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Die Zerstörung Löwens im Ersten Weltkrieg durch deutsche Truppen fand im Ersten Weltkrieg am 25. August 1914 als Repressalie nach Auftreten angeblicher belgischer Freischärler statt. Dabei wurde auch die Universitätsbibliothek Löwen vernichtet.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Löwen war am 20. August 1914 besetzt worden. Das Infanterie-Regiment „Lübeck“ (3. Hanseatisches) Nr. 162 marschierte am 25. August 1914 von Tirlemonts nach Löwen. Beim Einmarsch in Löwen wurde das Regiment unter Feuer genommen, wobei nach deutschen Angaben 17 Tote und 63 Verletzte zu verzeichnen waren. Die Schüsse gingen wohl nicht von Freischärlern aus, sondern es handelte sich um Querschläger von Schüssen, die die französischen Truppen auf dem anderen Ufer der Maas auf die Deutschen abfeuerten.[2]
Neben der Angst vor Freischärlern spielte das Misstrauen gegenüber den katholischen Geistlichen, in denen man die Köpfe des belgischen Widerstandes sah, für die weitere Entwicklung eine Rolle. Offiziere und Soldaten äußerten bereits am 25. August Hass auf die Geistlichen, die das Volk zum Widerstand aufstacheln würden.[3]
In der Folge beschloss die deutsche Heeresleitung, an Löwen ein Exempel zu statuieren und die Universitätsstadt niederzubrennen. Die Soldaten drangen in die Häuser ein, aus denen geschossen worden war, töteten alle bewaffneten Personen und steckten die Gebäude in Brand. Die Brandschatzung dauerte einige Tage, bis am 29. August die Bevölkerung Löwen verlassen musste und die ganze Stadt in Brand gesteckt wurde.
Große Teile des Stadtkerns wurden vollständig zerstört. Insgesamt brannten 1.081 Häuser nieder und 248 Bürger starben in den Flammen oder wurden füsiliert. Weitere 1500 Menschen, darunter Frauen und Kinder, wurden in einem Lager bei Munster bis 1915 interniert. Beschädigt wurde auch die Kirche Sint Pieter. Die Universitätsbibliothek hielten die deutschen für den Sitz der katholischen Universität und damit für ein Zentrum des Widerstandes. Das Gebäude wurde vorsätzlich mit Benzin und Brandsätzen zerstört. Dabei verbrannten 1.000 Handschriften, 800 Inkunabeln und 300.000 Bücher. Nur das gotische Rathaus von Löwen blieb verschont.
Es handelt sich hierbei um eines der schlimmsten deutschen Kriegsverbrechen des Ersten Weltkriegs. Auch wenn bei der Zerstörung von Dinant mehr Menschen getötet wurden, löste der Fall Löwen als „Kulturgreuel“ im Ausland ein großes Echo aus. In Großbritannien sprach die Presse gar vom „Holocaust of Louvain.“[4] Für die Franzosen bestätigte Löwen die Vorstellung der Deutschen als neue Hunnen. Die Entente benannte die deutsche Besetzung Rape of Belgium und führte unter anderem dieses Ereignis an. Aber auch auf Staaten, die nicht im Krieg mit Deutschland waren, führte die Zerstörung Löwens dazu, dass sich die öffentliche Meinung gegen Deutschland wandte. Darauf reagierten in Deutschland Intellektuelle mit dem Manifest der 93, in dem sie vergeblich die Vorkommnisse rechtfertigen wollten. Im Friedensvertrag von Versailles (Artikel 247) wurde Deutschland verpflichtet, die vernichteten Bestände der Bibliothek zu ersetzen. Dem ist Deutschland in der Folge auch nachgekommen. Allerdings hielt man mehrheitlich weiterhin an der These eines Überfalls von Freischärlern fest.