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RationalitÀt

Mit RationalitĂ€t (von lateinisch rationalitas ‚Denkvermögen‘, abgeleitet von ratio ‚Vernunft‘) wird ein vernunftgeleitetes und an Zwecken ausgerichtetes Denken und Handeln bezeichnet. Der Begriff beinhaltet die absichtliche Auswahl von und die Entscheidung fĂŒr GrĂŒnde, die als vernĂŒnftig gelten, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.[1] Er kann je nach Anwendungsbereich und je nachdem, was man als vernĂŒnftig betrachtet, unterschiedliche Bedeutungen haben. Man spricht in der Moderne deshalb auch von verschiedenen RationalitĂ€ten der einen Vernunft.[2]

Als rational bezeichnet man in der Mathematik diejenigen Zahlen, welche sich als Bruch (Quotient) zweier ganzer Zahlen darstellen lassen.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung

Zum Begriff der RationalitÀt

Bei der Analyse des Begriffs der RationalitÀt können verschiedene Aspekte im Vordergrund stehen:

  • Erstens wird damit eine bestimmte Beziehung zwischen angestrebtem Zweck und den zu seiner Erreichung angewandten Mitteln angesprochen. Hierbei bedeutet RationalitĂ€t also die FĂ€higkeit zur AbschĂ€tzung einer Ursache-Wirkung-Kette. Dabei geht es um die deskriptive Beantwortung der Fragen: „Welches Mittel wirkt – bzw. wie wirkt das gewĂ€hlte Mittel – und wie hoch ist der Aufwand, um den angestrebten Zweck zu erreichen?“. Max Horkheimer spricht hier in kritischer Absicht von einer instrumentellen Vernunft.[3]
  • Zweitens geht es um die Bewertung eines Zwecks als angemessen, und rational bedeutet dann „vernĂŒnftig“, „richtig“: Der Begriff der RationalitĂ€t wird also zur Rechtfertigung bestimmter normativer GrundsĂ€tze in Anspruch genommen. Hier fragt RationalitĂ€t nicht nur, ob etwas richtig getan wird (EffektivitĂ€t), sondern ob auch das Richtige getan wird (Effizienz). VernĂŒnftiges Handeln beinhaltet damit einen Anspruch auf richtiges Handeln, das man begrĂŒnden kann. Die Aufforderung, vernĂŒnftig zu handeln, ist prĂ€skriptiv und wird als hypothetischer Imperativ formuliert. UnvernĂŒnftiges Handeln gilt in vielen Situationen als minderwertig. Zweckrational handelt nach Max Weber (s.u.), wer das VerhĂ€ltnis von Nutzen und Aufwand bei Auswahl des richtigen Ziels maximiert.
  • Drittens werden Muster der Bewertung und Muster von EntwicklungsvorgĂ€ngen als „RationalitĂ€t“ (bisweilen auch als „Logik“) eines Prozesses oder Systems bezeichnet. RationalitĂ€t ist hier Ausdruck von Methoden und Verfahren. SystemrationalitĂ€t bezeichnet einen optimalen Funktionszusammenhang. Hier geht es vor allem um die Konsistenz von Argumenten, Entscheidungen und Handlungen. „Kognition, Evaluation und Handlung mĂŒssen eine Einheit bilden.“[4] In diesen Bereich des Begriffsfeldes fallen auch die Eigenschaften und FĂ€higkeiten von Personen. Man spricht von rationalen Menschen. In einer kritischen Sicht wird der Mensch hierdurch zum System oder einer Sache, die funktioniert.
  • Viertens wird der Begriff RationalitĂ€t bzw. „rational“ als ErklĂ€rungsmuster fĂŒr Handlungen, Überzeugungen, WĂŒnsche oder Normen verwendet. Eine i.d.S. „rationale ErklĂ€rung“ einer bestimmten Handlung oder Überzeugung versucht diese - durch Angabe der jeweils (handlungs-)situationsspezifischen Bedingungen - intersubjektiv verstĂ€ndlich, d. h. fĂŒr andere nachvollziehbar zu machen. Die erklĂ€rende Analyse fragt nach den Bedingungen und Motiven rationalen Handelns. Als rational gilt hier, was wohlbegrĂŒndet, angemessen und verantwortbar ist. In Abgrenzung zur instrumentellen oder zweckorientierten RationalitĂ€t kann man hier von einer substanziellen oder moralischen RationalitĂ€t sprechen. Max Weber bezeichnete diesen Aspekt des Begriffs als WertrationalitĂ€t, die einer moralischen, religiösen oder Ă€sthetischen Einstellung folgt und sich in einer Gesinnungsethik Ă€ußert.[5]

Der Gegenbegriff zur RationalitĂ€t ist das Irrationale, ein Zustand oder ein Handeln, das nicht durch vernĂŒnftige GrĂŒnde gestĂŒtzt ist (Affekte, Wunschdenken, Drogen, anormale psychische ZustĂ€nde, z.B. Autismus). Unbelebte GegenstĂ€nde sowie Pflanzen sind weder rational, noch irrational, sondern arational, d.h. nicht zur RationalitĂ€t fĂ€hig. In Hinblick auf Tiere, insbesondere höhere SĂ€ugetiere ist umstritten, in welchem Maße sie zur RationalitĂ€t fĂ€hig sind. Von der auf Handlungen ausgerichteten pragmatischen RationalitĂ€t wird die theoretische oder kognitive RationalitĂ€t unterschieden, die das Wissen zum Gegenstand hat. Sie umfasst „alle Arten methodischen Denkens in endlich vielen reproduzierbaren Schritten zur Gewinnung und BegrĂŒndung von Aussagen ĂŒber die Welt.“[6] Kognitive RationalitĂ€t kann Geltung nur fordern, wenn das Wissen intersubjektiv begrĂŒndbar und ĂŒberprĂŒfbar ist.[7] RationalitĂ€t ist eng mit dem Begriff der IntentionalitĂ€t verklammert, weil sie immer auf etwas (eine Person, einen Sachverhalt) gerichtet ist. Eine Person kann rational genannt werden, wenn sie dem Bewertungskriterium des „guten Schließens“ entspricht.[8]

In der Lebenspraxis kann man nicht absolut von rational oder irrational sprechen, weil immer Erfahrungen und Gewohnheiten einen Einfluss auf ein Verhalten haben, d.h. RationalitĂ€t ist davon abhĂ€ngig, wer und wann eine Überzeugung Ă€ußert oder handelt. Das Urteil eines Laien ĂŒber ein Krankheitssymptom kann rational sein, auch wenn der hinzukommende Arzt den Sachverhalt als Fachmann ganz anders sieht. Argumente, Entscheidungen und Handlungen sowie die daraus hervorgehenden ZustĂ€nde und Strukturen sind nicht objektiv, sondern nur mehr oder weniger rational im Vergleich zu entsprechenden Alternativen. Absolut rational wĂ€re ein Prinzip, wenn es mit Anspruch auf LetztbegrĂŒndung behauptet werden könnte, also eine wissenschaftliche Theorie, die nicht mehr falsifizierbar wĂ€re, oder eine moralische Regel, die universale Geltung beanspruchen könnte. Rationale Praxis auch in den Wissenschaften bedeutet demnach, sich an einem Wissen zu orientieren, dass in Hinblick auf die verfĂŒgbaren Informationen frei von Zweifeln ist, auch wenn es grundsĂ€tzlich bezweifelbar bleibt.[9]

RationalitĂ€t ist weiterhin nicht gleichzusetzen mit Erfolg, auch wenn das BemĂŒhen um RationalitĂ€t durch das Streben nach einem grĂ¶ĂŸeren Erfolg motiviert ist. Ein Handlen, das eine bestehende Situation verschlechtert, gilt nicht als rational. Der Begriff der RationalitĂ€t beinhaltet somit einen Nutzen, der mit einem Objekt oder einer Handlung verbunden ist. Dabei geht aus der Eigenschaft rational noch nicht hervor, inwiefern der Nutzen besteht. Der Begriff als solcher ist semantisch formal. Ein „rational konstruierter Becher“ bedarf fĂŒr religiöse Anwendungen anderer Eigenschaften als ein Becher fĂŒr die Raumfahrt.[10] RationalitĂ€t bezeichnet als PrĂ€dikat keine Äquivalenzrelation, die durch eine einfache Regel zu fassen ist, sondern betont die besondere Eignung fĂŒr einen Zweck. Der materiale Inhalt des Rationalen ergibt sich erst situativ.

Ein wichtiges Moment der RationalitĂ€t ist die Vorhersagbarkeit von Handlungsergebnissen. Dies steckt in dem VerstĂ€ndnis, dass eine rationale Überzeugung oder Handlung begrĂŒndbar ist. Eine akzeptable BegrĂŒndung ist aber nur möglich, wenn die Wirkung einer Handlung bereits zuvor absehbar war.[11] Problematisch wird diese Anforderung, weil ĂŒber einen möglichen Erfolg stets Ungewissheit besteht. „Die Welt ist ihrer Natur oder ihrem Wesen nach weder stabil noch gewiss.“[12] Dadurch wird das RisikokalkĂŒl Bestandteil der BegrĂŒndung, wobei es einer vorherigen Festlegung bedarf, welches Risiko rational wie zu bewerten ist. Auf diesem Weg entsteht aus der Diskussion der RationalitĂ€t eine Diskussion der Verantwortung insbesondere in Hinblick auf die Wirkungen der modernen Massengesellschaft und der durch sie verwendeten Großtechnologien. Der polnische Philosoph Wieslaw Sztumski verweist auf die Grenzen der RationalitĂ€t, „weil sie auf einer entsprechenden Entwicklungsstufe zur Behinderung der Weiterentwicklung wird“, weil sich „in einer immer schneller verĂ€ndernden Welt und angesichts wachsender Unbestimmtheiten und Risiken der Verwendungsbereich der RationalitĂ€t“ immer mehr einengt“, weil das „Maximieren der RationalitĂ€t (besonders im Sinne des Szientismus) [
] unterschiedliche Bedrohungen der Menschen und [
] das Risiko des NichtĂŒberlebens der Menschheit“ nach sich zieht. Sztumski Ă€ußert deshalb die Hoffnung, dass eine „BeschrĂ€nkung in der ‚Jagd der RationalitĂ€t’ uns eine Chance fĂŒr das Überleben gibt.“[13]

Typisierungen der RationalitÀt

Um dem PhĂ€nomen der RationalitĂ€t nĂ€her zu kommen, hat Hans Lenk eine unsystematische Liste von RationalitĂ€tsbegriffen zusammengestellt[14], die erst in einer Analyse von Überschneidungen befreit und in eine systematische Ordnung zu bringen ist.

