenart einer bestimmten Epoche beziehungsweise den Versuch, uns diese zu vergegenwärtigen.[2] Das deutsche Wort Zeitgeist ist über das Englische als Lehnwort in zahlreiche andere Sprachen übernommen worden.
Als Begriffsschöpfer gilt der Dichter und Philosoph Johann Gottfried Herder, der erstmals 1769 in seiner in Riga erschienen Schrift Kritische Wälder oder Betrachtungen, die Wissenschaft und Kunst des Schönen betreffend, nach Maßgabe neuerer Schriften vom „Zeitgeist“ schrieb.[3] In diesem Werk polemisierte Herder gegen den Philologen Christian Adolph Klotz und dessen Schrift genius seculi, die um 1760 in Altenburg erschienen war.[2] In seinem Werk hatte sich Klotz bemüht, zeitübergreifende Instrumentarien und Messkriterien zu entwickeln, um die Eigenheit einer besonderen Epoche aufzuspüren.[2] Die Wendung genius saeculi („Geist des Zeitalters/Jahrhunderts“) war - im Gegensatz zu genius loci („Geist des Ortes“) - in der Antike unbekannt, in der Frühneuzeit aber bereits etabliert und findet sich schon lange vor Klotz.[2] Insofern gilt der Begriff Zeitgeist auch als eine deutsche Entlehnung aus dem Lateinischen.[2]
Populär wurde die Wendung „Geist der Zeiten“ und die Zusammensetzung „Zeitgeist“ erst nach der Französischen Revolution und insbesondere in der Zeit des Vormärz.[3]
Johann Wolfgang von Goethe lässt im frühen 19. Jahrhundert in Faust. Der Tragödie erster Teil den Stürmer und Dränger Faust den „Geist der Zeiten“ so umschreiben (Faust I: 575-577):
<poem>
„Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln.“
</poem>
„Die geistige Situation der Zeit“ ist der Titel, den im Jahr 1932 Karl Jaspers für seine Kulturkritik wählte, in der nicht ein Zeitgeist die Situation bestimmt, sondern die Vorgeschichte der von ihm betrachteten Gegenwart den Geist dieser Zeit erklärt.[4]