  1. reine oder formale FolgerungsrationalitÀt (Folgerichtigkeit und Beweisbarkeit)
  2. hierarchisch-architektonsiche RationalitÀt
  3. materiale RationalitÀt
  4. rationale Rekonstruktion
  5. instrumentale MittelrationalitÀt (ZweckrationalitÀt)
  6. entscheidungstheoretische RationalitÀt (abstrakt-formal, strategisch-spieltheoretisch, dialogisch)
  7. RationalitÀt als nachtrÀgliche Selbstrechtfertigung
  8. WertrationalitÀt
  9. moralische RationalitÀt (universell deontologisch)
  10. RationalitÀt der öffentlichen Vertretbarkeit
  11. VerstÀndigungsrationalitÀt
  12. pragmatische VereinbarkeitsrationalitÀt
  13. reflexive RationalitÀt
  14. konstruktivistische RationalitÀt
  15. szientistische RationalitÀt
  16. funktionalistische RationalitÀt
  17. prinzipielle RationalitÀt (global und lokal)
  18. okkasionelle RationalitÀt (global und lokal)
  19. vollstÀndige RationalitÀt
  20. unvollstÀndige RationalitÀt

Nikolaos Psarros unterscheidet[15] zwischen

  • objektiver RationalitĂ€t, die gegeben ist, wenn der Grand der Zielerreichung messbar ist (Naturwissenschaften, Ökonomie, Technik, Strukturwissenschaften, d.h. Mathematik, Logik, Informatik). Diese ist bestimmt durch KalkĂŒlisierung und Systematisierung und bezeiht sich nur auf eine bestimmte Perspektive der Lebenswelt.
  • Konjektiver RaitionalitĂ€t, die durch die Teilhabe an bestimmten Praxen der Lebenswelt gekennzeichnet ist, die durch Erfahrung erworben werden wie kulturelle Sitten oder gesellschaftliche Regeln (man fĂ€hrt in der Schweiz auf der rechten Straßenseite). Ein Beispiel ist die von Norbert Elias untersuchte „höfische Gesellschaft“.[16] Das Wissen entsteht nicht durch theoretische Überlegungen, sondern durch Umgang. Objetive RationalitĂ€t findet innerhalb eines konjektiven Umfeldes statt, wobei es möglich ist, dass objektive RationalitĂ€t den Vorrang vor den konjektiven RationalitĂ€tskriterien, die sich historisch verĂ€ndern können, haben kann.
  • distanzierter RationalitĂ€t, die sich auf nicht allein objektiv fassbare Sachverhalte bezieht, die eine ĂŒberkulturelle Geltung beanspruchen. Hierunter fallen beispielsweise im Diskurs zu klĂ€rende ethische Prinzipien.

Ähnliche Strukturierungen finden sich bei JĂŒrgen Habermas, der zwischen dem pragmatischen, ethischen und moralischen Gebrauch der praktischen Vernunft unterscheidet[17] oder Christine Korsgaard die die praktische Vernunft in instrumentelle, prudentielle und moralische Vernunft unterteilt.[18]. Nicholas Rescher differenziert in Hinblick auf den Prozes der Entscheidungsfindung in praktische RationalitĂ€t (was soll man tun), theoretische RationalitĂ€t (was kann man wissen) und evaluatiove RationalitĂ€t (was soll man bevorzugen).[19] Karl-Otto Apel setzt der wissenschaftlich-technologischen die philosophisch-transzendentalpragmatische RationalitĂ€t entgegen, die er wiederum in eine hermeneutische, ethische und dialektisch strategische RationalitĂ€t unterteilt.[20] Helmut F. Spinner spricht von einer „Doppelvernunft“, die einerseits als „Grundsatzvernunft“ auf allgemeine Prinzipien gerichtet ist, und andererseits als „Gelegenheitsvernunft“ sich vorwiegend auf außerwissenschaftliche pragmatische Fragestellungen richtet.[21]

Karen Gloy schlÀgt eine systematische Einteilung nach Kategorien vor[22], die ihrerseits wieder unterschiedlich gegliedert werden können:

  • Paradigmen (transzendentalphilosophisch, transzendentalpragmatisch, hermeneutisch, phĂ€nomenologisch oder wissenschaftstheoretisch)
  • Anwendungen (theoretisch, praktisch, Ă€sthetisch oder Natur, Geschichte, Gesellschaft, Wissenschaft und Mythos)
  • Strukturen (Wissenschaftstyp, Praxistyp, Kunst, Mythos oder Naturwissenschaften versus Geisteswissenschaften)

RationalitÀt als Methode

Begreift man RationalitÀt als Verfahrensprinzip, so ist rationales Handeln methodisch strukturierbar. Ausformuliert ergibt sich ein vollstÀndiges Konzept einer Wissenschaftstheorie. Dabei sind drei grundlegende Schritte zu unterscheiden.[23]

  • ZunĂ€chst ist die Fragestellung zu analysieren und die Problemstellung zu formulieren.
  • Im zweiten Schritt erfolgt eine Analyse der Handlungsmöglichkeiten, die eine Problemlösung ĂŒberhaupt ermöglichen.
  • Zum Dritten schließlich werden die Handlungsmöglichkeiten bewertet und die Auswahl der optimalen/adĂ€quaten Vorgehensweise begrĂŒndet.

In jedem dieser drei grundsÀtzlich zu vollziehenden Schritte gibt es eine Vielzahl von Konzepten, die sich geschichtlich und sachbezogen herausgebildet haben.

Die Differenzierung danach, wie man sich methodisch den Zugang zu einem Gegenstand verschafft[24] fĂŒhrt zu folgender Unterscheidung:

  • mathematisch-logisch
  • experimentell-empirisch
  • phĂ€nomenologisch-analytisch
  • hermeneutisch-historisch
  • konstruktivistissch-systemtheoretisch

Ähnlich kann man das Vorgehen in Hinblick auf die Geltung rationaler Argumente in Anlehnung an die Logik der Wissenschaften bei Peirce gliedern in:

Karen Gloy unterscheidet methodische Prinzipien nach der Denkweise, die der Strukturierung des (wissenschaftlichen) Stoffs zugrunde liegt.

  • Die lineare, in Listen sammelnde RationalitĂ€t erfasst die Welt taxonomisch wie in der Biologie, der Geografie oder bei der Zusammenstelllung von Krankheitssymptomen. Hierzu zĂ€hlen auch mathematische Tafeln, aus denen sich Rechenergebnisse ablesen lassen oder die historischen Gesetzestafeln, auf denen die geltenden Regeln gesammelt und veröffentlich wurden. Historisch bildet diese Form der RationalitĂ€t den Anfang systematischen Denkens. Die anschauliche Wirklichkeit wird seriell oder additiv abgebildet, wie sie erfahren wird. Die Strukturierung nach Allgemeinbegriffen (Gattung, Art, Unterart,
) hat sich erst allmĂ€hlich herausgebildet. Ein weiterer Schritt in der Geschichte war die von Francis Bacon im Novum Organum dargestellte Systematisierung von vorhandenen und fehlenden Merkmalen, mit denen durch induktives Schließen ZusammenhĂ€nge deutlich gemacht werden können.
  • Die dihairetische RationalitĂ€t drĂŒckt sich im fomallogischen und mathematischen Denken aus.[25] Die Dihairesis ist ein analytisches und kein synthetisches Verfahren der hierarchischen Begriffsbestimmung, das die Anwendung der logischen Denkgesetze (insb. Satz vom auszuschließenden Widerspruch und vom ausgeschlossenen Dritten) beinhaltet.[26], das dem Prinzip des entweder-oder folgt. Die Konsistenz dihairetischer Ableitungen lĂ€sst sich mit Hilfe von Syllogismen ĂŒberprĂŒfen. Dadurch dass dieses Verfahren die Dimension der Zeit unberĂŒcksichtigt lĂ€sst, kann es das Prozesshafte der Wirklichkeit nicht erfassen. Zudem benötigt es willkĂŒrliche Einteilungen, so dass die QualitĂ€t der Analyse von der Kunstfertigkeit des Analytikers abhĂ€ngt. Weiterhin kann durch das hierarchische Prinzip das Nebeneinander mehrerer gleichwertiger Alternativen nicht dargestellt werden.[27] Auch die Herleitung mathematischer SĂ€tze entspricht der Logik der Dihairesis, indem die aus hypothetisch gesetzten Axiomen deduktiv durch Wenn-dann-Konstruktionen hergeleitet werden.[28]
  • Die dialektische RationalitĂ€t stĂŒtzt sich auf die Gedankenfigur der SelbstbezĂŒglichkeit (SelbstreferenzialitĂ€t).[29] Betrachtet wird ein Gegenstand (ein „A“) und das davon Verschiedene (das „Nicht-A“) sowie im RĂŒckgang das „A“ unter Bezugnahme auf das „Nicht-A“. Die Dialektik beruht auf der Trias von These, Antithese und Synthese, wobei die Beziehung des Teils zum Ganzen, seine Differenzen innerhalb einer Gattung sowohl aus der Eigen- als auch aus der Fremdperspektive erfasst werden. Das dialektische Prinzip ist das des „sowohl-als-auch“, so dass der Satz vom ausgeschlossenen Dritten aufgehoben ist. In der Dialektik kann ein Ganzes in eine Vielheit gleichursprĂŒnglicher Glieder gespalten und mit jeweils unterschiedlichem Fokus untersucht werden. Hierdurch entsteht ein Netz von Beziehungen, das auch die Zeit dynamisch abbilden kann. Der Dialektik entsprechen Vorstellungen der Welt im Kreisgang, von der ewigen Wiederkehr oder auch als Teil eines offenen Prozesses des Werdens. Indem durch die dialektische Trias in der Synthese ein Neues entsteht, durch das das Alte als vergangen verdrĂ€ngt wird, ist die Dialektik dynamisch und geschichtlich.
  • Die „metaparadoxale“ RationalitĂ€t ist in der Lage, Paradoxien auf einer Metaebene zu analysieren und dialektisch zu erklĂ€ren.[30] Paradoxa entstehen, indem etwas Allgemeines verabsolutiert und mit einem partikularen Einzelnen durch Selbstanwendung in Beziehung gesetzt wird. Es gibt Paradoxien des Unendlichen (Zenons Paradoxien der Vielheit), semantische Paradoxien („Ich weiß, das ich nichts weiß“) oder mengentheoretische Paradoxien (Ein Kreter behauptet, dass alle Kreter lĂŒgen; Russellsche Antinomie; das reflexive Selbstbewusstsein; Autopoiesis) Die Aufhebung dieser Paradoxa kann durch Verbot der Selbstanwendung (Russell) oder durch EinfĂŒhrung einer Metaebene (Tarskis Definition der Wahrheit) erfolgen. Im Sinne des MĂŒnchhausen-Trilemmas kommt beides einem Abbruch einer Argumentationskette gleich. Will man dies nicht, muss man von einem offenen System ausgehen (Prozessphilosophie, Gödelsche UnvollstĂ€ndigkeit). Die metaparadoxale RationalitĂ€t zeigt die Aporien, Antinomien oder Paradoxa des menschlichen Denkens auf und bildet Strategien, um diese zu ĂŒberwinden. In der modernen Wissenschaftstheorie gehören hierzu Konzepte, die an die Duhem-Quine-These anknĂŒpfen, das Konzept der Falsifikation von Theorien berĂŒcksichtigen oder sich um den Schluss auf die beste ErklĂ€rung bemĂŒhen.
  • Bei der analogischen RationalitĂ€t werden durch Versinnbildlichung Stukturmerkmale komplexer Sachverhalte verdeutlicht.[31] Analogisches Denken reicht vom Mythos bis in die Gegenwart. Ein klassisches Beispiel ist der Aufstieg oder Abstieg in einer hierarchischen Ordnung, versinnbildlicht durch die Metapher der Leiter (Liniengleichnis Platons) Die Entgegensetzung kommt zum Beispiel in der Metapher von Licht und Schatten, Tag und Nacht fĂŒr das Gute und das Böse zum Ausddruck. Eine andere Analogie ist die des Kreises, der als geometrische Idealform die ewige Wiederkehr symbolisiert, zu finden etwa im Timaios bei Platon oder im Lebensrad des Buddhismus. Die Kreisanalogie liegt auch der Parallelisierung von Jahreszeiten und Lebensaltern zugrunde. Analogien stehen als Teil fĂŒr ein Ganzes (pars pro toto), das eine komplexe Struktur aufweist und mit der Methode der klassischen Logik (wahr, falsch) nicht zu fassen ist. Analogien verweisen auf netzwerkartige Strukturen und Unabgeschlossenheit. Die RationalitĂ€t der Analogie ĂŒbergeht das „tertium non datur“ und fĂŒhrt zu neuen, mindesten dreiwertigen, Logiken und zu UnschĂ€rferelationen (fuzzy logic, Chaostheorie, fraktale Geometrie). Diese UnschĂ€rfe drĂŒckt sich zum Beispiel in einer Analogie aus, die Wittgenstein mit dem Begriff der FamilienĂ€hnlichkeit geprĂ€gt hat und die die moderne Sprachphilosophie maßgeblich beeinflusst. Gloy verweist hier auf Rescher und Brandom, die versucht haben, mit dem Konzept von „Nicht-standard-Welten“ (non-standard-worlds) die Grenzen der klassischen Logik zu ĂŒberwinden.[32] In den Bereich der analogischen RationalitĂ€t gehören auch das Gleichnis, der Witz, das Spiel oder die Tropen in der Linguistik

Die von Gloy ausgearbeitete Strukturierung von RationalitĂ€tstypen hat ihrerseits einen hierarchischen Aufbau, der ein Abbild einer genealogischen Entwicklung des Denkens ist. Vom einfachen linearen Sortieren ĂŒber die statische Entgegensetzung und die Dynamik des dialektischen Fortschreitens zur spekulativen Überwindung von BrĂŒchen und Inkonsistenzen bis hin zu einem Netzwerk des Seins, das auch UnschĂ€rfen erfasst. Keiner der RationalitĂ€tstypen ist verzichtbar und keiner ist umfassend.

RationalitĂ€t im modernen VerstĂ€ndnis greift auf den aus der AufklĂ€rung stammenden Begriff der autonomen Vernunft zurĂŒck, unterstellt also einen frei handelnden Menschen, der nicht an das Wirken eines Gottes oder den Telos der Natur oder der Geschichte gebunden und auch nicht kausal determiniert ist. Auch wenn man auf eine LetztbegrĂŒndung verzichtet, lassen sich nach GĂŒnter Ropohl in Anlehnung an Gerhard Vollmer[33] konkrete Merkmale der RationalitĂ€t benennen, die bei der Rechtfertigung von Überzeugungen beachtet werden mĂŒssen[34]

(a) die Klarheit und UnmissverstÀndlichkeit des sprachlichen Ausdrucks;
(b) die intersubjektive Kommunizierbarkeit und Diskutierbarkeit;
(c) die theoretische ÜberprĂŒfbarkeit (methodische Nachvollziehbarkeit und logische Stimmigkeit);
(d) die empirische ÜberprĂŒfbarkeit (Reproduzierbarkeit und Falsifizierbarkeit, wo immer möglich und angezeigt);
(e) die analytische PrÀzision (z.B. in der Abgrenzung von Systemelementen);
(f) die synthetische KohÀrenz (VertrÀglichkeit in SystemzusammenhÀngen);
(g) die systemische ReflexivitÀt (Vermittlung zwischen Analyse und Synthese, zwischen Teilen und Ganzheiten);
(h) die kritische ReflexivitÀt (Selbstanwendung der RationalitÀt)

Die ersten drei Punkte betrachtet Ropohl als Minimalbedingungen der RationalitĂ€t. Das Merkmal (h) verweist auf die FallibilitĂ€t des RationalitĂ€tsbegriffs selbst, der ebenso wie jedes rationale Argument grundsĂ€tzlich fĂŒr neue und verbesserte Erkenntnisse offen zu halten ist. Ropohl postuliert aus der Perspektive der Technikphilosophie in Hinblick auf die KomplexitĂ€t modernen Technologien eine „synthetische“ RationalitĂ€t, die „neben analytischer PrĂ€zision auch synthetische KohĂ€renz und sytematische ReflexibilitĂ€t umfasst.“

Philosophiegeschichte

Kontemplatives Schauen der vernĂŒnftig geordneten Welt in der Antike

Die UrsprĂŒnge der RationalitĂ€t sind zu finden im Übergang vom mythischen Denken zur praktischen Vernunft, die systematisch ĂŒber die praktische Lebenswelt hinausweist. Beispiele sind die babylonische Astronomie, die BewĂ€sserungssysteme im alten Ägypten, die indische Logik und das kritische Fragen der antiken griechischen Philosophie.[35] Die vorsokratische Philosophie der antiken Griechen ist gekennzeichnet durch den Übergang „vom Mythos zum Logos“[36] Die menschenĂ€hnlichen Götter und die narrativen ErklĂ€rungen der Wirklichkeit mit Bildern und Parabeln wurden abgelöst durch die Suche nach einem allgemeinen Prinzip, die Welt zu erklĂ€ren. Das sakrale Ursprungsdenken geht ĂŒber in einen Fortschritt des Wissens.[37] Dabei wird die ganzheitliche Weltsicht teilweise durch Logifizierung und Quantifizierung der Welt ersetzt.[38] WĂ€hrend die PythagorĂ€er die Mathematik noch mit der Mystik verknĂŒpften, sind Euklids Elemente hiervon gĂ€nzlich befreit. Der Logos, „das geistige Rechnen“[39] hatte sich nahezu gĂ€nzlich von den dichterischen ErzĂ€hlungen Homers und Hesiods - so bei Xenophanes[40] - gelöst. Das allgemeine ErklĂ€rungsprinzip, zunĂ€chst Wasser und Luft, wurde immer abstrakter, es wurde zum Apeiron, dem Unbegrenzten, bei Anaximenes und schließlich zum Nous, zur objektiven Weltvernunft, dem bewegenden Geist, bei Anaxagoras[41], durch den alle Ordnung bestimmt ist. Der Nous ist zugleich das oberste Denkvermögen im Menschen, mit dem er sich ganzheitlich als Teil des Logos begreift.

Von diesem schauenden Erfassen der Welt lösten sich vor allem die Sophisten. In vielfĂ€ltigen, durchaus kontroversen AnsĂ€tzen zeigten sie, dass die ĂŒberkommenen Vorstellungen einer bestimmten Ordnung in sich widersprĂŒchlich sind und dass es Aporien gibt, denen der Mensch nicht ausweichen kann. Einige Sophisten vertraten einen deutlichen Relativismus und erklĂ€rten den Menschen zum Maß aller Dinge (Protagoras[42]) Dies ging so weit, dass ihre Redekunst nicht nur anerkannt war, sondern dass ihnen auch unterstellt wurde - gegen Geld - jegliche Theorie ĂŒberzeugend begrĂŒnden zu können. Kritisch zur bloßen Rhetorik und Streitkunst stellte sich Platon, der die Sophisten als „Nachahmer der Weisen“ bezeichnete (Soph. 268 b, c). Es geht hier um die Frage, ob Wissen und ethische Aussagen objektiv oder bloß subjektiv sind. In vielen Dialogen Platons bilden die sophistischen Argumente die Plattform, von der aus Platon seine eigene Position oder zumindest eine kritische Gegenposition entwickelte, indem er die Argumente widerlegte (Beweis durch Gegenbeweis - Modus tollendo ponens)[43] Ein grundlegendes Argument Platons gegen den Homo-Mensura-Satz war, dass dieser bei gegensĂ€tzlichen Meinungen nicht aufgelöst werden kann, dass er somit kein Kriterium fĂŒr Wahrheit oder Richtigkeit liefert.[44] Eine mögliche Lösung (ohne objektiven Absolutismus) zeigt sich im Sprachgebrauch. Die Bedeutung eines Begriffs muss so vereinbart sein, dass sie ein am GesprĂ€ch Teilnehmender verstehen kann (Konventionalismus). Wenn es eine Konvention gibt, kann man auch die Richtigkeit einer Begriffsverwendung prĂŒfen. So sagt Protagoras im platonischen Theaitet „Was gemeinsam akzeptiert wird, das ist wahr, wenn und solange es akzeptiert wird.“ (Theait. 172b) Dies wĂŒrde auf einen intersubjektiv gĂŒltigen Wahrheitsbegriff hinauslaufen, auf eine Konsenstheorie der Wahrheit. Platon diskutiert diese Lösung, lĂ€sst aber im Dialog Kratylos die Antwort offen (Krat. 385d-386a) und vertritt einen objektiven Wahrheits- und Wertebegriff durch Teilhabe an der Ideenwelt (Wahrheit als wahre begrĂŒndete Meinung) als Maßstab rationalen Handelns. Insbesondere lehnte Platon den als sophistisch dargestellten Rechtspositivismus („daß kein Herrscher irgend fehlt, wenn er Herrscher ist.“ (Pol. I, 340e) ab. Stattdessen bestimmte er die Gerechtigkeit als Gundlage des Rechts inhaltlich (Jeder tut, was ein jeder zu tun hat, Pol. 433a).

FĂŒr Aristoteles, der den Menschen als vernĂŒnftiges Wesen (zoon logon echon) bestimmte, besteht ein glĂŒckliches und gelingendes Leben in einem „TĂ€tigsein der Seele gemĂ€ĂŸ der Vernunft oder nicht ohne die Vernunft.“ (EN I 6, 1098a 7-8) Der VernĂŒnftige ist jemand, der „gut ĂŒberlegen kann“, was anders sein könnte. (EN VI 5, 1140a 1-1 und 26) Das gute Überlegen bezieht sich sowohl auf die schaffend Kunst (Techne) als auch auf die praktische VernĂŒnftigkeit (Phronesis). Was gute Überlegungen sind, beschrieb Aristoteles auf zweierlei Weise. Praktische VernĂŒnftigkeit prĂŒft zum einen, ob Mittel geeignet sind, ein bestimmtes Ziel zu erreichen (EN III 5-7), und zum anderen, ob ein Einzelnes, eine einzelne Handlung, einem Allgemeinen, zum Beispiel einem guten Leben, entspricht (EN VI).[45] Immer wieder wird kritisch darauf hingewiesen, dass Aristoteles den gesellschaftlichen Vorstellungen seiner Zeit entsprach und den Frauen einen geringeren Vernunftstatus als dem Mann zurechnete und dies biologisch begrĂŒndete (De generatione animalium)[46]

WĂ€hrend Platon und Aristoteles das gute Leben an einem Aufstieg zur geistigen Schau der vom Nous bestimmten Ordnung des Kosmos festgemacht hatten, Wissen fĂŒr sie als denkendes Erfassen der Ideen und Prinzipien in der Welt den höchsten Wert besaß, stand im Hellenismus die Praxis im Vordergrund. Die Polis verlor an Bedeutung und nach dem Tod Alexanders wurde die Lage politisch instabil. Philosophie hatte vor allem die Aufgabe einer Orientierungshilfe. Die Stoa entstand ebenso wie die Skepsis und der Epikureismus in Konkurrenz zu den klassischen Schulen der Akademie und des Peripatos. Allen drei gemeinsam war die Suche nach der Seelenruhe (Ataraxia). Die Skeptiker suchten, sich nicht durch falsche SehnsĂŒchte nach Weltverbesserung beirren zu lassen. Die RationalitĂ€t des Skeptikers ist das kritische Hinterfragen. Die Epikureer strebten vor allem nach privatem GlĂŒck durch einen maßvollen Genuss. Sie lehnten die Idee einer vernĂŒnftig geordneten Welt ab und stellten den Nutzen und die ZweckrationalitĂ€t in den Vordergrund. Bei den Stoikern stand die Beherrschung der Leidenschaften im Zentrum der Philosophie. Die Stoa knĂŒpfte an die Naturphilosophie Heraklits an und betrachtete die Natur als vernĂŒnftig geordneten Organismus, in den der Mensch sich einzupassen hat. FĂŒr sie war es deshalb rational, nicht mit dem Schicksal zu hadern, sondern sich auf das dem eigenen Handeln VerfĂŒgbare zu konzentrieren. Aus dieser Einstellung heraus entwickelten die Stoiker die Vorstellung, dass es beim Handeln auf die Gesinnung und die Einhaltung der daraus folgenden Pflichten ankommt. Hierzu gehörte insbesondere das Befolgen des Selbsterhaltungstriebes und das Streben nach Selbstvervollkommnung (Oikeiosis). Logik und Naturerkenntnis sind keine eigenstĂ€ndigen Zwecke, sondern dienen der Beantwortung der Frage nach dem richtigen Handeln.

„Ein tugendhaftes Leben ist gleichbedeutend mit einem Leben auf Grund der Erfahrung von dem, was natĂŒrlicherweise geschieht. Denn unsere eigene Natur ist ein Teil der Gesamtnatur. Darum ist das höchste Gut ein naturgemĂ€ĂŸes Leben, gemĂ€ĂŸ unserer eigenen und der Gesamtnatur, so daß wir nichts tun, was das allgemeine Gesetz zu verbieten pflegt, nĂ€mlich die richtige, alles durchdringende Vernunft.“ (Chrysippos[47])

Affekte können gegen Einsichten der Vernunft verstoßen, so dass ihre Beherrschung eine der vorrangigen Aufgaben eines vernunftgemĂ€ĂŸen Lebens ist. RationalitĂ€t war bei den Stoikern die alles dominierende Sicht auf die Welt und eine ganzheitliche LebensfĂŒhrung.

FĂŒr die Mittel- und Neuplatoniker stand die Seelenlehre im Zentrum des Denkens, denn der Körper galt ihnen nur als zeitweiliges „GehĂ€use“ der Seele, die der TrĂ€ger der Lebensfunktionen ist und die nach dem Tod wieder in die Verbindung zum Nous, zur geistigen Welt des reinen Denkens und der Ideen, eingeht. Es ist die Seele, durch die der Nous in der Welt wirkt. Die Seele verwirklicht sich in ihrer VernĂŒnftigkeit durch ZusammenfĂŒhren und Abstraktion der Vielfalt im Denken zu einer Einheit. Das göttliche Eine ist das Prinzip, das hinter dem Nous steht. Das praktische Handeln nach den Tugenden ist eine Ausrichtung des philosophischen Lebens auf das Göttliche. Diese bei Plutarch, Plotin, Proklos oder Porphyrios unterschiedlich ausgeprĂ€gte Lehre fand ihren Niederschlag auch im ManichĂ€ismus und in der Hermetik.

Verbindung und Loslösung von Glaube und Vernunft im Mittelalter

Eine neue Perspektive auf die RationalitĂ€t entstand mit dem Christentum, dessen philosophischen Ideen sich schon frĂŒh oftmals mit dem platonischen Denken verbanden.[48] An die Stelle der natĂŒrlichen Ordnung des Nous trat allerdings die durch die Schöpfung Gottes vorgegebene Ordnung. Das absolut Gute Platons wird von den KirchenvĂ€tern durch Gott ersetzt.[49] Rationale Praxis des Christentums ist die Befolgung der göttlichen Gebote. Augustinus hob die NĂ€he zum Neuplatonismus hervor: „Dann brauchten sie nur wenige Worte und Ansichten zu Ă€ndern, um selbst Christen zu werden. So haben es ja die meisten Platoniker unserer jĂŒngsten Zeit gemacht.“ (Über die wahre Religion IV 7, 23)[50] Augustinus dient die Vernunft vor allem der Reinigung des Glaubens. Der vollkommene Glaube ist der verstĂ€ndige Glaube. Rational ist damit ein Handeln, das die biblischen Gebote mit den Mitteln der Vernunft umsetzt. „Wir Christen glauben und lehren ja, und unser Heil hĂ€ngt daran, daß Philosophie, das heißt Weisheitsstreben, und Religion nicht voneinander verschieden sind“. (Über die wahre Religion V 8, 26) RationalitĂ€t und spiritueller Glaube bilden fĂŒr Augustin eine Einheit, die aber durch das eindeutige Primat des Glaubens gekennzeichnet ist.

Vor allem durch die christlichen Philosophen Boethius und Dionysios Areopagita sowie die spĂ€trömischen Autoren Macrobius und Martianus Capella wurde das christlich-neuplatonische Denken bis in das Mittelalter bewahrt und ĂŒbertragen und reichte bis zu Meister Eckart und Nikolaus von Kues. Im Mittelalter begann andererseits ein schrittweiser Wandel der Beziehung von Glaube und RationalitĂ€t. Ein Ausdruck hiervon ist die Abschaffung der Gottesurteile im Jahr 1215 auf dem Vierten Laterankonzil.[51] Ein besonders wichtiges Kennzeichen ist die GrĂŒndung der UniversitĂ€ten, die Ende des 11. Jahrhunderts einsetzte. Man kann die scholastische Methode als ein erstes wissenschaftstheoretisches Konzept auffassen, in dem Wissen und Wissenschaften geordnet wurden.

Bereits Anselm von Canterbury hat versucht, mit seinen Gottesbeweisen die notwendigen GrĂŒnde (rationes neressariae) fĂŒr die Wahrheit des christlichen Glaubens aufzuzeigen, also eine spirituelle Theologie durch eine rationale Theologie zu ergĂ€nzen.[52] Die der Offenbarung entstammenden GlaubenssĂ€tze haben sich vor den Wahrheiten der Vernunft zu bewĂ€hren. Die Vernunft ermöglicht, die göttliche Ordnung richtig zu erfassen. Petrus Abaelardus ist bekannt dafĂŒr, dass er der Vernunft eine stĂ€rker eigenstĂ€ndige Position einrĂ€umte. Durch das Aufzeigen der WidersprĂŒche der Tradition in seiner Schrift Sic et Non (eine Methode, die bereits bei Bernold von Konstanz zu finden ist) stĂ€rkte er die Position des Magisters, der durch eine logisch anerkannte Argumentation die Konflikte auflösen musste, so dass die Vernunft eine eigene Bedeutung neben der Lehre der KirchenvĂ€ter einnehmen konnte. Indem er die Forderung „Erkenne dich selbst“ (scito te ipsum) in den Titel seiner Ethik aufnahm, betonte Abaelard die subjektive Vernunft und die Gesinnung als Grundlage sittlichen Handelns.

Thomas von Aquin bemĂŒhte sich in besonderem Maße darum Philosophie und Vernunft in Einklang zu bringen. Wenn auch mit der Vernunft keine Eigenschaften Gottes zu erkennen sind, so kann aber mit Argumenten die Existenz Gottes plausibel gemacht werden, wie Thomas dies in den „fĂŒnf Wegen, das Dasein Gottes zu beweisen“ darlegt. Diese Argumentation ist Ausgangspunkt einer rationalen Theologie. Die Vernunft sagt dem Menschen, dass er das Gute tun und das Böse lassen soll. Was aber gut ist, erfĂ€hrt der Mensch durch sein Gewissen und dieses kann irren. [53] Die Konsequenz lautet: „Jegliches Wollen, das von der Vernunft abweicht, mag diese nun recht sein oder irren, ist immer schlecht.“ (STh I/II 19a.5) Die RationalitĂ€t fordert, festzustellen, welche praktischen Gebote der Vernunft widersprechen und diese WidersprĂŒche aufzulösen. Damit ist eine aus dem Glauben heraus begrĂŒndete UnvernĂŒnftigkeit ausgeschlossen. Dasselbe Argument fĂŒhrte in der Regensburger Vorlesung Benedikt XVI. zu Irritationen, als er darauf verwies, dass der Islam die Vernunft als Maßstab fĂŒr ein Handeln nach Gottes Willen nicht kenne.[54]

Die Aristoteles Rezeption aufgrund der neu entdeckten Schriften fĂŒhrte zu der Rede von der „doppelten Wahrheit“, die dadurch entsteht, dass Aussagen nach der Vernunft und nach dem Glauben sich widersprechen können, aber im jeweiligen Denken dennoch Wahrheit beanspruchen.[55] Wenn diese These auch noch von Thomas zurĂŒckgewiesen worden war[56] und auch Gegenstand der Pariser Verurteilungen war, so zeigen sich hierin AnsĂ€tze zur Trennung von Glauben und RationalitĂ€t.

Einen wichtigen Schritt machte Johannes Duns Scotus, indem er einen neu formulierten Begriff des Willens in die scholastische Philosophie einfĂŒhrte.[57] Nach Scotus ist der Wille und nicht die Vernunft die Quelle der RationalitĂ€t, weil der Wille das GegensĂ€tzliche enthĂ€lt, also die Grundlage von Entscheidungen ist. Dies gilt sowohl fĂŒr die Zwecksetzung als Freiheit etwas zu wollen (libertas specificationis) als auch fĂŒr die AusĂŒbung des Wollens, die Handlungsfreiheit (libertas ecercitii). Die Vernunft fĂŒhrt zu einem eindeutigen Ergebnis, zu dem, was man als richtig erachtet und hat damit ein notwendiges Ergebnis. Allein der Wille und das Wollen beziehen sich auf Möglichkeiten und damit auf Freiheit. Der Wille benötigt andererseits fĂŒr das Handeln ein Kriterium und dieses liefert ihm die Vernunft, anhand derer beurteilt werden kann, ob etwas gut oder böse ist (Ord.[58] II d 7). RationalitĂ€t ist also das Wollen des als Gut erkannten und die Überwindung des rein naturhaften Strebens. Das höchste Gute, das die Vernunft erkennen kann, ist Gottes Wille. Es ist also nicht mehr der Glaube, der das Handeln bestimmt, sondern der durch die Vernunft erkannte Wille Gottes, den Duns Scotus mit einem Naturrecht auf der Grundlage des Prinzips der Gerechtigkeit annahm.

Viel schĂ€rfer noch erfolgte die Trennung von Wissen und Glauben bei Wilhelm von Ockham, nach dem grundlegende Glaubenswahrheiten wie die Omnipotenz Gottes nicht mit der Vernunft zu fassen sind und nicht mehr gewusst werden können. „Die Theologie ist keine Wissenschaft.“[59] Gottes Wille in der Schöpfung ist frei. Die Allmacht Gottes unterliegt nur dem Prinzip vom auszuschließenden Widerspruch Dies bedeutet jedoch nicht, dass es in der Welt keine Ordnung gibt, denn die Schöpfung enthĂ€lt bestimmt Prinzipien und GesetzmĂ€ĂŸigkeiten, die so sind weil Gott sie so gewollt hat. Er hat aber die Potenz, diese auch anders zu gestalten. [60] Die neue Positionierung der Vernunft fĂŒhrte Ockham zu einer stark nominalistisch geprĂ€gten Auffassung im Universalienstreit und auch zu einer schĂ€rferen und immer wieder betonten Fassung des RationalitĂ€tsprinzips, das als Ockhams Rasiermesser bekannt geworden ist. „Nichts darf man ohne eigene BegrĂŒndung annehmen, es sei denn es sei evident oder aufgrund von Erfahrung gewußt oder durch die AutoritĂ€t der Heiligen Schrift gesichert.“ (In I. Sent d 30, q 1)[61] Das richtige Handeln ist nicht mehr von Gott vorgegeben, sondern entscheidet sich subjektiv nach der menschlichen Vernunft. Damit formulierte Ockham den sich in seiner Zeit entwickelnden neuen Zugang zum Wissen, fĂŒr das eine BegrĂŒndung oder empirische Erfahrung gefordert wurde, es sei denn die höhere göttliche Ordnung war als Quelle verfĂŒgbar. RationalitĂ€t ist bei Ockham an die Wahrheit von SĂ€tzen gebunden. Die radikalisierte Haltung brachte Ockham in den Konflikt mit dem Papsttum und zwang ihn vor einer drohenden Verurteilung nach MĂŒnchen zu fliehen, wo er sein Werk vor allem mit politischen und kirchenkritischen Arbeiten fortsetzte. In der Folge verstĂ€rkte sich die Differenz zunehmend, z.B. bei Nicolaus von Autrecourt, im Zuge einer fortschreitenden SĂ€kularisierung, die sich in einer neuen Philosophie der Renaissance und des Humanismus und in der Reformation niederschlug.

Erforschung und Beherrschung der Natur in der Neuzeit

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Viele klassische Philosophen unterscheiden zwischen ratio und intellectus, im Deutschen meist mit Verstand und Vernunft (ursprĂŒnglich genau umgekehrt) wiedergegeben, wobei ratio in aller Regel ein niedrigeres Erkenntnisvermögen darstellt, das vergleichend und diskursiv operiert, intellectus hingegen ein einheitlich zusammenschauendes Vermögen bezeichnet.

In der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts wurde vielfach ein klassischer Begriff von RationalitĂ€t kritisiert, auf diesen Begriff habe etwa die AufklĂ€rung zu optimistisch gesetzt, da er beispielsweise die Bindung an verletzbare Leiblichkeit ausblende und zu einer technisierten Totalverapparatung des Daseins fĂŒhre, Individuelles unter allgemeinen Kategorien verdecke oder im Sinne einer rein technischen Optimierungslogik die Verfolgung beliebiger Zwecke, auch die Katastrophen des 20. Jahrhunderts, sanktioniere und optimiere. Viele Philosophen sehen RationalitĂ€t gebunden an soziale Praktiken, besonders solchen des Ausschlusses von als „irrational“ Gewertetem. Bekannte Philosophen, die teils explizit als „RationalitĂ€tskritiker“ auftraten oder als solche eingeschĂ€tzt werden, sind, bei ganz unterschiedlicher Akzentsetzung, Friedrich Nietzsche, Ludwig Klages, Martin Heidegger, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Michel Foucault, Jacques Derrida und JĂŒrgen Habermas.

Die RationalitÀt individueller oder sozialer Praktiken sowie bestimmter Theorien zu reflektieren steht in vielen Bereichen der Philosophie im Mittelpunkt, etwa abhÀngig vom jeweils verfolgten Ansatz, oft in Bereichen der Ethik, der Handlungstheorie, Sozialphilosophie, Wissenschaftstheorie und Religionsphilosophie.

Zahlreiche analytische Philosophen haben in jĂŒngerer Zeit systematische Ausarbeitungen eines RationalitĂ€tsbegriffs versucht, beispielsweise Karl-Otto Apel, David Gauthier, Herbert SchnĂ€delbach, Wolfgang Kuhlmann, John Searle, Robert Nozick, Robert Audi, Robert Brandom und Julian Nida-RĂŒmelin.

Nach Auffassung von Bartley sieht sich der Kritische Rationalismus verpflichtet, eine RationalitĂ€tstheorie zu liefern, da er sich ansonsten dem Tu quoque-Argument der Irrationalisten aussetzen wĂŒrde. Zudem erfordert der Fallibilismus eine Theorie darĂŒber, wie in rationaler Weise Theorien ausgewĂ€hlt und praktisch eingesetzt werden sollen.

Ökonomie

Im Bereich der Wirtschaft wird die RationalitĂ€t vorrangig auf der Grundlage des ökonomischen Prinzips diskutiert, wonach mit vorhandenen Mitteln ein maximaler Nutzen erzielt oder eine bestimmtes Ziel mit minimalem Aufwand erreicht werden soll. Die Anwendung dieser Logik entspricht dem Grundgedanken, vernunftgemĂ€ĂŸes Handeln als Wert zu betrachten, wie er in der Neuzeit entstanden und in der AufklĂ€rung ausformuliert worden ist. Verschwendung ist unvernĂŒnftig. Als einer der wichtigsten BegrĂŒnder dieses Denkens gilt Adam Smith. Dieser hatte gegen die BĂŒrokratie des Merkantilismus mehr Freiheit fĂŒr die einzelnen wirtschaftlichen Akteure gefordert. Nach seiner in dem berĂŒhmten Werk vom „Wohlstand der Nationen“ entwickelten Theorie fĂŒhrt das am eigenen Interesse orientierte Handeln Vieler in einer marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaft zu einem Ergebnis, das auch gesamtwirtschaftlich eine Maximierung des gesellschaftlichen Wohlstandes bewirkt. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung sah aber Smith bereits, dass zu einer funktionierenden Gesellschaft ein funktionierender Staat gehört, der der Ökonomie Rahmenbedingungen setzt und die Freiheit des einzelnen sicherstellt.

Ausgehend von Smith entwickelten sich Theorien der klassischen Nationalökonomie, der Grenznutzenschule, der neoklassischen Theorie, des Keynesianismus, der Theorie der rationalen Entscheidung sowie schließlich der neuen Institutionenökonomik, die jeweils modellhaft bestimmte Funktions- und Wirkungsmechanismen in offenen Volkswirtschaften zu beschreiben versuchen. Eine der Grundannahmen dieser ErklĂ€rungsmodelle ist, dass die betrachteten Akteure unter ökonomischen Aspekten rational als homo oeconomicus handeln. Dies bedeutet, dass (fiktive) Individuen durch eine Menge aus Wahlmöglichkeiten und eine darauf definierte PrĂ€ferenzordnung der verfĂŒgbaren Wahlmöglichkeiten beschrieben werden können. Eine PrĂ€ferenzfordnung ist rational wenn sie sowohl transitiv als auch vollstĂ€ndig ist[62]. Dabei bedeuten

  • TransitivitĂ€t: Seien x, y und z in der Menge der Wahlmöglichkeiten. Ferner sei x mindestens so gut wie y und sei y mindestens so gut wie z. Die PrĂ€ferenzordnung definiert ĂŒber die Menge der Wahlmöglichkeiten ist rational wenn, und nur wenn x mindestens so gut ist wie z, fĂŒr alle x,y und z in der Menge der Wahlmöglichkeiten.
  • VollstĂ€ndigkeit: Eine PrĂ€ferenzordnung ĂŒber eine Menge an Wahlmöglichkeiten ist vollstĂ€ndig, wenn es möglich ist fĂŒr jedes x und y in dieser Menge entweder zu sagen, dass x mindestens so gut wie y ist, dass y mindestens so gut wie x ist oder dass beides zutrifft.

Rational zu handeln bedeutet dann, dass das Individuum aus der Menge der Wahlmöglichkeiten x so wĂ€hlt, dass x mindestens so gut ist wie y, wobei y jedes andere Element der Wahlmenge ist. Man beachte, dass dies nur möglich ist unter der Bedingung, dass die PrĂ€ferenzordnung rational ist. Die hĂ€ufig verbreitete Ansicht, dass RationalitĂ€t gleichbedeutend mit Nutzenmaximierung sei[63], kann dadurch begrĂŒndet werden, dass unter der Annahme der KontinuitĂ€t der PrĂ€ferenzordnung, diese durch eine als Modell zu verstehende Nutzenfunktion reprĂ€sentiert werden kann[64].

Neuere theoretische Konzepte zur ökonomischen RationalitĂ€t setzen sich auch mit psychologischen und sozialpsychologischen EinflĂŒssen auf die individuelle Entscheidungsfindung auseinander. Hierzu zĂ€hlen Verhaltensanomalien wie die BerĂŒcksichtigung verlorener Kosten, die Untergewichtung von OpportunitĂ€tskosten oder die Übergewichtung von Besitz, VerfĂŒgbarkeitsheuristiken und Sicherheitsstreben oder Selbstwirksamkeitserwartungen, Emotionen und abweichende soziale PrĂ€ferenzen.[65] Eine ErklĂ€rung hierfĂŒr bietet die Theorie der eingeschrĂ€nkten RationalitĂ€t des Sozialwissenschaftlers Herbert Simon, der darauf verwies, dass Entscheidungen aufgrund von Zeitmangel, Informationsmangel, UnfĂ€higkeit oder anderen die kognitiven FĂ€higkeiten des Menschen einschrĂ€nkenden GrĂŒnden immer nur begrenzt rational getroffen werden.[66]

WĂ€hrend die Betrachtung des ökonomischen Prinzips auf die Frage ausgerichtet ist, wie ein bestimmter Zweck optimal erreicht werden kann, wird in der Wirtschaftsethik diskutiert, welche Zwecke innerhalb ökonomischen Handelns sinnvoll sind, wie man solche Zwecke ĂŒbergeordnet bestimmen und ihre Durchsetzung sicherstellen und wie man den Missbrauch von Marktmechanismen verhindern kann. WĂ€hrend das ökonomische Prinzip einer rein formalen, instumentellen RationalitĂ€t folgt, ist der Diskurs der Wirtschaftethik auf eine materiale, zweckorientierte RationalitĂ€t ausgerichtet, die Fragen der angewandten Ethik mit in den Blick nimmt.

Sozialwissenschaften

Bedeutende Arbeiten ĂŒber RationalitĂ€t veröffentlichte Max Weber, unter anderem auf dem Gebiet der Rechtssoziologie. Von der finalen RationalitĂ€t (ZweckmĂ€ĂŸigkeit) wird hier die materielle RationalitĂ€t (LegitimitĂ€t) und die formelle RationalitĂ€t (Rechtssicherheit) unterschieden (vgl. auch den Typus der rationalen Herrschaft).

„Zweckrational handelt, wer sein Handeln nach Zweck, Mitteln und Nebenfolgen orientiert, und dabei sowohl die Mittel gegen die Zwecke, wie die Zwecke gegen die Nebenfolgen, wie endlich auch die verschiedenen Zwecke gegeneinander rational abwĂ€gt.“[67]

Weber hat die Unterscheidung von formaler und materialer RationalitĂ€t auch auf den Bereich der Wirtschaft ĂŒbertragen. In Wirtschaft und Gesellschaft unterschied er:

„Als formale RationalitĂ€t eines Wirtschaftens soll hier das Maß der ihm technisch möglichen und von ihm wirklich angewendeten Rechnung bezeichnet werden. Als materiale RationalitĂ€t soll dagegen bezeichnet werden der Grad, in welchem die jeweilige Versorgung von gegebenen Menschengruppen (gleichviel wie abgegrenzter Art) mit GĂŒtern durch die Art eines wirtschaftlich orientierten sozialen Handelns sich gestaltet unter dem Gesichtspunkt bestimmter (wie immer gearteter) wertender Postulate, unter welchen sie betrachtet wurde, wird oder werden könnte. Diese sind höchst vieldeutig.“[68]

Die Handlungstheorie von Talcott Parsons[69] lehnt sich an Weber an und bestimmt eine Handlung als rational, „wenn sie Ziele verfolgt, die innerhalb der Bedingungen der Situation möglich sind, und wenn die Mittel, welche dem Handelnden zur VerfĂŒgung stehen, sich wesentlich am besten fĂŒr den Zweck eignen, und dies aus GrĂŒnden, die durch die positive empirische Wissenschaft verstĂ€ndlich und verifizierbar sind.“[70] Bei Parsons ist die Bestimmung der RationalitĂ€t noch sehr stark an das Konzept der positiven Wissenschaften gebunden. Alfred SchĂŒtz hielt diese Vorstellung ebenso fĂŒr einen praxisfernen „Archetyp unserer Erfahrung der Wirklichkeit“ wie das Gegenteil der „‚traditionellen‘ oder ‚gewohnheitsmĂ€ĂŸigen‘ Handlungen“.[71] Sein Einwand war, das die Praxis der Lebenswelt viel komplexer und vielfĂ€ltiger ist, so dass Handlungen nicht nach allgemeinen Schemata, sondern situativ begrĂŒndet und entschieden werden. Entsprechend der Vielfalt der Erfahrungstypen gibt es viele EinzelrationalitĂ€ten, die zu den jeweiligen SphĂ€ren der Lebenswelt passen.[72]

Niklas Luhmann setzte sich mit der Thematik insbesondere in seinem Werk Legitimation durch Verfahren auseinander und verwies darauf, dass soziale Entscheidungen sich vorwiegend an der Struktur des positiven Rechts orientieren.

In der Folge wurde der Begriff unter anderem von JĂŒrgen Habermas (Kommunikative RationalitĂ€t) erweitert.

Norbert Elias verwendet statt dieses statischen Begriffs den prozessorientierten Begriff der „Rationalisierung“, der in seiner Theorie des Zivilisierungsprozesses eine Steigerung der „Langsicht“ bedeutet, was die FĂ€higkeit beschreibt, die Folgen der eigenen Handlungen ĂŒber immer mehr Glieder der Kausalketten vorauszu„berechnen“.

Neuere Entwicklungen auf dem Gebiet der Handlungstheorie sind die Theorie der rationalen Entscheidung, wie sie sich aus dem Erkenntnisprogramm des Utilitarismus, der Klassischen Ökonomie und des Homo oeconomicus (in Entgegensetzung zum rollentheoretisch geprĂ€gten Homo sociologicus) heraus entwickelt haben.[73]

Psychologie

Wertvorstellungen werden nach C. G. Jung durch die rationalen Funktionen vermittelt. Er unterscheidet zwei rationale Funktionen von zwei irrationalen. Rationale Funktionen sind Denken und FĂŒhlen, irrationale Funktionen sind Intuieren und Empfinden. Entscheidendes Kriterium fĂŒr die Zuordnung zur Gruppe der rationalen Funktionen ist die Bewertung innerer psychologischer Tatsachen, siehe z. B. Ichbewusstsein, Personalisation, etc. Das Ergebnis dieser rationalen Bewertung ist die sog. → Einstellung.[74]

Siehe auch

Literatur

  • Franz-Josef Bormann / Christian Schröer (Hgg.): AbwĂ€gende Vernunft: Praktische Rationalitat. In Historischer, Systematischer Und Religionsphilosophischer Perspektive. de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 978-3110175172.
  • Lorraine Daston : Wunder, Beweise und Tatsachen: Zur Geschichte der RationalitĂ€t. 2. Aufl. Fischer, Frankfurt 2001, ISBN 978-3-59614763-2
  • Franz EisenfĂŒhr, Martin Weber: Rationales Entscheiden. 4. Aufl. Springer, Berlin 2003, ISBN 978-3-54044023-9
  • Jon Elster: Subversion der RationalitĂ€t (Theorie und Gesellschaft). Campus, Frankfurt 1986, ISBN 978-3-59333610-7
  • Karen Gloy (Hrsg.): RationalitĂ€tstypen, Alber, Freiburg/MĂŒnchen 1999, ISBN 978-3-49547960-5
  • Stefan Gosepath: AufgeklĂ€rtes Eigeninteresse: Eine Theorie theoretischer und praktischer RationalitĂ€t. Suhrkamp, Frankfurt 1992, ISBN 978-3-518-58125-4
  • Stefan Gosepath (Hrsg.): Motive, GrĂŒnde, Zwecke. Theorien praktischer RationalitĂ€t. Fischer, Frankfurt 1999, ISBN 978-3-59613223-2
  • Nicole Karafyllis, Jan Schmidt (Hrsg.): ZugĂ€nge zur RationalitĂ€t der Zukunft. Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 978-3-47645307-5 (Rezension auf H-Soz-u-Kult)
  • Chongki Kim: Ästhetischer Gemeinsinn und Ästhetische RationalitĂ€t. Dissertation Berlin 2007
  • Petra Kolmer und Harald Korten (Hrsg.): Grenzbestimmungen der Vernunft. Philosophische BeitrĂ€ge zur RationalitĂ€tdebatte. Festschrift fĂŒr Hans Michael Baumgartner, Alber, Freiburg / MĂŒnchen 1994, ISBN 3-495-47756-X
  • Hans Lenk, Helmut Spinner: RationalitĂ€tstypen, RationalitĂ€tskonzepte und RationalitĂ€tstheorien im Überblick. In: Handbuch pragmatischen Denkens, hrg. von H. Stachowiak, Hamburg 1989, S. 1-31
  • Nicholas Rescher: RationalitĂ€t. Eine philosophische Untersuchung ĂŒber das Wesen und die BegrĂŒndung der Vernunft. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 1992, ISBN 978-3-88479781-5
  • Herbert SchnĂ€delbach (Hrsg.): RationalitĂ€t. Philosophische BeitrĂ€ge, Suhrkamp, Frankfurt 1984. ISBN 978-3-518-28049-2
  • Axel WĂŒstehube (Hrsg.): Pragmatische RationalitĂ€tstheorien. Studies in Pragmatism, Idealism, and Philosophy of Mind. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 1999, ISBN 978-3-88479990-1

Weblinks

Philosophie
Ökonomie
Soziologie
Religion

Einzelnachweise

  1. ↑ Zur Begriffsanalyse vgl. etwa Stefan Gosepath: Eine einheitliche Konzeption von RationalitĂ€t, in: Nicole Karafyllis, Jan Schmidt (Hrsg.): ZugĂ€nge zur RationalitĂ€t der Zukunft. Metzler, Stuttgart 2002, 29-52; zur Zielorientierung: 43
  2. ↑ So der Titel des Buches: Karl-Otto Apel und Matthias Kettner (Hrsg.): Die eine Vernunft und die vielen RationalitĂ€ten. Suhrkamp, Frankfurt 1996
  3. ↑ Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft [Eclipse of Reason, 1947], Fischer, Frankfurt 1967
  4. ↑ Nicholas Rescher: RationalitĂ€t. Eine philosophische Untersuchung ĂŒber das Wesen und die BegrĂŒndung der Vernunft. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 1992, 152
  5. ↑ Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft [1921], 5. Aufl. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 1976, 12 (online)
  6. ↑ Max Bense: Ungehorsam der Ideen, Berlin/Köln 1965, 26
  7. ↑ GĂŒnter Ropohl: RationalitĂ€t und allgemeine Systemtheorie. Ein Weg synthetischer RationalitĂ€t, in: Nicole Karafyllis, Jan Schmidt (Hrsg.): ZugĂ€nge zur RationalitĂ€t der Zukunft. Metzler, Stuttgart 2002, 113-137, 115
  8. ↑ Andreas Kemmerling: Theorie des Geistes ohne Vernunft – Überlegungen zu einem Versuch, den RationalitĂ€tsbegriff als wertlos zu erweisen, in: H. F. Fulda/R. P. Horstmann (Hrsg.), Vernunftbegriffe in der Moderne – Stuttgarter Hegel-Kongreß 1993, Stuttgart 1994, 704-726
  9. ↑ Jan Peter Beckmann: Wissen, RationalitĂ€t und Orientierungswissen. Zum konsensfĂ€higen Umgang mit aktuellen Debatten, in: Ludger Honnefelder, Dieter Sturma (Hrsg.): Jahrbuch fĂŒr Wissenschaft und Ethik, de Gruyter, Berlin 2009, 5-22, 13
  10. ↑ Nikolaos Psarros: RationalitĂ€t und Gemeinwohl. Sprachanalytische Reflexionen, in: Nicole Karafyllis, Jan Schmidt (Hrsg.): ZugĂ€nge zur RationalitĂ€t der Zukunft. Metzler, Stuttgart 2002, 53-72
  11. ↑ Wieslaw Sztumski: Wozu RationalitĂ€t?, In: Gerhard Banse, Andrzej Kiepas (Hrsg.): RationalitĂ€t heute - Vorstellungen, Wandlungen, Herausforderungen. Lit, MĂŒnster 2002, 61-70, hier 64
  12. ↑ Wieslaw Sztumski: Wozu RationalitĂ€t?, In: Gerhard Banse, Andrzej Kiepas (Hrsg.): RationalitĂ€t heute - Vorstellungen, Wandlungen, Herausforderungen. Lit, MĂŒnster 2002, 61-70, hier 67
  13. ↑ Wieslaw Sztumski: Wozu RationalitĂ€t?, In: Gerhard Banse, Andrzej Kiepas (Hrsg.): RationalitĂ€t heute - Vorstellungen, Wandlungen, Herausforderungen. Lit, MĂŒnster 2002, 61-70, hier 69
  14. ↑ Hans Lenk: RationalitĂ€tstypen, in: RationalitĂ€t und Wissenschaft. Eine Ringvorlesung, hrsg. im Auftrag des Zentrum Philosophische Grundlagen der Wissenschaften von G. Pasternack, Bremen 1988, 9-22, ĂŒbernommen aus Karen Gloy: Vernunft und das andere der Vernunft, Alber, Freiburg/MĂŒnchen 2001, 28-29
  15. ↑ Nikolaos Psarros: RationalitĂ€t und Gemeinwohl. Sprachanalytische Reflexionen, in: Nicole Karafyllis, Jan Schmidt (Hrsg.): ZugĂ€nge zur RationalitĂ€t der Zukunft. Metzler, Stuttgart 2002, 53-72
  16. ↑ Norbert Elias: Die höfische Gesellschaft. Untersuchungen zur Soziologie des Königtums und der höfischen Aristokratie [1964], 2. Aufl. Suhrkamp, Frankfurt 1983
  17. ↑ JĂŒrgen Habermas:Vom pragmatischen, ethischen und moralischen Gebrauch der praktischen Vernunft, in: ders.: ErlĂ€uterungen zur Diskursethik, Suhrkamp, Frankfurt 1991, 110-119 (online)
  18. ↑ Christine Korsgaard: The Normativity of Instrumental Reason, in: G. Gulity, B. Gaut (Hrsg.): Ethics and Practical Reason, Oxford 1997, 215-217
  19. ↑ Nicholas Rescher: RationalitĂ€t. Eine philosophische Untersuchung ĂŒber das Wesen und die BegrĂŒndung der Vernunft. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 1992, 2-3
  20. ↑ Karl-Otto Apel: Types of Rationality Today: The Continuum of Reason between Science and Ethics, in: Th. F. Geraets (Hrsg.): Rationality to-day, Ottawa 1979, Hinweis bei Karen Gloy: Vernunft und das andere der Vernunft, Alber, Freiburg/MĂŒnchen 2001, 26
  21. ↑ Helmut F. Spinner: Max Weber, Carl Schmitt, Bert Brecht als Wegweiser ganzen Rationalismus der Doppelvernunft. Über die beiden Ă€ußersten Möglichkeiten, sich in einer orrationalen Welt rational zu orientieren, in: Merkur, 453 (1986), 923-935
  22. ↑ Karen Gloy: Vernunft und das andere der Vernunft, Alber, Freiburg/MĂŒnchen 2001, 29-30
  23. ↑ Alexander Hielke: Rationale BegrĂŒndungen in der Metaphysik, in: GĂŒnther Kranzbauer (Hrsg.): Argumentation in Theorie und Praxis. Philosophie und Didaktik des Argumentierens, Lit, MĂŒnster 2006, 99-112
  24. ↑ Volker Steenblock: Arbeit am Logos. Aufstieg und Krise der wissenschaftlichen Vernunft. (LIT) MĂŒnster 2000, 9
  25. ↑ Karen Gloy: Vernunft und das Andere der Vernunft. Alber, Freiburg, MĂŒnchen 2001, 67 FN 1, verweist auf die Begriffsbildung in: Karl-Otto Apel: Das Problem einer philosophischen Theorie der RationalitĂ€tstypen. Programmatische VorĂŒberlegungen: Theorie der RationalitĂ€tstypen als mögliche Antwort auf die Herausforderungen eines neuen Irrationalismus, in: Herbert SchnĂ€delbach (Hrsg.): RationalitĂ€t. Philosophische BeitrĂ€ge, Suhrkamp, Frankfurt 1984, 15-31, 25
  26. ↑ Karen Gloy: Vernunft und das Andere der Vernunft. Alber, Freiburg, MĂŒnchen 2001, 76
  27. ↑ Wenn A = blau, dann ist Nicht-A = Nicht-blau. Es kann nicht festgestellt werden, ob Nicht-A rot oder grĂŒn ist.
  28. ↑ Karen Gloy: Vernunft und das Andere der Vernunft. Alber, Freiburg, MĂŒnchen 2001,111
  29. ↑ Karen Gloy: Vernunft und das Andere der Vernunft. Alber, Freiburg, MĂŒnchen 2001, 117
  30. ↑ Karen Gloy: Vernunft und das Andere der Vernunft. Alber, Freiburg, MĂŒnchen 2001, 170
  31. ↑ Karen Gloy: Vernunft und das Andere der Vernunft. Alber, Freiburg, MĂŒnchen 2001, 207
  32. ↑ Nicholas Rescher, Robert Brandom: The Logic of Inconsistency. A Study in Non-standard Possible-World Semantics and Ontology, Oxford 1980, Hinweis bei Karen Gloy: Vernunft und das Andere der Vernunft. Alber, Freiburg, MĂŒnchen 2001, 233-234
  33. ↑ Gerhard Vollmer: Wissenschaftstheorie im Einsatz, Hirzel, Stuttgart 1993, 158
  34. ↑ GĂŒnter Ropohl: RationalitĂ€t und allgemeine Systemtheorie. Ein Weg synthetischer RationalitĂ€t, in: Nicole Karafyllis, Jan Schmidt (Hrsg.): ZugĂ€nge zur RationalitĂ€t der Zukunft. Metzler, Stuttgart 2002, 113-137, 118
  35. ↑ Lorraine Daston : Wunder, Beweise und Tatsachen: Zur Geschichte der RationalitĂ€t. 2. Aufl. Fischer, Frankfurt 2001, 7
  36. ↑ Wilhelm Nestle: Vom Mythos zum Logos [1940], 2. Aufl. Kröner, Stuttgart 1975
  37. ↑ Volker Steenblock: Arbeit am Logos. Aufstieg und Krise der wissenschaftlichen Vernunft. (LIT) MĂŒnster 2000, 13
  38. ↑ Karen Gloy: Vernunft und das Andere der Vernunft. Alber, Freiburg, MĂŒnchen 2001,34
  39. ↑ Wolfgang Schadewaldt: Die AnfĂ€nge der Philosophie bei den Griechen, hrsg. von Ingeborg Schudoma, Suhrkamp, Frankfurt 1978, 165
  40. ↑ Aus den Spottgedichten, in: Die AnfĂ€nge der abendlĂ€ndischen Philosophie. Fragmente der Vorsokratiker, ĂŒbersetzt und erlĂ€utert von Michael GrĂŒnwald, dtv/Artemis, MĂŒnchen 1991, 88
  41. ↑ Christof Rapp: Vorsokratiker, 2. Aufl. Beck, MĂŒnchen 2007, 185
  42. ↑ Die AnfĂ€nge der abendlĂ€ndischen Philosophie. Fragmente der Vorsokratiker, ĂŒbersetzt und erlĂ€utert von Michael GrĂŒnwald, dtv/Artemis, MĂŒnchen 1991, 184 = Diels / Kranz 80 B sowie Platon: Theait. 152a und Krat. 386a
  43. ↑ Wolfgang Röd: Absolutes Wissen oder kritische RationalitĂ€t: Platos Auseinandersetzung mit der Sophistik, in: Hans Poser (Hrsg.): Wandel des Vernunftbegriffs, Alber, Freiburg/MĂŒnchen 1981, 67-106, hier 72
  44. ↑ Wolfgang Röd: Absolutes Wissen oder kritische RationalitĂ€t: Platos Auseinandersetzung mit der Sophistik, in: Hans Poser (Hrsg.): Wandel des Vernunftbegriffs, Alber, Freiburg/MĂŒnchen 1981, 67-106, hier 79-80; Theait. 171b
  45. ↑ Friederike Rese: Praxis und Logos bei Aristoteles. Handlung, Vernunft und Rede in "Nikomachischer Ethik", "Rhetorik" und "Politik", Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2003, 103-104
  46. ↑ Wolfgang Kullmann: Aristoteles und die moderne Wissenschaft, Steiner, Stuttgart 1998, 375-380
  47. ↑ nach Diogenes Laertios: Leben und Lehre der Philosophen VII, 87-88
  48. ↑ Wolfgang Leopold Gombocz: Die Philosophie der ausgehenden Antike und des frĂŒhen Mittelalters, Beck, MĂŒnchen 1997, 238
  49. ↑ Robert Spaemann: RationalitĂ€t und Gottesglaube
  50. ↑ De vera religione /Über die wahre Religion (Lat. /Dt.), herausgegeben und ĂŒbersetzt von Wilhelm Thimme mit einem Nachwort von Kurt Flasch. Reclam, Stuttgart 1986
  51. ↑ Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Von Augustinus bis Machiavelli, Reclam, Stuttgart 2000, 209
  52. ↑ Wolfgang Leopold Gombocz: Die Philosophie der ausgehenden Antike und des frĂŒhen Mittelalters, Beck, MĂŒnchen 1997, 412
  53. ↑ Richard Heinzmann: Thomas von Aquin und die Autonomie der Vernunft, in: Norbert Kutschki (Hrsg.): Der Streit um den rechten Glauben, Benziger, ZĂŒrich 1991, 169-183, 179 mit Hinweis auf STh 79 und De veritate 17,4
  54. ↑ Benedikt XVI. : Glaube, Vernunft und UniversitĂ€t. Papst-Vorlesung in Regensburg am 12. September 2006
  55. ↑ Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Von Augustinus bis Macciavelli, Reclam, Stuttgart 2000, 408-417, vgl. auch Andreas Speer: Doppelte Wahrheit? Zum epistemischen Status theologischer Argumente, in: GĂŒnther Mensching (Hrsg.): De usu rationis: Vernunft und Offenbarung im Mittelalter. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2007, 73-90
  56. ↑ Richard Heinzmann: Thomas von Aquin und die Autonomie der Vernunft, in: Norbert Kutschki (Hrsg.): Der Streit um den rechten Glauben, Benziger, ZĂŒrich 1991, 169-183, 177
  57. ↑ Ludger Honnefelder: Wille oder Vernunft. Ethische RationalitĂ€t bei Johannes Duns Scotus, in: Franz-Josef Bormann, Christian Schröer /Hrsg.): AbwĂ€gende Vernunft: praktische RationalitĂ€t in historischer, systematischer und religionsphilosophischer Perspektive, de Gruyter, Berlin 2004, 135-156, 136
  58. ↑ Ordinatio (ca. 1300, auch als Opus Oxoniense bezeichnet, mehrfach ĂŒberarbeitetes Konzept des Sentenzenkommentars)
  59. ↑ Wilhelm von Ockham: In 1. Sent. prol. q.7 OT 1, 183-205, zitiert nach Das philosophische Denken im Mittelalter. Von Augustin zu Machiavelli. 2. Aufl. Reclam, Stuttgart 2001
  60. ↑ Richard Heinzmann: Philosophie des Mittelalters, 2. Auflage Kohlhammer, Stuttgart 1998, 247
  61. ↑ zitiert nach Richard Heinzmann: Philosophie des Mittelalters, 2. Auflage Kohlhammer, Stuttgart 1998, 249
  62. ↑ A. Mas-Colell, M.D. Whinston & J. Green; Microeconomic Theory; (1995) Oxford University Press
  63. ↑ S. Franz; Grundlagen des ökonomischen Ansatzes: Das ErklĂ€rungskonzept des Homo Oeconomicus; working paper, 2004
  64. ↑ A. Mas-Colell, M.D. Whinston & J. Green; Microeconomic Theory; (1995) Oxford University Press
  65. ↑ Bruno S. Frey, Matthias Benz: Ökonomie und Psychologie: eine Übersicht; siehe auch: Ernst Fehr und Gerhard Schwarz (Hrsg.): Psychologische Grundlagen der Ökonomie. Über Vernunft und Eigennutz hinaus, Neue ZĂŒrcher Zeitung, ZĂŒrich 2002
  66. ↑ Max-Planck-Institut fĂŒr Bildungsforschung
  67. ↑ Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft [1921], 5. Aufl. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 1976, 13
  68. ↑ Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft [1921], 5. Aufl. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 1976, § 9 online)
  69. ↑ Talcot Parsons: The Structure of Social Action, New York 1937
  70. ↑ Talcott Parsons, zitiert nach: Alfred SchĂŒtz: Gesammelte AufsĂ€tze. Studien zur soziologischen Theorie, Band 2, Nijhoff, Den Haag 1979, 22
  71. ↑ Alfred SchĂŒtz: Gesammelte AufsĂ€tze. Studien zur soziologischen Theorie, Band 2, Nijhoff, Den Haag 1979, 39
  72. ↑ Gregor Schiemann: RationalitĂ€t und Erfahrung. Ansatz einer Neubeschreibung von Alfred SchĂŒtz' Konzeption der Erkenntnisstile, in: Nicole Karafyllis, Jan Schmidt (Hrsg.): ZugĂ€nge zur RationalitĂ€t der Zukunft. Metzler, Stuttgart 2002, 73-84
  73. ↑ Hartmut Esser: „Habits“, „Frames“ und „Rational Choice“. Die Reichweite von Theorien der rationalen Wahl. in: Zeitschrift fĂŒr Soziologie, 19 (4/1990), 231-247
  74. ↑ Jung, Carl Gustav: Definitionen. In: Gesammelte Werke. Walter-Verlag, DĂŒsseldorf 1995, Paperback, Sonderausgabe, Band 6, Psychologische Typen, ISBN 3-530-40081-5; zu Stw.„Einstellung als Ergebnis rationaler Funktionen“: Seite 494, § 795.
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